Tabellenletzter und was nun?

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung
  • Hallo zusammen,


    ich bin nun seit 1,5 Jahren Spielertrainer bei einem Kreisklassenverein. DFB C-Lizenz Leistungsfußball vorhanden. Mehrjährige Trainertätigkeit im Jugendbereich.



    Vergangene Saison konnten wir den Klassenerhalt ermöglichen. Diese Saison stehen wir mit etwas kleinerem Kader


    (4 Abgänge / 2 Zugänge) mit 9 Punkten am Tabellenende mit 7 Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Die Verantwortlichen stehen hinter mir und wollen meinen Vertrag sogar verlängern.


    Der Kader für die 1. Mannschaft umfasst 13-14 Spieler. Davon ca. 4 nicht für diese Klasse geeignet.


    Das Training ist, aus meiner Sicht, sehr abwechslungsreich und anspruchsvoll. Der Trainingsdurchschnitt liegt bei 14 Spieler für die I. + II. Mannschaft.



    Nun meine Frage wie kann ich es schaffen, die Jungs nach der Winterpause so zu motivieren / zu trainieren, dass der Abstieg eventuell noch vermieden werden kann?


    Wer von euch kennt kleine Kniffe und Tricks für eine junge Mannschaft (18 - 22 Jahre)?


    Für konstruktive Vorschläge und Kritik wäre ich sehr dankbar.

  • schönen guten abend


    dir da konkrete tips zu geben, ist relativ schwer, da man deine mannschaft ja nicht kennt. ich kenne euere spielweise, die stärke der gegner, die physis deiner jungs usw usf nicht..............


    von daher vielleicht ein paar allgemeine tips


    - hast du schon einmal dran gedacht dein spiesystem zu ändern? oftmals sind ja grade solche mannschaftstaktischen dinge etwas, was schnell erfolg bringen kann
    - wenn du ein spielsystem hast, das euch liegt, dann kannst du unter umständen die gruppentaktik intensiv 'beackern'


    nicht zuletzt mancht es vorneweg erstmal sinn (auch wenn jetzt gleich wieder irgendwer schreiben wird, das es diese formulierung nicht gibt ;) ), deine stärken und schwächen zu analysieren und alles mal aufzuschreiben. wenn du das gemacht hast, so sprich das mit einem zweiten durch---nach möglichkeit vielleicht sogar einem aussenstehenden, um einen anderen blick auf euer spiel und deine spieler zu bekommen.



    der für dich wohl unbeliebteste vorschlag ist, das du für eine weile mal NUR trainer bist (wenn euer kader das hergibt), um einenblick von aussen auf euer spiel zu bekommen. wenn man selber voller adrenalin ist und dem ball hinterherläuft, erkennt man viele dinge ja aus einer völlig anderen, weil beteiligten, sicht.



    ..............eine patentrezept wird es nicht geben



    gruss


    ps: wenn es sich anbietet, fahrt doch zur rückrundenvorbereitung drei tage ins trainingslager. tut vielleicht auch dem zusammenhalt ganz gut

    Einmal editiert, zuletzt von DSV ()

  • Ich bekomme gerade in der A 1 eines Vereins mit, dass man sich dort auch nach einigen miesen Spielen in der Abstiegszone wiederfindet. Es ist auf der Ebene A Jugend mit dem Anspruch Kreisliga A zu spielen was für den Verein wichtig ist. Gleichzeitig wäre es "unwürdig" (auf Grund der Größe) für diesen Verein abzusteigen! Das Team besteht aus cirka 70 Prozent Spielern, die in der B die Meisterschaft vor 2 Jahren holten. Das Team verließ ein Spieler in Rtg. Landesliga...zwei weitere sind gesundheitsbedingt weg...einer hat aus motivationsgründen aufgehört und einer verstärkt regelmäßig die erste Mannschaft Herren. Aufgefüllt wurde das Team auf Grund einer Auflösung der A 2 mit Teilen aus dem Team plus B 2 Spielern. B 1 Spieler...ich berichtete...wurden nicht hochgezogen, weil die B 1 ihrerseits aufsteigen sollte.


