Unlust --> was tun?

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  • Hallo liebe TrainerTalk-Gemeinde,


    ich würde gerne ein paar Ratschläge zu einem Spieler von mir von Euch einholen. Der Spieler spielt aktuell in der D, älterer Jahrgang. Er ist mit einem herausragenden Talent gesegnet. Derart, dass sich höherklassige Vereine regelmäßig melden. Im Stützpunkt und auch schon Einladungen nach Barsinghausen. Er spielt bei uns in einem Dorfverein mit seinen Freunden und will eigentlich auch nicht mehr.


    Nun zum Problem: Der Spieler ist mit wenig Ehrgeiz ausgestattet und verfällt schnell in Lustlosigkeit. Er liebt den Fussball, will aber nicht mehr als Freizeit hineinstecken. Das finde ich auch gut so, mehr will ich gar nicht. In letzter Zeit ist es aber wieder so weit, und diesmal ist es extrem. Er hat keine Lust mehr zum Training, kommt auch entsprechend nicht, nein, vielleicht falsch ausgedrückt, ich denke, er will schon zum Fussball, aber wenn er dann zu Hause vor den Sch... Onlinespielen sitzt, verfliegt die Lust leider.


    Wie kann ich Ihn wieder auffangen? Was würdet Ihr tun?


    Ich sehe hier das Konfliktfeld Pubertät vs Umfeld (Auch die Eltern haben riesige Probleme mit Ihm). Ich glaube, beim Thema Fussball wird leider durch Stützpunkt und entstehende Begehrlichkeiten Stress bei Ihm produziert, mit dem er aktuell nicht umgehen kann. Meine Befürchtung ist, dass wenn ich jetzt auch noch auf Ihn einrede (mit dem Thema Trainingsbeteiligung), dass er dann vollständig blockiert. Zu den Spielen ist er immer erschienen, und die Trainingsbeteiligung der gesamten Saison ist sehr gut, nur halt in den letzten Wochen nicht. Er ist auch außerordentlich beliebt in der Mannschaft.


    Gruß,


    Callahan

  • Was sagt der Junge selbst denn dazu? Als D-Altjahrgang ist er ja schon zwölf oder dreizehn Jahre alt. Da weiß man sich zwar noch nicht so einzuschätzen und auszudrücken wie es ein Erwachsener kann, aber in einem guten Gespräch könnte man doch einen gewissen Eindruck davon bekommen, wo ihn der Schuh drückt.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Hallo callahan,


    einige Dinge kamen mir so bekannt vor, dass ich nochmal gesucht habe:


    Mein Sohn möchte mit dem Fußballspielen aufhören


    Habe jetzt den ganzen Thread nicht im Hinblick auf Dein Problem nochmal gelesen, der Fall ist ein Tick anders und aus Elternsicht geschrieben, aber trotzdem klingt vieles sehr ähnlich, vielleicht sind da schon ein paar brauchbare Infos und Tipps drin ?


    Viele Grüße

  • Was sagt der Junge selbst denn dazu? Als D-Altjahrgang ist er ja schon zwölf oder dreizehn Jahre alt. Da weiß man sich zwar noch nicht so einzuschätzen und auszudrücken wie es ein Erwachsener kann, aber in einem guten Gespräch könnte man doch einen gewissen Eindruck davon bekommen, wo ihn der Schuh drückt.


    Er will mehr Freizeit. Es ist ihm einfach zu viel. Sagt er zumindest nach außen. Leider ist es für Außenstehende etwas schwierig zu bewerten, denn er nutzt die Freizeit keineswegs für scheinbar Sinnvolles, sondern zum rumliegen und online gamen. (Ich habe hier extra "scheinbar sinnvolles" geschrieben, da mit klar ist, dass seine Sicht über sinn- und nicht sinnvoll natürlich eine komplett andere ist). Es tut einem nur in der Seele weh, wenn man sieht, wieviel Zeit in diese "Scheinaktivität" gesteckt wird und dass dann auf die Aktivität mit den Freunden verzichtet wird.

