Beiträge von TW-Trainer

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    @Fussballbaron
    Exemplare, die erst mal die Weltlage checken müssen, um den Entschluß zu fassen, morgens aufszustehen, die gibts überall auf der Welt! Das ist nichts typisch Deutsches. Allerdings lernen wir Deutschen nicht so gerne von anderen. Schließlich sind wird doch das Volk der Dichter und Denker! In bestimmten Disziplinen, wie das Dressieren und Schießen sind wir olympisch fast unschlagbar! Obwohl nur ein Fliegenschiss auf der Landkarte nehmen wir uns so ernst, als könne die Welt ohne uns Deutsche nicht weiterkommen. Wenn wir also sagen: "Gestern standen wir noch vor dem Abgrund und heute sich wir schon einen Schritt weiter", meinen wir nicht, wir wären jetzt abgestürzt, sondern würden schweben vor Glückseligkeit. Schwätzer, die uns vorgaukeln, nur mit ihnen und ihren Ideen bereits auf der Erde himmlisches Niveau zu erreichen, gibts hier genügend. Das sieht dann so aus, das man zunächst einmal alles schlecht redet, bis einer auf die Idee kommt, soetwas wäre ja destruktiv und nach Alternativen fragt. Dann kommt meist nur Geschwafel und heiße Luft!


    In der Schweiz gibt es eine Tradition, sich auch mit 5 Panzern, einem Hubschrauber, ein paar Tausend Fahrräder sowie einem Karabiner verteidigen zu können, während bei uns so mancher am liebsten seine Pershing Atomrakete im Garten direkt neben dem Gartenzwerg, der damit verteidigt werden soll, aufstellen würde. Jährlich erinnern Tausende von Schützenbrüdern mit geschultertem Holzgewehr an unsere Wehrhaftigkeit bis zur alkoholischen Bewußtlosigkeit.


    Nur diesen neutralen Schweizern kommen wir mit ihren hemdsärmeligen Eigenbrödlertum nicht bei. Wir beneiden sie um ihren privaten Reichtum, bringen ihnen dafür sogar unsere schwer erarbeiteten und deshalb vorm Finanzamt verstecken Schwarzgelder! Ganz schlimm aber ist es, wenn die Schweizer uns Deutschen zeigen, wie richtig Fussball gespielt wird. Da müssen sofort Sündenböcke (in diesem Falle die Dortmunder) gefunden werden!


    Und weil wir Deutschen komplett bis zur kleinsten sozilalen Ebene durchorganisiert sind, kommt selbst in der Familie nichts auf den Tisch, was nicht sorgfältig von allen Seiten abgewogen wurde!


    Zum Glück sind wir nicht immer so! Insbesondere, wenn wir uns im privaten Dialog unterhalten, kommt manchmal Brauchbares heraus!


    Allerdings sind wir auch Baumarktfetischisten, sogar mit zwei linken Händen? Allerdings bauen wir weniger für uns selbst, sondern vielmehr, um es dem Nachbarn mal richtig zu zeigen! Letzteres ist auch der Grund, warum wir uns ein Auto kaufen, was wir gar nicht brauchen und sonst auch viel Unsinn mit unseren Moneten anstellen! Insbesondere im Kinderzimmer darf Mann sich austoben! Der wird nicht gefragt, was er haben will, sondern er darf sich was von dem aussuchen, was Papi sich schon immer gewünscht hat!


    Moment, ich bin gleich fertig! Wenn sich Papi also gewünscht hat, das Sohnemann mal der Beste in allem, was für ihn wichtig ist, werden soll, dann findet er auch immer die richtigen Argumente. Sollte mal was nicht klappen, sind immer die Anderen schuld!


    Tja, wir sind halt hoffungslose Fälle! Aber wenn man uns sagt, das wir selbst die Idee dazu hatten, dann machen wir auch das, was ein Schweizer sagt!

    Es mag zwar "in Mode" gekommen sein, das Trainer im Breitensport sogar ab der D-Jugend von ballorientierten Taktiken sprechen. Gemeint sind aber die aufgestellten 3 oder 4 Linien, ansonsten rennen in Pärchenbildung wie gewohnt alle solange hinter Ball und Gegner her, bis die Puste ausgeht.


    Ich machte den Trainern auch gar keinen Vorwurf daraus, das sie ihr Bestmögliches schon so früh wie möglich versuchen. Nur die wenigsten Trainer machen später einmal eine C-Leistungslizenz und werden dort in Lehrproben und Prüfung ihre ersten kontrollierten Versuche eines echten ballorientierten Spiels erfahren. Aus den vorgenannten Gründe habe ich bislang auch nur bei den 11-er D-Jugend-Teams der Profivereine eine über das gesamte Spiel aufrecht erhaltene ballorientierte Grundordnung erkennen können. Auf Details wurde aus gutem Grunde in dieser frühen Altersphase noch kein Wert gelegt, weil nun noch die individual-technische und -taktische Entwicklung das vorrangige Ausbildungsziel ist.


    Allerdings kann es zu unterschiedlichen Erwartungen von Kindern, Eltern und Trainern kommen. Während Kinder voller Stolz den Rasen betreten und das leichte Bauchkribbeln meist nach dem ersten Ballkontakt ablegen, steigt der emotionale Erregungszustand auch nach dem Anpfiff noch an und endet bei manchen erst nach einer schlaflosen Nacht am nächsten morgen.


    Ich habe bewußt ein wenig übertrieben, damit die unterschiedlichen Erwartungshaltungen deutlicher werden.


    Eine mentale Spiel-Vorbereitung bedarf es für D-Jugend-Spieler nicht, da es sich hierbei um Breitensport handelt, bei dem der Spaß an oberster Stelle steht. Deshalb kannst du auch nichts falsch machen, wenn du mit den Kids vorher Kegeln oder ins Freibad gehst, um ein wenig Teambilding zu machen oder ob du sie ganz normal zum Spiel erwartest.


