wer kennt geeignete Trainingsmethoden füe folgendes Problem

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  • Hallo zusammen,


    bin neuer Trainer einer E - Jugend Mannschaft Jahrgang 2004. Habe bei einen Mittelfeldspieler der wirklich ein gutes Auge für seine Mitspieler hat. Die Pässe kommen präzise an. Aber sobald es zum Zweikampf kommt ist er zurückhaltend geht halbherzig zum Ball. Schaut erst zu was macht der andere und dann ist es meist zu spät und der Ball ist weg. Durch seine zurückhaltende Spielweise wirkt der Spielfluss eher etwas langsam. Der berühmte Schritt schneller sein als der Gegner ist hier glaube ich auch ein Problem . Wenn man das beim Training bei Ihm einfordert und Ihn direkt anspricht bzw. anfeuert wird es besser, aber in ein paar Minuten scheinbar wieder vergessen. Das ist bei Ihm denke ich mehr Kopfsache, denn er ist normal gebaut und im normalen Sprint der schnellste vom Team.Kennt jemand geiegnete Trainingsmethoden das zu verbessern.


    Danke euch


    Gruß


    Toto 13

  • Dirk
    Die Antwort war ehrlich, aber auch ein bißchen gemein


    Toto13
    Dieser Spieler bevorzugt das Paßspiel, weil er bereits verstanden hat, dass es klüger ist, auf unnötige Zweikämpfe und unnötige Tritte von weniger talentierten Gegenspielern zu verzichten.


    Bitte schick den Jungen mal zum Probetraining zur Kreisauswahl oder zum Stützpunkt? Vielleicht kann er dort besser gefördert werden als in deinem Team?

  • Dein Junge ist auf dem absolut richtigen Weg. Er analysiert, denkt und trifft bewusste Entscheidungen. Schneller als der beste Computer. Aber es braucht halt immer noch Zeit. Zeit die sich die meisten Junioren dieses Alters noch nicht nehmen und oft auch zukünftig nie nehmen werden.


    Für langfristig denkende Leistungsvereine sind solche Jungs wie deiner Nuggets, weil sie etwas haben was man anderen nicht (mehr) antrainieren kann: Eine Gehirnstruktur welches intelligent kollektives Spiel überhaupt erst zulassen wird. Turniere gewinnt man mit diesen Spielern (noch) nicht. Und dies ist wohl auch einer der Hauptgründe warum dieser Spielertyp auch in Leistungsvereinen vorerst immer noch untervertreten ist.


    Das Denken deines Jungen ist absolut richtig. Nur wollen auch diese kognitiven Eigenschaften wöchentlich trainiert und konditioniert werden. Das Kind muss lernen das für das Spiel Essentielle herauszufiltern, muss lernen mit Informationsoverflow umzugehen, muss lernen, sich dabei nicht stressen zu lassen und muss vor allem lernen die richtigen Impulse in entsprechend sinnvolle Automatismen umzusetzen.


    Wir nennen dieses - speziell auf solche Talente zugeschnittene Förderungspaket - kognitiv- koordinatives Training. Hier beginnen wir schon ab der F langsam mit Reizüberflutung, Parallelverarbeitung, peripherem Sehen, Informationsfilterung, Fokussierung, Konzentration, etc. zu arbeiten und für einzelne, dafür empfängliche Spieler und ihren Eltern Solches als Hausaufgaben mit auf den Weg zu geben (Was sich übrigens nicht nur im Sport, sondern vor allem auch auf die schulische Leistung äusserst positiv auswirkt).
    Was wir machen sind einzelne Element aus dem Mentaltraining, Kognitionstraining, Live Kinetik etc. welche wir für die jeweilige Entwicklungsstufe runterbrechen und zu einem sinnvollen, runden Ganzen formen. Gerade für junge Fussballer gibt es da meiner Meinung nach noch nichts Pfannenfertiges. Aber die ersten Erfahrung mit pragmatischen Ansätze zeigen jetzt schon, dass hier noch unglaublich viel Potential liegt. Nicht nur im Sport, sondern für die Entwicklung junger Menschen generell.

