Andre
Zu deiner 1. Frage: Ich hoffe, das Derjenige sich angesprochen fühlt. Sonst kann ich auch nichts machen! Du bist es jedenfalls in meinen Augen nicht.
So, nun zu den einzelnen Punkten.
Mit dem supernetten Stützpunktkoordinator meinst du sicherlich den Stützpunktleiter. Denn DFB-Stützpunktkoordinatoren gibt es nur 3 bei NFV und die lassen sich eher selten blicken.
Trotz regelmäßiger Fortbildung der Stützpunkttrainer, bei denen auch die von dir angesprochenen Fragen diskutiert werden, gibt es auch den indiviudellen Faktor der Beurteilung. Wenn glaubwürdig versichert werden kann, das schulische Leistungen der einzige Hinderungsgrund für das gelegentliche Fehlen beim Stützpunkttraining ist, dann sollte das schon O.K. gehen. Schließlich muß man dabei bedenken, das dieser Spieler einen Talentausbildungsplatz besitzt, der dann für ein anderes Talent blockiert ist.
Ich gebe dir recht, wenn du sagst, das in der Provinz häufig nur der Stützpunkt für die eine Möglichkeit bietet, auf höherem Niveau 1 x wöchentlich zu spielen. Allerdings kann sich ein Talent ebensogut in einem Verein entwickeln, wenn es über die bereits mehrfach beschriebenen Eigenschaften verfügt. Nur in ganz wenig Fällen erkennt man überragendes Talent. Aber es ist ein Trugschluß zu meinen, das wären dann die Talente, deren Weg nach ganz oben schon vorprogrammiert sei. Denn die meinen Ex-Profis antworten auf die Frage nach dem Talent im Kindesalter sinngemäß, das es viele gab, die mehr Talent hatten, aber nur die sich durchsetzen konnten, die sich durch nichts aus der Bahn werfen ließen. So ist auch mein Kommentar über eine ungewisse Talentprognose im unteren Jugendfussball zu verstehen.
Es ist sicherlich eine gute Idee, wenn du den Eltern von Stützpunktkindern gemeinsam mit denen, deren Kinder dort keinen Platz gefunden haben, sachliche Informationen über die Stützpunktarbeit geben kannst. Das kommt leider manchmal zu kurz auf dem Stützpunkt. Denn wie Chris schon richtig gesagt hatte: der Stützpunkt sollte nicht überbewertet werden!
Als nächstes beschreibst du den Leistungsvergleich von Stützpunktteams der beiden älteren Jahrgänge. Das ist in der Tat eine Sache, für die der DFB noch keine passende Lösung gefunden hat. Denn die ganzen systematischen Sichtungen finden nur für die beiden unteren Jahrgängen statt. Eigentlich sollte dann der Sprung in den Leistungsbereich geschafft sein. Es gibt aber auch Spieler, die sich erst später entwickeln und deshalb noch keinen neuen Verein auf sich aufmerksam machen konnten. Dass die Stützpunkttrainer nunmehr auf Eigeninitiative für diese Spieler Leistungsvergleiche anstreben, um neue Wege zu suchen, ist deshalb eine prima Sache.
Eltern den Rat zu geben: wenn sie nicht bereit sind weite Wege zu fahren, dann sollten sie das Kind gleich den Stützpunkt verbieten, halte ich für nicht optimal! Das mag evl. noch ein Druckmittel für Eltern eines talentierten Jungen gelten, bei den Mädchen wirst du aber häufig ein Nein als Antwort erfahren. Hier sind es nicht selten Trainer oder andere Eltern, deren Kind in der Kreis oder Teilbereichsauswahl gefördert wird, die als Fahrdienst uneigennützig einspringen. Dieses Thema ist auch eher dafür geschaffen, zwischen Eltern und Stützpunkttrainer direkt zu klären. Dennoch gebe ich dir insofern recht, als das es schwierig wird, wenn beide Eltern berufstätig sind oder aber andere (z.B. finanzielle) Gründe dagegen sprechen. Was aus einem Talent wird, liegt weitaus mehr am Talent, als an seinem Umfeld!
Den Stützpunkt zu verlassen kann ich derzeit eigentlich nur den Torwarttalente empfehlen. Die werden zunächst nach recht seltsamen Kriterien, die teilweise (z.B. Körpergröße) gar nicht durch die Stützpunkttrainer beeinflußt werden können, ausgesucht.
Doch auf dem Stützpunkt werden die Keeper für Statistenrollen nur dann gebraucht, wenn pausenlos in Feldspielerübungen aufs Tor gedroschen wird. Und während sich die Feldspieler so langsam warm schießen, steht der kleine Keeper frustiert im Kasten, weil er längst erschöpft ist und so weder geistig noch körperlich in der Lage ist, für die jeweilige Aktion sein Können zu beweisen oder sich in irgendeiner Weise weiterzuentwickeln. Hierfür könnte man auch einen "DFB-Dummi" ins Tor stellen. Einzig die koordinativen Übungen zu Beginn einer Trainingseinheit oder wenn gerade mal wieder für eine Demo-Einheit trainiert wird, haben einen Nutzen für die kleinen Keeper. Aber für 20 Minuten ist der Weg zum Stützpunkt dann meist doch zu weit.
Stützpunkt-Teilnahem gilt als Qualitätsmerkmal für viele größere Vereine (ausgenommen die NLZ der Profivereine). Deshalb werden dort Stützpunktkeeper bevorzugt genommen. Wenn diese sich allerdings gegenüber den eigenen Keepern nicht sportlich durchsetzen können, landen sie rasch wieder beim Heimatverein. Nur die wenigsten versuchen dann noch einen zweiten Anlauf. Denn wer einmal hoch hinaus wollte und tief gefallen ist, verliert an Selbstvertrauen. Andererseits gelangen auch mittelmäßig veranlagte Keeper durch positives Feedback der Stützpunkttrainer auf einen Karriereweg, den sie vermutlich ohne diese Unterstützung in frühen Jahren nicht gewagt hätten. Wird dann zum richtigen Zeitpunkt, der inidividuell anders ist, in einen gut geführten Verein gewechselt, dann bestehen gute Chancen zur Weiterentwicklung.
Jedes TW-Training im Verein (und sei es durch B-Jugend-Keeper) ist dem Stützpunkttraining für Torleute nach dem DFB-Konzept vorzuziehen. Dort gibt es nämlich keines! Spätestens bis zur Winterpause haben das auch die Kids geschnallt. Wenn dann nicht die Eltern darauf bestehen, will ein Teil der Torhüter nicht mehr hin. Manche hören nach dem Frust auf oder wechseln sogar die Sportart. Es wurde an anderer Stelle beklagt, das ab der C Jugend häufig andere Keeper im Tor stehen, die nach kurzer Zeit bereits bessere Leistungen zeigen. Hier findest du eine der Ursachen dafür!
Erst, wenn die Keeper auf den Stützpunkten fehlen, wird der DFB bemerken, das Fussball eine Mannschaftssportart ist, bei der auch die Keeper eine Rolle spielen. Erst, wenn die Ausbildungslücke erkannt wird, ist Besserung zu erwarten und es werden endlich geeignete TW-Trainer für die Stützpunkte beschäftigt. Denn auch dort gibt es für die förderungswürdigen TW-Talente keine Zeit zu vertrödeln!
Ich hoffe, ich habe die Fragen einigermaßen nachvollziehbar beantworten können?