    Was ich nachfolgend schreibe, ist kein Kriegszug gegen den jetzigen Trainer, der seine Arbeit auf Grund einer anderen Denke halt so gut macht, wie es ihm möglich ist. Damit hat er auch schon Meisterschaften geholt. Ich beleuchte das Problem rein sachlich und hege nicht den Anspruch, hier was besseres zu tun, jedoch wäre mein Weg aus innerer Überzeugung halt anders. Das Problem hier scheint ähnlich zu liegen -glaube ich- wie das vom Threadersteller.


    Da stelle ich mir nun einfach mal die Frage, was ich persönlich anders machen würde, als es der jetzige Trainer macht.


    Zunächst würde ich die Probleme sondieren und unterteile in


    -Charakterfrage des gesamten Teams und einzelner Spieler im Bezug auf Selbstvertrauen und innerer Einstellung


    -dem taktischen System


    -individualtaktisches Verhalten einzelner Spieler


    zur CHARAKTERFRAGE


    Hier habe ich in diesem Team Spieler, die sich gefühlt nichts zu trauen, ...die immer die gleichen Fehler machen und augenscheinlich berechtigt Angst davor haben, gleich einen entscheidenen Fehler zu machen. Sie scheinen so zu spielen, wie ein Spieler im unteren Jugendbereich...der nach dem Bauch frei spielt. Das äussert sich in zu späte oder zu frühe Ballabgaben die meist mit sinnlosem ungezielten Bällen nach weit vorne einher gehen. Das setzt spätestens nach einem Gegentor ein.


    Dazu kommt, dass jemand der Kapitän ist, der den Mund nicht auf bekommt und keinerlei Aggressivität oder Autorität ausstrahlt, obwohl ein anderer Spieler das mitbringt. Dieser Spieler schweigt nach einem Tor...es kommt nichts..keine Ansage...auch nicht vom Trainer.


    Hier würde ich den Kapitän wechseln und als Trainer deutliche Aufmunterung laut äussern und konkrete gezielte hörbare kurze Anweisungen verbal äussern.


    TAKTISCHE AUFSTELLUNG


    man spielt hier das 4-2-3-1...was ich grundsätzlich für gut befinde, hier jedoch nicht....noch nicht. Da ich den Eindruck habe, dass die Jungs nicht wirklich wissen, was Verschieben und Spiel im Raum bedeutet...sorry...käme mir als Trainer der davon keine Ahnung hat in den Sinn, hier zur Rettung der Saison und Klasse einen Libero einzubauen oder mit Ahnung...das 4:4:2 spielen zu lassen.


    Zudem...stellt der Trainer vier sehr schwache Spieler in die Abwehr. Sie leisten meist in den ersten bis zu 20 Minuten ausreichend aber nur durchschnittliche Abwehrarbeit. Die Aussen-VT aggieren meist nicht nach vorne mit oder versuchen es bei Vorwärtsbewegung des Teams und verlieren dann den Ball durch unsauberes oder zu spätes oder zu frühes Abspiel. Die 6ér nehmen meist bis zur 20 Minuten einiges weg...solange die Kraft halt reicht. Ein Spieler der Innenverteidigung war im letzten Jahr ein Auswechselspieler u..a. in der Innenverteidung...jetzt ist er der "leistungsstärkste" Spieler...der wenigstens mal den Ball versucht abzulaufen. Die anderen Spieler (1 Innenverteidiger und beide Aussenverteidiger) wissen nicht was das ist. Ein weiterer Verteidiger war krank...ist er da...sind es regelmäßig zwei Abwehrspieler, über deren Fehler der Gegner immer mal wieder restlos unnötig durchbricht.