  • @TW mir wird manchmal vorgeworfen, dass ich hier Werbung für eine bestimmte Methode mache.
    Da diese Methode rein zufällig das 1 gegen 1 in dieser Alterstufe als Schwerpunkt hat, bin ich doch der richtige Ansprechpartner--oder? Für das von Toto angesprochene Problem kenne ich sehr, sehr viele Übungs- und Spielformen und vor allem die richtige Methodik um ihn die Angst zu nehmen.


    @ Toto 13
    Prima, dass du erkannt hast, das dass geschickte, intelligente Passspiel nur ein Teil des Fußballspielen darstellt.
    Suche dir jetzt jemanden, der dir zeigt wie man den Jungen mit spaßigen Übungen und Spielformen methodisch richtig die Angst vor dem 1 gegen 1 nimmt.
    Und Achtung!! Für den Kinderfußball (dieses gilt natürlich für alle Bereiche in unserer Gesellschaft) benötigt man eine einfache verständliche Ausdrucksweise.

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

  • @Coerver
    Die von dir angesprochen Methoden helfen in DIESEM Fall nur bedingt. Ich wette, dass der Junge im Training unter Laborbedingungen (Uebung bekannt, schon x-mal gemacht) mit zu den Besten gehört aber im Spiel dennoch versagen wird.
    Warum ? Weil er im Spiel Dinge denkt, die er im Training so nicht hat und deshalb auch nicht trainiert.
    Weil ein Spiel gerade für einen "Denker" noch viel mehr was anderes ist, als für einen Duchschnittsspieler. Da ist nicht einfach nur 1:1. Da gibt es Zuschauer die rufen. Der Trainer brüllt. Mitspieler fordern den Ball. Der Rasen ist uneben. Erfolgsdruck sowieso. Die Sonne blendet etc. etc. - Er versagt beim 1:1 nicht weil er es nicht kann, sondern weil er sich - anders als im Training - nicht darauf konzentriert.
    Das kann man mit 1:1 Uebungen nur insofern verbessern, indem dem Spieler dann bei entsprechender Sicherheit im 1:1 auch im Spiel ein Tick länger Zeit bleibt, um mit dem restlichen Informationschaos klar zu kommen.
    Bei einem "Denker" bringt es aber viel mehr, wenn du mit ihm Uebungen machst, die ihm helfen, parallel zu seiner "analytischen Tätigkeit, sich überhaupt erst mal auf's 1:1 konzentrieren zu können - Weil in der Regel macht er das nicht.
    Der ist im 1:1 und überlegt schon, wohin er den Pass spielen soll, ob das gut oder schlecht ist, gibt es Alternativen, was meint der Trainer, ....

  • Hallo zusammen,


    erst mal vielen Dank für die wirklich ausführlichen Analysen. Die vom Fussballbaron


    genannte Umschreibung „Denker“ passt in dem Fall genau auf diesen Jungen zu.


    Ich interpretiere die Ausführungen so, dass der Junge eine sehr positive Eigenschaft


    besitzt die nicht unbedingt jeder Spieler schnell erlernen kann, sondern das dieses


    schon ein kleines Talent darstellt. Ich habe auch ein krasses Gegenteil im Team. Das


    ist ein Spieler kräftiger Statur, der wie eine Dampfwalze in die Zweikämpfe geht, aber


    meist dann beim dritten Gegenspieler hängen bleibt und der Ball ist verloren.


