Taktische Revolution im Fußball - und wir kriegen es nicht mit?

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  • Was ich persönlich ebenfalls interessant finde, ist, dass viele italienische Teams mittlerweile neben der bekannten 4er Kette auch vermehrt mit einer 3er Kette in der Abwehr spielen. Mit Juve und Napoli spielen die zwei aktuell zumindest in der Liga besten italienischen Teams meistens mit nur 3 nominellen Abwehrspielern. Auch Teams wie Inter spielen immer mal wieder mit einer 3er Kette und Juve ist damit auch in der Champions League aktuell wieder sehr erfolgreich und wird sicherlich im Viertelfinale kein leichter Gegner für wen auch immer sein. Da ja Italien in der Historie im taktischen Bereich oft eine Vorreiterrolle hatte, wird es interessant sein zu sehen, ob sich das auch mit Verzögerung in anderen Ländern zeigen wird und ob sich diese Neuerung auf Dauer etablieren kann.

  • @SirAlex


    das was du bei Tuchel und Klopp beschrieben hast, haben wir früher als Spieler, natürlich auf einem viel niedrigeren Niveau,
    auf dem Platz selbst durchgezogen.


    leider kam dann eine Zeit, in der taktische Vorgaben und Aufgabenstellung bis ins kleinste hinein und dessen Einhaltung, oberstes Gebot vieler Trainer war. zumindest in der Offenisve kommt man da immer mehr davon ab.


    habt ihr gestern eigendlich gesehen, wie oft Neuer den langen Ball spielte, und wie selten ein Anspiel dazu im Vergleich erfolgte?


    sture Verfechter einer dauerhaften bestimmten einseitigen Richtung fallen irgendwann auf die Schnauze und wundern sich, warum seine Mannschaft auch von schwächer besetzten Mannschaften aus dem Spiel genommen werden.


    gg


    an Spieler war

  • Mourinho


    überrascht dich das? mich nicht.


    von 3 auf 2 und jetzt auf 1 echten Stürmer, verändertes Verhalten (Laufwege) der Spieler auf den Aussenpositionen,
    grösserer Bedarf an Mittelfeldspieler durch überzahlmässiges Pressing und Vorchecking, wird zwangsläufig zu einer anderen
    taktischen Vorgehensweise im Abwehrbereich führen.


    als Beckenbauer seinerzeit durch seine Spielweise den Libero vollkommen neu interpretierte, wurde das als das Non plus Ultra
    angesehen, und auch bis in die untersten Klassen zumindest teilweise übernommen.


    Heute wird das, auch in Unkenntnis wie das richtig gespielt wurde, total abgelehnt.


    Durchaus möglich, dass dies auch mal mit der Viererkette geschieht, die übrigens heute ganz anders gespielt wird, als zu den Anfangszeiten.
    die Viererkette aus der Anfangszeit sehe ich heute aber bei vielen unterklassigen Mannschaften. argumentativ modern, gespielt jedoch von gestern.


    gg


    gg

    Einmal editiert, zuletzt von guenter ()

  • Ich habe ein wenig gewartet, wann wohl nach einem Synonym für die Beschreibung einer Situation gesucht wird. Allerdings sollte es unterschiedliche Spielsituationen beschreiben. In allen 3 Beschreibungen soll der Gegner am Spielaufbau gehindert und wenn möglich möchte man in Ballbesitz gelangen. Dennoch sollte man sie nicht miteinander verwechseln:


    1. Forechecking
    Hier wird die älteste Form des Pressings beschrieben. Es stammt aus der Zeit des gegnerorientierten Spiels. Um die gegnerische Überzahl in der Abwehr auszugleichen, wurden diese mit hohem Thempo von 2 - 3 Angreifern zwecks Ballgewinn angelaufen. Als die Torleute dann zum mitspielenden Torspieler ausgebildet wurden, verschwand das Forechecking mehr und mehr im Fussball. Man kann es aber noch heute in den unteren Kreisklassen des Seniorenbereichs, in denen noch kein ballorientiertes Spiel gepflegt wird, hin und wieder vorfinden.


