Beiträge von TW-Trainer

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung

    Liebe Trainerfreunde,


    man sagt, Fussball spielt man nicht nur mit den Füßen!


    Nehmen wir ein Beispiel aus der Praxis:
    Der ballführene Angreifer will sich an der Strafraumgrenze blitzschnell entscheiden, ob er sebst den Torerfolg sucht oder noch zu einem nur wenige Meter entfernt mitgelaufenen Kollegen paßt? Doch dann dröhnt es hinter ihm aus ca. 40 Metern Entfernung vom Mittelfeldspiel "hier .. "! Dem Angreifer schallt es so in den Ohren, als das er schon aus Angst den Ball verlieren zu können, blind zum rückwärtigen Rufer paßt! Meist steht ja noch ein gegnerischer Spieler dazwischen. Aber in dieser Szene wollen wir dem geschwätzigen Mittelfeldspieler das Leder überlassen. Aber was macht der "Rufer" jetzt mit dem runden Leder? Er sucht den Zweikampf, verliert ihn und man gerät aufgrund des gegnerischen Konters in Rückstand!


    Noch ein Fall:
    Der Gegner spielt einen klugen Pass ist Mittelfeld. Die gesamte Hintermannschaft rennt, was das Zeug hält, um noch rechtzeitig hinter den Ball zu kommen. Nur Einer nicht! Er bleibt stehen und brüllt stattdessen: "ran da ..", woraufhin alle direkt zum ballführenden Gegenspieler rennen. Der Ballführende aber spielt darauf zum völlig freistehenden Mitspieler, der problemlos einnetzen kann.


    Gibt es überhaupt eine geeignete Form der Kommunikation, wenn doch so oft etwas schief geht?

    @Schimmi


    In der "Amsterdamer Torwartschule" hat Frans Hoek vor über 25 Jahren aus Torlinenhütern Torraumspieler zu machen. U.a. entstammt dieser Schule mit Edwin van der Sar ein ehemaliger Nationalkeeper, der für seine besonderen Fähigkeiten des Mitspielens zur Überzahlbildung in der Abwehr stand. Schaut man sich die Profikeeper in der niederländischen Ehrendivisie an, so findet man auch heute noch Spuren dieser Ideen wieder, den Torwart aktivier ins Spiel einzubinden.


    Doch damals, wie heute wird ein Torhüter als "Pressingopfer" sofort attackiert! Warum ist das so? Sind es die fehlenden individuellen Qualitäten mit dem Ball am Fuß, die ihn vom Rest der Mannschaft unterscheiden oder ist es, weil der Gegner durch Zweikampfgewinn unmittelbar ein Tor erzielen kann?


    Sicherlich ist es eine Mischung aus beidem! Denn ansonsten hätte sich in der "Evolution des Fussballs" der "fliegende Torwart" herauskristallisiert!


    Jedoch sind wir bei der Weiterentwicklung des modernen Torwarts noch sehr weit von seinen theoretischen Möglichkeiten entfernt! Natürlich wäre es auch besser, wenn der Keeper auch mit dem Ball am Fuß genauso stark wäre, wie seine Vorderleute! Denn statt "nur" zu dirigieren, dann könnte er seine Defensive noch besser unterstützen.


    Dies würde eine dramatische Veränderung in seiner systematischen Ausbildung über den gesamten Jugendzeitraum bedeuten. Sie dürfte nicht bereits im mittleren Jugendbereich in eine Torwart-Spezialistenausbildung münden, sondern frühestens nach Ablauf der Jugendzeit. Es würde eine noch deutlichere Abkehr vom heutigen Gewinndenken zu einem Ausbildungsdenken auf dieser Position beinhalten! Dafür hätte man nach Ablauf der Ausbildung aber einen Torwart mit mehr Allroundfähigkeiten!


    Wir sind gerade erst dabei, die mittel- und langfristige Ausbildung vor das kurzfristige Erfolgsdenken zu stellen. Auch, wenn sich die Rahmenbedingungen geändert haben, müssen noch die Inhalte der Ausbildung angepaßt werden. Auch ist eine Zuverlässigkeit innerhalb des Ausbildungsgebietes von Nöten. Denn wenn Torwart A von Verein X zu Verein Y wechselt, dann dürfen dort keine anderen Ausbildungsmaximen vorhanden sein!

    hannes


    Erst einmal vielen Dank für dein Engagement im Namen der "Trainergemeinde"!


    Der Sportredakteur war ja ziemlich ehrlich zu dir, indem er dir erklärte, dass er nur indirekt zu bestimmen hat, was an Sportinformationen in der Zeitung zu lesen ist. Er hat lediglich zu prüfen, was die Leser interessiert. Man stelle sich nur einmal vor: der Bauunternehmer X ist Trikot Sponsor der F-Jugend des Y-Vereins. Nun wird diese F-Jugend Meister. Man sendet das Meisterfoto und parallel geht dazu geht ein Auftrag über eine halbseitige Werbung von Bauunternehmen X ein! Glaubt ihr, das fragt noch irgendjemand nach Fair-Play-Fussball? Im Zweifelsfall handelt es sich um ein Versehen! Eine moderne Zeitung hat keine eigene Meinung zu haben, sondern wie alle Wirtschaftsunternehmen die Gewinnmaximierung als Ziel. Das ist ein ständiger Balanceakt zwischen den Leserinteressenen und den Werbepartnern.


    Wenn man das weiß, wird man verstehen können, das die Zeitung nur dann nicht mehr F-Jugend-Tabellen und Meisterbilder abdruckt, wenn von offizieller Seite ein Verbot eingeht.


    Was kann man machen? Der Redakteur hatte ja versprochen über die Fair-Play-Liga zu berichten. Also würde ich hin und wieder einen schönen Bericht schreiben, ein nettes Foto beilegen, in der Hoffnung das es abgedruckt wird. Dann hat der Leser die Möglichkeit zur Entscheidung. Findet sie das Fairplay toll, wird vielleicht ein Leserbrief dazu eingehen. Oder es folgen weitere Berichte, weil das Feedback dazu gut war.