    In der Zeit hätte aber locker vorher abspielen können. Er bekommt aber nichts mit


    was um Ihn passiert. (Die Dampfwalze sollte aber hier primär aber nicht weiter analysiert werden)


    Wie vom Fussballbaron richtig erkannt, wurden beim „Denker“


    im Training viele 1:1 Zweikampf Übungen gemacht. Wenn man Ihn vor der Übung gezielt


    darauf anspricht, nun mal mehr Einsatz im Zweikampf zu zeigen, wird auch ein erhöhter Einsatz


    sichtbar. Beim Trainingsabschluss Spiel 20 Minuten später verfällt er aber wieder in das zurückhaltende


    vorsichtige Zweikampfverhalten. Das der „Denker“ niemals in seiner Rolle dieses „Dampfwalzen“ Verhalten


    umsetzen kann und gleichzeitig „Zuckerpässe“ spielt ist mir klar. Der Fussballbaron spricht von Übungen


    die Ihn zu seiner analytischen Tätigkeit erst ermöglichen sich auf das 1:1 zu konzentrieren. Das hört


    sich sehr Interessant und vernünftig an. Kann mir jemand konkrete Trainingseinheiten dazu nennen


    und beschreiben.



    Danke

  • Toto:
    Um kognitiv/koordinative Fortschritte zu erzielen braucht man viel Zeit, einen ausgereiften Aufbauplan und viel Erfahrung auf der individuellen Ebene. Das macht man nicht einfach mal so schnell mit einer Uebung neben her. Ausserdem muss man die Eltern mit ins Boot holen damit vor allem auch zu Hause und in den Freizeit an diesen Fähigkeiten gearbeitet wird.
    Was aber schon mal hilft ist die Erkenntnis, dass dein Spieler kein Problem, sondern ein Talent hat welches es in einer geschützen "Werkstätte" zu hegen gilt.
    Kurzfristig hilft daher "richtiges" Coaching mehr als SpezialUebungen auf die Schnelle.
    Am einfachsten geht es wohl wenn du ihm die Komplexität aus dem Spiel nimmst:
    - auf der Position spielen lassen auf der er sich wohl fühlt
    - Position nicht wechseln (nur für diesen Spieler)
    - Ihm nur EINE einfache Aufgabe geben worauf er sich konzentrieren muss (hilft dass er damit indirekt viele andere Faktoren ausblendet und sich so besser auf das Naheliegende konzentrieren kann).
    - Ihn auch mal EINZIG und allein nur am 1:1 messen. Sag ihm, dass du jetzt 1:1 sehen willst. Alles andere ist egal und zählt in diesem Match nicht. Sag ihm und auch den anderen Spielern dass er (und nur er) sich einzig und allein auf das 1:1 konzentrieren soll und muss.
    - Bestimme einen Partner mit dem dein Spieler ausschliesslich zusammenspielen soll (entweder Dribbling oder Pass zu genau diesem Spieler (dessen einzige Aufgabe es ist sich für den Denker immer anspielbar zu halten).
    etc.
    Ziel dieser besonderen Spielanlagen ist es, dass der Denker lernt zwischen Denken und Spielen zu unterscheiden, resp. sein Denken in die Phasen zu verlegen wo er nicht unter Druck ist.

  • als Ergänzung zu Vorgenanntem finde ich gut, dem 1:1 etwas den Ernst zu nehmen, mit dem Ziel daß die Zweikampfsituation für das Kind eher positiver und spaßiger erlebt wird und so eher gesucht, b.z.w. nicht gleich vermieden wird.
    Dazu könnte der Trainer als 1:1 Partner des betreffenden Spielers fungieren. Da soll´s dann auch absichtlich lustig sein.
    z.B. Spiel 1:1 auf zwei kleine Hütchentore mit kleinem Abstand zueinander. Die Torlinie muß übertribbelt werden.
    Ich sage zum Spieler: " Du bist jetzt mal Ribery (oder wer ihm halt gefällt) und ich bin ein schlechter, hinkender, ängstlicher, dummer Monsterspieler (..was auch immer das Kind interessant findet...). Dann geht´s in´s 1:1 --> wenn du deinen "komischen" Trainerpart gut spielst, wird das superlustig und die Kinder sind superfokussiert und geben alles. Ganz nebenbei wird die 1:1 Situation nicht negativ abgespeichert.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.