Zunächst einmal hoffe ich, das Andre eine Nacht darüber geschlafen hat und nun seine Gedanken etwas sortieren konnte. Über den Beitrag von Provinzler mußte ich etwas schmunzeln, weil ich mich teilweise wiederfand. Mich hat man in den ersten Schuljahren Professor genannt. Dazu hat`s dann aber später nicht gereicht, nur zum Doc. der Entropie (Chaosforschung). Das passt doch prima zum Fussball, findet ihr nicht? Eigentlich hätte ich aber auch einige Semester Medizin studieren sollen. Denn jetzt weiß ich nicht so recht, wie ich das Vorurteil: TW-Training bei den ganz Kleinen wäre unnütz, exhumieren soll? Wie wäre es damit, das sehr viele Trainer gerne gewinnen wollen und ihre Mannschaften dementsprechend aufstellen. Meistens ist es ja so, das die guten Feldspieler auch gute Torleute sind. Weil sie aber auf dem Feld wertvoller sind, steckt man die Faulen, Trägen und Dummen lieber ins Gehäuse. Dann stören sie die Talentierteren auch weniger beim Fussballspielen. Weil für diese Klientel jegliche Förderung unnütz wäre, braucht man auch keine Torwartübungen mit ihnen zu machen. Die gehen spätestens ab der D-Jugend angeln! Dann kommen andere ins Tor, für die sich die Trainer-Schweißtropfen lohnen. Wozu etwas ändern - es war doch schon immer so?
Ich habe mich diesen Trotteln, die lt. Trainermeinungen im höchsten Maße ungeeignet waren, angenommen. Jeder durfte kommen, keiner mußte kommen. Schließlich waren es 8 Keeper, von denen 3 sich für die Endsichtung des DFB-Stützpunktes empfahlen. 2 wurden genommen. Der nicht genommen wurde, hat danach den größten Leistungssprung gemacht. Ihn hat es gewurmt, das man ihn für zu klein hielt. Er trainierte noch fleissiger und schaffte zunächst auf Bezirksebene den Durchbruch. Schließlich interessierten sich auf Vereine auf Landes- und Verbandsebene für ihn. Heute hat der Schuhgröße 47, Hände wie Bratpfannen, ein Kreuz wie ein Ochse und eine stattliche Größe. Ich habe das nur erwähnt, weil es aufzeigt, das auch DFB-Trainer meist ausschließlich auf den kurzfristigen Erfolg aussind. An anderer Stelle hatte ich ja schon mal etwas über den RAE-Effekt unter dem Titel "Wer zu spät kommt, den bestraft der DFB" darauf aufmerksam gemacht, welche Nachteile diese Form der Selektierung hat.
Nun aber zurück zu den Bambini-Übungen. Ich hoffe, Andre hat nun auch gelesen, das ich Torwartübungen für die ganze Mannschaft aufgelistet habe. Denn es soll jeder eine praktische Unterstützung erhalten. Von Stammtorleuten im Jugendbereich halte ich wenig. Aber genauso, wie man niemanden auf diese Position drängen sollte, sollte man auch niemanden, der Spaß daran hat, aus dem Tor mobben! So sind aus den vorher beschriebenen "ungeeigneten Keepern" noch heute fast alle mit großem Spaß auf dieser Position aktiv. Unabhängig von dieser Positionsvorliebe erachte ich es aber für sehr wichtig an, das jeder Torwart auch ausreichend Erfahrungen als Feldspieler sammeln kann. Denn die Funktion hat sich im Laufe der Jahre vom Torliniensteher zum Torraumspieler verändert. Deshalb ist es wichtig, das der Keeper genausogut Fussballspielen können sollte, wie seine Mannschaftskameraden. Leider muß ich bei den meisten TW-Talenten, die ich zur Ausbildung bekomme, zunächst sehr mit dem Ball am Fuss machen. Darüberhinaus ist es wichtig, das beide Körperhälften gleichmäßig trainiert werden, damit auch die Koordination zu beiden Seiten hin später gleich gut funktioniert. Je früher man damit anfängt, je selbstverständlicher wird das später.