    Der Trainer läßt die besseren Spieler im MIttelfeld und einen im Sturm spielen....ähnlich einem Tannenbaum verteilt der die wirklich guten....Der Stürmer stellt bei meiner Beschreibung die Spitze des Baums dar.


    Hier würde ich ganz anders aufstellen. Ich würde aus meiner Einstellung heraus lieber mit einem 2:0 vom Platz gehen, als mit einem 6:5. Ich bin der Meinung das die Arbeit nach hinten die Grundlage des Spiels ist. Klappt die, kann ich ganz anders nach vorne aggieren. Hierzu gehört das individualtaktische Spiel, technisches Spiel des Einzelnen, die Ballan.- und Mitnahme und das Umschalten des gesamten Teams. Ersteres findet bei den Abwehrspielern nicht statt! Letzteres ist erkennbar ein Manko des gesamten Teams. Einige werden Zuschauer im eigenen Spiel. Bei mir würden die Besten in der Abwehr und als Mittelfeldspieler davor spielen. Ich würde von hinten nach vorne die Stärke der Mannschaft personell aufbauen...also genau umgekehrt.


    Hätte ich als Trainer überhaupt keine Ahnung vom modernen Verteidigen würde ich sogar -mit dem Grund des Klassenerhalts- mit Libero kurzfristig spielen...vor allem dann, wenn ich auch noch ein Torwartproblem hätte. Beide läge bei mir nicht hier nicht vor. Entsprechend würde ich vom 4:2:3:1 zunächst auf ein 4:4:2 umstellen.


    INDIVIDUALTAKTISCHES VERHALTEN


    Ich würde das Ausbildungsthema der D und C ...mein Steckenpferd...nämlich das taktische 1:1 in der Defensive in ein Training der Woche für mindestens 6 Wochen einbauen und danach immer wieder wiederholen.


    Ich würde die Winterpause dafür nutzen und notfalls Sondertrainings für bestimmte Spieler einrichten. Ich würde mit dem Team in der Winterpause über die Dvd von Ralf Peter -taktisches Verteidigen- über den Beamer versuchen zu erklären, was das taktische 1:1 Defensiv in tornähe und weiter vorm Tor...auf dem Flügel und mittig ist...aufzeigen was das Verteidigen zu zweit, zu dritt, zu viert...bis hin ...als Team bedeutet. Das muß jeder Spieler wissen. Sie müssen es wissen um die Übungen in den Einzelheiten und der Gesamtheit zu verstehen.


    Sie müssen es so verstehen, dass es ihnen richtigen Spass bereitet, plötzlich den besten im Team zu stellen. Hierfür gibts Übungen, die ihnen zeigen, dass der schnellste und beste Mitspieler plötzlich weniger...bis bestenfalls überhaupt nicht mehr an ihnen vorbei geht. Sie müssen ein Vertrauen auf die Individuelle Taktik erhalten. Sie müssen lernen und begreifen, dass Top 1 beim Ballablaufen der Zeitgewinn ist und nicht die Erboberung. DANN steigere ich dadurch das Selbstbewußtsein des Einzelnen und damit des ganzen Teams...davon bin ich fest überzeugt.


    In den Trainingseinheiten dazwischen kämen die anderen benannten Themen dran, nämlich....schneller Antritt, Ballan,- und Mitnahme, Ausdauer über diese Übungen getankt und schnelles Umschalten als Individualtaktik, Gruppentaktik und Mannschaftstaktik...wobei letzteres Thema auf Grund der zeitlichen Vorgaben kaum noch zu machen wären...ich meine das das fehlende Fundament erstmal her muß.


    Das wäre im Gesamten meine Marschrute. In diesem Fall wäre auch noch ein Austausch von Spielern, so dass gute B 1 Spieler die kommende Saison in die A Jugend kämen, mal aushelfen könnten.