    Ich hatte gehofft, das der ein oder andere "alte Trainerhase" noch einen Tipp für den armen Trainer hat, für den diese Situation erstmalig ist. Denn der leidet vermutlich am meisten und braucht vielleicht Unterstützung. Dazu nachfolgend ein paar Anregungen, um deine Nervösität zu reduzieren:
    - bei hoher und längerer Nervösität: "Innere Meisterstimmung" (dabei stellt man sich eine Situation vor, die schwierig war, aber besonders gut gemeistert wurde)
    - bei anfänglicher Nervösität: Nervösität zulassen (du weißt, das du immer nervös startest, sie dann aber ruhig wirst, lasse sie also zu und versuche sie erst gar nicht zu unterdrücken)
    - hohe Nervösität vor dem Spiel: Gelassenheit trainieren (stelle dir vor, was passiert, wenn etwas in der Vergangenheit mißlungen ist - es ist dir nie der "Kopf abgerissen" worden, also gibt es auch nicht
    Schlimmes, wenn du verlierst - Sport ist nichts Schlimmes, es ist etwas Schönes - also bleib gelassen)


    Ich bin mir sicher, das die Kollegen aus dem Forum weitere gute Tipps für nervöse Trainer haben! Vielleicht es genau das dabei, was du gut gebrauchen kannst?

    Zweck der Zweitspielberechtigung ist:
    - die optimierte Förderung von Talenten, ohne den Heimatverein verlassen zu müssen
    - eine weitere Anpassung an die demografische Entwicklung


    Natürlich ist sie besonders geeignet für den Mädchenbereich, weil gerade hier häufig Situation entstehen können, wo man ohne Spielerinnen mit Zweitspielberechtigung nicht mehr in der Liga spielen könnte oder die Mannschaft sogar ganz vom Spielbetrieb abmelden müßte, weil keine Mannschaftsstärke mehr vorhanden wäre.


    Gerade mit der Einführung der sog. Leistungsentschädigung sind die Vereinsrechte gestärkt, aber die Spielerrechte geschwächt worden. Dies führte mancherorts zu einem unnötigen Druck, weil Spieler/innen, für die keine "Ablöse" vom neuen Verein gezahlt wurde, dann eben bis zur Maximallänge gesperrt wurden. Beim Zweitspielrecht gewährt man dem Spieler lediglich ein zusätzliches Spielrecht, weshalb das Ganze unproblematischer abläuft.


    Beim Gastspielrecht ist es so, das der Heimatverein für diese Altersklasse kein Team mehr stellen konnte, sodass die Spieler bei einem anderen Verein über die Gastspielerkarte weiterspielen konnten, um dann später problemlos im Heimatverein weiterspielen zu können.


    Weil sich der DFB nicht in jedem Detail Vorschriften machen möchte, sondern den Verbänden und Staffeln gewisse Freiheiten zur bestmöglichen Anpassung an deren Wünsche läßt, gibt es manchmal kleinere Unterschiede (z.B. bei den Genehmigungen) in den Verbänden und Staffeln. Sofern die Vernunft siegt und die Interessen des Spielers mit den Vereinen in Einklang gebracht werden, ist das Zweitspielrecht eine gute Alternative zum Vereinswechsel.

    maxmars
    Wenn die Lösung der Leistungsprobleme deines Sohnes bislang darin bestanden, den Verein zu wechseln, dann würde ich es diesmal anders machen. Denn, genau wie in der Schule hat es das Kind mit schlechten, durchschnittlichen und hervorragenden Lehrern zu tun.


    Da im Jugendbereich häufig Jahrgangstrainer vorhanden sind, kann der nächste Trainer schon wieder "voll auf der Wellenlänge" deines Sohnes liegen.


    Das "Schwarz/Weiß-Malen" einer bestimmten Situation ist häufig nicht zielführend. Denn wer sich nicht mal zeitlang mit ungünstigeren Rahmenbedingungen auseinandersetzt, der wird seine Ansprüche immer nur vom Optimum der Anderen abhängig machen. Das KInd wird durch das permanente Flüchten vor ungünstigen Situationen kaum selbständiger werden, weil er wenig Kompromißbereitschaft kennenlernt.


    Ziel aber ist es Jugendfussballs ist es, ein Kind auf ein späteres, selbständiges Denken und Handeln im Seniorenbereich vorzubereiten. Dazu gehören gute wie auch schlechte Tage!


    Wer schon länger Trainer ist, der kennt diese Situationen, wo besorgte Eltern sich keinen Rat mehr wissen, weil zwischen Anspruch und Wahrheit ein großes Loch klafft. Oft aber fehlt ihnen noch die Geduld, abzuwarten, bis sich die Situation von allein zum Guten hin wendet.


    Kinder entwickeln sich nur ausnahmsweise linear. Häufig sind die Schwankungen riesig. Aber Kinder kommen auch von ganz allein wieder auf den Pfad, wenn sie ein gutes und vertrauensvolles Elternhaus haben. Denn die sind für das Kind weitaus wichtiger als noch so gute Trainer. Bleibe einfach geduldig an seiner Seite und sei ein guter Zuhörer. Denn wenn du an ihn glaubst, wird er eher auch an sich glauben. Das andere wird sich mit der Zeit finden.


    Nun habe ich vor meinen Korrekturen "maxmars" ergänzende Beschreibungen gelesen. Die gelieferten Begründungen, wonach immer die Trainer zum jeweiligen Vereinswechsel als Begründung angeführt wurden, bestätigen meine Vermutungen. Aber gutgemeinter Rat ist teuer, wenn man nur auf eine Bestätigung der bisherigen Entscheidungen wartet, denn die führten ja nicht zum gewünschten Ziel!

