@Daniel
Es ist gut, dass du fragst! Denn das brennt sicherlich auch den ein oder anderen Leser auf der Zunge!
Ulkig finde ich jedoch das Argument mit der Werbung nach Fingersafe-Handschuhen. In der Werbung ist nunmal fast alles erlaubt! Weshalb der Wahrheitsgehalt der Werbebotschaften manchmal sehr gering ist.
Zur besseren Beurteilung möchte ein wenig in der Geschichte zur Entwicklung von Torwart-Handschuhen zurückgehen.
Erst seit den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden in Zusammenarbeit vom damaligen Nationaltorwart Sepp Maier und der Fa. Reusch spezielle Torwarthandschuhe für den deutschen Markt hergestellt. Maiers Vorgänger, Wolfgang Fahrian brachte allerdings als Erster Torwarthandschuhe in den Handel. Allerdings waren die aus Gummi und der Belag war "Speckbrett", wie bei den Tennisschlägern.
Mit der Weiterentwicklung von Kunststoff als Protectoren, fand man ein wirksames Mittel mit Fingersafe-Handschuhen, die ein Umknicken der Finger nach hinten verhindern sollten.
Eng verbunden mit dieser Entwicklungsphase hinein war das damalige Torwartbild als "Torlinien-Artisten". Nach damaligen Verständnis bestand Aufgabe darin, auf oder an der Torlinie blitzschnell zu reagieren und den Ball mit den Händen abzuwehren. Natürlich war dabei das Risiko größer mit den Fingern umzuknicken, als beim heutigen Keeper! Das damalige Torwarttraining darf man sich als eine Art körperlicher Zermürbung vorstellen, weil man glaubte, durch möglichst häufige Wiederholung von Übungen würden sich von selbst korrekte Bewegungsabläufe einschleifen und automatisieren. Ein Torwarttraining zur damaligen Zeit war dann optimal, wenn der Keeper anschließend vom Platz kroch!
Der moderne Torwart wird umfangreich ausgebildet und besitzt die Fähigkeit durch geschicktes Stellungsspiel sowie verfeinerter Technik weitaus mehr Bälle sicher verarbeiten kann, als es im Zeitraum der Entwicklung von Torwart-Handschuhen der Fall war.
An die Verwendung von Fingersafe-Handschuhen bei kleineren Handverletzungen hatte man bei der Entwicklung also gar nicht gedacht. Dies geschah erst im Laufe der Jahre und der rasanten Weiterentwicklung der Torhüterfähigkeiten und dessen wachsendes Schutzbedürfnis.
Sicherlich mag es anfangs auch cool gewesen sein, mit diesen außergewöhnlichen Handschuhen seine Kameraden zu überraschen. Die Werbung mag diese wachsende Nachfrage ebenfalls wirksam gesteuert haben. Ob dies der Hauptgrund ist, warum im Frauenbereich fast alle Torhüterinnen Fingersafe-Handschuhe tragen, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.
Weil das Sicherheitsbedürfnis des Menschen und insbesondere der besorgten Eltern, die ihre Kinder gerne "in Watte einpacken würden" besonders groß ist, läßt sich mit Fingersave-Handschuhe für den Anfängerbereich sehr gutes Geld verdienen. Und welche Eltern beschäftigen sich schon so intensiv mit dem Thema Nachwuchstorwart, als das sie auf Basis von gewonnenem Wissen eine fundierte Entscheidung treffen könnten.
Ferner darf man das Interesse von Sportartikel-Unternehmen nach Umsatz und Gewinn immer nur im Zusammenhang mit fachlicher Beratung verstehen. Wenn der Verkäufer erkennt, dass der Kunde auch bereit ist, die teuren Handschuhe zu kaufen, warum soll er ihm dann die billigeren Handschuhe anbieten?
Fingersafe-Handschuhe sollten von Anfängern nicht getragen werden, weil bei die Vermittlung von Grundtechniken oberste Priorität hat. Für das Erlernen der Techniken: Fangen, Lenken und Fausten wird sehr viel Gefühl im Hand- und insbesondere Fingerbereich benötigt. Dies ist konstruktiv bei den Fingersafe-Handschuhen nur eingeschränkt vorhanden.
Hat man jedoch aus Unwissenheit so ein Paar fürs den "zukünftigen Nationaltorwart" gekauft, dann muß man sie nicht gleich wegwerfen, sondern im Training oder beim Fussball außerhalb des Vereins "auftragen" und für die Spiele noch einmal, aber nicht so tief ins Portemonaise greifen, um ein Paar "normale Anfänger-Handschuhe" zu erwerben.