Erfahrungen

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung
  • mir ist kein besserer Titel für nachstehendes eingefallen, um nachstehende Situation zu überschreiben.


    2 Dorfvereine, gleicher Jahrgang, Verein A älterer,erfahrener Trainer, Verein B junger, engagierter, sich ständig weiterbildender Trainer.
    beide Trainer verstehen sich gut und respektieren sich. beide richten sich mehr oder weniger nach den Zielen im Kinderfussball.
    beide Mannschaften laufen sich ab G ständig über den Weg.


    beide Trainer legen viel Wert auf eine technisch gute Ausbildung.


    Trainer A legt darüber mehr Wert auf körperlich geführte Zweikämpfe als B
    Trainer A ist es wichtig, dass zielorienterter gespielt wird, das heisst dass ständig der Weg zum Tor gesucht wird, wobei auch ab E-Jugend der lange Paa gefordert wird.
    Trainer A ist auch etwas konsewuenter im Umgang mit der Mannschaft.
    T (rainer A hat stest vermittelt, dass das Ziel des Spiels das Gewinnen ist, egal ob Punkt oder Freundschaftsspiel (hat absolut nichts mit gewinngeiler Trainer zu tun)


    Trainer B hat eindeutig seinen Schwerpunkt im Kurzpass und genauen Zuspiel. im Gegensatz zu A spielt er reine Kette.
    Trainer B geht etwas mehr die liebere Tour, mehr Verständnis für alles, trotzdem mit einer gewissen Konsequenz
    Trainer B hat seiner Mannschaft vermittelt, dass der Ausgang eines Spieles nicht so bedeutend ist, sondern mehr die Spielweise


    Spielerisch war bis einschl.D die Mannschaft von Trainer B leicht stärker, jedoch war am 16er Schluss mit der Fussballkunst, Mannschaft A gewann alle Spiele.


    In der C wechselten nun 2 Spieler von A zu B, da deren Verein ab C in der Bezirksliga spielten.


    in der B-Jugend ergibt sich nun folgendes Bild:


    spielerisch ist die Mannschaft für die entsprechende Klasse auf einem recht guten Niveau. spielt mit einer guten Viererkette.
    ganz augenfällig ist jedoch folgendes:


    bis auf die 2 Spieler, die von A gekommen sind, haben deutlich Schwächen wenn es in körperliche 2-Kämpfe geht,deutliche Defizite beim Zug zum Tor,
    Bälle werden in der Abwehr (hier erfolgt noch ein guter Aufbau zum Mittelfeld hin) und im Mittelfeld hin un her geschoben. der lange Pass, der weite Querpass wird recht selten gespielt. Ohne Ball sucht kaum ein Mittelfeldspieler in die Spitze oder in den freien Raum. es wird sich zwar ständig angeboten, aber meist nur in der Form, dass auf den Ballbesitzer zugegangen wird und kaum der freie Raum gesucht wird.


    ich hab es bewusst etwas extrem dargestellt, um die Situation zu verdeutlichen.
    die Mannschaft spielt in der Kreismeisterschaftsstaffel um den Titel mit, hat 4 Punkte abgegeben gegen Mannschaften, die neben einer etwa gleichstarken Spielstärke auch
    in den körperlichen Zweikämpfen einfach stärker waren.


    die 2 Spieler von Trainer A fallen eindeutig auf. Ohne deren Zug zum Tor (einer davon hat 50 % der Tore geschossen und und ca. 30 % der Resttore vorbereitet.)
    ohne die beiden, wäre die Mannschaft nur Mittelmass.
    vom technischen Können her, sind die beiden jedoch auf einer Stufe mit fast allen anderen Spielern.


    Meine Fragen nun:


    wer hat Erfahrungen mit Mannschaften, die er von G bis B oder A verfolgt hat.