    Ansonsten kochen wohl überall in Deutschland die "Mühlen langsam" und es braucht engagierte Leute wie dich, die nicht so schnell aufgeben und sich für eine Verbesserung des Kinderfussballs einsetzen!

    betreuer72


    Eine typische Szene, wie sie vermutlich viele Eltern erlebt haben, deren Kinder im unteren Jugendbereich mit dem Vereinsfussball starten, soll die unterschiedliche Wahrnehmung zwischen Eltern und Kindern beschreiben.


    Ein Spiel wurde 0 : 10 verloren. Für die Eltern war der Gegner deutlich besser, bzw. das eigene Team viel schlechter. So fällt auch die Leistungsbeurteilung der einzelnen Spieler aus! Unmittelbar nach dem Spiel sind manche Eltern gefrustet. Eigene versuchen ihre Kinder zu trösten, andere beschimpfen sie aufgrund ihrer schlechten Leistungen.
    Wenn dann ca. 1 Stunde später Tante Frieda zu Besuch kommt und das Kind nach dem Spiel befragt, dann mag man beim ersten mal überrascht sein, wie es nur solche Schauermärchen erfinden kann? Natürlich habe man wie immer gewonnen. Selbstverständlich sei man der beste Spieler auf dem Platz gewesen. Ganz klar werde man später einmal Nationalspieler werden!


    Nein, das Kind lügt seine Tante nicht an! Es ist felsenfest davon überzeugt, dass sie alles genauso abgespielt hat. Denn es hat noch eine gänzliche andere Wahrnehmung als seine Eltern. Das Kind kann weder etwas mit einem Torergebnis noch etwas mit einer Mannschaft anfangen. Es stellt ausschließlich sich selbst in den Mittelpunkt des Interesses. Aus dem kindlichen Egoismus wird erst im Laufe der Jahre ein realistischer Umgang mit der Gesellschaft. An der unterschiedlichen Wahrnehmung (Eltern: 0 - 10; Kind: Spaß mit dem Ball auf dem Rasen) wird erst in einigen Jahren eine ähnliche Wahrnehmung. Denn Kinder können noch spielen und sich ganz und gar darin verlieren. Die meisten Erwachsenen haben das Spielen schon verlernt und nehmen als Ersatz für Euporie oder Frust die Spielergebnisse (Siege, Niederlagen) als Basis.


    Fazit: Unterstützt euer Kind so gut ihr könnt, aber mischt euch nicht in sein Spiel ein!

    Andre


    Ich kann dich vollkommen verstehen, wenn du diese Form der Positonszuweisung kritisierst. Sind wir doch auch als Kinder damit aufgewachsen, dass immer der fette, faule, blöde oder geistig träge Spieler ins Tor mußte, damit er die anderen nicht beim Fussballspielen störte! Die "Stillen" mußten in die Abwehr und die mit der "großen Klappe" durften in den Sturm. So war es dann auch beim Schulsport, wo die mit der großen Fresse immer die Eins auf dem Zeugnis bekamen, während die, die nie was kritisiert haben, sich mit `ner Vier-Minus zufrieden geben mußten.


    Auch heute werden werden im unteren Fussball die guten Spieler in die Offensive und die schlechteren Spieler in die Defensive gestellt. Erst vor kurzem merkte ein "Standby Betreuer" an, dass es doch nicht von Vorteil wäre, wenn ein Energiebündel von Angreifer sich die Frechheit erdreistet und ins Tor möchte.


    Wo kommen wir denn da hin, wenn das Weltbild des Fussballs der vielen "Fernseh-Bundestrainer" durch kleine Mädchen und Jungs gestört wird! Die Kinder haben gefälligst da zu spielen, wo es der Trainer sagt. Fussball ist eine Mannschaftssportart, bei der sich nur der Trainer was wünschen darf! :thumbup:


    Solche üblen Entscheidungsvorsätze einem "Laienprediger-Trainer der G-Jugend" vorzuwerfen ist nicht fair! Der denkt in seiner kleinen Fussballwelt, dass alles, so wie er es kennengelernt hat, für die Ewigkeit Bestand hat.


    Genauso, wie das Kind für die Rotation begeistert werden will, braucht der unerfahrene Trainer "Überzeugungsunterricht" in Sachen modernen Kinderfussball!

    Stefan70


    Es vergeht kaum ein Leistungsvergleich, in dem nicht darauf aufmerksam gemacht wird auf die Einsatzzeiten der nominierten Spieler zu achten. Doch im Nachhinein werden nur wieder die Ergebnisse und die "Erfolgstrainer" in den Medien hervor gehoben.


    Solange der DFB die kurzfristige Erfolge über dem Ausbildungsauftrag stellt, wird gerne darüber hinweg gesehen, dass es in der Nachwuchsarbeit keine Chancengleichheit und deshalb auch keine sportliche Fairness gegenüber den später geborenen Kindern vorhanden ist! Die Zusammensetzung späterer Erwachsenenteams zeigt, dass dieser RAE-Effekt im Laufe des Alters immer mehr verschwindet.


    Es wird Zeit, dass wir unsere Leistungsmerkmale neu definieren. Auch muß die statische Stichtag-Beurteilung muß durch eine dynamische Beurteilung in einem Zeitrahmen ersetzt werden. Es ist darauf zu achten, dass phsische Merkmale von später geborenen Kindern nicht zur Ausgrenzung führt.


    Die heutige Einteilung nach Geburtsdatum, Jahr und Geschlecht sollte (schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung) einer besseren Aufteilung nach dem Leistungspotenzial weichen.
    Danach sollte es selbstverständlich sein, dass Kinder mit in etwa gleichen Fähigkeiten aber unterschiedlichen Alters und Geschlechts in einer Mannschaft spielen dürfen. (Auch in der Schule ist das Alter ja nur ein grober Rahmen für die Einteilung in Klassen!) In einem homogenen Team und einer homogenen Liga ist jedes Spiel ein Erlebnis für die Mannschaft, Trainer und Zuschauer und der Fussball wird mehr als nur ein 1 : 0 und ein 50 : 0 darf es erst gar nicht mehr geben!

