Praxis von Mental-Training: Fälle, Fragen, Probleme, ditt un datt...

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  • Wer praktische Fragen zum Mentaltraining hat, kann ab sofort hier einen Platz dafür finden, damit Fragen im Meinungsaustausch (nicht durch mich o. irgendwen abschließend geklärt o. beantwortet) offen diskutiert werden können u. Theorie (Thread "Warum, Wie, Wo") und Praxis nicht weiter durcheinander laufen. Und es darf auch ein wenig geschnackt werden... Viel Spaß!

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Hier nochmal ein eigener Versuch zu praktischen Fragen: Ich habe unsere Jungs schon ein paar Mal im Frühjahr zu sog. Volksläufen angemeldet, mal der Bambini-, mal der 5km-Lauf. Vorher einiges Murren, im Lauf aber strengten sie sich enorm an, waren dann stolz auf ihr für den Zieleinlauf errungenes Lauf-Shirt u. in den ersten Punktspielen meist so ziemlich die beweglichsten. Außerdem war es immer ein schönes Familien-Come-together, wobei die Ehefrau nur anfeuerte, aber mit kam.Nun steht die Entscheidung wieder an: anmelden wider den faulen inneren Schweinehund o. ist dies zu fremdbestimmend? Wie wären ihre Motivlagen mental zu verstehen? Kann man den Einsatz mental, also nicht materiell per Belohnung unterstützen? (Trainer ihrer Teams wollten die freiwillige Teilnahme bisher nie als mutmaßliche Motivationsspritze anbieten, daher sähe ich diesbezüglich schwarz, obwohl ich es vor 4 Jahren mal anbot, 12 von 13 Kindern mitmachten, alle ins Ziel gesund u. munter kamen, auf dem Platz dann Lauffreude, mehr Leichtigkeit zeigten)

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Frag doch mal die Kinder, ob sie einen neuen Erfolg anstreben. Was ist das Ziel dabei? Was wollen sie erreichen? Motivieren beinhaltet auch die Motive. Du kannst die Motivation nur unterstützen, wenn die Motive so gelagert sind, dass Deine Bestrebungen auf fruchtbaren Boden fallen. Dann ist auch der Schweinehund kein Problem. Dann wollen sie es!

  • hier muss ich mich mal an Kicker dranhängen, vielleicht wird mir dadurch die Abrenzung zum Mentalen etwas leichter fallen.


    Während des Laufens sind die Kinder motiviert. Zum Laufen zu gehen kommt die Motivation jedoch vom Vater, der diese auf die Kinder übertragen will. Eigendlich haben die Kinder ja gar keine Lust dahinzugehen. Motivation für sie ist lediglich, wie bei Kindern vorhanden,
    weil der Vater das will.


    hier kommt nun aus meiner Sichtweise die Kunst des Motivierens zum tragen.
    aber hat das auch etwas mit mentalem coachen zu tun? oder ist das nicht Fremdsteuerung.


    Gegenbeispiel dazu:


    Bin früher viel gelaufen. Möchte das eigendlich wieder tun. Motiviert bin. Doch ich kann den inneren Schweinhund nicht überwinden
    und mich auf den Weg machen.


    hier kann doch mentales coachen etwa ansetzen und auch was bewegen.


    betrachte ich das richtig.


    wenn dem so ist, stellt sich für mich die Frage:


    mentales coachen ist dort anzuwenden, wo die entsprechende Eigenmotivation gegeben ist.
    ich muss dann halt Motivator und nicht Mentalist (sagt man so?) sein.


    gg

  • Guenter, ich gebe Dir Recht, einen Schweinehund kann man übertölpeln, ihn zum Schweigen bringen. Das kann man mental trainieren, bis er für immer und ewig schweigt :)