    2. Pressing
    Wie beim Forechecking ist auch hier der Gegner in Ballbesitz. Allerdings wird im Gegensatz zum Forechecking nicht allen der ballführende Gegner attackiert, sondern auch dessen Flanken. Für das Pressing eignen sich alle 3 Spielfeldzonen. Während beim Angriffs- und Mittelfeld-Pressing eine Vorbereitung (Passweg für den Rückpass zum IV) notwendig ist, verhält man sich beim Abwehrpressing abwartend und versucht durch zunehmende Verdichtung der Räume in Richtung Zentrum den Gegner zu Fehlpässen zu verleiten.


    3. Gegenpressing
    Würde man diesen Begriff wortwörtlich nehmen, so könnte die Bedeutung in die Irre führen. Denn eigentlich ist das Gegenteil von Pressing das strikte Verbot gegen den Ball zu agieren. Aber genau das ist nicht der Fall! Denn es beschreibt eine bestimmte Situation, in der der Gegner beim Abwehrpressing in Ballbesitz gelangt ist und seinerseits nun das Spiel aufbauen möchte. Während beim Forechecking und Pressing der Spieler beim Ballverlust unmittelbar nachsetzt, um den Ball zurück zu erobern, verdichten beim Gegenpressing sofort alle in Ballnähe befindlichen Spieler den Raum um den ballführenden Gegner. Nur dann, wenn genügend eigene Spieler blitzschnell zum Gegenpressing im gegnerischen Drittel ansetzen, bestehen gute Chancen auf die Ballrückeroberung. Auch erhöhen sich die daraus resultierenden Torchancen deshalb, weil die gegnerischen Spieler zwecks Spielaufbau die Abstände untereinander vergrößern.


    3.a. Verbund-Lösungen
    Um das Spiel während bzw. besser noch vorm Gegenpressing nach der Balleroberung sicher herauszuspielen, agieren Abwehrketten im Verbund. D.h. die Abwehrkette vergrößert nicht mehr nach Balleroberung die Abstände untereinander, sondern die Abstände bleiben für einen kurzen Moment, bis der Ball sicher per Kurzpassspiel durch den gefährdeten Bereich herausgespielt wurde. Es kommt bei dieser Art der Spielführung zwar nicht mehr so häufig zu Kontersituationen, dafür reduziert sich aber auch die Gegentorgefahr des Gegenpressing-Versuchs. Leider spielen derzeit nur einige europäische Spitzenclubs dieses System und leider gehören dazu noch keine Deutschen. Zwar dürfen wir uns darüber freuen, dass seit langem mal wieder 2 deutschen Teams unter den letzten 8 in der Championsliga vertreten sind, die Chancen auf einen Titelgewinn sind jedoch nicht besonders groß! Dennoch besteht durchaus Hoffnung, dass taktische Vorsprung aufgeholt.


    Zwar haben sich im Laufe der letzten 20 Jahre die Umschaltphasen immer weiter verkürzt, dennoch besteht der spielerische Erfolg nicht allein darin! Denn wie das Beispiel vom Hasen und dem Igel zeigt, nützt es dem schnelleren Spieler nichts, wenn der Gegner bereits die Räume, die er für sich nutzen will, besetzt hält. Auch wäre es entsetzlich, wenn der Fussball nicht mehr aufgrund genialer Geniestreiche bereichert würde, sondern nur noch taktischen Zwängen preisgegeben würde!


    Es zeigt einmal mehr, wie wenig wir noch vom Fussball verstehen und macht neugierig, was wohl als Nächstes kommen wird!

  • Ich hatte ja geschrieben, dass ich nach unserer Rückrunde mal berichten werde.


    Wir sind bedingt durch verschiedene Umstände (Witterung, viele Wochentagsnachhol- und Pokalspiele) eigentlich nur bis zum "Umschalten auf Ballbesitz des Gegners" = Gegenpressing gekommen.
    Verbunden aber mit der Basislegung in der vergangenen Saison sowie des Trainings des mannschaftstaktischen Verhaltens gegen den Ball in der Vorrunde hat sich aber schon da wirklich ein ziemlich großer Unterschied gezeigt - und zwar positiv.


    Spiele gegen Teams, die "ein kleines bisschen schwächer" als wir sind (bitte nicht als Arroganz verstehen, sondern nur als Situationsbeschreibung), die in der Hinrunde noch knapp waren, wurden in der Rückrunde hoch gewonnen - meist war zur Halbzeit bereits eine Führung mit drei oder mehr Toren zu verzeichnen.


