Wir hatten diese Diskussion im Verein auch und führen sie nach wie vor ständig mit neuen Kollegen. Meine jetzige D-Jugend betreue ich seit den Bambini, mittlerweile also seit über 6 Jahren. Nach anfänglichen Fehlern aufgrund von Unwissenheit haben wir 4 Jahre konsequent die Vorgaben für den Kinderfußball verfolgt, also Positionsrotation, gleiche Spielzeiten usw. Wir haben Spiele verloren, die wir hätten gewinnen können, weil wir schwächere Spieler eingesetzt haben und weil wir Spieler auf ungewohnten Positionen einsetzten. Aber wen interessiert heute noch, welche Ergebnisse wir in der F-Jugend erzielt haben?
Die wichtigere Frage ist doch, wo stehen wir heute?
Wir haben einen Kader von 14 Spielern, davon 3 Spieler, die gute Torhüter sind, einer davon spielt am Stützpunkt. Alle drei können auch auf dem Feld spielen. Zudem haben wir 3 Feldspieler, die am Stützpunkt spielen. Alle Spieler beherrschen die gängigen Finten, einige sind komplett beidfüssig, jeder kann zumindest passabel auch mit dem schwachen Fuß spielen und schießen. Wir haben natürlich Spieler, die auf bestimmten Positionen besser sind als andere, aber alle Spieler können vorne wie hinten spielen und auch auf beiden Seiten. Auch wenn wir in der D-Jugend nicht mehr ganz so viel wechseln und rotieren, gibt uns diese Flexibilität immer noch die Möglichkeit viel mehr zu wechseln als andere Mannschaften ohne Spielfluß und -leistung zu verlieren. Dabei beobachten wir teilweise ganz erstaunlich Entwicklungen. Wir haben z.B. einen Spieler, der zunächst immer Außenverteidiger gespielt hat, weil er das gut konnte und er sich auf der Position auch wohl fühlte. Mit Beginn der Rotation wusste er erstmal überhaupt nicht, was er vorne machen soll, ließ sich immer wieder zurück fallen. Heute spielt er Mittelstürmer. Ohne Rotation wäre er für immer auf die Position des Außenverteidigers "festgenagelt" gewesen und sein enormes Offensivpotenzial wäre wohl nie aufgefallen.
Wir haben mit diesem Jahrgang alle Nachbarvereine deutlich hinter uns gelassen. Die meisten Nachbarvereine haben noch eine ganz passable erste 6 oder 7, aber danach kommt nix mehr, weil "der Rest" jahrelang vernachlässigt wurde. Wir haben ein paar Jungs, die nach oben rausstechen, aber der Rest bewegt sich auf annähernd gleichem Niveau. Dazu sei gessagt, dass wir ein kleiner Dorfverein sind und nur 2 D-Jugendmannschaften besitzen. Der Pool aus dem wir schöpfen ist i.d.R. also eher kleiner als bei den Nachbarvereinen.
Sicherlich hat die Spielstärke unserer Truppe auch mit den individuellen Anlagen der Spieler zu tun, aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir nur deshalb in der Breite individuell so viel besser (geworden) sind, weil wir nicht nur "die Guten" haben spielen lassen und auch keine Positionsidioten ausgebildet haben.
Geduld zahlt sich also aus. Dieses Jahre werden wir mit einer Mannschaft aufsteigen, die zu zwei Drittel aus dem jüngeren Jahrgang besteht und damit auch in der kommenden Saison in der Leistungsklasse oben mitspielen kann. Für mich ist das klar auch ein Ergebnis einer Ausbildung, die in F- und E-Jugend nicht auf Ergebnisse aus war.