  • Bei uns ist die Saison bedingt durch den langen Winter ziemlich lang. Normalerweise sollten bereits mit dem 01. und 02.Juni, die letzten
    Punktspiele ausgetragen worden sein. Zur Zeit stellt sich bei vielen die Einstellung ein, man bräuchte jetzt mal Pause. Sei es bei den
    98er-Jahrgängen oder bei den 2001er-Jahrgängen. Speziell an unserem Stützpunkt und der Landesauswahl, haben sehr viele Spieler immer
    einen sehr langen Tag. Mit dem DFB-Stützpunkt haben die Jungs/Mädchen 3-4mal in der Woche Training, dazu am Wochenende noch
    mindestens ein Spiel. Die Schule fordert auch immer mehr, gerade die Gymnasien mit dem G8-Müll. Und überall erwartet man von Ihnen
    Leistungs und Spitzenleistungen. Da kann ich es sehr gut verstehen, wenn die Lust mal nachlässt.


    Ich habe gestern erst mit meinem Landesauswahl-Torhüter eine Trainingseinheit über 2 Stunden durchgeführt. Zusätzlich zum normalen Training,
    den Trainingseinheiten in der Talentförderung und der Schule. Leider erhält er kein gesondertes Torwarttraining, weshalb er die über eine Stunde dauernde
    Fahrt (je Strecke) auf sich nimmt, was ich sehr bewundere. Auch von den Eltern, dass diese da so hinterstehen. Er geht aufs Gymnasium und ist echt froh,
    dass bald Sommerferien sind. Was Fussball angeht macht er wirklich alles mit und auch sehr gerne. Extrem ergeizig und super Voraussetzungen.
    Wenn er mir nun aber in einem persönlichen Gespräch sagt, dass ihm das zu viel wird, kann ich das voll und ganz verstehen und habe da Verständnis für.


    Und er ist da kein Einzelfall. Gerade wenn es in Richtung Endspurt geht, dann versagen vielen Kindern und Jugendlichen die Kräfte. In der heutigen
    Gesellschaft muss man dann auch aufpassen, in welche Richtung das dann geht. Bisher konnte ich alle meine Jungs und Mädchen immer wieder
    in regelmäßigen Gesprächen neu motivieren. Aber die Meisten sind froh, wenn sie mal kurz abschalten können und sich dann auch ausruhen können.
    Das gilt besonders für die Leistungssportler, die fast täglich zu gange sind.
    Und nicht desto trotz, muss jeder versuchen das letzte Quäntchen zu mobilisieren und herauszuholen, um sich steigern zu können...
    ...an dieser Stelle trennt sich dann die sogenannte Spreu vom Weizen!

    Einmal editiert, zuletzt von TRST ()

  • Callahan, ich würde dir raten, keine Bewertung der Freizeitaktivitäten von Jugendlichen abzugeben. Ich selbst habe es immer gehasst wie die Pest, wenn es hieß, man solle doch lieber 'sinnvolle Dinge' tun als seine Zeit zu verschwenden. Jeder Mensch hat seine Pflichten, die muss er erfüllen. Alles, was darüber hinaus geht, ist freiwillig. Natürlich muss jeder auch mit den Konsequenzen seiner Handlungen oder auch Nichthandlungen leben. Wenn also im vorliegenden Fall der Spieler weniger Zeit für Fußball aufwenden möchte, kann es passieren, dass ihn Andere überflügeln und er Weniger erreicht als sie. Aber das ist doch seine Entscheidung, oder?

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • tobn: Selbstverständlich. Das steht mir nicht zu, und ich will es auch gar nicht. Trotzdem suche ich nach einem Ansatzpunkt, um seine Motivation wieder rauszukitzeln.


    Vielleicht ist er auch wirklich einfach nur satt und braucht jetzt die Sommerpause und "beobachten und abwarten" ist die beste Devise und er kommt dann von alleine wieder auf Touren.

  • Vielleicht ist er auch wirklich einfach nur satt und braucht jetzt die Sommerpause und "beobachten und abwarten" ist die beste Devise und er kommt dann von alleine wieder auf Touren.