    Die Spiele gegen die direkten Konkurrenten um die Meisterschaft wurden dominiert und auch jeweils verdient gewonnen.


    Allen Spielen war gemein, dass der Ball entweder früh gewonnen werden konnte oder der Gegner zum langen Ball gezwungen war, der unsererseits prima verteidigt werden konnte. Kein Gegner fand zu "seinem" Spiel.
    Einen solchen Unterschied habe ich zuletzt bei der Umstellung von Manndeckung auf ballorientiertes Spiel erlebt.


    Da wir mit dem Großteil des Teams eine Jugend nach oben wandern, werden wir kommende Saison neben Intensivierungen des bisher absolvierten auch auf die Phase "Umschalten auf eigenen Ballbesitz" eingehen. Ich bin mal gespannt, welche Auswirkungen das haben wird.


    Mein Fazit:
    Ich kann nur empfehlen, sich mit den Umschaltphasen zunächst theoretisch ausführlich zu beschäftigen und diese dann zeitlich gesehen als Blocktraining anzubieten.
    Für mich ist vor allem das Gegenpressing tatsächlich ein taktischer Trend, dessen frühzeitige Entwicklung und Anwendung viele Vorteile gegenüber anderen Teams bescheren kann.

  • Willi


    Im Juniorenbereich sollte ein gut funktionierendes ballorientiertes Spielsystem ca. eine Liga ausmachen. Zunächst einmal gilt es die Basis für die teil anderen Funktionen beim ballorientierten Spiel zu erläutern. Danach sollten die Reihen mit dem Verschieben bei eigenem und gegnerischen Ballbesitz trainiert werden. In der nächsten Phase kann man die Variablität der Angriffsspielzüge (z.B. das Hinterlaufen des AV beim Außenbahnspieler) trainieren. Wenn nun jeder Spieler (mit Ausnahme des Torwarts) mindestens in 2 unterschiedlichen Positionen spielen kann, sollte es an die Verfeinerung der ballorientierten Taktik gehen.


    Hier ist das Gegenpressing ganz besonders erfolgreich. Denn Gegner, die diese Variante nicht beherrschen, werden bei Ballbesitz zunächst auf Ballkontrolle und dann erst auf den Spielaufbau setzen. Der Zeitpunkt der Ballkontrolle läßt sich sehr gut fürs Gegenpressing ausnutzen. Ganz besonders erfolgreich sind dabei die Ballrückeroberungen im oder am gegnerischen 16-m-Strafraum. Denn dort kann man etweder direkt oder durch einen einzigen Pass zum Torabschluß kommen. Diese günstige Situation resulitiert daraus, dass die Abwehr des Gegners nicht mit einem Gegenangriff auf den Ball rechnet, sondern wenn überhaupt, lediglich auf ein Zustellen zwecks Verzögerung des Spielaufbaus.


    Wenn du das mit deiner B-Jugend schon hinbekommen hast, dann kann man dir und deinen Jungs dazu gratulieren. Denn gerade in der B-Jugend gibt es hin und wieder "Einzelkünstler", die wenig diszipliniert spielen und bei Ballbesitz wie auch der Ballrückeroberung entweder aufs Dribbling setzen und dann den Ball rasch wieder verlieren oder einen unter Druck stehenden Mitspieler bewußt anspielen, damit dieser den Ball per Doppelpaß (mit ins zugestellte Zentrum) zurückspielt.


    Das ballorientierte Spiel verkürzt die Reaktionszeiten, denn der Spieler sollte bereits unmittelbar vor dem eigenen Ballbesitz wissen, was er machen will und seine Mitspieler müssen diesen Spielzug bereits erahnen können. Der Gegner bedankt sich, wenn da ein Abwehrspieler weiterhin zunächst einmal den Ball unter Kontrolle zu bringen und mit dem Ball "Meter machen" möchte, weil kein Gegenspieler in der Nähe ist. Denn diese Zeit kann er gut nutzen, um wieder Ordnung in die Abwehr zu bringen, wenn ein Gegenpressing nicht möglich ist.