    Ich schreibe das alles, weil neben den Beobachtungen des Teams von dem ich hier schreibe, genauso schwache Gegner sehe. Jedes beobachtete Team hatte immer ein paar gute Spieler...die Spieler waren nicht immer alle schlecht, sondern ich beobachte eigentlich, dass grundlegende Fundamente einfach fehlen, obwohl die meisten Spieler dazu eigentlich in der Lage wären, das locker umzusetzen. Diese Defizite herrschen bei den Talenten wie bei den normalen Spielern.


    Ich wäre nicht Andre...wenn ich nicht Spieler mal sporadisch danach gefragt hätte ob sie wüßten was es bedeutet einen Ball abzulaufen. Genauso fragte ich einzeln unter vier Augen, ob man ihnen mal ausgiebig erklärt habe was das Spiel im Raum bedeutet. DAS WUSSTEN DIE MEISTEN SPIELER NICHT!!! Das wußten sogar Spieler bis in die Westfalenliga nicht...mit denen ich sprach!!!!


    Sie wußten nicht wie man den Ball abläuft...sie wußten nicht was Verschieben ist, was es im Einzelnen bedeutet oder sie machten es einigermaßen instinktiv gut...es wurde ihnen dennoch nie in der Theorie mal in der Gesamtheit erklärt....spielen aber in der Kette, klasse. Ein riesen Potenzial liegt hier meiner Ansicht nach brach.


    Bei tabellenoberen Mannschaften gerade in der Kreisliga ist es oftmals die individuelle Klasse einzelner Spieler die das Ergebnis dann zum positiven Beeinflussen.

    Bei diesen Teams fällts oft nicht ganz so auf, weil die individuelle Klasse der einzelnen Spieler in Verbindung mit ihrer Anzahl das nicht ganz so auffliegen läßt und der Sieg halt öfter auf dem Ergebniszettel steht. Das täuscht meiner Meinung dann schnell über diese Defizite hinweg. Frage ich mich, wohin die kommen könnten, wenns denn vorhanden wäre.


    Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Trainerdefizit und damit ein Defizit des Teams das größte Thema ist und hier am meisten Potenzial brach liegt. Hier könnte man -so meine Überzeugung- am meisten raus holen durch nacharbeiten....durch kundigmachen des wissbegierdigen Trainers, der sein Wissen dann an das Team in Theorie und geeigneter Praxis und guter Taktung weiter geben könnte.


    Ich schreibe das hier, weil ich halt glaube, dass das ein riesen Thema ist und mehr oder minder auf sehr viele Teams und Trainer da draussen zutrifft. Deswegen könnte es auch das Thema des Threaderstellers sein, womit sich hier der Kreis meines Statements als Antwort an den Threadersteller für mich wieder schließt. Es könnte so oder so ähnlich auch sein Thema sein.


    Gruß Andre

    3 Mal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Andre


    hallo,


    du hast zwar viel geschrieben, und wie es scheint auch ordentlich dampf zur truppe deines sohnes abgelassen ?( , aber wie hilft das jetzt Patrick86??? ist doch alles schon sehr speziell zu deinem problem und nicht zu seinem erläutert.


    bevor soviele 'detailspekulationen' dargeboten werden, die unter umständen hier wieder zu einer paralleldiskussion, welche weg vom thema führen, müsste der fragesteller erst mal noch ein paar weitere konkrete infos zu seiner mannschaft geben, da man ansonsten nur sehr allgemeine tips geben kann.



    also aufforderung an patrick.....................gibt ruhig noch einige konkrete erläuterungen zu deinen jungs und dir.



    gruss

  • Ja das könnte Patrick tun. Es wäre einen Versuch wert.


    Dabei besteht aber immer die Gefahr, dass derjenige der sein Problem beschreibt, das eigentliche Problem nicht beschreibt...weil er es nicht erkennt.


    Das könnte mir genauso passieren. So gesehen sollte er einen erfahrenen kompetenten Trainer mal ein Spiel von ihm anschauen lassen, um seine Fachmeinung mit den eigenen Ansichten zu vergleichen.