    Hingegen kann der Wunsch eines Vaters, die Kinder zu einer sportlichen Betätigung zu b(zw)ingen, zum Rohrkrepierer werden. Später könnten dann die Vorwürfe kommen: "Du hast mich gezwungen". Insofern sollte man gerade bei Kindern auf die Motive der Kinder hören. Und nur die kann man mit Motivationshilfen unterstützen. Um mal einen anderen Bereich unseres Lebens zu bemühen: Unternehmer sind der Überzeugung, dass mehr Geld die Mitarbeiter motiviert. Dieser Motivationsschub dauert etwa drei Monate, bis das Mehr an Geld zur Gewohnheit wird. Der alte Schlendrian zieht wieder ein. Hier ist es besser, seine Mitarbeiter zu befragen, was ihnen selbst Freude am Arbeitsplatz macht und wie man die steigern kann. Und hier kann der Unternehmer dann individuell unterstützen. Der eine möchte lieber einen halben Tag im Monat frei, um seine Kinder beim Fußballspiel zu sehen, der andere möchte sich lieber in einem Seminar fortbilden, ein dritter liebt gutes Essen also bekommt er einen Essensgutschein im besten Restaurant der Stadt usw...
    So ist es natürlich im Sport auch. Das Ziel eines jeden ist wichtig für den Weg, auf den man sich macht. Es kommt darauf an, diese Ziele zu visualisieren, sich also vorzustellen wie es sich anfühlt, wenn man sein Ziel erreicht hat. Das ist Teil des Sportmentaltraings.

  • Wille (aus Einsicht ins Notwendige), Motive, Ziele, Erfolgsstreben, Autosuggestion uä funktioniert sicher, ist für mich aber eher dem Erwachsenen-/Eltern-Ich zuzuordnen, irre ich da? Jedenfalls glaub ich nicht die Motivlage unserer Kids zu kennen o. genau zu durchschauen: mal so, mal so. Mental sind Kids eben noch nicht verfestigt. Für ein neues BVB-Trikot würde unser Jüngster laufen, ließ er verlauten, aber darauf lass ich mich nicht ein. Für mehr Erfolg o. die ersehnte Mittelfeldposition im Team mehr Laufen zu trainieren, verfängt nicht; im Spiel selbst aber läuft er sich schon mal - nicht immer - die Lunge aus dem Leib, bis er äußerste Atemnot hat und zu ersticken droht; ebenso bei 2 Coopertests zu Saisonbeginn, wo er von 26 Kids erster und Zweiter wurde, was lt Ärztin gar nicht möglich sei, da fast 50% reduziertes Lungenvolumen. Sein Notfallspray darf aber nicht in die Sporttasche, das sähe blöd aus, fänden andere babyhaft - meint er.


    Da beide nun asthmatisch sind, die Lungenärztin dringend viel Laufen: Joggen auf Ausdauer) anrät, um das Lungenvolumen zu erhöhen (statt nur per Spray), aber auch nicht sagen kann, wie das zu schaffen sei, haben wir Eltern ein hohes Interesse an Tipps. Wie aber motivieren, wenn erkennbar kein Motiv da ist? Ein Tennispartner ist praktizierender Therapeut, den hab ich auch gefragt. Er meinte, wir müssten es verpflichtend fordern, auch Konsequenzen androhen, anders ginge es nicht. Oft beobachtet habe ich, wie Vatertrainer mit ihren Jungs äußerst abfordernd umgingen, dies in der Tat eine hohe Leistung "produzierte". Das Dumme: ich bin zu weich, kann so zu meinen Jungs nicht sein, es nur irgendwie im Guten probieren: quasi wider besseres Wissen. Man steht sich bekanntlich oft selbst im Weg: was bei fremden Kids super klappt, schlägt grad bei den eigenen auf undurchschaubare Weise grad ins Gegenteil um: auf Papa reagieren beide eh "ödipal"... Vllt scheitert es "nur" daran? Jedenfalls danke für euer Interesse am "Fall"!


    Mentala: ja, die intrinsische Motivation - oft gibt man ja bewusst Motive an, doch unbewusst folgt man ganz anderem, oder? Bei Kids ist das alles noch ganz im Schwange, kaum definierbar, oder? Daher sehe ich da schlechte Chancen :(

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  • @an Alle


    ich habe heute ein längeres, aufschlussreiches Gespräch mit Mentala geführt.