    @Jenni82


    Eine B-Juniorinnen-Mannschaft auf höchster Verbandsebene spielt auf Augenhöhe mit einer Frauen-Oberligamannschaft. Ein B-Juniorinnen-Bundesliga-Team nimmt es locker mit deiner Frauen-Regionalliga-Mannschaft auf. Ich möchte damit nur sagen, dass die Mädchen um einige Jahre früher zu sportlichen Höchstleistungen heranwachsen! Bei den Jungen soetwas so etwas undenkbar.
    Schon vor dem Start in eine neue Saison und Liga sollte vorausblickend geprüft werden, wo man sich mit seiner Mannschaftsleistung einsortieren muß. Die Vereinsverantwortlichen können dazu beitragen, indem sie so ein neues Damen-Team von in eine schwächere Liga starten lassen. Die Mädchen müssen das nun ausbaden, was Trainer und Vereinsverantwortliche versäumt haben!
    Falls es gar keine passende Frauenliga in der Nähe gibt,solltet ihr überlegen, ob eure Mädchen ausser Konkurrenz noch eine weitere Saison bei den B-Juniorinnen-Liga mitspielen?


    Eckman
    Wenn das letzten Team pro Spiel durchschnittlich 21 Tore kassiert und die zwei Torschützen gemeinsam für 46 Treffer stehen, dann scheint da etwas aus dem Ufer geraten zu sein. Erkennbar scheint mir dies insbesondere in der Auflistung der Torschützen in der E-Jugend-Kreisliga zu sein. Dort, wo eigentlich mit besonders viel Spaß um die "goldene Ananas" gespielt wird, sorgen "falschgepolte" Verantwortliche für Langeweile in der Liga. Man mag fast geneigt sein, hier nicht von Zufälligkeiten bei der Einsortierung in die Leistungsliga zu sprechen! Sollten Leuten, denen jeglicher fairer Sportsgeist abhanden gekommen ist, gehören nicht in den Fussball, erst recht nicht in den Kinderfussball!

    Stefan70


    Wenn du den Beitrag: "Wer zu spät kommt, den bestraft der DFB" aufmerksam gelesen hast, dann darfst du dir wenig Illusionen hingeben, dass sich auch nach der Einführung des KiFu wenig Hoffnung machen, dass sie nachhaltig etwas am Gewinndenken ändert. Selbst zu den DFB-Fördermaßnahmen für Junioren-Nationalmannschaften werden Spieler/innen eingeladen, die lediglich auf der Reservebank herumsitzen und ohne auch nur in einer Einsatzminute ihr Können unter Wettbewerbsbedingungen zu zeigen, wieder nach Hause fahren dürfen!


    Auch, wenn sich belegen läßt, dass das Geburtsdatum nicht als Talentmerkmal taugt! Solange es mehr Trainer gibt, die lieber sofort gewinnen wollen als auszubilden, wird sich nicht wirklich etwas daran ändern, dass die Spätgeborenen eines Jahrgangs weniger berücksichtigt werden. Erst recht nicht, wenn dies vom DFB lediglich als Kavaliersdelikt in Kauf genommen wird, weil es sehr viel bequemer ist den Erfolg allein über Siege zu definieren! Wenn dann mal nicht gesiegt wird, wird nur der Trainer ausgetauscht, nicht aber die Überzeugung!

    open-minded


    Ja, "blaue Mauer" kenne ich. Viele Trainer möchten gerne etwas machen, wissen aber nicht was und haben Berührungsängste. Die beiden machen einen guten Job und zeigen unerfahrenen TW-Trainern und Keepern die ersten Schritte.


    Weil du gerade die "verdeckte Sicht" ansprichst. Dabei kommt es nicht nur auf gute Reflexe an, sondern auch auf möglichst oft gute Sicht. Der Unterschied zwischen Handball und Fussball ist in solchen Situationen marginal. Denn auch der Handballkeeper braucht als den Abwurfpunkt (Distanz, Höhe, Winkel). Weil seine Abwehrspieler jeweils einen Teil der Torfläche blocken können, konzentriert er sich jeweils nur auf die freie Torfläche. Beim Fussball ist das sehr ähnlich. Aufgrund des größeren Raumes vor dem Tor macht der moderne Keeper sogar kleine Seitsteps, sobald ihm die Sicht durch einen Spieler versperrt ist. Auch stellt der moderne Keeper seine Mauer bei Standards anders. So wird keine Mauer mehr außerhalb des 16-er gestellt. Denn bei einem ruhenden Ball kann der Schuß sehr viel besser parriert werden, wenn der Torwart sich mittig positioniert und freie Sicht hat. Bei einer Mauer außerhalb des 16-er kann der Schütze aufgrund des flachen Schußwinkels mit hohem Druck plaziert schießen. Die Wahrscheinlichkeit des Torerfolgs ist deshalb auch größer, weil der Keeper den Ball erst sieht, sobald der Ball die Mauer passiert hat. HInzu kommt, dass er aufgrund seiner ungünstigeren, nicht mittigen Position ggf. noch zur entgegengesetzten Torseite sprinten bzw. hechten muß! Bei einer Mauer innerhalb des 16-er ist das anders. Da ist der Winkel der Flugbahn des Balles ganz anders und die tatsächlich abzudeckte Torfläche für einen Spannstoß sehr viel besser. Hin und wieder sieht man moderne Keeper, die beim gegnerischen Standard ihre Abwehr nicht bis zum eigenen 16-er, sondern auf ca. 22 m (Höhe der Kette bei Defensivpressing) positionieren. Diese Distanz zum Tor hat sich für die Verteidigung von beweglichen Bällen als sehr günstig erwiesen und bietet auch bei Standards weniger Abstimmungsprobleme zwischen Abwehr und Torwart.