    Steini
    Diese Informationen über den Trainer an die Kinder und deren Eltern finde ich vorbildlich. Ich fände es auch schöner, wenn der Vereinstrainer vorher, aber zumindest zeitgleich informiert wird, wenn Spieler zum Stützpunkt eingeladen werden. Allerdings kann ich auch verstanden, das sich die DFB-Stützpunktleiter zunächst mit den Eltern des Talents unterhalten möchten. Sie sind ja auch im allgemeinen die ersten Ansprechpartner, wenn es um wichtige Entscheidungen des Kindes geht.
    Aber, wie du es schon richtig formuliert hast: du wirst auch immer Trainer und Eltern haben, die ihr angekratztes Selbstbewußtsein über sportliche Erfolge ihrer Kinder aufzupolieren wollen. Deshalb muß auch ihr Kind immer im Rampenlicht des Interesses stehen, während der Rest der Mannschaft lediglich Statistikenrollen besetzen darf! Doch statt sich weiterzubilden und es als Trainer selber irgendwann besser machen zu können, finden sie permanent ein Haar in der Suppe der Arbeit anderer.

    olli77hajnal
    Die fehlenden Erfahrungen spielen sicherlich auch eine Rolle, wenn wir schon bei den Ursachen dieser Defizite sind. Weil der Torwart während eines normalen Spiels ca. 15 - 20 Ballkontakte mit Torrisiko zum üben bekommt, haben die Feldspieler viel mehr Möglichkeiten Fehler zu korrigieren. Deshalb braucht der Keeper in der Regel eine 1 - 2 Jahre längere Ausbildungszeit.


    Die von Teejay beschriebene Koordinationsprobleme treten aber selbst bei einer Reihe von Regionalliga-Keeperinnen auf, während bei den Herren ab der Bezirksliga kaum noch Schwächen vorhanden sind. Dies liegt m.E. auch daran, das Mädchen- und Frauen häufig gar kein spezielles TW-Training bekommen. Und wenn überhaupt, dann können sich die Vereine keine teuren TW-Trainer leisten, sondern müssen mit engagierten TW-Trainer-Laien vorlieb nehmen!


    Weil es reichlich Unterschiede (Training, Analyse, Feedback) zwischen den Herren- und Frauenkeepern gibt, haben es selbst gestandene TW-Trainer schwer, sich auf die jeweiligen Unterschiede rasch einstellen zu können. Reine Mädchen- und Frauen-TW-Trainer zählen zu den Exoten!

    Fussball ist besser als nichts, aber noch lange nicht alles.


    Der Satz gefällt mir! Ich empfehle gerne als Alternative das Angeln, wenn das KInd keinen Bock auf Fussball hat und die hohen Erwartungen der Eltern nicht erfüllen will. Angeln ist den meisten Eltern zu langweilig. Leider verstehen nicht alle den Wink mit dem Zaunpfahl! Den Kids sage ich unter vorgehaltener Hand, das sie ruhig weiter mit ihren Freunden nach Herzenslust während der Arbeitszeit von Papi und Mammi kicken sollen, wenn ihnen danach ist. Zur C-Jugend können sie dann wieder einsteigen. Bis dahin haben die Eltern registriert, das aus dem Kind kein Nationalspieler wird und auch kein hochdotierter Profivertrag zu erwarten ist. Auf den Boden der Tatsachen angelangt, stellen sie schließlich fest, das sie auch ohne die Staubfänger (Fussballpokale und -medaillen) ein glückliches Kind haben.

    Hallo Teejay,


    bevor man sich Trainingsübungen überlegt, sollte man sich darüber klar werden, worin die besonderen Schwierigkeiten des Abwehrens hoher Bälle durch weibliche Keeper liegen. Bei den nachfolgenden Punkten:


    - einschätzen des Ball-Flugwinkels
    - Beinarbeit zum Ball
    - Koordination des Absprungs


    gibt es noch keinen geschlechtsspezifischen Unterschied.


    Schauen wir also weiter:
    - Geschwindigkeit
    - Körperlänge
    - Muskelkraft


    Da hab`n wir den Salat!
    Alles im Fussball ist ausschließlich auf Männerproportionen angepaßt. Nicht nur die Spielfeldgröße, auch die Tore! Denn während männliche Keeper kleinere Stellungsfehler bei hohen Bällen durch ihre Körperlänge und Muskelkraft meistens ausgleichen können, haben die Frauen mit ihrer durchschnittlich geringeren Körperlänge und der deutlich geringeren Sprungkraft nur dann Chancen, wenn sie ein präziseres Stellungsspiel erlernen.


    "Vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung"
    Fast immer versucht Mann/Frau einen falsch eingeschätzten Ball durch schnelle Rückwärtsschritte zu erreichen. Kann man ja machen, wenn`s nur ein paar Schritte sind. Leider wird meist dabei auch der Oberkörper in die Rückwärtsbewegung eingebracht, statt sich in der Rückwärtsbewegung weiterhin vorwärts zu orientierten. Durch diese Schwerpunktverlagerung des Oberkörpers befindet Frau sich nicht mehr absprungbereit auf den Fussballen, wie in der vorwärts orientierten Vorwärtsbewegung, sondern mit der gesamten Fussfläche auf dem Boden. Wenn man mit ausgestrecktem Körper rückwärts zum Ball hochspringt, reicht die Körperspannung und Körperlänge nicht mehr aus, um noch an den Ball zu gelangen. Nur durch das Ausnutzen der gesamten Körperspannung, die bei der vorwärts orientierten Rückwärtsbewegung gegeben ist, kann der Ball vor dem Körper gefangen oder über dem Körper gefaustet bzw. gelenkt werden.
    Hört sich ziemlich kompliziert an, ist es aber nicht. Es ist lediglich darauf zu achten, das auch bei der Rückwärtsbewegung der Oberkörper immer leicht nach vorne gebeugt bleibt. Das muß man zunächst im "Trockentraining" üben, damit die Kooridination angepaßt wird.