    Mit ihrer Zustimmung erfolgt folgender Beitrag.


    Mentala möchte durchaus in diesem Forum mit ihrem Wissen hilfreich sein.
    Sie will auch zukünftig sich nicht mehr an theoretischen Beiträgen beteiligen.


    Sie glaubt, und ich bin aufgrund des Gespräches überzeugt, dass sie in konkr ten Fällen Hilfe leisten kann.
    Und zwar nicht theoretischer Natur,sonden so praxisbezogen, dass es uns Traineren konkret weiterhelfen kann.


    Sie möchte auf konkrete Fälle angesprochen werden und soweit es sie vermag konkrete Hilfestellung so eingehen, dass wir als Trainer damit was anfangen
    können.


    Dazu erwartet sie auch konkrete Anfragen, wie es z.B. Micha oder zuletzt Kicker getan haben.


    Ich glaube, wir sollten diese Angebot auch annehmen.


    @Kicker


    es kann sein, dass ich jetzt meine Kompetenzen in diesem Forum überschreite, ist mir aber im Interesse vieler hier egal.
    Ich bitte dich, dies zu akzeptieren und deine theoretischen Beiträge zumindest in diesem Tread bleiben zu lassen.



    Wir wollen die Möglichkeit einer Hilfe, die über unsere eigendliche Trainerttätigkeit hinausgeht, von der wir hier aber alle profitieren können,
    nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.


    Mentala hat nicht nur Ahnung in ihrem eigenen Fachgebiet, sie hat auch Ahnung vom Fussball. Sie kennt unsere Probleme.


    Also nutzen wir ihr Wissen aus.


    gg

  • @ guenter und mentala


    mir ist hier grade etwas unverständlich.
    guenter, warum fungierst du denn jetzt hier als 'sprachrohr'? ich denke mentala ist alt genug soetwas hier selbst zu posten.


    und eigentlich sind wir doch alle hier, um auch unser wissen und unsere erfahrungen an andere forenteilnehmer weiterzugeben......... selbst wenn wir nicht separat angesprochen werden.


    wer eine frage hat, der stellt sie hier rein und wer denkt, das er eine passende und/oder fachlich richtige antwort hat, der gibt sie halt zum besten und stellt diese zur diskussion. was soll das also mit "sprecht mich doch bitte gezielt an"????



    angenehme nachtruhe

  • Eine meiner ersten praktischen Übungen in einem Workshop sind Atemübungen. Dabei wird über den Bauch geatmet (Beim Einatmen bläht sich der Bauch nach vorn, beim Ausatmen zieht sich die Bauchdecke wieder zurück. Am besten mit Hand auflegen visualisieren) Wenn die Beschreibung nicht hilft: Im Liegen atmet jeder Mensch so. Diese Form der Atmung hat verschiedene Vorteile: Unter anderem hat man nach ein paar Tagen Übung ein viel größeres Atemvolumen, zweitens verteilt sich der Sauerstoff besser im ganzen Körper, drittens hilft es nach einer körperlichen Anstrengung schneller wieder "runterzukommen", viertens wird diese Form der Atmung auch in Sportarten wie Yoga eingeübt.
    Meinerseits rate ich von solchen Forderungen bzw. Zwängen ab. Frage ihn doch, was ihm denn wirklich Freude, nicht Spaß, macht. Ihm fällt da sicher einiges ein. Versuche ihn in den Bereich zu bringen, in dem er Dir seine genauen Vorstellungen mitteilt. Insistiere genau und stell ihm tausend Fragen. Lass Dir sein Ziel beschreiben, so wie er sich das visuell vorstellt. Stelle weiterführende Fragen bis er genau sagt, was er wirklich will. Mach doch mit ihm ein mentales Training über seine Ziele.
    Jeder Mensch hat Motive, egal ob klein oder groß. Der unbewusste Teil in jedem Menschen lügt nicht. Er hilft eher, dem bewussten Teil in uns, Handlungen zu unterstützen, eine Rechtfertigung zu geben. Handelt man anders als unser unbewusster Teil uns sagt, gibt es alsbald Probleme, die sich in Krankheitssymptomen äußern können (oft als Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen). Du kannst ihm doch Deine Überzeugung erklären und bitte ihn um seine Sicht der Dinge.