    Nun ist ja die Saison fast schon zuende und man sollte nicht versuchen, zu schnell zu viel zu machen. Denn erst mal muß die Basis funktionieren. Wenn du aber wieder einen "guten Jahrgang" bekommst und die Jungs gut mitziehen, dann probier doch mal die 4 : 2 : 3 : 1 Formation bei eigenem Ballbesitz und das Umschalten auf 4 : 4 : 2 bei gegnerischen Ballbesitz. Bei dieser Variante kannst du hin und wieder sogar in gute Gegenpressing-Situationen im vorderen Mittelfeld kommen, weil du mit 2 Angreifern und zwei dahinter positionierten Viererreihen die gefährlichen Pässe in die Tiefe sehr gut verhindern und bei Balleroberung entweder wieder auf ein 4 : 2 : 3 : 1 (bei Balleroberung im eigenen Drittel) oder auch ein 4 : 4: 2 (Balleroberung oder Ballrückeroberung im gegnerischen Drittel) umschalten lassen kannst. Im Regelfall wird dies jedoch ein wöchentliches Extra-Training erfordern. Denn während der Analyse werden auch immer wieder individualtaktische Fehler (sehr häufig wird der ballführende Gegenspieler frontal statt seitlich angelaufen) zu korrigieren sein. Wer aber daran Spaß hat und eine Mannschaft, die Bock darauf hat vorfindet, der kann in einem Jahr deutliche Fortschritte beim taktischen Verständnis der Spieler erreichen.

  • Du wirst lachen - aber wir spielen es genau andersrum:
    Bei gegnerischem Ballbesitz formen wir eher ein 1-4-2-3-1, bei eigenem ein 1-4-4-2. Sprich, meist (zumindest gegen stärkere Gegner) verlange ich von einem meiner beiden Stürmer, sich auf die 10 fallen zu lassen, wenn der Gegner den Ball hat. Der andere geht dafür tiefer.


    Hintergrund war/ist, dass das taktische Anlaufen schon sehr gut funktioniert und wir den Ball zur Seite drängen. Teils lässt sich der gegnerische Innenverteidiger aber nicht drauf ein, sondern spielt den langen Ball. Den hat unsere Kette gut im Griff und gewinnt eigentlich fast jeden ersten Ball - wehrt in aber oft "vor" unsere Doppelsechs ab und der Gegner sammelt einen einfachen zweiten Ball ein. Deswegen lasse ich diesen Raum durch einen Stürmer besetzen.


    Damit sich nicht beide Stürmer abhetzen, wechseln sie sich in beiden Rollen ab und haben damit bezüglich ihrer Laufwege gegen den Ball quasi eine Pendelbewegung auf nur einer Spielfeldseite anstatt auf dem ganzen Spielfeld.


    Das Umschalten auf den eigenen Ballbesitz haben wir wie beschrieben noch gar nicht trainiert. Unsere Flügelspieler haben aber Anweisung, bei Ballgewinn sofort breit zu gehen. Wir wollen unsererseits, sollte der Direktpass in die Spitze nicht möglich sein, wenn es geht eine direkte Seitenverlagerung spielen, um nicht selber in das Gegenpressing zu geraten. Klappt super und hat gerade in der Rückrunde zu vielen Toren geführt, weil unsere Spieler so oft in eine 1-gegen-1-Situation in Strafraumnähe kamen und den Tempovorteil hatten.

  • In der D darf der Ball vom Torwart kommend, nicht über die Mittellinie unberührt gespielt werden...soweit die Pille aus dem 12èr (16èr) kommt, ansonsten Freistoß.


    Ziel der Regel ist, dass man mit einem TWabschlag nicht bis in den Strafraum des Gegners abschlagen kann und es halt spielerisch löst (die Regel gibts ja auch für die Halle).


    Also haben wir uns taktisch überlegt, dass es Sinn macht, den Gegner zuzustellen und das in dessen Hälfte unter Absicherung des Innenverteidigers, der halt in unserer Hälfte kurz hinter der Mittellinie lauert. Der angespielte Gegenspieler wird sofort vom Ballnahesten meiner Spieler angegangen.


    DAS war nicht vorgegeben, sondern über viele Spielformen und über besagte Fragestellungen als Horst Wein so von den Jungs erarbeitet.