    Um die Koordination der vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung zu trainierten kann man zunächst mit kleinen Hürden, die die Keeperin vor dem Absprung zum hohen Ball zunächst vorwärts, dann rückwärts überspringen muß, üben. Später werden dann nur noch Hütchen als Markierung verwendet und zum Schluß wird lediglich das Startkommando für die vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung gegeben. Wichtig für den TW-Trainer ist, das er der Torhüterin genügend Zeit läßt und auf die einzelnen Bewegungsabläufe achtet und dort ggf. korrigierend eingreift.


    "Fangen, fausten, lenken im Sprint seitlich nach hinten"
    Was soll aber Frau machen, wenn der Ball seitlich hoch unterschätzt wird? Versucht sie während der vorwärts orientierten Rückwärtsbewegung auch noch seitliche Steps einzubauen, wird entweder die Zeit nicht reichen oder aber der Sprung nicht hoch genug erfolgen. Hier gibts nur noch eine Möglichkeit: Im Spurt zum Punkt rennen, wo der Ball die Torlinie überschreiten würde, während die Augen weiterhin den Ball fixieren. Je nach dem wieviel Zeit bleibt, kann sich der Keeper zum Stemmschritt ansetzen, sich in den Ball hineindrehen und beidhändig fangen oder lenken. Bleibt weniger Zeit, so springt der Keeper in der Vorwärtsbewegung auf dem Fussballen ab und faustet mit dem ballnahen Arm das Leder übers Tor.


    Die Nachfolgende Übung stammt aus dem Handball, weil dort diese Situation wesentlich häufiger vorkommt. Dazu nimmt der TW-Trainer frontal auf der 5-er Linie Position ein und hält den Ball mit ausgestreckten Armen weit vor sich. Auf "Hepp-rechts/links Kommando" sprintet nun der Keeper aus dem Tor zum Ball, tippt darauf, wendet scharf und sprintet in die vereinbarte Ecke, um je nach Ballschärfe und Höhe zu Fangen, Fausten oder zu Lenken. Der TW-Trainer sollte auf folgende Punkte achten:
    - die Torfrau darf nach der Wende keinen Bogen laufen, sondern muß scharf drehen (beim Bogenlauf gerät sie in Rücklage, was vermieden werden soll)
    - Koordination (erste Priorität ist so schnell wie möglich zum Zielpunkt zu sprinten, dann erst erfolgt die Entscheidung zum Fangen, Fausten, Lenken)


    "Fangen, Fausten, Lenken bei längeren Bällen"
    Jeder kennt diese Situationen! Zunächst wird der Keeper seitlich herausgelockt, weil ein Torschuß aus dem Halbfeld droht, dann aber entscheidet sich der gegnerische Schütze für eine Flanke auf den zweiten Pfosten. Wieder muß sich der Keeper blitzschnell entscheiden, wie er am besten zum Ball kommt. Entscheidet er sich für die vorwärts orientierte Rückwärtsbewegung, wird der Laufweg von 10 m oder meistens zu lang sein, wenn die Flanke scharf hineingeschlagen wurde. Also bleibt dem Keeper gar nichts anderes übrig, als auch hier blitzschnell zu wenden und seinen Körperunterteil in Richtung des 2. Pfostens zu bewegen, während die Schultern und Kopf gedreht sind, damit die Augen den Ball weiterhin beobachten können.


    Zum Trainieren bietet sich ein Markierungshütchen an, welches auf den Eckpunkt an der 5 m Linie deponiert wird. Der TW-Trainer nimmt Position am Eckpunkt der 16 m Strafraumgrenze ein. Auf "Hepp" sprintet der Keeper zum Hütchen, wendet blitzschnell und sprintet zum zweiten Pfosten. Sobald der Wendepunkt erreicht ist, wirft der TW-Trainer den Ball hoch in Richtung zweiten Pfosten (aber bitte noch nicht auf den 2. Pfosten, um Verletzungsrisiko zu minimieren). Zunächst sollte die Richtung, der Bogen und Balldruck vom TW-Trainer so gewählt werden, das der Keeper genügend Zeit hat, um sich nach dem Stemmschritt in den Ball zu drehen und am höchsten Punkt sauber zu fangen. Erst nach dieser Grundform sollte man den Balldruck erhöhen, um andere Varianten (einarmiges Fausten oder Lenken bei weiteren Distanzen) trainieren.


    Ganz wichtig ist auf die saubere Durchführung und genügend Pausen zu achten. Denn haben "Kopf" und "Körper" an Konzentration und Kraft zu sehr nachgelassen, drohen Verletzungen (Umknicken, Zerrungen, ect.) Weil es insbesondere bei der zuletzt beschriebenen Übung zum Sprints geht, sollte sichergestellt sein, das sich die Keeperin/nen vorher ausreichend aufgewärmt haben! Auch hier gilt: lieber weniger Wiederholungen, aber dafür auf die korrekte Durchführung achten!


    Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung möchte ich noch Anmerken, das diese Übungen regelmäßig wiederholt werden sollten. Sonst besteht die Gefahr, das eure Keeper wieder rückwärts auf "platten Füssen" unterwegs sind und sich hinterher maßlos über haltbare, hohe Bälle ärgern!

    Günter
    Da hast du wohl recht.


    Der Erfolg hat immer viele Väter. Jeder möchte sich gerne darin baden! Nur bei den Mißerfolgen will es natürlich keiner gewesen sein! Warum sollte es auch bei uns Trainern anders sein als sonst im Leben?