  • DSV, es ging um das Problem im anderen Forum, inwieweit man dort praktische Fragen stellt, was nicht der Sinn war. Deswegen hat Kicker dieses Forum eingerichtet. War doch 'ne gute Lösung, oder?

  • es ging um das Problem im anderen Forum, inwieweit man dort praktische Fragen stellt, was nicht der Sinn war. Deswegen hat Kicker dieses Forum eingerichtet. War doch 'ne gute Lösung, oder?


    Danke! Schon zB in der Fahrschule werden 1. Theorie u. 2. Praxis getrennt. Würde jeder gleich praktisch losfahren, würden viele überrollt, Schwächere wie Fußgänger ohne Auto-Panzer zuerst. Im Alltag tauchen natürlich zuerst praktische Fragen auf. Jeder kann selbst entscheiden, ob er beim Fachmann um Rat nachfragt u. versucht, hinter die Kulissen zu schauen, Angebote in ihren Grundlagen zu prüfen u. sich selbst schlau zu machen: wobei man nie schlau genug sein kann, um alles echt zu wissen! Bei den meisten Dingen bleibt man außen vor wie bei anderen Menschen, selbst den eigenen Kindern. Zudem ist alles stets im Wandel. Das macht Theorie so schwierig: man lernt nie aus, wie's heißt.


    Mangelnde Lauffreude ist oft in Teams Problem, s. Thread "ruhige Kugel schieben". Gute, kreative Pässe (offensiv in freie Räume statt nur verlagernd quer) kann man nur spielen, wo andere sich bewegen, auf Verdacht hin laufend in freie Räume starten. Das aber tut man nur gern u. spontan, wenn man in sich Energieüberschüsse, Triebimpulse verspürt, und sei's per Vorstellung im Kopf. Aber wie kriegen Trainer die rein? Mechanische Übungen können in automatisierendem Drill Verhalten ändern, aber auch im Kopf? Und was nützt es, wenn 1er im Team Pässe in Freiräume spielt, aber keiner in sie startet: sie werden Rohrkrepierer, Fehlpass, er wird dafür ausgewechselt statt belohnt. Ebenso wenn er Abwehrreihen hinterluafend ins Zentrum startet, sobald deren Raum ungedeckt ist: denkt keiner mit, sieht keiner intuitiv hin, war die Mühe umsonst u. wird irgendwann einschlafen. Ist so nicht Teamplay Schlüssel fürs MT? Aber wie Teams, ihre Trainer mehr fürs Kreative als spontan wirksame Bewegungskraft öffnen? Das Einzige was mir einfiel: zufällig genial offensive Momente überschäumend heraushebend loben, einfallsloses Quergeschiebe zwar als Teamplay dulden, besser wie Eigensinn o. Trägheit, aber nie positiv verstärken ?(

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  • Deswegen ist es ja sinnvoll, die anderen Spieler so gut zu kennen, dass man die möglichen spontanen Einfälle auch umsetzen kann und eventuell das Vertrauen in den Mitspieler vergrößert. Du kannst nur die Stärken stärken, die Schwächen kannst Du nicht ausmerzen (Aus einem schlechten Mathematikschüler kannst Du keinen Einstein machen). Das alles findet im Kopf statt. Dort sollte sich dann eine Änderung der Einstellung zu den Mitspielern auftun. Ihr spielt doch gern. Spiel doch einzelne Szenen durch und lass die Jungs selbst auf die Lösungsideen kommen.