    So ist es zumindest bei meinem Sohn: wenn mal eine Woche mit besonders viel Fußball oder auch anderen Terminen zu Ende geht, hat er auch mal keine Lust mehr. Bei ihm dauert es aber nur ein paar Tage, dann fehlt ihm Fußball doch wieder. Ich denke, bei deinem Fall ist die Lage schon etwas schwerer, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass eine gar nicht mal so lange Auszeit Abhilfe schaffen könnte. Wenn die Unlust dann aber schnell wieder kommt, müsste man vielleicht tatsächlich über eine Reduktion des Pensums nachdenken.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Meine Frau ist Lehrerin. Die sagt wir müssten eigentlich mind. 6 Wochen vor den Ferien das Fußballprogramm runter fahren, weil dann die Zeit der Klassenarbeiten und Abschlussprüfungen beginnt. Wir trainieren 'nur' zweimal die Woche, und das wäre für viele Kinder schon zu viel, um in den Streßphasen alles unter einen Hut zu bringen. Die Hauptorganisation rund um die Kinder haben die Mütter am Hals, und die wären alle froh wenn man beim Fußball rechtzeitig einen Gang runter schaltet (sagt meine Frau).


    Vielleicht hat sie ja recht, als Fußballtrainer verliert man womöglich den Maßstab, da man sich sehr auf den Trainings- und Spielbetrieb fokussiert (auch schon als D-Jugend Trainer). Mir tun die Stützpunkt und Kreisauswahlspieler eher leid, die zusätzlich zum normalen Betrieb noch Einheiten und Spiele/Turniere haben. Ich verstehe sowieso nicht warum man ein Kreisauswahltraining in Konkurrenz zum Vereinstraining sieht, das zusätzlich abzuleisten ist. Das müsste sich doch eigentlich ergänzen, um die Kinder nicht zu überlasten, also in der Form ein Kreisauswahltraining ersetzt ein Vereinstraining ?!

  • Jungs in diesem Alter (Beginn der Pupertät) sind doch ständig auf der Suche und Persönlichkeitsfndung. ständig wechselnde Gefühswelt und ständig Neues ausprobieren.


    Dafür brauchen sie Zeit, der eine mehr, der andere weniger.


    Neben den schon aufgeführten Gvründen wird aus meiner Sicht den Jungs desen nicht gegeben.


    Hier sehe ich die Traner in der Verantwortung. Wir hatten die Diskussion vor kurzem, als es um die Winterpause oder die jetzt kommende Pause ging.


    Für mich sind die eindeutig zu kurz. Saisonvorbereitung, Vorrunde, dann nahtlos in die Hallenrunde und dann direkt in Rückrunde. wo ist
    da der Zetraum, sich mal gedanklich mit was anderem zu befassen?


    Da wundern sich einige, dass manche Spieler jetzt zum Saisonende plötzlich keine Lust mehr versprüren. sie wehren sich einfach, auch gegen das hohe
    Anspruchsdenken der Trainer.


    Gerade in dieser Altersstufe sollte man doch den Jungs mal eine längere Zeit geben, sich mit was anderem intensiv befassen zu können. dazu bedarf es aber
    der entsprechenden Pausen vom Fussball.


    Nicht alle Jungs brauchen das, aber viele.


    Deshalb sollte man sich überlegen, ob eine längere Pause im Winter und in den Sommermonaten letztendlich nicht wesentlich produktiver ist,
    asl die verlorene Trainingszeit.


    Lust auf Etwas hochhalten, wird nicht dadurch erreicht, dass man es ständig anbietet, ständig machen kann, sondern dass Betreffendes auch mal entzogen wird. Als Spieler wurde ich nach einer längeren Pause immer geiler auf Fussball, zum Saisonende war ich froh, dass es vorbei war.


    das trifft auch auf Trainer zu, es sei denn das Trainerdasein ist ihr einziger Lebensinhalt.


    ich sehe es doch im eigenen Haus. Wir haben seit 14 Tage fussballose Zeit. Plötzlich wird Basketball oder Tischtennis gespielt, das Fahrrad wird wieder mal öfters genutzt, Freunde treten stärker in den Vordergrund oder auch mal nur rumgehangen (nicht ganz so unwichtig)


    Nicht nur die Anderen, auch der Trainer mit ihrem teilweise überzogenen Ausbildungsgedanken (im Breitensport) ist an viielem Mitverantwortlich.


    gg