    Je schwächer das Talent und der Wille ausgeprägt sind, je mehr sind wir als Trainer gefordert, Hilfestellungen zu leisten. Anders herum wäre es ein Trugschluß allein von der Anzahl der erfolgreichen Talente schon auf die Qualität der Trainer zu schließen.


    Aber immer wieder fallen die Eltern von talentierten Kindern aus dem unteren Jugendbereich herein und lassen sich beschwatzen, das ja nur im Verein XY das Kind richtig gefördert werden kann. Leider werden auch manche Vereine nicht klüger! Denn sie schaden indirekt sich selbst, wenn sie Kinder zu früh aus den Dorfvereinen holen, nur um kurzfristige Leistungsziele zu realiseren oder eben nur, damit sie kein anderer vor der Nase wegschnappt. Diese Form der "Talentwegelagerei" treibt manchmal seltsame Blüten. So hat sich ein Jugendleistungszentrum dazu entschieden, pro Jugendbereich mit einer Leistungsmannschaft an den Start zu gehen. Diese Spieler dürfen dann nicht in den anderen Mannschaften eingesetzt werden. Dieser selbstauferlegte Zwang mag für die Spieler der unteren Mannschaften von Vorteil sein, da sie keinen Konkurrenzdruck von oben fürchten müssen. Für die Nr. 16, 17, 18, 19 und 20 des Leistungsteams ist es aber ein gravierender Nachteil. Die dürfen nahezu die komplette Saison die Reservebank drücken und können sich, um ihrer Spielpraxis beraubt, kaum weiterentwickeln. Wenn es denn wenigstens Trainingsspiele gegen andere Teams zur Wochenmitte für diese Kinder gäbe!


    Leider werden die Eltern und Spieler meist erst nach der Spielerpass-Übergabe an den neuen Verein über dessen Rahmenbedingungen informiert.


    Wenn man sich zu solch einer Regelung entschließt, dann würden 15 Spieler reichen. Die anderen 5 Spieler holt man nur deshalb, um in Verletzungs- und Krankheitsfällen "auffüllen" zu können, damit die Saisonziele nicht gefährdet werden.


    Das Vereins-Image und die Intransparenz im Jugendbereich machen diese Methoden möglich, da es keine neutrale Informationsquelle gibt, die bei Einzelfall-Entscheidungen beratend tätig ist! Allerdings habe ich das Gefühl, das unsere Kinder schlauer werden und neben dem Bedürfnis nach guter Trainerarbeit sich auch im Verein und der Mannschaft wohlfühlen möchten. Auch Eltern oder Trainer glauben nicht mehr blindlinks alles und informieren sich (auch übers Internet)! Gerade, weil die Jahrgänge nicht mehr so stark sind, müssen sich die Vereine darauf einstellen, ihre Talentarbeit auf den Prüfstand zu stellen, denn immer weniger Talente wollen sich "verheizen" lassen!

    Hallo Lee,


    die 1 Jahr längere Spielberechtigung für Mädchen in einer Jungen-Mannschaft gilt ebenfalls in der D-Jugend. Wenn du im Verein bleibst, brauchst du keine Zweitspielberechtigung. Wenn du in einer Jungen-Mannschaft eines anderen Vereins spielen möchtest, brauchst du sie.


    Allerdings kann es bei den Details Unterschiede geben, denn nicht alles ist vom DFB geregelt. Deshalb ist es wichtig, das sich der Trainer oder Jugendobmann deiner gewünschten Zweitmannschaft am besten beim Staffelleiter schlau macht, wie es dort geregelt ist.


    Viel Erfolg!

    @Milky
    Ich glaube, ich habe heute einen schlechten Tag ?( ! Ich habe nicht gemeint, das du dein talentiertes Kind zu etwas drängen sollst, weil ich dieses Gefühl bei dir hätte!


    Du hattest die Frage gestellt, ob wir uns leisten können, Talente durchs Raster fallen zu lassen. Wenn`s systembedingt ist, dann sicherlich nicht! Ansonsten gibt es deutlich wahrnehmbare Talentmerkmale, durch die auch eine spätere Chance für den Leistungs- und Profifussball besteht. Genau diese habe ich versucht (leider nicht gut genug) zu beschreiben. Dann war es ein allgemeiner (nicht persönlich) gemeinter Hinweis, nicht zu drängen, sondern als fürsorglicher Ratgeber dem Kind stehts zur Seite stehen, wenn man gebraucht wird.


    Ich hoffe, es wird jetzt klarer ^^ !?!

    Die Motivation des Vatertrainers auch dann weiterzumachen, wenn es Probleme gibt, ist meist deshalb höher, weil nach dem Rücktritt das Kind eventuell gar nicht mehr weiterspielen kann, wenn sein Team ohne Trainer abgemeldet werden muß. Auch deshalb sind den "Wald- und Wiesenvereinen" Vatertrainer angenehmer als solche Trainer, die es von Leistungen und Titeln abhängig machen.


    Andre
    Wenn man diesen Halbsatz zum Vatertrainer mit negativem Generalverdacht herausgreift, könnte man in der Tat darauf kommen, das Vatertrainer die schlechtere Lösung wären. Ich hatte jedoch gehofft, das ich es durch die nachfolgende Beschreibung klargestellt hatte, das die Qualität eines Trainers nicht daran festgemacht werden kann, ob und in welchem Verwandschaftsverhältnis er zu Spielern steht. Ein Vatertrainer hat es sogar noch etwas schwieriger sein Kind neutral im Team beurteilen zu können und das Sportliche nicht noch mit ins Privatleben mitzunehmen. Gemeint war, das Vereine häufig keine Alternative zu Vatertrainern haben. Dies aber nicht so verstanden werden darf, das das Fehlen der Alternative zu schlechterer Trainerqualität führt, sondern zunächst gar keinen Einfluss hat.