  • Da du im Profil Sozialverhalten hast: Gruppendynamik o. Konkurrenz - was ist wohl der Schlüssel? ZB laufen einzelne Sportler im Sog beim 5km-Volkslauf ca. 1, 2 Minuten schneller als sonst. Beim Fußball aber ist es außer bei knappem Spielstand kurz vor Schluss genau andersherum: man verlässt sich auf den anderen, bleibt gern erstmal stehen. Das ist also meist die negative Ausgangsbasis zum Teamplay, grad in Jugendteams, wo der Wille sich: eigene Trägheit zu überwinden, noch nicht so ausgeprägt ist. Nur wenige rennen ganz von sich aus viel. Als Herrentrainer habe ich früher meinen Teams immer "rational" vorgerechnet, dass wir einen Mann mehr auf dem Platz haben, wenn jeder 10% mehr läuft, u. in der Folge fast jeden sonst gleichstarken Gegner schlagen. So war die generelle Bereitschaft dann dank Einsicht bei fast allen da, doch viele haben zugegeben, dass sie es nicht wirklich schaffen, immer da zu laufen, wo es gut wäre: zwischen Wille und Realität blieb eine Lücke und ich wusste auch nicht mehr weiter zu helfen. Danke jedenfalls, bei unserem Jüngsten bin ich jedoch nicht der Trainer. Daher kann ich halt nur im privaten Rahmen was überlegen...

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  • @Kicker


    ich weiss nicht, ob man die beiden Fälle miteinander vergleichen kann.


    als junger Kerl war ich fast täglich im Wald, so meine 15-20 km Strecke. hatte ich gute Mitläufer war die Streckenzeit immer besser, als
    beim Alleinlaufen, obwohl die Eigenmotivation immer gleich war. in Gruppen fällt das Laufen eindeutig leichter, auftretende
    Schwächerphasen werden durch die Gruppe aufgefangen, das persönliche Zeitgefühl kann täuschen.


    beim Fussballspiel ist es doch anders, hier ist nicht die Zeit oder der Platz das Ziel, sondern das Endergebnis.
    bei klarem Ergebnis entfällt jede Eigenmotivation zum ansträngenden Mehrlaufen in der Schlussphase als notwendig.
    Warum auch? Ich sehe da keinen erforderlichen Grund.
    Dass es bei klarer Führung eh leichter fällt zu laufen, kennt ja wohl jeder Fussballer.
    bei knappem Spielstand, brauch der normal engagierte Fussballer keine Fremdmotivierung zum Mehrlaufen, hier kommt die Eigenmotivation
    des Gewinnen oder Nichtverlieren- Wollen voll zum tragen.



    Während es nun Spieler gibt, die immer oder zumindest oft, an ihre Leistungsgrenze gehen können, stehen auch Spieler in der Mannschaft die diese Leistungsgrenze meiden. Das ist eine grundsätzliche persönliche Einstellung zur Leistungserbringung.
    Durch Training kann ich nun das gesamte Niveau der Leistungsmöglichkeit erhöhen, aber aber diese persönliche Grenze wird bleiben.


    das war jetzt Aktivenbereich.


    im Jugendbereich hab ich als Trainer durchaus Möglichkeiten durch gezieltes Training das herangehen an die Leistungsgrenze
    anzutrainieren.
    Bei jungen Spielern, die eine eigene grundsätzliche Leistungsbereitschaft mitbringen, aber bei dem Erreichen der Leistungsgrenze
    (man spricht ja gerne von den 110%) ihre Probleme haben kann nun die mentale Unterstützung sehr hilfreich sein.


    ich habe hier angesetzt beim Hinterfragen des persönlichen Interesse und eigendlichen Motivation des jungen Fussballers, und dort dann angesetzt, falls möglich.


    Bei Jungs, oder auch junge Aktive, bei denen die eigene grundsätzliche Leistungsbereitschaft jedoch nicht so hoch angesetzt ist,
    wird bei meiner Überzeugung nach, auch durch Mentales keinen nennenswerte Erfolge zu erzielen sein.