    Deswegen -finde ich- dass mein Statement als globaler Hinweis eines für mich riesigen und intensiven Themas als Hinweis zu sehen sein sollte.


    Ferner möchte ich noch anmerken, dass ich nicht aus Spass darauf hingewiesen habe, dass ich keinerlei Groll gegen den Trainer des beschriebenen Teams hege. Das was dieser Mann nun ausmerzen soll, sind größtenteils Fehler anderer Leute aus der Vorzeit. Es war mir ein gutes Beispiel hinsichtlich der Defizite der einzelner Spieler und der Gründe hierfür...nicht mehr und nicht minder. Es sind Spieler da, die die Abwehrarbeit besser erledigen würden...die spielen aber vorne.
    Das die vorne spielen...ist nicht meine Denke...ich akzeptiere das...sehe es halt anders.


    Er kann für die Zusammensetzung des Teams nichts, das war vereins.-und hausgemacht und damals so zu akzeptieren. Nun hat das Schiff Schlagseite und ich hoffe das die "echten" A 1 Spieler nun personell unterstützt werden, sonst wird der Klassenerhalt wahrscheinlich nicht klappen. Das ist hier aber so nicht das Thema. Thema war auch nicht, Vorwürfe gegen irgend wen machen zu wollen. Ziel war es meinerseits, unverblümt und direkt das zu benennen, was ich als Defizit meine zu erkennen. Dieses Defizit sehe ich rein sachlich...ohne Wut,...ohne Groll. Ich muß nicht mal richtig liegen, hege nicht den Anspruch darauf...glaube aber daran.


    Im anderen Thema hätte ich nun noch bestätigt, dass mein Ältester nun geäussert hat, nicht mehr trainieren zu wollen....ganz aufzuhören, wenn der Verein dem Team nicht mit stärkeren Spielern aushelfen wird. Er wartet nun bis zum Ende der Winterpause und dann entscheidet sich das für ihn. Er sagt, dass er seine Freizeit für diesen Fußball so nicht mehr opfern will. Er würde sich dann lieber ganz dem Abitur widmen, statt sich den Arsch aufzureissen für nichts anderes als totalen Frust und das für die Zeit, die er eigentlich genießen will. Das ist von mir unkommentiert, aber ich kann es so vollkommen verstehen, denn er sagt aus seiner Sicht die Wahrheit. Er hat keinen Bock mehr so viele Meter für diese Schlappen zu laufen, will sich nicht mehr anschauen, wie unintelligent und ohne jegliches Spielvermögen bestimmte Mitspieler jeden noch so einfachen Aufbau restlos unnötig vereiteln und er glaubt auch nicht daran, dass selbst der beste Trainer dieser Welt aus diesen bestimmten Spielern auch nur noch einen Tropfen Verbesserung herausholen könnte.


    Das sehe ich wiederum anders....trotzdem verstehe ich seine Enttäuschung und das Gefühl, das der Verein ihn und ein paar andere bis jetzt allein gelassen hat. Der Verein ..besser der oder die dafür "Verantwortlichen" kann ich ebenfalls verstehen...was in der Gesamtheit meiner Bewertung dir zeigen sollte, dass ich es tatsächlich sachlich bewertet habe. Gruß

  • Hallo Patrick


    Eigentlich müßtest du ein glücklicher Mensch sein, weil das Durchschnittsalter in deinem Team ideal ist, um ihnen deine persönliche Trainernote zu geben. Allerdings ist es aus der Rolle als Spielertrainer besonders schwierig, nicht nur die Schwächen, sondern auch die Ursachen hierfür heraus zu finden, weil man ja als Spieler immer mitten drin ist und so nur einen bestimmten Teil der Situation mitbekommt. Gerade Vereine im Kreisklassenbereich machen es sich gerne einfach, indem sie mit der Verpflichtung eines Spielertrainers gleich "2 Fliegen mit einer Klappe" erschlagen wollen.