    Das Beispiel des Torwartspiels eignet sich für die Beschaffung (SI) von Wissen deshalb sehr gut, weil sich hier in den letzten 10 Jahren sehr viel getan hat. Man kann dies am unterschiedlichen Ausbildungsstand der Keeper ablesen. Das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht. Man stelle sich nur mal einen Torwart vor, der genau so präzise und schnell einen Ball verarbeiten kann und deshalb ein vollwärtiger Abwehrspieler wäre. Denn noch gibt es Teams wie Dortmund, die die Vorteile des Gegenpressings sogar dazu ausnutzen, um gezielt Fehlpässe mit sofortiger Rückeroberung trainieren. Denn sie wissen, der gegnerische Abwehrspieler wird es nicht wagen, im oder am eigenen 5-er einen Pass zum einzig freistehenden Mitspieler, dem Torwart zu spielen! Denn der kann in aller Regel den Ball nicht so gut und so schnell annehmen. Auch sein Paßspiel ist unter Gegnerdruck nicht so zuverlässig. Bei den Jugendkeepern wird deshalb sehr viel mit 2 Bällen gleichzeitig in der Fussarbeit trainiert. Sonst besteht die Gefahr, dass das Versäumte beim Torwart später kaum noch aufzuholen ist.


    Vielleicht ist ein Grund dafür, das wir in Deutschland seit Jahrzehnten Weltklassekeeper haben darin begründet, dass nicht alle Wege und Ziele in den Lizenz-Ausbildungen vorgegeben sind? Dadurch bleibt mehr Raum zum Experimentieren! Um beim Beispiel des weiten Abwurfs zu bleiben: wenn man das falsche Ziel (hier einen Ball direkt ins gegnerische Tor werfen) hat, dann nützen alle Wege nicht für eine Optimierung. Hätte man das Ziel: (der präzise weite Abwurf als Kontermittel) anders definiert, so wären auch die Erfolgschancen besser gewesen. Gerade bei der Ausbildung von Torleuten ist noch so viel Potenzial vorhanden, was Kreativität verlangt. Da liegt noch so viel in der Schublade, was ausprobiert werden will! Man ist erst einen Schritt in die Richtung gegangen, dass man vom ermüdenden Wiederholen als Möglichkeit zur Qualitätsverbesserung wegkommt und mehr in Richtung der Situationserkennung und vor allen Dingen des darauf angepaßten Stellungsspiels ankommt. Es ist schon von Vorteil, wenn man schon da ist, wo der Ball hinkommt, als wenn man nur auf dem Weg dorthin unterwegs ist und allerlei eigene wie gegnerische Spieler im Wege stehen. Richtigen Druck auf den Ball auszuüben, das bedarf einer agierenden, nicht einer reagierdenden Sichtweise. Das bedarf auch ein Umdenken der klassischen TW-Trainer!


    Damit wären wir wieder beim Anfangspunkt der SI-Diskussion angelangt! Es ist schwierig zu sagen, wie viel davon bewußt und wie viel zufällig beobachtetes Optimierungspotenzial ist. Eines ist nur klar, je mehr man sich damit beschäftigt und je mehr Spaß dabei entsteht, umso wahrscheinlicher ist es, dass dabei etwas Gutes heraus kommen kann. Dabei ist es wichtig, dass immer mehr als nur eine Person diese Reise ins Ungewisse antritt und das dabei gegenseitiges Vertrauen (weil das Meiste schiefgehen kann) eine gute Basis ist. Druck im klassischen Sinne hat dabei gar nichts verloren! Es stört und hemmt allerhöchstens, weil man dabei das Gefühl bekommt, man müsse (statt man kann und darf) unbedingt etwas verbessern!

    Gandalf


    Sorry, aber wenn du Meinungen möchtest, dann benötigt man Informationen. Die hören sich bei dir ziemlich oberflächlich an. So ist es ein Unterschied, ob ein Trainer aus Chrakterlosigkeit seine Ausbildung abbricht oder weil er z.B. Beruf und Freiheit nicht in Einklang bringen kann. Bei externer Ausbildung kann sich so eine Lizenz bis zu einem 1/4 Jahr hinziehen. Wer im Schichtdienst ist oder auch schon mal am Wochenende arbeiten muß, der hat es schon schwerer!


    Die Passmappe einem Gasttrainer nachzuschicken, solche Fälle kenne ich auch! Man hat 10 Sachen gleichzeitig im Kopf und vergißt es dann. Das passiert nicht nur im Breiten-, sondern auch im Leistungsfussball. In einem Fall versicherte mir der gegnerische Trainer am Telefon, habe er nach der deutlichen Niederlage nicht einmal mehr gewußt, wo genau er die Mappe verloren gebracht hatte. In meiner Achtung hat er dadurch gewonnen, denn soetwas ist doch menschlich nachvollziehbar oder?


    Wenn lt. Vereinbarung mit der Jugendleitung, Trainer und Eltern der Spieler zum Saisonbeginn die Tricots übergeben werden, so entsteht auch eine Bringschuld (sein Tricots nach der Saison zurück zu bringen)! Sicherlich ist es jedoch bequemer in so einem Fall die Gesamtschuld auf den Trainer zu schieben.


    Seltsam ist allerdings, wenn dem Jugendleiter (Jugendvorstand) immer nur die Ergebnisse der Trainerarbeit über einen längeren Zeitraum bekannt werden? Aber das hat sicherlich nachvollziehbare Gründe, die sich aus den vielfältigen Aufgaben ergeben?


    Ich hoffe und wünsche, dass ihr den 18-Jährigen nicht genauso mit Regen stehen laßt und ihn im Zweifelsfall auch vor Elternkritik in Schutz nehmt, wenn er hierbei nach den Regeln des Kinderfussballs und eurem Jugendkonzept handelt?

    open-minded


    Eigentlich eigentlich sich das Thema "Schwarmintelligenz oder anders formuliert: Spielintelligenz-Entwicklung in der Gruppe auf den ersten Blick nicht so sehr der Torwart als Beispiel. Auf den zweiten Blick, macht er die Sache jedoch für den Betrachter einsichtiger.


    Wenn du als Ansatz die Traingsmethode nimmst, dann gibt es schon einen enormen Unterschied zwischen den klassischen Keepern und denen, ja man kann Manuel Neuer gerade noch dazu zählen modernen Keepern. Während bei den klassischen Keepern fast jeder Ball mit den Händen festgehalten, gefaustet oder gelenkt werden sollte, wirkt beim modernen Keeper der gesamte Körper als Trefferfläche mit. So läßt sich ein abgelenkter, flacher Ball fast immer per Fuss besser abwehren, als wenn der sehr viel weitere Weg einer Handabwehr versucht wird.