Jetzt noch etwas zum Verhalten der Bambini-Keeper auf der Torlinie. Aufgrund der noch geringen Körpergröße ist der Winkel, aus dem sie den Schützen und den Ball aufsich zu kommen sehen, sehr ungünstig. Deshalb fällt es ihnen schwer, die Geschwinidigkeit einzuschätzen. Man hört in diesem Zusammenhang heraus auch öfter die Aussage, ihnen würde das 3-dimensionale Sehen noch nicht so gut gelingen. Ausschlaggebender als dieser Faktor ist jedoch die fehlende Erfahrung, wann man seinen Kasten verläßt? Nach meinen Erfahrungen muß ich Keeper, die von von kleinauf im Tor gestanden haben, zunächst "von der Linie holen", während Keeper, die erst später auf diese Position gelangt sind "von ihren Abenteuer-Ausflügen weit ausserhalb des Strafraumes zurück geholt werden" müssen. Bei den "Minis" ist es aber so, das ohne Aufforderung zunächst einmal keiner aus dem Tor kommt und stehen bleibt, bis der Ball zu ihnen kommt. Manche legen sich auch gerne schon vorher hin, wenn der Ball etwas seitlich kommt. Das haben sie sich bei den "Großen" abgeschaut und finden das toll. Ganz besonders, wenn es dort noch dreckig ist.
Für den flachen Schuß sollte man die Kleinen auffordern, auf den Ball zuzugehen. Für den hohen Ball gibt es den "Hütchentrick"! Dazu bekommen alle ein Hütchen auf den Kopf gesetzt. Die Aufgabe besteht darin, den Ball mit beiden Armen von unten her zu fangen, ohne das das Hütchen vom Kopf fällt. Schon nach wenigen Versuchen bemerken sie, das das Hütchen herunterfällt, wenn sie sich nach vorne beugen, weil der Ball schon ein-zwei Meter vor ihnen hinunter fällt. Auch fällt das Hütchen vom Kopf, wenn sie bei einem sehr hohen Ball stehen bleiben und den Kopf in den Nacken richten. Jetzt sollte der Trainer-Hinweis erfolgen, das der Ball im Flug knapp unterhalb des Hütchenrands sichtbar sein muß. Wenn der Ball weiter unter dem Hütchenrand zu sehen ist, heißt das nach vorne gehen. Wenn er nicht mehr zu sehen ist, heißt das rückwärts gehen. Natürlich werden die Knierpse schon beim nächsten Spiel wieder fast alles so machen, wie ohne diese Übung. Man kann sie ja schließlich nicht mit dem Hütchen auf dem Kopf spielen lassen. Aber schon beim Tippen auf den Kopf, erfolgt ein Grinsen, was heißen soll "ich habe verstanden Trainer".