    Dennoch bekommt man aufgrund des deutlichen Leistungsabstands zum Rest der Liga die gravierendsten Schwächen mit. Wenn man sich also einen Punkteplan macht, daraus einen Prioritätenplan erstellt. Beispiel: du nennt 4 deiner Spieler für nicht ligatauglich. Was fehlt diesen Spielern für die Ligatauglichkeit?
    Gerade die Winterpause kann dazu genutzt werden, gezielt an der Aufarbeitung von Defiziten zu arbeiten. Falls du keinen Co-Trainer hast, mache gemeinsam mit dem Mannschaftskapitän ein Kleingruppentraining, wo der Schwierigkeitsgrad dem Leistungsvermögen angepaßt werden kann. Vermutlich wird es diesen 4 Spielern an einer guten Technik mangeln? Die sind dann durchaus dankbar, wenn man ihnen die Details zeigt, erklärt und ihnen Mut macht.


    Sollte der Platz unbespielbar sein, kann man Soccerhallen, Kunstrasenplätze oder sogar die normale Halle nutzen, um an den Details zu feilen. Da es sich mit Ausnahme des Kunstrasens immer um enge Räume mit häufigen Ballkontakten handelt, können auch die Details sehr gut trainiert werden.


    Wenn eine Mannschaft ganz unten in der Liga steht, dann muß man ihr zunächst einmal klar machen, dass die besseren Einzelspieler bei den Konkurrenten spielen. Man selbst hat nur dann eine reelle Siegeschance, wenn man als Mannschaft auftritt. Also nicht nur gemeinsam angreifen, sondern auch gemeinsam verteidigen. Darüber kann man eine Mannschaft, die aus diversen Grüppchen stammt, zu einem Team schmieden, weil sie alle darüber das selbe Ziel haben.


    Die Traineraufgabe für so eine junge Mannschaft sollte eigentlich immer mittelfristig angedacht werden. Das hat hier den Vorteil, dass alle Beteiligten besonders in einer Situation, wo jeder Einzelne gefordert ist, sehr viel dazu lernt, was er (egal ob die Liga gehalten wird oder nicht) in der kommenden Saison als Erfahrung positiv ins Team einbringen kann
    Aus deinen bisherigen Angaben entnehme ich, dass du 4 Spieler für nicht ligatauglich hälst.


    Welches Feedback bekommst du denn von deinen Spielern zu den Spielen und zu deinem Training?

  • Hallo zusammen,


    vorab möchte ich mich für euer Interesse an meinem Thema bedanken.


    Hier nun weitere Informationen:


    1. Feedback meiner Spieler: - Tolles Training z.B. Abwechslung, Ball, Torabschluss, Spielformen, Korrekturen, Taktik, Spaß (könnte ab und an etwas härter durchgreifen)


    2. Einblick von Außen: Habe bereits 6 Spiele für ca. 60 Minuten von außen angesehen --> Probleme sind dieselben wie von innen


    3. Zusammenhalt: Die Mannschaft und ich sind ein "eingeschworener Haufen" geworden, d.h. es werden Veranstaltungen organisiert und viel zusammen unternommen


    4. Charakter der Mannschaft: Viele Spieler sind mit der Vergangenheit des Vereins nicht zufrieden (es wurde einmal viel Geld für auswärtige Spieler bezahlt); Andere wiederum möchten den Verein verlassen, da die Klasse der Mannschaft insgesamt fehlt.