    Macht der Gegner das auch so, ...was die meistens nicht tun....stehen die Aussen-VT äusserst weit in den Ecken. Entweder sind sie anspielbar oder sie ziehen die gegnerischen äusseren Mittefeldspieler mit nach aussen und so ist in der Mitte mehr Platz. Über eine Körpertäuschung rennt dann ein gedeckter Spieler von uns auf ihn zu....bekommt die Pille und läßt zum anschließenden langen Ball klatschen. Das passiert so aber nur, wenn der Gegner uns auch zustellt.


    Klappt das ausnahmsweise mal nicht, legt der TW den Ball ab und eröffnet das Spiel durch rausdribbeln aus dem 12`er...


    Nun verstehen die Jungs im Prinzip schonmal, was ein Pressing bedeutet. Wenn wir den Begriff "Druck" rufen...wissen meine Jungs schon, was gemeint ist...einer halt auf den Ballführenden...die anderen in Ballnähe gehen an den Mann...und schauen nicht zu, wenn dieser die Pille hecktisch vom unter Druck stehenden Mitspieler erhält. Das ist eine prima Erfahrung.


    Wir sind überwiegend im zweiten Jahr der D. Im ersten Jahr war mir das noch zu früh. Es ist eine Mannschaftstaktik....die wir nicht abverlangen, aber es klappt trotzdem und hat sich als Rezept so über die Trainingsspielformen so entwickelt. Es ist eine -für mich- Handlungsalternative die aus dem Regelwerk und dem Willen spielerisch zu aggieren...entstanden. Es hat für mich mit einer Art Pressing bzw. dem späteren Verständnis darauf zu tun. Wir haben das in der Halle schon so gespielt und kamen darauf, das auch für Aussen als Alternative einzubauen.

  • Willi


    Erst mal ein Tipp: weil es selbstverständlich ist, dass man mit Torwart spielt, wird dieser bei der Spielformation einfach weggelassen. Dann wird z.B. aus 1 : 4 : 4 : 2 ein 4 : 4 : 2. O.K.?


    Natürlich ist es von Vorteil, wenn über den Jugendzeitraum eine einheitliche Taktik gelehrt wird, weil die Positionen teilweise mit unterschiedlichen Funktionen belegt sind und die jungen Spieler dann jeweils "umlernen" müssen. Allerdings gibt es nach m. E. weitaus häufiger die Situation, dass man im Durchschnittsverein 1 - 2 Trainer hat, die Wert auf den ballorientierten Fussball leben und auch über das nötige Taktikwissen verfügen, während der große Rest eher "kick and rush" spielen läßt. Deshalb muß man auch die Kirche im Dorf lassen, wenn mal jemand abseits der Norm andere Systeme ausprobiert.


    Willi, mach das ruhig weiter, wenn es deinen Jungs gefällt. Denn dann können sie später eher auf ein anderes ballorientiertes System umstellen, als wenn das alles während ihrer Jugendzeit unbekannt bleibt. Denn das Spiel über die Außenbahnen, bei der Zweikämpfe weitestgehend vermieden werden und das Risiko bei Ballverlust nicht so hoch ist, man den Tempovorteil vor dem gegnerischen Strafraum nutzen, lassen sich damit gut vermitteln.
    Man sollte eben nur nicht zu viel machen, weil sonst nur ein paar Leute in der Mannschaft das Spiel lesen können. Denn wichtig ist auch, ob man eine Aktion postiv oder negativ bewerten kann. Das hängt nicht immer nur vom Gegner, sondern auch von der Idee, die dahinter steckte, ab.