In diesem Zusammenhang möchte ich gerne noch erwähnen, das die Kleinen ganz besonders gut mit "Eselsbrücken" lernen. Dazu zählt auch das Erlernen des Abspringens beim hohen Ball. Normalerweise stehen die Kurzen beim hohen Ball auf Zehenspitzen und recken die Arme weit in die Höhe. Der "Hütchentrick" hilft zunächst einmal, das die Kleinen auch mal rückwärts gehen, wenn sie einen hohen Ball erwarten. Aber bei den ganz hohen Bällen sind die Arme einfach zu kurz! Da hat man größere Chancen, wenn man ein wenig hochspringen kann. Die Übung mache ich gerne mit Luftballons, in denen sich ein Kaugummi befindet. Diese Süßigkeit dient eigentlich nur dazu, das der Ballon am Boden liegenbleibt. Natürlich ist er auch Ansporn für die Kids, keine Frage! Die Aufgabe der Kleinen besteht darin, aus dem Stand heraus so hoch zu springen, das sie mit den Füßen den Luftballon zum platzen bringen. Die ersten Versuche scheitern, weil sie mit durchgedrückten Knien und flach auf dem Boden befindlichen Füssen nicht hoch genug hinaus kommen. Dann aber zeigt ihnen der Trainer, das sie zunächst einmal leicht auf den Zehenspitzen, mit leicht angewinkelten Knien, nach hinten ausholender Armbewegung abspringen müssen. Jetzt macht es bei den Ersten klick und die Ballons zerplatzten. Die Kaugummis werden aufbewahrt, denn die werden noch für den 2. Teil gebraucht. Jetzt werden sie in neue Ballons gesteckt, die dann mit unterschiedlichen langen Bändchen an die Torlatte gebunden werden. Die Aufgabe besteht nun darin, die Ballons mit den Händen zum platzen zu bringen. Bei den Ballons mit den längeren Bändern klappts auf Anhieb, aber bei den anderen nicht. Nun kommt wieder der Impuls durch den Trainer, den zuvor geübten Sprung auf den am Boden liegenden Ballon anzuwenden. Immer höher und höher geht es jetzt hinaus. Bis auch der letzte Ballon zum platzen gebracht wurde. Die Kaugummi werden wieder eingesammelt und werden zur letzen Übung gebraucht. Hierbei werden 2 Mannschaften gebildet. Auf Trainerkommando hat jede Mannschaft die Aufgabe, die am Boden liegenden Luftballons einzusammeln und von oben in eine Kiste zu werfen. Leider gehorchen die Ballons nicht, weil die darin befindlichen Kaugummi dafür sorgen, das sie unkoordinierte Bewegungen in der Luft machen. Der Trainer gibt ihnen den Hinweis, wie sie den ovalen Ballon halten müssen, damit der mit dem darin liegenden Kaugummi gerade nach unten fallen. Jetzt nimmt der Wettstreit an Schärfe zu, weil man sich nun gegenseitig unterstützt. Schließlich fordert der Trainer die Teams auf, das sie sich jeweils auch die Ballons aus den Kisten der Konkurrenz holen können, um sie in ihrer Kiste zu versenden. Während die "Fussballmuttis", die ihre Kleinen beim Training begleiten, schon erste Lachkrämpfe bekommen, rinnt der Schweiß von der Stirn der kleinen Racker. Schließlich pfeift der Trainer ab und gibt bekannt, das beide Teams prima gekämpft und somit den Sieg verdient haben.
Was das Ganze mit Fussball und speziell mit dem Torwarttraining für Bambinies zu tun hat? Jede Menge, weil es die spezifische Koordination geschult hat und erste Anfänge mit Eselsbrücken "gewürzt" Interesse und Spaß an dieser Aufgabe vermittelt wurde! Wer allerdings erwartet hatte, das man ein klassisches Torwarttraining für "kleine Erwachsene" ala Trainer schießt pausenlos aufs Tor und die Kleinen werden unter lauten Gebrüll dazu aufgefordert, den Ball zu halten, erwartet hatte, wird vermutlich enttäuscht sein.
Gerne möchte ich die Trainer im unteren Fussballbereich dazu animieren, doch mal ein TW-Training mit der gesamten Mannschaft zu machen. Der eigenen Kreaitität sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Die Übungen sollten kurz sein, weil die Konzentration der Kleinen schon nach wenigen Minuten nachläßt. Wenn mal eine Übung nicht funktioniert. Macht nichts, dann wird sie eben etwas einfacher gemacht. Umgekehrt kann man den Schwierigkeitsgrad etwas erhöhen, wenn es zu leicht ist. Man sollte auch nicht überrascht sein, wenn die Kleinen die Übung nach kurzer Zeit anders interpretieren. Sie sollen sich ausprobieren dürfen. Die Kleinen bekommen schon in der Schule den "Strich um die Seele", deshalb sollen sie in ihrer Freizeit nach Herzenslust herumtoben dürfen.