    5. Spielsystem: Begonnen im Sommer mit Viererkette, nach 7 Vorbereitungsspielen ein Feedback vom Team eingeholt. Einstimmig dagegen entschieden (zuviele Gegentreffer ca. 4 pro Spiel) --> Wieder auf Dreierkette umgestellt von da an lief es besser


    6. Vereinsführung und Mannschaft steht absolut hinter mir --> Vertragsverlängerung steht aus.


    7. Verlust unseres Topstürmers: Unser Topstürmer hat uns im Sommer verlassen (ca. 20 - 25 Tore pro Saison)


    8. Trainingslager: Waren im Sommer 3 Tage im Trainingslager dabei waren wir auch beim Go-Kart fahren.



    9. Das fehlt den 4 Spielern:


    - Motivation (zu enger Kader haben fast Stammplatzgarantie); --> Kommen teilweise immer wieder zu spät, sagen Trainingseinheiten kurzfristig ab, sind Samstags sehr betrunken


    - Kritikfähigkeit (z.B. ein Spieler: sagt man im was er im 1 gegen 1 (Gegner mit Rücken zum Tor) falsch macht geht zu schnell u. zu ungestüm hin, demonstriert ihm das richtige Verhalten so kommen immer wieder Gegenargumente)


    -



    Für weitere konstruktive Vorschläge bin ich echt dankbar.

    Einmal editiert, zuletzt von Patrick86 ()

  • ich fasse mal zusammen:
    -schlechtere Voraussetzungen (quantitativ und qualitativ) als letztes Jahr, wo man gerade noch so die Kurve kriegte. Prognose: :thumbdown:
    -Viele Spieler sind mit Verein und Mannschaft nicht zufrieden. Prognose: :thumbdown:
    -Motivation und Ziele auf Spielerseite zweifelhaft. Prognose: :thumbdown:


    ich denke da braucht´s mehr als kleine Kniffe ;)


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Ich stimme meinem Vorschreiber da durchaus zu... nach nochmaligem Qualitivem und quantitivem Verlust scheint es nicht möglich, die Klasse zu halten. Ich würde auf jedem Fall die Spieler, die nicht mitziehen,auch aussen vor lassen. Stattdessen aus unteren Mannschaften Spieler in der Winterpause hochziehen bzw vermehrt A-Jugendspieler einsetzen und damit einen kompletten Neuanfang starten. Auch eine Klasse tiefer. Sich dort dann in der nächsten Saison finden und gezielt aufbauen, und dann in zwei Jahren einen Angriff auf den Aufstieg planen.


    Wenn der Vorstand wie beschrieben hinter dem Trainer steht, bekommt er die Chance und die Unterstützung dazu.

  • Patrick86


    Bin aus dem Urlaub zurück und wünsche dir ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr. Die von dir beschriebenen Punkte würde ich als typisch für diese Altersgruppe und Leistungsliga beschreiben. Es ist in der Vergangenheit einiges schief gelaufen, wodurch die Glaubwürdigkeit gelitten hat.


    1. Söldner im Breitensportbereich
    Fremde Spieler, noch dazu gegen Bezahlung in den Spaßfussballbereich zu holen, mag zwar kurzfristig hin und wieder sportlich erfolgreich sein, mittelfristig richtet man jedoch damit Schaden an, weil man gleichzeitig den eigenen Spielern, die ehrenamtlich für den Verein spielen, herabwürdigt! Hinzu kommt, dass diese externen Spieler für ein paar Euro mehr zum nächsten Verein wechseln, weil sie sich nicht mit dem Verein identifizieren.


    2. Pünktlichkeit und schlechte Vorbereitung (Vorabend betrunken) zum Spiel
    Natürlich handelt es sich bei deiner Mannschaft nicht um Profis, sondern um junge Menschen, die das gleiche Hobby haben. Deine Aufgabe ist es, die Mannschaft sportlich weiterzuentwickeln. Für deren Privatleben bist du jedoch nicht zuständig. Dennoch sollte man Regeln beschreiben und sich über dessen Sinn einig sein. Dazu zählt, dass der Trainer die beste Elf auf den Platz stellt. Darin integriert ist die Beurteilung von unpünktlichem Erscheinen, kurzfristigen Absagen und mangelnder Spielvorbereitung.