    Abgefälschte Bälle werden bereits im mittleren Jugendbereich trainiert. Dazu wird ein Rohr am 5-er flach auf den Boden gelegt. Schießt der Trainer oder Trainingskamerad über das Rohr, wird der Ball nicht mehr abgelenkt und der Keeper kann ihn klassisch parieren. Prallt der Ball jedoch gegen das Rohr, so wird aus einem flachen Schuß ein hoher Ball. Mit dieser Trainingsmethode wird der Keeper darauf aufmerksam gemacht, nicht zu früh abzutauchen, weil der Schuß noch vom Gegner, einem Mitspieler oder von einem Platzfehler abgelenkt werden kann.


    Im oberen Jugendbereich beginnt man mit dem Training von abgefälschten Bällen, wobei fast alle unterhalb der Knieebene per Fuß geklärt werden, weil der Balldruck in der Regel so groß ist, dass die Zeit für eine Handabwehr nicht reicht.


    Einige Keeper gewinnen zunächst kein Gefühl für Richtungsänderungen und Ballverlangsamungen. Für diese Keeper gibts die Übung, in der 2 Bälle gleichzeitig, jedoch mit unterschiedlichem Druck geworfen, gerollt oder geschossen werden. Normal wäre für diese Leute, dass sie zunächst den schnelleren, dann den langsameren Ball abwehren. Weil jedoch die Zeit nicht ausreicht, sich nach der Abwehr des ersten Ball auf den zweiten Ball zu konzentrieren, landet der zweite Ball zunächst immer im Tor. Nun probiert der Keeper, die Zeit für die Abwehr des 1. Balles zu verkürzen, um mehr Zeit für den zweiten Ball zu haben. Im Endeffekt werden dann beide Bälle nicht sicher abgewehrt. Nun hat der Keeper gelernt, dass man durch Distanzverkürzung auch die Torfläche verkleinert, aber er assoziiert es noch nicht damit, dass die Distanzverkürzung auch den unterschiedlichen Balldruck ausgleicht. D.h. die Auswirkung eines abgefläschten Balles wird dann um so geringer, je näher der Keeper dabei am Ball ist. Der Rest ist ein Reflex, der ohnehin mittrainiert wird.


    Ich hoffe, es ist dir beim Lesen des TW-Trainer-Latein nicht zu langweilig geworden? Denn ich wollte lediglich beschreiben, dass das, was für den Zuschauer wie Hexerei ausschaut, durchaus trainiert und damit beherrschbar gemacht wird. Denn auch für den Torwart gilt, das der Fussball die besten Vorlagen für Übungen beschreibt. Dieser Teil ist soweit traditionell, weil er die Ideen und Umsetzung der Trainer beschreibt, die zum Teil aus eigenen Erfahrungen als Keeper und zum Teil durch Veränderungen in der Spielweise entstehen. (Weil es bis heute keine lizensierte TW-Trainer-Ausbildung gibt, steht hier der Zufall manchmal Pate.) Jedoch bereibt er nicht den Teil der Spielintelligenz, der aus besonderen Fähigkeiten erwächst (z.B. bei Manuel Neuer die günstige Kombination aus Körperlänge, Schnellkraft und schnelle Situationserfassung bei der Einleitung eines Angriffs per Abwurf oder in einem anderen Fall aus der Kombination zwischen Fussball- und Handballfähigkeiten).


    Ich bin anders als du, nicht davon überzeugt, dass die äußere Stagnation die Antriebsfeder allein ist. Denn ein zu großer Druck, egal ob von außen oder selbst gesetzt, blockiert eher das Ausprobieren und die Risikoerhöhung. Vielmehr wird in solchen Druckphasen nach einer Perfektionierung der bisherigen Fähigkeiten gesucht! Die Leute, die etwas Neues schaffen wollen, haben besonders großen Spaß am Experimentieren in einer Phase, in der sie sich besonders wohl fühlen, weil sie wissen, das auch dieses Risiko unterstützt wird! Individualisierung heißt nicht nur, etwas anders machen zu dürfen, um zum gleichen Ziel zu gelangen, Individualisierung heißt auch, sie zu neuen Möglichkeiten aufzumachen. Wir Trainer haben dabei nur eine Aufgabe, ihnen den Mut zum Risiko zu geben und manchmal ein paar Prozente zu erkennen, die noch für einen perfekten Bewegungsablauf fehlen. Auch, wenn sie hierbei unterschiedlich wichtige Rollen spielen, sind Partner erforderlich. Selbst, wenn es der Traum eines Keepers war, so nimmt er erst dann Gestalt an, wenn er ausprobiert und für gut befunden wurde!

    Wird er dadurch nicht auch schwerer ausrechenbar für die Stürmer?


    open-minded


    Meistens kommt nur Unfug dabei heraus, wenn ein Keeper es nicht "schulbuchmäßig" macht, denn was Tausende vorher schon erfolgeich gemacht haben, kann ja so falsch nicht sein! Hin und wieder beobachtet man jedoch andere Ideen, die natürlich aus der zufälligen Situation heraus entstehen. Schon allein deshalb, um diese Risikobereitschaft herauszukitzeln gibt es bei mir nie identische Trainingseinheiten. Denn das verführt zum Spekulieren und es werden selbst dann autoamatisierte Abläufe eingeleitet, wenn sie nur die zweit- oder drittbeste Antwort darstellen.


    Bei diesen zufälligen Situationen überlegt man als Trainer, ob und wie sie simuliert und damit trainierbar werden kann? Denn nur dann kann sie von Nutzen sein. Ob sie eine Erweiterung der Torwartfähigkeiten darstellt, hängt auch vom Schwierigkeitsgrad ab. In den beiden genannten Beobachtungen ist das richtige Timing von großer Bedeutung. Im 1. Fall muß der Keeper genau im richtigen Moment abspringen und seine Hände nahe genug hinter und über den gegnerischen Kopf haben, so kann der Ball über oder neben seine Hände hinweg ins Tor gelangen. Beim 2. Fall müssen die Startphase des Sprints sowie das Abtauchen exakt stimmen, sondern landet der Keeper zu früh oder zu spät auf dem Boden. Weil bei dieser Form des eins gegen eins nicht der Angreifer, sondern der Torwart die Kontaktphase bestimmt, habe ich diese Fähigkeit auch "aktives eins gegen eins" genannt. Deine Annahme, das der Keeper dadurch für den Angreifer unberechenbarer wird, ist völlig richtig! Denn hier bleibt dem Angreifer weder Zeit noch eine Option für einen erfolgreichen Abschluß. Allerdings kann diese Variante nur bei mittlerer oder längerer Distanz des Angreifers zum Tor eingesetzt werden, weil die zweite Phase (Sprint) und dritte Phase (in fließender Bewegung zum Ball abtauchen) einige Meter zurück gelegt werden müssen.