    Weil Vereine die stärkere Bindung von Vatertrainern zu ihrem Team kennen, wird leider die Trainerförderung (Schulungen, Lizenzausbildung) im unteren Jugendbereich gerne vernachlässigt. Dabei ist die Trainerausbildung noch am ehesten geeignet zufriedene Trainer, Kinder und Eltern im Verein zu haben.

    @Milky
    Ich verstehe deine Sorge, wonach "alle Türen zu sind, wenn man erst einmal ausgesiebt wurde"! Es kommt aber nicht darauf an, was du willst, sondern was dein Kind will. An anderer Stelle hatte ich mal erwähnt, das ich mal ein Experiment gewagt habe und 8 Keeper vom F-D-Jugend-Alter (die von ihren Trainern für unfähige Feldspieler gehalten wurden) eine Saison lang zu trainieren. Von diesen Torleuten qualifizierten sich 3 für den Stützpunkt. 2 wurden genommen. Der dritte, der für zu klein gehalten wurde, hat heute Schuhgröße 47, Hände wie Bratpfannen und ein Kreuz wie ein Ochse. Weil es ich genervt, aber auch einen zusätzlichen Ansporn gegeben hat, fleissig weiterzutrainiern, spielt dieser Keeper heute am höchsten und hat fast nach jeder Saison Angebote noch höher zu spielen. Er möchte aber (noch) gar nicht, weil er den Mehraufwand fürs Training scheut und Angst hat, das er in der Schule nicht mehr mitkommt. Ein anderer Stützpunktkeeper spielt heute Tennis, weil er über einen Freund plötzlich Spaß an dieser Sportart gefunden hatte und ziemlich enttäuscht war, das er auf dem Stützpunkt kein TW-Training bekam! Es war übrigens gar nicht das Ziel, es den Vereins- oder Stützpunkttrainern mal zu zeigen, das man mit vielseitigen Training Keeper zu höheren Leistungen formen kann. Wir wollten einfach nur gemeinsam Spaß miteinander haben und den hatten wir!


    Nun zurück zur Frage, was Talente auszeichnet. Es ist neben der Veranlagung zur Handlungsschnelligkeit in erster Linie der besonders stark ausgeprägte Wille, selbst bei ungünstigsten Rahmenbedingungen in Verein, Familie, Schule, ectl. seine Leidenschaft zur Sportart ausleben zu wollen. Dieser hohe Grad an Eigenmotivation gepaart mit Trainingsfleiß und sich durch nichts in der Welt vom Weg abbringen zu lassen, treibt diese Talente kontinuierlich zu Höchstleistungen. Wir Trainer sind da nur sehr unbedeutende Randfiguren, indem wir gemeinsam daran arbeiten, aus ihnen selbständige Individuen werden zu lassen. Deshalb rate ich auch davon ab, als Eltern mehr als ein Berater sein zu wollen, denn fremdgesteuerter Erfolg führt allzuhäufig dazu, das versäumte Lebenserfahrungen später zu scheitern führen. Will sagen: wenn ihr euer Kind zu etwas drängt, was es aus eigenen Stücken nicht will, dann macht ihr was kaputt, was sich später kaum noch reparieren läßt!


    Es mag Eltern schwer fallen zu akzeptieren, das ihre Kinder trotz vorhandenen Talents andere Interessen haben. Das kann daran liegen, das sie einfach noch nicht so weit sind oder aber gar nicht mehr als das Bisherige wollen.

    Tomminator
    Hast recht, auch das ist eine Möglichkeit, mit der besonders talentierte Mädchen "auf Augenhöhe" gefördert werden können. (Turbine Potsdam stellt sogar Überlegungen an, nicht bei der neuen B-Juniorinnen-Bundesliga mitmachen zu wollen, sondern seine Mädchen-Leistungsteams weiterhin bei den Jungen (B-Mädchen spielen gegen C-Jungen, C-Mädchen gegen D-Jungen) spielen zu lassen. Dies aber auch unter dem Aspekt, weiterhin in der Nähe spielen zu können, um nicht die Zeit und die Kosten für die weiten Auswärtsreisen inkauf nehmen zu müssen. Turbine hat allerdings auch den Luxus über ein Top-Internat optimale Trainingsbedingungen bereit zu halten!)


    Lee, wenn es also nicht mit einem starken Mädchenteam klappen sollte, dann bleibt auch noch der Spieleinsatz bei den Jungen. Du darfst dann sogar 1 Jahr länger in der C-Jugend kicken. Dabei verhält es sich so, das du von deinen Eltern eine schriftliche Genehmigung dafür brauchst. Für getrennte Umkleide- und Duschmöglichkeiten muß der Heimat- oder Gastspielverein Sorge getragen werden. Wie aber Tomminator schon sagte, gibt es immer häufiger Mädchen in Jungenteams, weshalb das eigentlich gar kein Problem mehr darstellt. Sofern der Einsatz bei den Jungen im eigenen Verein stattfindet, brauchst du auch keine Zweitspielberechtigung und kannst dich dort auch nicht festspielen. Auch diese Vorteile sind so gewählt, damit Mädchen leichter einen Weg finden, ihren Leistungen entsprechend spielen zu können.