    3. Fingerspitzengefühl und Glaubwürdigkeit
    Zentraler Punkt ist die sportliche Entwicklung in Kombination mit einer Gruppenidentifikation. Grobe Hinweise (z.B. manchmal etwas konsequenter durchgreifen) hast du ja bereits von der Mannschaft bekommen. Wichtig ist jedoch auch die Richtung der Kommunikation! Hier kann das antizyklische Verhalten häufig, aber nicht immer hilfreich sein. In deinem Fall bedeutet dies in der Phase schlechter Spielergebnisse noch mehr zuzuhören und weniger zu kritisieren und bei besser werdenden Ergebnisse, höhere Anforderungen zu stellen.


    4. Spieler-Kritik
    Derzeit ist zu beobachten, dass viele ältere Trainer (50 +) ihren Job hinwerfen, weil sie große Komunikationsprobleme mit den jüngeren Spielern haben. So war es während ihrer aktiven Zeit undenkbar, dass jemand sich kurzfristig per Zettel zum Training oder dem Spiel abmeldet. Undenkbar auch, dass man bereits kurze Zeit nach einer schmählichen Auswärtsniederlage schon über die Fete am Abend schwatzte, statt übers Spiel und die gemachten Fehler zu resümieren. Diese Trainer sind damit groß geworden, dass man Spieler, die Fehler machen, vonverzüglich im Training dafür kritisiert! Das man mit Lob für gute Aktionen, statt Kritik für schlechte Aktionen sehr viel effektiver arbeiten kann, ist vielen Trainern in dieser Altersgruppe noch nicht in den Sinn gekommen. Wer möchte nicht lieber Lob erfahren, statt Kritik zu ertragen. Wenn man für eine Aktion kein Lob erhält, dann stellt sich von ganz allein die Frage, was man besser machen kann! Lob erzeugt Ehrgeiz, Kritik kann Angst erzeugen.


    4.1. Angewandte Kritik
    Vor allen Dingen im Training gibt es die Möglichkeit, gemeinsam mit der Mannschaft Themenschwerpunkte zu bearbeiten. Dazu bittet man seine Spieler, beim Stopp-Kommando des Trainers auf seine momentane Position zu verharren. Statt jedoch sofort dem Spieler X zu kritisieren, weil er einen Fehler gemacht hat, beschreibt man kurz die Situation und fragt dann in die Runde, wie man diese besser lösen kann. Diese Methode hat den Vorteil, dass sowohl aktive wie auch in dieser Situation passive Spieler konzentriert mitwirken können und so gegenseitig von einander lernen. Haben sich die Spieler an dieser Athomosphäre des freundlichen Umgangs miteinander gewöhnt, dann wächst das Vertrauen, Fehler machen zu dürfen und das Risiko, ohne das eine weitere Entwicklung kaum möglich ist, zu wagen.


    Lieber Patrick, du hast das große Glück eine junge Truppe trainieren zu dürfen. Setzte dir deshalb ein mittelfristiges Ziel, diese Mannschaft zusammen zu halten, jeden unabhängig von seinem aktuellen Leistungsvermögen ernst zu nehmen. Wenn der Spaß am Fussball zunimmt, weil man sich gegenseitig mehr lobt, dann wird auch das Vertrauen und danach die Leistung zunehmen.
    Wer allein mit Taktik siegen will, der muß sehr viel davon verstehen. Mit der C-Leistungslizenz ist der Einstieg ins moderne taktische Spiel gemacht. Arbeite weiter daran und versuche aus deinen Fehlern zu lernen.
    Wenn du dir selbst zugestehst, nicht perfekt zu sein, dann sollte dieser Maßstab auch an deine Spieler gesetzt werden. Das O.K. des Vereins hast du ja! Jetzt fehlt nur noch der mittelfristige Erfolgsplan, für den alle wichtigen Personen ins Boot geholt werden sollen, damit alle in Freud und Leid zueinander stehen!