    Übrigens war es in beiden Fällen ein Keeper, der gleichzeitig ein hervorragender Handballer ist! Vielleicht sind diese andersartigen Dinge ja aus der Kombination von Wissen und Fähigkeiten entstanden?
    (In diesem Zusammenhang fand ich es ulkig, als Olli Kahn vor einiger Zeit in Bezug auf die langen, präzisen Würfe von Manuel Neuer aus dem Nähkästchen plauderte und sagte: "klar haben wir früher lange Würfe trainiert, jedoch mit dem Ziel den Ball direkt ins Tor zu werfen. Das ist jedoch im Spiel nie gelungen!)


    Nun kann man lange darüber diskutieren, ob es erst eine Situation brauchte, um hierbei zufällig besser zu agieren, weil man was riskieren möchte oder ob der Trainer sagt, probiere es mal so und der macht es noch besser als vom Trainer gefordert! Wichtig ist lediglich der Fortschritt, wenn es trainierbar wird! Weil der Fussball eine Mannschaftssportart ist, kann man davon ausgehen, dass mindestens immer 2 dazu gehören, um eine "Schwarmintelligenz" auszulösen!


    Der Fussball erneuert sich täglich! Vielleicht wäre es ja auch sehr viel langweiliger, wenn man per Computersimulation weitere Varianten testet?

    Gandalf


    Erst mal vielen Dank für die Ergänzungen. Natürlich kann man sich als Jugendleiter nicht um alle Jugendtrainer und deren Teams intensiv kümmern. Dennoch ist es, wie in vielen Vereinen, wo Jugendleiter und Trainer rollenbezogene Sichtweisen haben.


    Eignungsprüfung und Einweisung ins Traineramt
    Klar sagt es sich immer leicht, Trainerkandidaten auf ihre Eignung hin zu prüfen. Leider sieht die Realität meistens anders aus, sodass man als Jugendleiter froh ist, pünktlich zum Saisonstart für jede Mannschaft einen Trainer gefunden zu haben. Nach Eignung wird dabei nicht lange geschaut! Doch dieser Teufelskreis wird solange nicht unterbrochen, bis man sich darauf besinnt, sich mehr Zeit zu nehmen, um gute Trainer auszubilden bzw. ausbilden zu lassen, damit ein Großteil der Probleme autonom gelöst werden können.
    Die Trainer wünschen sich gerade in der Anfangsphase ihrer Laufbahn einen persönlichen Kontakt. Denn sie kommen sich ein wenig verulkt vor, wenn ihnen zwecks Übernahme dieses Amtes nur Positives berichtet wird und sich dann ganz allein vor einem Haufen von Problemen mit Eltern und Kindern wiederfinden! Scheinbar hast du die Signale mit der Bitte um Hilfe gar nicht gehört, wenn jetzt der Trainer sagt, durch den Weggang der beiden Unruhestifter könnte er sich eine Weiterarbeit u.U. vorstellen?
    Wie läuft das bei euch? Gibt es eine präzise Einweisung in die Aufgaben vor der Entscheidung oder unmittelbar nach der Entscheidung des Trainers, in eurem Verein zu arbeiten? Wenn ja, wie konnte das Problem mit dem Tricotsatz entstehen? Haben die Kinder und Eltern und der Trainer gemeint, das es die vom Verein geschenkt gibt oder warum ist der verschwunden? Gibt es bei euch ein Jugendkonzept, in denen u.a. diese Punkte beschrieben werden?


    Traineraus- und fortbildung
    Nahezu die Hälfte aller neuen Trainer hören im oder nach dem ersten Jahr ihrer Tätigkeit aus Frust auf. Dabei könnte man einen Teil der aufkommenden Fragen zum altersbezogenen Training und den Spielen durch Kurzseminare oder durch den Verein finanzierte Trainerlizenz sehr gut beantworten wissen. Gut ausgebildete Trainer sorgen für zufriedene Kinder und Eltern. Obendrein bekommt der Verein bis zu 1.600,- € jährlich für einen Lizenztrainer. So wird eine länger dauernde Zusammenarbeit gewährleistet. Der Jugendleiter muß sich nicht ständig um neue Trainer, unzufriedene Eltern und Kinder kümmern und hat dadurch mehr Zeit für planerische Aufgaben des gesamten Jugendbereichs.
    Wieviele Jugendtrainer mit Lizenz gibt es bei euch?


    Lernen aus Fehlern
    Die Zusammenlegung von mehreren Mannschaften zu einem Team ist immer nur die allerletzte Möglichkeit aus einem bereits entstandenen Scherbenhaufen noch etwas zu machen, bevor ein ganzer Jahrgang "wegbricht"! Auch als Jugendleiter wird man häufig "ins kalte Wasser" geworfen und muß aus solchen Fehlern (nicht oder nicht ausreichendes Jugendkonzept, nicht ausreichende Kommunikation, unregelmäßige Kontrolle) lernen.


    Es ist ein dünner Grat, auf dem sich viele Jugendleiter bewegen, wenn sie die Interessen alle Vereinsmitglieder unter einen Hut bringen wollen. Man sagt, dass man je nach Vereinsgröße ca. 3 bis 5 Jahre zeit braucht, um ca. 98 % aller Aufgaben routiniert lösen zu können. Denn genau in dem von dir beschriebenen Fall wäre zeitlich sehr viel kürzerer Entscheidungsweg besser gewesen, der wie folgt hätte aussehen können:
    1. Gespräch mit den beiden Jungen und ihren Eltern mit Trainer/n und Jugendleiter mit dem Ziel das Verhalten unverzüglich an Mannschafts- und Vereinsgeflogenheiten anzupassen. Andernfalls droht
    Vereinsausschluß
    2. Kurzes Telefonat mit Mannschaftstrainer nach ca. 14 Tagen, ob deutliche Besserung eintreten ist, ansonsten erfolgt Vereinsausschluß


    Fazit: Beide Teams und den Trainern ist geholfen und alle können sich wieder auf ein angenehmes Klima freuen.

