Fussballbaron, was Du da beschreibst, ist für mich eine völlig neue Welt. Und ehrlich gesagt, macht mich das Beschriebene ein wenig frösteln...
Jemanden beim Schussversuch´anzubrüllen oder zur irritieren, das würde ich als Unsportlichkeit bezeichnen, auch wenn das vielleicht in keiner Regel explizit drin steht. Aber die Regeldiskussion will ich gar nicht führen. Mir geht es darum, ob wir als Eltern und Trainer den Sport in seiner Reinform beibringen sollen, auch in dem Bewusstsein, dass dadurch das Ergebnis leiden könnte. Im Profifussball geht es nur um das Ergebnis, da sind "kleine Nicklichkeiten" sicherlich gang und gebe. Aber der Kinder- und Jugendfussball sollte doch das Ideal des Fair-Play vermitteln. Abweichungen von diesem Ideal sind unvermeidlich, aber genau, weil sie unvermeidlich sind, müssen sie doch nicht noch forciert werden. Jetzt kommt wieder das Argument mit dem "drauf vorbereitet sein". Aber Trikotzupfen muss ich doch nicht lernen, das kann jeder, der es will.
Ich stelle mal die These auf, dass Ihr mit dem bewussten Lehren solcher Dinge die Grenze weiter verschiebt. Das unsaubere Spiel wird dann noch normaler, das "gehört doch dazu", "macht doch der Gegner auch, wir stellen nur Chancengleichheit her". Das finde ich kagge (danke siebener!), denn in Wirklichkeit ist das eine Spirale. Der bessere Weg ist es, den Kindern mit auf den Weg zu geben, dass man in manchen Situationen halt mal nur 2ter Sieger ist. Wenn man den Spieler legal nicht mehr stoppen kann, muss man es halt lassen. Man könnte innerlich dem Gegner sogar Respekt zollen, aber sowas traut man sich heutzutage ja kaum noch zu sagen. Aber egal ob die Situation zum gegentor führt: Das Spiel besteht ja auch nicht nur aus dieser einen Situation, d.h. man kann das immer noch korrigieren. Und wenn nicht, dann war der andere besser. Das ist Sport.
Besonders bewegt mich dabei, dass mein Sohn jetzt genau mit solchen Dingen konfrontiert wird. Und dem will ich ja mehr mit auf den Weg geben, als ein belangloses Fussballspiel zu gewinnen. Und daher weigere ich mich, diese "Normalität" einfach so anzuerkennen.
Grüße
Oliver