Hallo Teejay,
bevor man sich Trainingsübungen überlegt, sollte man sich darüber klar werden, worin die besonderen Schwierigkeiten des Abwehrens hoher Bälle durch weibliche Keeper liegen. Bei den nachfolgenden Punkten:
- einschätzen des Ball-Flugwinkels
- Beinarbeit zum Ball
- Koordination des Absprungs
gibt es noch keinen geschlechtsspezifischen Unterschied.
Schauen wir also weiter:
- Geschwindigkeit
- Körperlänge
- Muskelkraft
Da hab`n wir den Salat!
Alles im Fussball ist ausschließlich auf Männerproportionen angepaßt. Nicht nur die Spielfeldgröße, auch die Tore! Denn während männliche Keeper kleinere Stellungsfehler bei hohen Bällen durch ihre Körperlänge und Muskelkraft meistens ausgleichen können, haben die Frauen mit ihrer durchschnittlich geringeren Körperlänge und der deutlich geringeren Sprungkraft nur dann Chancen, wenn sie ein präziseres Stellungsspiel erlernen.
"Vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung"
Fast immer versucht Mann/Frau einen falsch eingeschätzten Ball durch schnelle Rückwärtsschritte zu erreichen. Kann man ja machen, wenn`s nur ein paar Schritte sind. Leider wird meist dabei auch der Oberkörper in die Rückwärtsbewegung eingebracht, statt sich in der Rückwärtsbewegung weiterhin vorwärts zu orientierten. Durch diese Schwerpunktverlagerung des Oberkörpers befindet Frau sich nicht mehr absprungbereit auf den Fussballen, wie in der vorwärts orientierten Vorwärtsbewegung, sondern mit der gesamten Fussfläche auf dem Boden. Wenn man mit ausgestrecktem Körper rückwärts zum Ball hochspringt, reicht die Körperspannung und Körperlänge nicht mehr aus, um noch an den Ball zu gelangen. Nur durch das Ausnutzen der gesamten Körperspannung, die bei der vorwärts orientierten Rückwärtsbewegung gegeben ist, kann der Ball vor dem Körper gefangen oder über dem Körper gefaustet bzw. gelenkt werden.
Hört sich ziemlich kompliziert an, ist es aber nicht. Es ist lediglich darauf zu achten, das auch bei der Rückwärtsbewegung der Oberkörper immer leicht nach vorne gebeugt bleibt. Das muß man zunächst im "Trockentraining" üben, damit die Kooridination angepaßt wird.
Um die Koordination der vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung zu trainierten kann man zunächst mit kleinen Hürden, die die Keeperin vor dem Absprung zum hohen Ball zunächst vorwärts, dann rückwärts überspringen muß, üben. Später werden dann nur noch Hütchen als Markierung verwendet und zum Schluß wird lediglich das Startkommando für die vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung gegeben. Wichtig für den TW-Trainer ist, das er der Torhüterin genügend Zeit läßt und auf die einzelnen Bewegungsabläufe achtet und dort ggf. korrigierend eingreift.
"Fangen, fausten, lenken im Sprint seitlich nach hinten"
Was soll aber Frau machen, wenn der Ball seitlich hoch unterschätzt wird? Versucht sie während der vorwärts orientierten Rückwärtsbewegung auch noch seitliche Steps einzubauen, wird entweder die Zeit nicht reichen oder aber der Sprung nicht hoch genug erfolgen. Hier gibts nur noch eine Möglichkeit: Im Spurt zum Punkt rennen, wo der Ball die Torlinie überschreiten würde, während die Augen weiterhin den Ball fixieren. Je nach dem wieviel Zeit bleibt, kann sich der Keeper zum Stemmschritt ansetzen, sich in den Ball hineindrehen und beidhändig fangen oder lenken. Bleibt weniger Zeit, so springt der Keeper in der Vorwärtsbewegung auf dem Fussballen ab und faustet mit dem ballnahen Arm das Leder übers Tor.
Die Nachfolgende Übung stammt aus dem Handball, weil dort diese Situation wesentlich häufiger vorkommt. Dazu nimmt der TW-Trainer frontal auf der 5-er Linie Position ein und hält den Ball mit ausgestreckten Armen weit vor sich. Auf "Hepp-rechts/links Kommando" sprintet nun der Keeper aus dem Tor zum Ball, tippt darauf, wendet scharf und sprintet in die vereinbarte Ecke, um je nach Ballschärfe und Höhe zu Fangen, Fausten oder zu Lenken. Der TW-Trainer sollte auf folgende Punkte achten:
- die Torfrau darf nach der Wende keinen Bogen laufen, sondern muß scharf drehen (beim Bogenlauf gerät sie in Rücklage, was vermieden werden soll)
- Koordination (erste Priorität ist so schnell wie möglich zum Zielpunkt zu sprinten, dann erst erfolgt die Entscheidung zum Fangen, Fausten, Lenken)
"Fangen, Fausten, Lenken bei längeren Bällen"
Jeder kennt diese Situationen! Zunächst wird der Keeper seitlich herausgelockt, weil ein Torschuß aus dem Halbfeld droht, dann aber entscheidet sich der gegnerische Schütze für eine Flanke auf den zweiten Pfosten. Wieder muß sich der Keeper blitzschnell entscheiden, wie er am besten zum Ball kommt. Entscheidet er sich für die vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung, wird der Laufweg von 10 m oder meistens zu lang sein, wenn die Flanke scharf hineingeschlagen wurde. Also bleibt dem Keeper gar nichts anderes übrig, als auch hier blitzschnell zu wenden und seinen Körperunterteil in Richtung des 2. Pfostens zu bewegen, während die Schultern und Kopf gedreht sind, damit die Augen den Ball weiterhin beobachten können.
Zum Trainieren bietet sich ein Markierungshütchen an, welches auf den Eckpunkt an der 5 m Linie deponiert wird. Der TW-Trainer nimmt Position am Eckpunkt der 16 m Strafraumgrenze ein. Auf "Hepp" sprintet der Keeper zum Hütchen, wendet blitzschnell und sprintet zum zweiten Pfosten. Sobald der Wendepunkt erreicht ist, wirft der TW-Trainer den Ball hoch in Richtung zweiten Pfosten (aber bitte noch nicht auf den 2. Pfosten, um Verletzungsrisiko zu minimieren). Zunächst sollte die Richtung, der Bogen und Balldruck vom TW-Trainer so gewählt werden, das der Keeper genügend Zeit hat, um sich nach dem Stemmschritt in den Ball zu drehen und am höchsten Punkt sauber zu fangen. Erst nach dieser Grundform sollte man den Balldruck erhöhen, um andere Varianten (einarmiges Fausten oder Lenken bei weiteren Distanzen) trainieren.
Ganz wichtig ist auf die saubere Durchführung und genügend Pausen zu achten. Denn haben "Kopf" und "Körper" an Konzentration und Kraft zu sehr nachgelassen, drohen Verletzungen (Umknicken, Zerrungen, ect.) Weil es insbesondere bei der zuletzt beschriebenen Übung zum Sprints geht, sollte sichergestellt sein, das sich die Keeperin/nen vorher ausreichend aufgewärmt haben! Auch hier gilt: lieber weniger Wiederholungen, aber dafür auf die korrekte Durchführung achten!
Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung möchte ich noch Anmerken, das diese Übungen regelmäßig wiederholt werden sollten. Sonst besteht die Gefahr, das eure Keeper wieder rückwärts auf "platten Füssen" unterwegs sind und sich hinterher maßlos über haltbare, hohe Bälle ärgern!