open-minded
Eigentlich eigentlich sich das Thema "Schwarmintelligenz oder anders formuliert: Spielintelligenz-Entwicklung in der Gruppe auf den ersten Blick nicht so sehr der Torwart als Beispiel. Auf den zweiten Blick, macht er die Sache jedoch für den Betrachter einsichtiger.
Wenn du als Ansatz die Traingsmethode nimmst, dann gibt es schon einen enormen Unterschied zwischen den klassischen Keepern und denen, ja man kann Manuel Neuer gerade noch dazu zählen modernen Keepern. Während bei den klassischen Keepern fast jeder Ball mit den Händen festgehalten, gefaustet oder gelenkt werden sollte, wirkt beim modernen Keeper der gesamte Körper als Trefferfläche mit. So läßt sich ein abgelenkter, flacher Ball fast immer per Fuss besser abwehren, als wenn der sehr viel weitere Weg einer Handabwehr versucht wird.
Abgefälschte Bälle werden bereits im mittleren Jugendbereich trainiert. Dazu wird ein Rohr am 5-er flach auf den Boden gelegt. Schießt der Trainer oder Trainingskamerad über das Rohr, wird der Ball nicht mehr abgelenkt und der Keeper kann ihn klassisch parieren. Prallt der Ball jedoch gegen das Rohr, so wird aus einem flachen Schuß ein hoher Ball. Mit dieser Trainingsmethode wird der Keeper darauf aufmerksam gemacht, nicht zu früh abzutauchen, weil der Schuß noch vom Gegner, einem Mitspieler oder von einem Platzfehler abgelenkt werden kann.
Im oberen Jugendbereich beginnt man mit dem Training von abgefälschten Bällen, wobei fast alle unterhalb der Knieebene per Fuß geklärt werden, weil der Balldruck in der Regel so groß ist, dass die Zeit für eine Handabwehr nicht reicht.
Einige Keeper gewinnen zunächst kein Gefühl für Richtungsänderungen und Ballverlangsamungen. Für diese Keeper gibts die Übung, in der 2 Bälle gleichzeitig, jedoch mit unterschiedlichem Druck geworfen, gerollt oder geschossen werden. Normal wäre für diese Leute, dass sie zunächst den schnelleren, dann den langsameren Ball abwehren. Weil jedoch die Zeit nicht ausreicht, sich nach der Abwehr des ersten Ball auf den zweiten Ball zu konzentrieren, landet der zweite Ball zunächst immer im Tor. Nun probiert der Keeper, die Zeit für die Abwehr des 1. Balles zu verkürzen, um mehr Zeit für den zweiten Ball zu haben. Im Endeffekt werden dann beide Bälle nicht sicher abgewehrt. Nun hat der Keeper gelernt, dass man durch Distanzverkürzung auch die Torfläche verkleinert, aber er assoziiert es noch nicht damit, dass die Distanzverkürzung auch den unterschiedlichen Balldruck ausgleicht. D.h. die Auswirkung eines abgefläschten Balles wird dann um so geringer, je näher der Keeper dabei am Ball ist. Der Rest ist ein Reflex, der ohnehin mittrainiert wird.
Ich hoffe, es ist dir beim Lesen des TW-Trainer-Latein nicht zu langweilig geworden? Denn ich wollte lediglich beschreiben, dass das, was für den Zuschauer wie Hexerei ausschaut, durchaus trainiert und damit beherrschbar gemacht wird. Denn auch für den Torwart gilt, das der Fussball die besten Vorlagen für Übungen beschreibt. Dieser Teil ist soweit traditionell, weil er die Ideen und Umsetzung der Trainer beschreibt, die zum Teil aus eigenen Erfahrungen als Keeper und zum Teil durch Veränderungen in der Spielweise entstehen. (Weil es bis heute keine lizensierte TW-Trainer-Ausbildung gibt, steht hier der Zufall manchmal Pate.) Jedoch bereibt er nicht den Teil der Spielintelligenz, der aus besonderen Fähigkeiten erwächst (z.B. bei Manuel Neuer die günstige Kombination aus Körperlänge, Schnellkraft und schnelle Situationserfassung bei der Einleitung eines Angriffs per Abwurf oder in einem anderen Fall aus der Kombination zwischen Fussball- und Handballfähigkeiten).
Ich bin anders als du, nicht davon überzeugt, dass die äußere Stagnation die Antriebsfeder allein ist. Denn ein zu großer Druck, egal ob von außen oder selbst gesetzt, blockiert eher das Ausprobieren und die Risikoerhöhung. Vielmehr wird in solchen Druckphasen nach einer Perfektionierung der bisherigen Fähigkeiten gesucht! Die Leute, die etwas Neues schaffen wollen, haben besonders großen Spaß am Experimentieren in einer Phase, in der sie sich besonders wohl fühlen, weil sie wissen, das auch dieses Risiko unterstützt wird! Individualisierung heißt nicht nur, etwas anders machen zu dürfen, um zum gleichen Ziel zu gelangen, Individualisierung heißt auch, sie zu neuen Möglichkeiten aufzumachen. Wir Trainer haben dabei nur eine Aufgabe, ihnen den Mut zum Risiko zu geben und manchmal ein paar Prozente zu erkennen, die noch für einen perfekten Bewegungsablauf fehlen. Auch, wenn sie hierbei unterschiedlich wichtige Rollen spielen, sind Partner erforderlich. Selbst, wenn es der Traum eines Keepers war, so nimmt er erst dann Gestalt an, wenn er ausprobiert und für gut befunden wurde!