    @schtalk


    Deine Story passiert leider Tausendfach im deutschen Nachwuchsbereich. Es werden nur die "stärksten Spieler" eingesetzt und die anderen müssen zuschauen. Weil sich der Leistungsunterschied durch diese Handlungsweise erhöht, bestärkt dies die selbsternannten Leistungstrainer in ihrem Handeln. Dieses Leistungsprinzip zieht sich durch sämtliche Leistungs- und Altersgruppen!


    Ein Hauptmotiv, warum Kinder mit dem Fussball aufhören ist deshalb auch: "weil es immer nur ums Gewinnen ging"!


    Aber sind diese selbsternannten "Meistertrainer" auch wirklich besser? Das läßt sich mit einem klaren Nein beantworten! Denn die Praxis zeigt, dass immer wieder engagierte Trainer durch altersgemäßes, systematisches und abwechselungsreiches Training auch solche Teams hinter sich lassen, in denen es eine Stamm-Mannschaft und einen Erweiterten Kader gibt! Denn gerade dann, wenn die vermeintlichen Stammteams gleichstark sind, gewinnt man solche Spiele "von der Bank"! D.h. die nach Spielbeginn eingewechselten Spieler sind gleichstark! Ähnlich ist es, wenn Spieler wegen Krankheit oder Schule gleichwertig ersetzt werden können. Ziel eines Trainers sollte es sein, eine homogene Mannschaft zu formen. Dies gelingt jedoch nur dann, wenn die Chancengleichheit garantiert ist, dass jeder Spieler die im Training erlernten Fähigkeiten im Wettkampf ausprobieren kann.


    Aufgrund langjähriger Erfahrungen habe ich davon Abstand genommen, im Trainingsabschlußspiel den vermeintlichen Kader fürs kommende Punktspiel zusammen spielen zu lassen. Warum? Na ist doch klar: Die sogenannten "gesetzten Spieler" strengen sich nicht mehr an, weil sie bereits wissen, dass sie im kommenden Punktspiel eingesetzt werden. Die "nicht gesetzten Spieler" strengen sich auch nicht an, weil sie wissen, sie werden nicht eingesetzt, egal wieviel sie sich anstrengen. Außerdem habe ich durch die Bildung von in etwa gleichstarken Teams die Gewähr, dass nur dann Spielzüge erfolgreich abgeschlossen werden, wenn sich alle ansprengen müssen. So ergibt sich ein guter Mix aus Forderung und Förderung!


    Um den Fussball zu begreifen gibt es keine andere Möglichkeit als ihn zu spielen! Alles andere ist lächerliches Trainergefasele und hat mit Fussball im Kern nicht das Geringste zu tun!


    Laßt euch dieses Handeln von selbsternannten Meistertrainern nicht länger gefallen. Macht auf verschiedensten Ebenen auf die Mißstände aufmerksam! Ihr helft dadurch nicht nur euren Kindern, sondern allen Kindern. Denn glaubt ja nicht, dass es den "Stammspielern" wirklich spaß macht! Denn solche Trainer sind nur für die Siege verantwortlich, an den Niederlagen ist immer nur die Mannschaft schuld!

    hannes


    Super gemacht! Bin mal auf die Reaktion gespannt?


    Beim NFV sind sie wohl einen Schritt weiter. So erfolgte ihm Rahmen einer Sichtung der deutliche Hinweis an die Auswahltrainer, bitte alle Talente einzusetzen! Man hätte beobachtet, dass einige Talente nicht eine Minute gespielt, bzw. nur nach deutlichem Torverhältnis eingesetzt worden sei. Wenn nicht alle gleiche Einsatzeiten bekämen, würde dies der Chancengleichheit widersprechen.


    Leider zeigt dieses Beispiel ebenso, dass einige gut ausgebildete Trainer nach ausschließlich kurzfristigen (persönlichen) Erfolgsinteressen handeln, statt ihrem Ausbildungsauftrag durch ein günstiges Verhältnis zwischen Training und Wettbewerb gerecht zu werden.
    In den Medien des NFV gibt es leider auch noch Redakteure, die reißerisch über Turniersiege und die Siegertrainer berichten, obwohl sie aus ihrer Erfahrung heraus genau wissen müssten, dass die Resultate allein daraus resultieren, dass zufällig eine hochveranlagten Talente im Siegerteam spielen, sodass von einer Trainerleistung kaum die Rede sein kann.


    Ich möchte damit nur sagen, dass es immer besser ist, wenn "von oben" Fair Play im Kinderfussball geachtet wird, statt "von unten" darauf aufmerksam machen zu müssen.


    Von einer nachhaltigen Wirkung des KiFu ist man auch beim NFV noch ein Stück entfernt. Denn dazu muß es erst wirklich verstanden werden, dass man Kinder nicht wie kleine Erwachsene behandeln kann! Aber es gibt Hoffnung!

    Gandalf


    Du schreibst zwar von einem "Unruhe-Spieler und seinem Vater", erwähnst jedoch lediglich in einem Nebensatz, dass der C 1 - Trainer schon wenige Wochen nach Saisonbeginn aufgehört hat! Das ist deshalb schon ungewöhnlich, weil die Fluktuation der Trainer in den untersten Ligen größer ist! Natürlich stellt sich die Frage nach dem Warum? Wurde er evl. nicht rechtzeitig und umfassend durch den Jugendleiter unterstützt?


