Ja, kaiser franz, ich kann dich verstehen, das ist eine richtig blöde Situation. Zum Glück ist mein eigenes Kind nicht betroffen, aber es ist leider häufig so, dass, wenn ich sehe, wie F- und E-Jugendtraining läuft, sich mir die Fußnägel hoch drehen. Und es ist bei der Elternschaft oft tatsächlich so, wie du sagst: wenn die eigene Mannschaft gewinnt und das eigene Kind sogar noch Tore schießt, ist alles in Ordnung. Verliert die eigene Mannschaft, so wird gerne das andere Team als Vorbild genommen und deren vermeintliche Eigenschaften von den eigenen Kindern und/oder dem Trainer gefordert. Und kurzfristig ist es ja auch einfacher und erfolgreicher, wenn man Spieler fast ausschließlich auf Positionen einsetzt, die ihnen auf den ersten Blick entgegen kommen. Langfristig hat es aber deutliche Nachteile.
Zu deiner Situation: wie fühlt sich denn dein Sohn? Ist er zufrieden, fühlt er sich insbesondere in der Mannschaft wohl? Gäbe es alternative Vereine in der Umgebung, die kindgerechteres Training und Spiel anbieten? Hast du schon mal das diplomatische Gespräch mit dem neuen Trainer gesucht? An und für sich hast du, wie ich meine, doch gar keine schlechte Position, wenn du von dir aus das Gespräch suchst: dein Sohn spielt regelmäßig und schießt sogar die Tore, der Trainer wird von sich aus kaum damit rechnen, dass du unzufrieden bist. Damit würde ich auch das Gespräch eröffnen, eben dass du ja vielleicht, wie er und viele andere meinen könnten, keinen Grund zur Klage hast. Aber... Wahrscheinlich wäre es dann im Gespräch geschickter, dich mehr auf deine jetzige Rolle als Vater zu konzentrieren, dem es vor allem um das Wohl seines Kindes geht, und weniger als ehemaliger Trainer der Mannschaft darzustellen. Natürlich kannst du deine Positionen mit Kenntnissen untermauern, die du als aktiver Trainer gesammelt hast. Ich würde aber versuchen, das Gespräch in die Richtung eines offenen Dialoges zu lenken, d.h. ich würde versuchen, ihn ausführlich zu Wort kommen zu lassen, ihn seine Sicht der Dinge, sein Konzept und seinen Plan, seine Motivation darzustellen. Da dürften sich dann genügend Punkte ergeben, über die man sich dann unterhalten kann. Vielleicht hat er die Dinge ja noch nie so sehen können wie du..