    @Milky
    Nach derzeitigem Leistungsbeurteilungsverständnis läßt sich eine Veranlagung bereits sehr früh feststellen. Weil aber nicht nur die Top-Talente, sondern auch die über dem Durchschnitt liegenden Talente gefördert werden, glaubt man eine gute Basis für die Jugend-Elite-Ausbildung gefunden zu haben. In dieses System passen allerdings kaum die Ausnahmen (z.B. Talente, die erst später zum Fussball kommen, weil sie vorher in einer anderen Sportart aktiv waren). Bei den Mädchen passt dieses Fördersystem gar nicht, weil viele erst später mit dem Fussball starten. Hier kann`s sogar vorkommen, das die U 17 ihre Frauenmannschaft schlägt. Später als Damenmannschaft dann aber ebenfalls gibt ihr Vereins-Mädchenmannschaft verliert. Denn anders als bei den Jungen, wo sich der Muskel- und Körperlängenzuwachs nützlich für die Sportart erweist, können die weiblichen Körperrundungen und die geringere Zunahme an Muskelmasse nicht so positiv für die Sportart genutzt werden. Für mich war es z.B. gar keine Überraschung, das die deutsche U 17 Mädchenmannschaft beim Testspiel gegen ein Team aus der 2. BuLi dominierte und deutlich gewann. Weil diese Sparte des Mädchen- und Frauenfussballs noch sehr jung ist, überlegt man derzeit, ob man die Altersbegrenzungen für die Teilnahme von Mädchen in Frauenmannschaften lockert.


    Doch nun zurück zum Fördersystem bei den Jungen:
    Darin unterscheidet sich das niederländische und deutsche Vereins-Sichtungssystem nicht. Allerdings gibt es danach deutlichere Unterschiede, die ich bereits an anderer Stelle erläutert habe. Während bei den deutschen Vereinen ein hohes Maß an "Kirchturmdenken" vorhanden ist und nach kurzfristigen Erfolgserwägungen Talentförderentscheidungen getroffen werden, sind die Niederländer daran interessiert, mit gemeinsamen Anstrengungen durch Zusammenschlüsse von Nachwuchsabteilungen mehrerer Vereine möglichst viele Talente an den obersten Leistungslevel heranzuführen. Ein Erfolgsrezept haben auch unsere holzschuhklappernden Nachbarn nicht. Dennoch schaffen sie es Jahr für Jahr deutlich mehr Talente aus dem Jugendbereich in den höchsten Seniorenbereich zu fördern, während bei uns viele auf der Strecke bleiben. Das meinte ich z.B. mit meiner Bemerkung, man möge doch mal schauen, was mit den anderen 99,5 % von Talenten wird! Weil aber die Niederlande nicht mal so viele Einwohner wie das Bundesland NRW hat, können die sich eine Talentverschwendung nicht leisten, wenn sie weiterhin international "mitspielen" wollen.

    Hallo Lee,


    es ist bekannt, das im Mädchenbereich die Leistungsunterschiede im C- und B-Jugendbereich sehr groß sind. Während bei den Jungen der Spass im Verein mit dem Eintritt bei den Bambinies beginnt, kann es bei den Mädchen vorkommen, das eine 13-jährige Spielerin mit 6 Jahren Erfahrung auf eine 15 Jährige trifft, die zum ersten Mal gegen einen Ball tritt. Weil das so ist, bietet das Zweitspielrecht die Möglichkeit zur besseren Förderung der Talente. Es gibt nur ganz wenig Bedingungen. So darfst du nicht in 2 Mannschaften, die ist der selben Staffel kicken, mitspielen (Konkurrenzverbot). Aber das wäre nach deinen Beschreibungen ja nicht der Fall. Erkundige dich also nach anderen Vereinen in deiner Umgebung. Mach dort beim Training mit und checke die Rahmenbedingungen. Wenn du dich dann entschieden hast, gehe zum Heimatverein und lass dir eine Zweitspielberechtigung ausstellen. Mit der gehst du dann zum neuen Verein. Über die Zweitspielberechtigung kannst du im Heimatverein bleiben, aber auch im Gastverein mitkicken.

    Günter
    Das bei euch praktizierte Sichtungssystem unter Einbindung der Vereinstrainer finde ich gut. So gibt man jedem Verein und jedem Trainer die Möglichkeit der Mitwirkung. Allerdings sollte man von der Stichtagssichtung abrücken und einen Sichtungszeitraum einführen. Denn am Stichtag gibt es den Heimattrainereinfluß, der die Fähigkeiten seiner Spieler besser oder schlechter geschult hat. Das Talentpotential festzustellen bedeutet hingegen die Feststellung, wie schnell welche Fortschritte erzielt werden können. Ferner gibt auch ein Sichtungszeitraum die Möglichkeit, inwieweit die Eigenmotivation, Fleiß und der Spaß am Fussball der Antriebsmotor zur Weiterentwicklung der Talente vorhanden ist. Natürlich bedeutet dies für alle Beteiligten einen höheren Aufwand. Dagegen steht dann aber ein gerechteres Auswahlverfahren und die Förderung von Talenten, die nicht nur besondere sportliche, sondern auch charakterliche Fähigkeiten besitzen. Wenn man das Glück hat, sich mit genügend Ex-Profis zu unterhalten, dann hört man immer wieder das Argument: es gab genug Spieler, die mehr Talent hatten als ich. Die meisten kamen nach einem Leistungsknick, der ersten schwereren Verletzung oder einem Trainer, der sich schlecht beurteilt hat, nicht zurück in die Spur. Sollte das nicht zu denken geben? Ich finde es immer wieder lustig, wenn ein neuer Jahrgang zum Stützpunkt kommt und Eltern wie Spieler sich darin einig sind, das alle Nationalspieler werden, mindestens aber Bundesligaprofis! Soll man ihnen schon am ersten Tag diesen Traum nehmen?