    Nur, wenn die Ursache geklärt ist, hat man eine gute Entscheidungshilfe, wie es weitergehen soll! Alles andere wären entweder Übergangslösungen oder würden bei späteren, ähnlichen Situationen die Jugendabteilungen widerum vor schwer lösbare Entscheidungen stellen.

    schleppi


    Ja, leider gibt es noch viel zu viele Trainer, die so denken wie du es beschrieben hast! Nach der Frage warum, kommen so lapidare Antworten wie: "von denen habe ich ja nichts, denn die wechseln später sowieso in Mädchen-Mannschaften". Ein Fall ist mir bekannt, indem eine Verbandsauswahlspielerin nicht bei den Jungen mitspielen durfte mit der Begründung "Mädchen sollten keinen Fussball spielen"! ist das nicht schrecklich? Dabei leben wir im 21. Jahrhundert, in denen Emanzipation normal ist und wie selbstverständlich Mädchen und Frauen jeden Beruf aufüben dürfen. Aber ausgerechnet Fussball soll Männersache sein!
    Dabei ist es für Mädchen sogar sehr viel leichter aufgrund der geringeren Konkurrenz es bis ganz nach oben zu schaffen, wenn nur diese verkrustete Denkweise in vielen Vereinen nicht wäre. Die schicken auch keine talentierten Spielerinnen zur Förderung mit der Begründung, dass die ja später keinen millionenschweren Profivertrag bekämen, sodass es ohnehin nur Hobby wäre. Von Chancengleichheit also keine Spur!
    Mädchenfussball genießt Schattendasein und wird allenfalls toleriert!


    Sorry, jetzt bin ich wohl etwas vom Thema abgekommen! Auch, wenn es alles Ursachen dafür sind, warum es so deutliche Leistungsunterschiede bei den Mädels gibt.

    schleppi


    ich sehe die E-Juniorinnen-Staffeln aus sportlicher Hinsicht kritisch. Es mag vielleicht Mädchen, die noch nie vorher Fussball gespielt haben, den Einstieg erleichtern. Aber die meisten Mädchen, die vorher gegen Jungen und mit Jungen gespielt haben, verlieren durch die m.E. zu frühe Geschlechtertrennung den sportlichen Anschluß. Sie spielen dann fast ausschließlich körperlosen Standfussball, der irgendwann nicht nur für die Trainer, sondern auch für die Zuschauer und Spielerinnen langweilig wird!


    Um den Mädchenfussball zu forcieren wurden die E-Juniorinnen-Ligen beim NFV eingeführt. (In Ballungsgebieten anderer Verbände gibts sogar F-Juniorinnen-Ligen)! Für mich ist diese Trennung zu früh und wie man sieht, auch mit besonderen Problemen, wie weite Fahrten und große Leistungsunterschiede innerhalb der Staffel verbunden. Da sitzt das Gästeteam über eine Stunde im Auto, um dann entweder auf dem Platz herum zu stehen, weil man chancenlos ist oder man darf ohne wirkliche Gegnergegenwehr bei Toren im Minutentakt den Ball ins Tor tragen. Keiner hat was davon und bis auf ein paar Leute fragen sich alle, was der Quatsch soll?


    Entweder man beläßt es bei gemischten Mannschaften oder läßt die Mädchenteams in den Jungenstaffeln mitspielen. Erst, wenn durch die Pubertät die sportliche Chancengleichheit nicht mehr gewährleistet ist, sollte man geschlechtsunterschiedliche Sportangebote schaffen.


    Auch ich vermute, dass es den Trainern und Staffelverantwortlichen, die sich weitern andere Wege zu gehen, eher um Meistertitel geht, als um eine perspektivische Weiterentwicklung eines guten Mädchenfussballs!

    Sambu


    Wer den Fussball 15 - 20 Jahren nach den Regeln des Schiedsrichterpfiffs gespielt hat, der kann sich nicht von einen auf den anderen Moment umstellen, dass die Spieler nunmehr in der Verantwortung stehen. Hinzu kommt, dass die Kinder im unteren Fussball ja auch noch nicht so regelsicher sind und einen regelkonformen Zweikampf von einem Foul zu unterscheiden. Doch im Normalfall macht das auch gar nichts, weil Tore und Gegentore mal mit und mal ohne zweifelhafte Duelle stattfinden. Über alles gesehen finden in der G- und F-Jugend so gut wie nie Fouls statt, in denen eine Absicht zu erkennen ist. Deshalb kommt es so gut wie nie zu einer Entscheidung, wo jemand mit dem Ball "auf den Punkt läuft und der Torwart auf der Linie steht".


    An einen Fall kann ich mich erinnern, als die Eltern der einen Mannschaft einen Strafstoß forderten und die der Anderen meinten, es wäre nichts gewesen. Bin dann auf die beiden Kontrahenten gegangen und habe sie gefragt. Weil die Spielerin, die das vermeintliche Foul begangen hatte, dies sofort eingestand, war die Situation klar. Ihre Mannschaft kam auch damit klar. Nur die Eltern nicht. Die beschimpften danach die Mannschaft und den eigenen, wie gegnerischen Trainer. Erst, als das 2 : 0 fiel und die Überlegenheit des Teams sichtbar größer wurde, ging ihre Entrüstung merklich zurück.


    Fazit: Trainer, wie Zuschauer müssen sich erst an den Fair-Play-Fussball gewöhnen. Die Kinder haben mit dem Fair-Play-Fussball überhaupt keine Probleme!

    schleppi


    Ich gebe dir recht, dass die Probleme häufig bei den Mädchen- und Frauenmannschaften auftreten, weil es dort teilweise zu wenig Konkurrenz gibt. Kurzfristig wird man kaum mehr machen können, als hier schon an Leistungsausgleichsmöglichkeiten beschrieben hat. Andererseits muß es auch möglich sein, neue Wege zu beschreiten.


    a. Eingliederung in die Leistungsstaffel eines Nachbar-Verbands
    b. Eingliederung in eine Jungenstaffel


    Ein paar Beispiele:
    Vor der Einführung der B-Juniorinnen-Bundesliga spielten die B-Mädchen von Turbine Potsdam in der Brandenburgliga der C-Junioren. Aufgrund schwankender Leistungen in den Mädchen C-Bezirksligen spielen besonders starke C-Juniorinnen-Teams teilweise in der C-Kreisklasse oder der D-Kreisliga.


    Jeder kann nach Möglichkeiten suchen, sein Team leistungsentsprechend in die richtige Liga unterzubringen, wenn es allein über den normalen sportlichen Auf- und Abstieg keine Möglichkeiten gibt.