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Die Erfahrungen und Erlebnisse sind zum größten Teil individuell. Es gibt jedoch Phasen der Übereinstimmungen. Dazu zählt die anfängliche Euphorie von Eltern und Kindern und der Stolz, ein unerwartetes Ziel (Aufnahme in den Stützpunkt) erreicht zu haben.
Da gibt es ein paar Punkte, die nachdenklich stimmen sollten:
1. Training in der Zeit des Fördertrainings
Zunächst einmal findet bundesweit das Fördertraining immer montags statt. Es ist konzeptionell als zusätzliches Training gedacht, um die Talente aus kleinen, mittleren und großen Vereinen auf dem selben Niveau zu fördern. Das wissen die Vereine auch! Warum gibt es denn im neuen Verein deines Sohnes auch montags Training? Wie will man mit den restlichen 4 bis 5 Spielern nach den Übungen in Spielformen übergehen und ein vernünftiges Abschlußspiel machen? Es schaut fast so aus, als würde man im neuen Verein die Ausbildung den DFB-Stützpunkttrainern überlassen?
2. Zu großen Kader für eine D-Jugend-Mannschaft
Aus deinen Ausführungen entnehme ich, dass 7 Spieler aus dem Heimatverein und 10 Spieler aus auswärtigen Vereinen stammen. D.h. pro Spiel sitzen ca. 1/3 der Mannschaft auf der Reservebank. Das macht den Kindern keinen Spaß. Auch haben sie nicht (ausreichend) Gelegenheit, die neu erworbenen Fähigkeit im Wettkampf auszuprobieren. Das deckt sich mit meiner Vermutung, das dort auch Spieler für die Reservebank geholt werden, um kurzfristige sportliche Ziele (Meisterschaft) zusätzlich abzusichern. Wie du sagst, denkt man sogar darüber nach, weitere Spieler abzudecken (um ggf. gefährlich werdende Konkurrenten weiter zu schwächen)! In der Regel kennen sich die Eltern dieser Spieler ja nicht aus, weil ihre Kinder vorher in unteren Ligen gekickt haben!
3. Verhältnis zwischen einheimischen und auswärtigen Spielern in der Mannschaft stimmt nicht
Wenn der Wechsel in einen anderen Verein als individuelle Ausnahme zu bezeichnen ist, dann wird dort aus der Ausnahme die Regel gemacht. Zum Motiv, jährlich die Liga zu dominieren kommen weitere Hintergründe hinzu. Ferner trifft sich aufgrund dieser Konstellation der überwiegende Teil der Mannschaft nur zum Fussballspielen. Man wohnt sonst viel zu weit auseinander, um darüberhinaus in der anderen Zeit Freundschaften aufzubauen und zu pflegen.
4. Interessen von Trainer und Verein sind höher, weshalb nicht das Talent und dessen Ausbildung im Mittelpunkt stehen
Wer in den großen Vereinen an seiner Trainerkarriere basteln will, der kann dies in aller Regel nur über Ergebnisse von Mannschaften im unteren Jugendbereich. Der Verein verlangt von solchen Trainern, ohne Unterlaß Werbung zu betreiben, die einmalige Stellung im Gebiet hervorzuheben und außerhalb seiner Trainngs- und Wettkampfaufgaben in seiner Freizeit unentgeltliche Scoutingaufgaben zu übernehmen. Wenn er dann auf 1 - 2 "schwarze Schafe" (DFB-Stützpunkttrainer) zurück greifen kann, die ihm die Kontaktdaten zu Talenten geben, dann ist das für ihn fast wie "6 Richtige im Lotto". Denn dort braucht er gar nicht mehr um Vertrauen zu werben. Das haben schon die Stb-Trainer gemacht. Besonderes Merkmal dieser Kommunikation ist, dass ausschließlich positive Argumente für einen Wechsel angeführt werden. Wenn jedoch ein Kind während der Saison wechseln möchte, weil es nur auf der Bank sitzt, wird es bei solchen Vereinen fast immer gesperrt. (Nach dem Motto: Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns!) Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass man das Kind wieder in seinen Heimatverein zurück läßt, wenn es sich im neuen Verein nicht wohlfühlt!
5. Fehlende Ausbildungsziele
Ausbildungsziele sind auch in den NLZ erst ab der C-Jugend definiert. Wer unterhalb dieser Liga, in der sportlich noch nicht überregional auf "Augenhöhe" spielt, solche Teams aus überwiegend auswärtigen Talenten bildet, der möchte nicht primär Ausbildung betreiben, sondern überläßt den Talenten sich selbst, indem man lediglich immer wieder aus der Konkurrenz die besten Spieler auswählt. Deshalb sind dort die Kader auch so groß.
6. Angst außergewöhnliche Talente nicht früh genug zu entdecken und an den Verein zu binden
Zwar unterschwellig, aber von weitaus tragender Bedeutung ist jedoch die Angst der großen Vereine, ihnen könnte ein in ihrem Einzugsgebiet lebendes aussergewöhnliches Talent durchs Raster fallen. Für die 1. Bundesliga bekommt der "Normal-Fan" das gar nicht mit. Jedoch sind viele Vereine aus der 2., 3. und 4. Liga darauf angewiesen, auch die richtig guten Talente so früh wie möglich heraus zu finden und an sich zu binden. Ob dann für 1 glückliches, außergewöhnliches Talent 500 durchschnittliche Talente enttäuscht, das interessiert diese Leute nicht wirklich. Es ist einzig das durch solche Talente erwirtschaftete Geld, was für sie der Maßstab ihrer Entscheidungen ist.
Es gibt deshalb erste Anzeichen dafür, das es sich beim neuen Verein deines Sohnes noch kein modernes Jugendkonzept vorliegt!
Ich hoffe, dein Sohn gehört zu den Spielern, die dort regelmäßig spielen dürfen! Sollte das nicht der Fall sein, würde ich in deiner Stelle nicht lange zögern, das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen und nicht so lange warten, bis dein Kind gar keine Lust mehr auf Fussball hat. Leider gibt es genügend Kinder, die dann im Verein von den Trainern und auch noch zuhause von den Eltern als Versager beschimpft werden. Dabei steht außer Frage, dass Fussball im Jugendbereich zunächst einmal ein Hobby ist, was in erster Linie Spaß machen soll.
Aus deinen Äußerungen ist zu entnehmen, dass du für dein Kind das Beste willst und das Motiv des Wechsel darin besteht, ihn Möglichkeiten zur besseren Entwicklung zu geben. Halte aber die Augen offen, um zu erkennen, wann es für deinen Sohn in eine falsche Richtung geht.
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