    Kann es sein, dass eine zu starke Wertelegung auf rein spielerische Elemente auch negative Begleiterscheinungen mit sich bringen.
    Ist es erforderlich auch im unteren Jugendbereich mehr Wert auf Zielstrebigkeit und auch körperlich geführte Zweikämpfe zu legen und auch lange Pässe gefördert werden sollten.


    Für mich sind die Fragen deshalb interessant, weil ich immer schon (und das ist ja bekanntlich recht lange) veränderte Trainingsmethoden und Umgang eines Trainers mit
    einer Mannschaft langfristig verfolgt habe. und welche Auswirkung das hat, bis die Spieler in den Aktivenbereich wechseln und ihr weitere Entwicklung dort ist.


    Diese Ergebnisse haben natürlich einige Einstellung von mir auch im Kinder- und Jugendfussball gerägt .


    gg

    Einmal editiert, zuletzt von guenter ()

  • Hallo Günter,


    ich kann deine Erfahrungen nachvollziehen und habe eine passende Anekdote aus meiner noch spärlichen Erfahrung, die genau in die gleiche Richtung geht.


    Wir haben das in der gesamten Bambini und zu Beginn der F auch eher wie Trainer B gehandhabt. Wenn wir Spiele verloren haben, dann weil der Gegner galliger war, mehr mit lange Bällen und Rausdreschen gespielt hat. Spielerisch-technisch habe ich uns immer mindestens gleichwertig gesehen. Unter dem perspektivischen Aspekt haben wir das aber immer akzeptiert.


    Dann kam ein im Herbst 2012 ein neuer Spieler in unsere Mannschaft, aus einer anderen Stad umgezogen, war in seiner alten Mannschaft einer der wenigen Fußballverrückten, oft unterfordert und mangels starker Mitspieler vielleicht auch etwas unzufrieden, körperlich sehr robust, spielt viel in der Freizeit, hat einen älteren Bruder.


    Er spielt enorm präsent, geht dahin wo`s weh tut. Er spielt auch schon mal einen Befreiungsschlag oder eine Kerze, wenn`s nicht anders geht. Er geht oft alleine, ohne wirklich egoistisch zu sein. Er zieht auch schon mal ab, ohne blind rumzudreschen.


    Interessanterweise integrierte er sich problemlos in unsere Team, wir befruchteten uns praktisch gegenseitig. Er fühlt sich bei uns laut Aussage seiner Opas sauwohl. Viele Jungs schauten sich bei ihm etwas ab, die Mischung zwischen Kampf und Schönheit stimmt seitdem, spielerische und körperliche Aspekte halten sich besser die Waage, genauso wie die Balance zwischen Kurzpass und langer Bälle. Nachteile kann ich keine ausmachen.


    Unsere Jungs spielen noch immer einen schönen Ball, sind kreativ, versuchen Spielsituationen sauber zu lösen, verkrampfen nicht oder spielen blind-doofen Fussball. Die Ergebnisse stimmen außerdem, wir schlagen jetzt die Mannschaften, die uns in der Bambini noch den Schneid abgekauft haben, ohne das wir unser Spiel dafür leugnen müssen. Wir sind einfach unberechenbarer und vielseitiger geworden, reagieren flexibler auf neue Spielsituationen.


    Auch ich habe durch den Jungen etwas gelernt. Guter Fussball ist mehr als Technik, Taktik und Fitness. Viele beim modernen Fussball eher verpönte Aspekte gehören auch zum Spiel und es kann nicht schaden, wenn schon Kinder diese kennenlernen und einsetzen. Man darf sich als Trainer nicht zu stark an einer vermeindlich idealen Philosophie klammern, sondern sollte möglichst offen für alle Aspekte des Spiels sein, auch die eher Unattraktiven...