  • Bei uns in Württemberg wird in der Trainerausbildung gelehrt, den Torspieler in das System mit einzubeziehen.
    Es ist ja auch selbstverständlich, dass wir mit Abwehrspielern spielen, und die lassen wir auch nicht weg. Insofern ist es für mich eine Frage des Respekts gegenüber der Position des Torspielers, ihn mit aufzuführen.
    Wir sagen hier auch "Torspieler" statt "Torwart", um die gestiegenen Anforderungen an sein Spiel zu würdigen.
    Aber das ist ein Nebenkriegsschauplatz. :)


    Mir ist bewusst, dass die "höhere" Kunst z.B. darin bestände, den Gegner nach innen zu holen, z.B. den gegnerischen Sechser anspielen zu lassen und diesen dann zu pressen und den Ball zu gewinnen. Von dort aus hätte ich schon rein logisch gesehen mehr Optionen, selber etwas vernünftiges mit dem Ball anzufangen, als bei Ballgewinn außen.
    Aber wie du schreibst: Ich denke man muss die Kirche im Dorf lassen.
    Wir spielen mit Jugend und Aktiven Bezirksliga. Es bringt nichts, wenn ich das außerhalb eines jeden Ausbildungskonzepts mit einer einzelnen Mannschaft so einübe.

  • Willi


    Zwar achte ich nicht immer auf die Herkunft der Lehrgangsteilnehmer, aber deine Schilderung höre ich zum ersten mal!


    Ich will es nochmals kurz erläutern! Weil man immer nur 1 Torwart hat und lt. Fussballregel nicht 2 oder 3 Torhüter gleichzeitig in den Kasten stellen darf, braucht es keine zusätzliche Erwähnung, das es 1 Torwart gibt. Bei den anderen Positionen kann es eine unterschiedliche Anzahl an Reihen (z.B. 4 : 4 : 2 = 3 Reihen oder 4 : 2 : 3 : 1 = 4 Reihen) geben. Auch können die bei gleicher Anzahl von Reihen diese unterschiedlich stark besetzt sein
    (z.B. 4 : 4 : 2 oder 3 : 5 : 2)


    Über die Definition "Torspieler" und "Torwart" läßt sich trefflich streiten. Ich halte an der alten Definition "Torwart" fest, denn trotz der Zunahme an offensiven, spielerischen Aufgaben mit der Mannschaft liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit nach wie vor in der Torverhinderung. Zwar dirigiert und verteidigt der Keeper gemeinsam mit seiner Defensive, aber nur er hat spezielle Rechte im Strafraum. Er ist ein Spezialist und bedarf einer weitgehend anderen Ausbildung als seine Mannschaftskameraden. Allerdings habe ich auch kein Problem damit, wenn jemand meint, aufgrund inhaltlicher Veränderungen der Position es mit "Torspieler" zu umschreiben. Auch beim DFB war/ist man sich nicht einig, ob nun Torwart oder Torspieler richtig ist. Denn gerade aus dem Problem, (noch) kein richtiges TW-Training anbieten zu können, gab es den aus dieser Not heraus geborenen Begriff: "Die Mannschaft trainiert den Torwart, der Torwart trainiert die Mannschaft"! Jedoch findet sich nach wie vor in sehr vielen Beschreibungen der Begriff Torwart.


    Bei deinen Aussagen zum taktischen Niveau stimme ich dir zu. Denn gerade im Grenzbereich zum Leistungssport sind meist die stärksten Spieler des Gegners im Zentrum. Die möchte man möglichst gar nicht an den Ball kommen lassen. Deshalb wird beim "Passivpressing" der gegnerische Außenbahnspieler vom AV nicht ins Zentrum auf den 6-er getrieben. Denn, wenn dabei die Gasse für einen Pass zum Mittelstürmer vorhanden ist, denn geht es 20 mal "schief" und 1 x "gut". Dann glauben dir auch deine Spieler diese Variante nicht mehr, weshalb es aufgrund der begrenzten Trainingszeit einfacher und sicherer ist, den gegnerischen Außenbahnspieler nach außen abzudrängen, sein Tempo zu verlangsamen, ihn zu stellen, entweder zu Doppeln oder wenigstens am gefährlichen Pass in den torgefährlichen Bereich zu hindern.


    Man kann mit Einzelspielern zwar Übungen machen, die sollten dann aber entweder individual-taktischer Natur sein (z.B. richtiges Anlaufen bei gegnerischem Ballbesitz oder richtiges Timing beim Kopfball) aber nicht Gruppentaktisches, weil dazu mindestens die Mitspieler der Reihe benötigt werden. Der praktische Nutzen oder diese Mitspieler wäre sonst zu gering, weil sich keine Fehlerbilder ergeben, in denen sich situativ korrektes Verhalten beschreiben läßt.