Was Deine innere Einstellung angeht, sind wir dann schon mal zwei Verrückte ...
Freut mich. Geteiltes Leid...
Nur wird man vermutlich kaum ein Umfeld vorfinden, wo man eine solche Philosophie auch tatsächlich konsequent in die Tat umsetzten kann. Die Geduld dazu ist einfach nicht da.
Ist es sinnvoll jeden Gang mitzugehen, jede Neuerung mitzugehen
Von mir ein klares Nein. Zudem wird Altbewährtes oftmals in neuem Gewand verkauft. Und die jeweilig eigenen Gegebenheiten sind eben unterschiedlich.
Ist es vielleicht sinnvoller, hier einen gewissen anderen "Ausbildungsstandard" längerfristiger zu halten, um Ruhe und Vertrauen rein zu bringen und wenn ja, welcher Grundstandard sollte da angemessen und angebracht und sinnvoll sein???
Da stimme ich Dir uneingeschränkt zu. Es geht nur darum, diesen Standard in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und manchmal können kleine Änderungen hier für Verbesserung sorgen. Das "Grundgerüst" sollte Bestand haben, sonst macht es langfristig gesehen keinen Sinn.
Ich habe den Eindruck, dass gerade im Mannschaftssport, mit den ganzen Tabellen und Meisterschaften und so, viele Trainer als Einzelkämpfer unter einem hohen Erfolgsdruck stehen und sich vor allem als in der Konkurrenz mit anderen Vereinen, Mannschaften und Trainern befindlich sehen.
Für mich das Hauptproblem in den unteren Altersklassen schlechthin. Wenn man die richtige Einstellung dazu hat, kein Problem. Negativbeispiele am Rand die man im Lauf der Jahre so macht lassen mich daran zweifeln. Ist es Zufall, dass diese Truppen ab D in der Versenkung verschwinden und man nach den Play-Offs in der dann höchsten Spielklasse fast nur noch auf die ( damals schon ) ruhigeren Kollegen trifft ?
Was ist denn unsere Hauptaufgabe als Jugendtrainer ? Und hier mal bezogen auf G - E. Ich empfinde mich dort als Ausbilder und muss für den fußballerischen Grundstock sorgen. Wenn man irgendwann bei sich feststellt, dass der Sieg einem sehr wichtig wird und man im Training, entgegen des eigentlich beabsichtigten Schwerpunktes, auf Abläufe an einem Spieltag reagiert, sollte man sich überlegen, ob man nicht lieber in ältere Altersklassen wechselt. Ist ja keine Schande. Im Gegenteil. Zeugt davon das man sich hinterfragt und entsprechend darauf reagiert. Leider lassen sich nach meinen Erfahrungen zu viele von Schulterklopfern oder Motzkis von außen beeinflussen. Nach meiner Auffassung sorgt ein gut geführter Verein dafür, gerade im Bereich G - E erfahrene und besonnene Ausbilder zu installieren. Das Fundament muss passen, sonst ist das ganze Haus irgendwann feucht und schimmelig.
Aber es geht durchaus in die aus meiner Sicht beim DFB noch nur als eine von zwei in einer gewissen Schizophrenie propagierten Sicht, dass bis zur E-Jugend nur Technik auf dem Programm stehen sollte. Andre hatte das ja mal ganz vehement vertreten, seit Horst Weins' Buch, in dem das Zusammenspiel als wenn auch sehr kleine Mannschaft auch im F-Alter als unbedingtes Ausbildungsziel definiert wird, sieht die Welt hier doch wieder etwas unklarer aus, findest du nicht?
Das interpretiere ich anders. Horst Wein kann mir hier auf der Stelle einen Nackenschlag verpassen, wenn ich ihn da offensichtlich falsch verstanden habe. Es geht darum den Spielern zu vermitteln, eigenständig Handlungsalternativen zu erkennen. Es geht darum die zwei wichtigsten ( da häufigsten ) Spielsituationen bezogen auf den einzelnen Spieler zu simmulieren: Spiel ich ab oder gehe alleine ? Wann spiele ich besser ab oder wann gehe ich besser alleine ? Durch ständige Wiederholung dieser Situation lernt der Spieler Entscheidungen zu treffen. Und die freien Mitspieler lernen: Wie biete ich mich an ( Freilaufen, Ball fordern usw.) und wo biete ich mich an. Hier geht es also nur Sekundär um ein Zusammenspiel. An meinen Solisten habe ich gerade beim Minifußball ( den ich auch heute noch immer mal wieder spielen lasse ) gemerkt, dass sie zumindest ins Grübeln kamen. Spätestens nach dem lautstarken Protest ihrer Mitspieler. Natürlich auch eine Beeinflussung, aber die kommt aus dem Mannschaftsinneren und hat eine ganz andere Wirkung.
Ich hatte gerade auf die o.a. Spielsituationen meine Bedenken hinsichtlich dieser stark einschränkenden Quadrantengeschichte geäussert. Die Antwort hat mich wenig überzeugt. Im Gegenteil.