    Nun zu den unterschiedlichen Sichtungsmethoden:
    Nach dem DFB-Stützpunktfördersystem werden pro Jahrgang ca. 15 Spieler ausgewählt und erhalten montags zusätzlich ein Fördertraining von Trainern, die für den Leistungsbereich ausgebildet werden. Die Scouts der Leistungs- und Profivereine interessieren sich hingegen nur für die Top-Talente in ihrer Umgebung, wobei der Sichtungsradius immer größer wird, je älter die gesichteten Kinder werden. Die DFB-Förderung ist gestaffelt nach Alter, die in den Vereinsleistungszentren nach dem Leistungsstand. Beide Systeme verfolgen den Zweck "die Stecknadel im Heuhaufen zu finden", d.h. die Hoffnung verfolgen, es möge das Talent dabei sein, welches eines Tages ganz nach oben gelangt. Schon allein aus diesen unterschiedlichen Merkmalen ergeben sich eine Reihe von weiteren Unterschieden. Beim DFB-Stützpunktsystem gibt es pro Jahrgang 2 - 3 Toptalente. Den Rest findet man auch auf anderen Sportplätzen. Manchmal gibts gar keine Toptalente, aber es wird trotzdem Fördertraining gemacht. Das Sichtungsgebiet der Leistungs- und Profivereine ist größer, weshalb die Schwankungen nicht ganz so groß sind.


    Weil jedoch im unteren Jugendbereich ohnehin noch keine seriösen Erfolgsprognosen gegeben werden können, darf man beide Fördersysteme nicht allzu ernst nehmen. Wünschenswert wäre die Verfeinerung der Messmethoden zur Nachhaltigkeitsprüfung. Denn, wenn nur ca. 0,5 % aller Stützpunktspieler das Ziel des Berufsfussballspielers erreichen, dann sollte man schon mal nachschauen, was die anderen 99,5 % so treiben bzw. was mit ihnen getrieben wird?


    Vermutlich wird es wieder auf das Ergebnis der deutschen Nationalmannschaft in der EM ankommen, ob man in Frankfurter DFB-Zentrale mit den Kopf zum "weiter so" nickt oder aber im Mißerfolgsfall das bisherige System auf den Prüfstand stellt und nach Optimierungsmöglichkeiten sucht. Auch, wenn man allzugerne wiederholt, das ja die Jugend die Zukunft sei, dominiert das Interesse an der Nationalmannschaft als "Aushängeschild" des Landes. Der Rest darf kleine Brötchen backen!

    @alle
    Voraussetzung für den sinnvollen Meinungsaustausch ist der gegenseitige Respekt! Dieser ist unabhängig vom Bildungsgrad, Erfahrungsschatz und dem Eigenkönnen zu sehen.


    Es mag wichtig sein Visionen zu haben und dabei Bestehendes infrage zu stellen. Hier jedoch generell "Vatertrainer", die im Breitensport in der Anfangsstufe meist als "Notnagel" in den Trainerjob gelangen, in Generalverdacht einer negativen Auswirkung zu stellen, bedarf der Möglichkeit zu Alternativen, die in den wenigsten Vereinen vorhanden ist. Selbst im Leistungs- und manchmal sogar im Profibereich gibt es Väter, die in einer bestimmten Phase auch ihre Kinder mittrainieren. Daran ist auch dann nichts verwerflich, selbst wenn der Fillius in den meisten Fällen nicht in die Fussstapfen seines Vaters treten kann. Auch umgekehrt ist es nicht problematisch, wenn das Kind irgendwann aus den Fussstapfen des väterlichen Trainereinflusses hinaustritt, um in einen neue Welt zu schnuppern.


    Natürlich wünscht sich jeder die besten Trainer schon für unsere Jüngsten! Aber nicht jeder will und muß Nationalspieler werden! Respekt haben aber alle verdient: Spieler, Trainer und Eltern!


    Nur, wenn man bereit ist, gegenseitig auch zuzuhören, kann man dazugewinnen. Der Hinweis der aus Japan stammenden Denkphilosophie "Kaizen" (grob formuliert: kontinuierliche, gemeinsame Weiterentwicklung des Bestehenden in kleinen Qualitätschritten) ist nur dann wichtig, wenn man evenutelle Fehlversuche im Prozess berücksichtigt. Wichtig ist dabei auch, das der Headcoach nach japanischem Vorbild nicht der Experte auf dem Sachbebiet sein muß, sondern eine von der gesamten Gruppe anerkannten Person mit sozialer Kompetenz, eng verbunden mit einem entsprechenden Erfahrungsschatz.


    Wir Menschen neigen zu Fehlern und irren uns nicht selten. Diese Form der Risikobereitschaft ist jedoch auch im Kaizen erwünscht und die Ergebnisse werden in der Ausgewogenheit der Gruppe, die durch den Headcoach moderiert wird, unter sozialen Aspekten "aufgefangen"! Sicherlich können wir von unseren asisatischen Kollegen auch Respekt lernen, denn für sie ist es von besonderer Bedeutung, das niemand sein Gesicht verlieren muß. D.h. es muß für ihn immer die Chance geben zwischen mindestens 2 Möglichkeiten zu wählen. Wenn man also eine Person in die Ecke drängt oder ihn argumentativ zu Boden wirft, darf man sich nicht wundern, das diese Person keine Alternative hat, sich in irgendeine Richtung zu bewegen.


    Respekt bedeutet in erster Linie die Toleranz gegenüber dem Andersdenkenden!

    Steini
    ich halte deine Ergänzung, wonach auch die Vereinstraining in der Aufgabe zur Kontaktbereitschaft mit dem Stützpunkttrainer für sehr wichtig! Statt sich zu informieren (z.B. in Kurzschulungen), verfällt man leider in die bequemere Variante es alles auf die bösen DFB-Stützpunkttrainer zu schieben! Übereinander, statt miteinander zu sprechen, davon können sich aber manche erfahrene Trainer leider nicht freisprechen.


    Natürlich gibt es immer mal berufliche oder private Hinderungsgründe. Leider muß ich dir recht geben, das die Resonanz solcher Fortbildungsmaßnahmen viel zu gering ist. Es ist wie bei den Spielern: meistens kommen die Trainer in großer Regelmäßigkeit, die es am wenigsten nötig haben!