    Ich war immer ein kritisher aktiver Spieler, und bei Trainern manches hinterfragt.
    Meine Frage in deiner Spielersitzung mit den 10 % wäre gewesen:
    "Trainer, wenn das stimmt, warum gewinnen wir nicht, wenn der Gegner einen Mann vom Platz gestellt bekam. da hatten wir ja auch 10%
    mehr?"


    Wie wäre deine Antwort gewesen?


    Dass wer mehr läuft, mehr Chancen zu Gewinnen hat, ist kein Argument, das weiss eigendlich jeder Fussballer, deshalb ist er ja auch
    bereit, das oft unbeliebte Vorbereitungstraining voll mit durchzuziehen.


    gg


    gg

    2 Mal editiert, zuletzt von guenter ()

  • warum gewinnen wir nicht, wenn der Gegner einen Mann vom Platz gestellt bekam. da hatten wir ja auch 10%
    mehr?


    Genau hier greift auf rational unerklärliche Weise wohl "das Mentale": man fühlt sich numerisch (quantitativ) unterlegen, kann u. will nun gerade beweisen, was man persönlich (o. qualitativ) drauf hat. Denn wer mit 10 gegen 11 gewinnt, besiegt den Gegner quasi doppelt. Was entscheidender ist - das Gewinnen- o. das Nichtverlieren-wollen - ist auch eine interessante Frage, wenn man die Spieltheorie o. das Faktum beachtet, wie ungern man Schwächen, Fehler, Niederlagen zugibt. Die FPL ist zB vom Ansatz her sicher kindgerecht und gut, im Mentalen könnte man sie aber so missverstehen, dass es völlig gleichgültig sein solle, ob man verliert o. gewinnt, ob für o. gegen einen entschieden wird, ob man stark o. schwach spiele. Das Ergebnis könnte schnell allgemeine Demotivation, ein Ausbremsen im Leistungswillen sein, falls das Gut-/Sieger-sein-wollen entscheidender Stimulus fürs Training an sich selbst ist. Gute Laune o. Spaß allein scheinen mir eher schwächere "Motive" bzw. als bloße Befindlichkeiten sportlich gar keine herzugeben (also Durcheinander: Chaos, gar Anarchie o. auch Lauffaulheit in den Köpfen begünstigend), oder? Teams, die reine Spaß-Trainer hatten, fielen mir eher durch trägen o. auch egozentrischen Stand- bzw. Solofußball auf. Ansonsten denk ich, ist es genau dies Mitziehen/-reissen der anderen in der Gruppe, das mental viel Potential für Teamsport eröffnen könnte. Wie man dies Potential genau stimuliert o. in der Praxis "bearbeiten", sprich: mental trainieren soll, scheint mir aber sehr strittig: konkrete übers Mechanische hinausgehende Übungen...? Ich hatte hier zB mal die Übung "Passanten" (s. Lieblingsübungen) veröffentlicht, die sichtbar viel in den Kinderköpfen zu bewegen schien.

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Was wäre wenn ist eine Frage, die ich stelle, wenn die Ziele deutlich herausgearbeitet worden sind. Was will jeder für sich erreichen, wie sieht das Ziel aus, wie fühlt es sich an? Ich habe das schon mal im anderen Chat ausführlicher formuliert. Wichtig ist, dass jeder einzelne nach seinem persönlichen Ziel befragt wird und das vor seinem inneren Auge visualisiert. (Am besten bei einem gemeinsamen Spaziergang) Daraus kannst Du dann das gemeinsame Ziel herausfiltern und als Motto aufhängen. Es kann nicht heißen "Wir wollen gewinnen" oder "Die Wahrheit liegt auf dem Platz" oder so...
    Anschließend kannst Du fragen, was tut jeder, um sein Ziel und eventuell das gemeinsame Ziel zu erreichen. Anschließend stellt sich die Frage "Was wäre, wenn Dein Ziel nicht erreicht wird? Wie fühlst Du Dich dann? Könntest Du es besser machen? Was tust Du ab JETZT, um es besser zu machen?" Dann wirst Du Antworten bekommen, die die Spieler aus dem Gefühl heraus geben. Und diese Antworten sind entscheidend für einen Trainer, Vater...
    Du kannst ihn dann daran erinnern, wenn es mal schwierig wird.