    Gruß, Christoph


    Edit: Ich gebe zu, dass drei Jahre Bambini und F-Jugend nicht deine Frage nach der Langfristigkeit beantworten können, fand meine Geschichte aber trotzdem zum Thema passend und wollte sie einfach loswerden :D

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

    Einmal editiert, zuletzt von Schimanski ()

  • Günter
    Wie mir scheint, handelt es sich beim Trainertyp A um den klassisch ausgebildeten Trainer mit entsprechendem Erfahrungsschatz. Beim Trainertyp B handelt es sich scheinbar um einen Trainer, der seinen Spielern individuelle Handlungsschnelligkeit und -sicherheit vermitteln möchte und darüberhinaus sehr großen Wert darauf legt, Tore nach reproduzierbarem Muster zu erzielen, statt nach der Methode einer "Boden-Luft-Rakete" Marke "fyre and vorget" Kraftstrotze auszubilden, die mangels taktischem Wissens immer und im Laufdueell und Zweikampf ihr Glück versuchen müssen!


    Je nach späterer Ligazugehörigkeit im Seniorenbereich wird eher die Zweikampfstärke (Breitensport) oder die individual-, gruppen- und mannschaftstaktischen Stärken (Leistungssport) benötigt.


    Momentan ist das schnelle Kombinationsspiel der Spanier Weltspitze, aber vielleicht wird die Körperathletik wieder eine Rolle spielen? Wer weiß das so genau? Denn auch Ticki-Tacki hat seine Schwächen! Denn bei dieser Taktik werden kaum Tore aus ruhenden Situationen (Ausnahme 11-Meter) erzielt und das Kopfballspiel wird ebenfalls als Torabschlußmöglichkeit vernachlässigt! Fussball ist ständig in Bewegung und nichts hat endgültige Bedeutung!


    Schauen wir uns heute Abend mal die DFB-Halbfinalspiele an und vergleichen sie dann mit den nächsten Championliga-Duellen der deutschen und spanischen Spitzenmannschaften?

  • Die Frage dürfte wohl nicht ein entweder - oder sein, sondern eher wie man am besten BEIDES vermittelt.
    Bei uns in der G bis E entfällt auf intensives 1:1, 2:2 und/oder 3:3 mindestens 20% der Ausbildungszeit. Das ist die individuelle Grundlage welcher sich jeder Spieler bei uns aneignen MUSS.
    Weitere 20% kommen ab der F für "Kleintaktische" Uebungen dazu: z.B. wie verhalte ich mich am Flügel, wie verschaffe ich mir Raum, Doppelpass, Pass in die Mitte, Seitenwechsel etc.
    Die abschliessenden 20% sind freies Spiel wo ich aber darauf bestehe, dass sie vor allem das grade vorher Gelernte möglichst oft ein- und umsetzen. Hier kann man dann natürlich auch immer beweisen dass es anders noch besser geht ;)
    Ab der F habe ich den Jungs "verboten" den Ball wieder dorthing zu spielen woher er gekommen ist. Zudem hat bei uns intern jeder nicht zwingende Rückpass "Weichei"-Charakter. Ausserdem muss der Ball mindestens 3 mal gespielt worden sein, bevor ein Tor zählt.
    So haben wir eigentlich immer guten "Zug" nach vorne. Man muss höchstens aufpassen, dass keiner dem Einzelkämpfersyndrom verfällt und alles alleine macht.

  • etwas Klarstellung:


    @TW liegst mit der Trainereinschätzung auf dem richtigen Weg.


    @TW Schimanski


    wohl etwas missverständlich und dadurch falsch rübergekommen.


    bei den beiden Spielern von B handelt es sich nicht um robuste Typen, eher das Gegenteil. der Torjäger, eigendlich von Haus aus
    der ideale Mittelfeldspieler, ist für einen B-Spieler mit so 1,70 garantiert kein grosser Spieler, trotzdem mt Abstand der beste Kopfaballspieler der Mannschaft (Timing, Technik und vor allem er geht in die Bälle).


    Schimanski, wenn ich von langen Bällen schreibe, meine ich nicht rausbolzen, Kerzen schlagen oder unkontrolliert wegschlagen, sindern gezielt den langen Pass einsetzten.


    der Unterschied wird wohl besser verdeutlicht wenn ich die Begriffe, Aggressivität (das bedeutet jetzt nicht Härte) Zielstrebigkeit,
    Spekulierend, Power, Handlungsgeschwindigkeit, räumliches Denken, verwende.


    Trainer B, von dem ich sehr viel halte, hat sich stark an den DFB gehalten, Lehrgang in Holland besucht, und auch diverse Bücher
    gelesen. Sein Traning ab absolut Top aufgebaut.


    Trainer A hat dagegen mehr Wert auf die Einstellung zum Spiel und auf ergebnisorientierte Aktionen gelegt.
    Damit ist jetzt nicht das Spielergebnis gemeint, sondern dass jede Aktion kein Selbstzweck sein sollte, sondern mehr der Zielorientierung (vors Tor kommen) dient.


    das Vorgehen von A kommt da den Vorstellungen von @FB sehr nahe.


    mich interssiert in der Hauptsache ob bereits andere Erfahrungen bei einem über Jahre durchgehendem Konzept (bei beiden Trainer
    waren es jeweils rund 8 Jahre) haben.


    Für mich ist nämlich nur das Ergebnis das dann feststellbar ist, für das Vorgehen entscheidend.
    Ich kann das jetzt aber an diesem Einzelfall absolut nicht beurteilen.
    Es kann ja auch durchaus sein, dass die beiden Spieler von A einfach die besseren Talente sind.
    Anderseits sind gewisse Werte auch auf deren Vermitllung zurückzuführen.


    gg

  • Ich sehe da eher einen anderen Aspekt:
    Beide Mannschaften wurden offensichtlich über einen längeren Zeitraum (G-B?) immer vom selben Trainer trainiert. Was meinst Du... - hätte es den beiden Mannschaften gutgetan, wenn sie irgendwann mal die Trainer getauscht hätten?

  • Follkao


    A trainierte bis einschl D
    B noch ein Jahr C


    also Spieler von A haben bereits m dritten Jahr, die von B seit 2 Jahren einen anderen Trainer (auch ein Guter)


    Einwand berechtigt, machte mir darüber schon früher Gedanken, fraglich jedoch, ob de Konzeption von den beiden weitergeführt worden wäre. sowohl die beiden Spieler von A, als auch 2 Spieler von B waren auf dem Stützpunkt, hatten also 1 mal die Woche einen anderen
    Trainer.


    gg


  • Einwand berechtigt, machte mir darüber schon früher Gedanken, fraglich jedoch, ob de Konzeption von den beiden weitergeführt worden wäre.

    Welche Konzeption auch immer dahintersteckt - jeder Trainer hat seine Schwerpunkte, auf die er bewusst oder unbewusst besonders fixiert ist.


    Diese Mannschaften hatten 8 bzw. 9 Jahre denselben Trainer. Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass ein Wechsel zwischendurch guttut. Ich sehe das bei Spielern, die ich an andere abgebe genauso wie bei Spielern, die ich von anderen übernehme: Durch die andere Ansprache, die andere Methodik, den anderen Umgang, die anderen Schwerpunkte usw. werden meistens Dinge rausgekitzelt, die man vorher nicht gesehen hat.

  • Follkao


    da stimme ich dir absolut zu.
    meine eigene Planung war von G bis einschl. E, dann neuer Trainer.


    Just zu dem Zeitpunkt wurde jedoch bei uns D9 eingeführt, Mannschaft blieb genauso wie vorher zusammmen, erst zur C hin war
    zusammenführung von 2 Jahrgängen geplant. Da auch kein mir passender Nachfolger da war, halt Dorfverein und ein weng eingebildet st man ja auch, hab ich dann noch gegen meine eigene Meinung 2 Jahre drangehängt. sah mehr Voreile wie Nachteile.


    aber grundsätzlich sehe ich das genauso wie du.


    gg