  • Wichtig ist, dass jeder einzelne nach seinem persönlichen Ziel befragt wird


    und da ist dann auch schon mal die Antwort gekommen:


    eigendlich spiel ich ja nur Fussball, weil mein Vater das will und mein Freund auch hier dabei ist.


    dann hast du zumindest die Erklärung für all sein Verhalten im Spiel und Training.


    ich hab dann wenig dazu unternommen, ihnen mitlaufen lassen, und in der D hört er dann spätestens eh auf.
    in einem Fall hab ich durch ein Gespräch mit den Eltern ein Aufhören ermöglicht, er durfte dann zu ihm lieberen Tischtennis.


    gg


  • Genau hier greift auf rational unerklärliche Weise wohl "das Mentale": man fühlt sich numerisch (quantitativ) unterlegen, kann u. will nun gerade beweisen, was man persönlich (o. qualitativ) drauf hat.


    Nicht ganz.
    In Büchern spricht man von "gemeinsame Not".
    Erinnerst Du Dich an die Türkei bei der letzten WM oder EM, wo sie mit knapp 12 spielfähigen Spielern antretten musste und der Ersatzgoali zum Ersatzspieler gemacht wurde? Die Türken kämpfen in diesem Spiel als ob es um ihr Leben ging... dass vergesse ich nie. Es war die gemeinsame Not, dass dies verursachte.

    Gemeinsame Not steigert deine Leistung.
    In einer Gurkentruppe wo Du Dich unwohl fühlst, ist dies weniger vorhanden als in einem Team, dass Dir sehr am Herzen liegt.
    Es geht hier nicht um innere Schweinehund sondern viel mehr um das selbstverständliche aufopfern von sich selbst zum wohle für Alle. Im Inneren spürst Du das Bedürfnis noch mehr geben zu müssen um Erfolg zu haben. Du hast das Gefühl, den Verlust (Platzverweis = 1er weniger) kompensieren zu müssen. Ja @Kicker, es ist definitiv so wie es @Menatala hier versucht zu erklären. ALLES beginnt im Kopf.

  • Beim Fußball aber ist es außer bei knappem Spielstand kurz vor Schluss genau andersherum: man verlässt sich auf den anderen, bleibt gern erstmal stehen. Das ist also meist die negative Ausgangsbasis zum Teamplay, grad in Jugendteams, wo der Wille sich: eigene Trägheit zu überwinden, noch nicht so ausgeprägt ist.


    Ja, auch dieses Phenomen findet im Kopf statt.
    Dies unterscheidet sich bei Erwachsenen zu Junioren überhaupt nicht. Es hat nicht wirklich mit Reife zu tun, sondern viel mehr nach individuelle Emotionen.
    Es ist sogar erwiesen, dass Einzelne, in einen Team plötzlich weniger Einsatz geben können.
    Habe in einen Buch über einen Test im Seilziehen gelesen, wo es messbar belegt werden konnte, dass man im Seilziehen 1:1, andere Kräfte angewendet hat als im 5:5. Die Leistung jedes Einzelnen sank im 5:5 zum Teil erheblich. Dies ist die soziale Faulheit und kommt oft in Kriesen zum vorschein (aber nicht nur dann). Da denken plötzlich sogar begabtere Spieler: "Wieso soll ich immer alles geben? Der andere gibt ja auch nicht mehr Einsatz als ich!"

  • Muss zugeben, dass ich die Texte von Mentala genau durchlese.
    Vieles bestätigt sich mit dem was ich in Sportpsychologiebücher gelesen habe. Anderes ist mir neu und klingt logisch.


    Danke Mentala, dass Du hier zu uns gehörst.


    Kann den unerfahrenen Trainern nur empfehlen, Ihre Beiträge genau zu lesen und zu verinnerlichen.


    Viele Grüsse
    TRPietro