Verteidiger ausbilden

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  • Ich bin der Meinung, dass der LV die innere Linie auch im hohen Tempo so zu machen sollte, dass der RA eben nicht nach innen ziehen kann, ohne mit dem LV zusammen zu stoßen oder den Ball zu stoppen. Wenn man als Verteidiger einen Angreifer bei hohem Tempo nach innen ziehen lässt, hat man ja schon fast verloren, da man anschließend von außen angreifen muss, wogegen der Angreifer aber leicht den Ball abschirmen kann, ohne seine Laufrichtung zum Tor verändern zu müssen. Oder man kreuzt im Rücken des Angreifers, wobei man viel Tempo verliert und/oder die Berührung des Angreifers von hinten und ein verwarnungswürdiges, wenn auch im Einzelfall sogar unbeabsichtigtes Foul riskiert.


    Deshalb ist es ja so wichtig, dem Angreifer eben eine Seite zum Durchbruch anzubieten und ihm andererseits den Durchbruch auf der anderen Seite nahezu unmöglich zu machen. Hat man das als Verteidiger richtig gemacht und versucht der Angreifer dann doch den Durchbruch auf der Seite, die ihm nicht angeboten wurde, so muss der Angreifer eigentlich fast schon mit einem kollidieren, oder so viel Tempo raus nehmen, dass man sich in seine neue Bewegungsrichtung drehen kann, ohne den Blick vom Ball zu lösen. Es ist ein ungewohnter Bewegungsablauf, aber man kann ihn antrainieren, und er ist dann, nach meiner Erfahrung, tatsächlich effektive


    :thumbup: Genauso sehe ich das auch. Wer sich als VT taktisch so verhält und dabei nicht der aller langsamste ist, der ist in den meisten Situationen der Boss und nicht umgekehrt. Der AV bestimmt, was passiert....das ist das Ziel. Der angreifende Gegner wird durch das taktische Verhalten des VT beeinflußt und wenn dessen Trainer seinem Team das -wie fiele andere Trainer- nicht erklärt hat, wird der Anteil des über ihn "Bestimmens" noch größer sein, ohne das er es bemerkt. Das finde ich witzig.


    Wie gesagt, dieses taktsiche Verhalten dient nicht nur der Balleroberung, sondern auch des Zeitgewinns zum Sortieren, Aufrücken, Ausrichten, Erholens usw..


    Sollte man als Trainer kennen, wissen, verinnerlichen, selber ausprobieren, umsetzen, schulen ....Ich würde das im zweiten Jahr E beginnen (nicht abverlangen), in der D auf jeden Fall schulen und abverlangen.


    Ich habe ja jüngst ein Team hauptverantwortlich übernommen und ich habe mir vorgenommen, bei der Mannschaftsansprache keine mannschaftstaktischen Elemente anzusprechen, sondern hier besonders diese individualtaktischen Dinge anzusprechen, ...ich möchte den Spielern den Mut zusprechen, sich auf diese Form der Verteidigungen zu verlassen....darauf zu vertrauen, damit sie es auch unter Druck umsetzen. Das werde ich bei den Spielen (auch offensiv) bewerten und was dabei negativ heraus kommt, ist mein Auftrag bei und für die weiteren Trainings.


    Ich bin mir bei meiner D nur noch nicht darüber einig, ob ich sie offiziell verschieben lassen soll oder nicht. Ich tendiere zu einem JA...und das dann ohne es abzuverlangen....da werde ich mir z.B. heute noch ein Freundschaftsspiel anschauen, mal schauen wie weit sie sind.

  • Letztendlich ist es auch immer die Frage, was der jeweilige Trainer sehen will. Wir fordern bei uns zwar ebenfalls, dass die Außenlinie "angeboten" und die innere Linie zum Tor zugestellt wird, aber bei vielen Teams ist es genau umgekehrt. Dort wird der Außenangreifer bewusst nach innen gelenkt, wo er dann durch den Innenverteidiger und/oder 6er gemeinsam mit dem Außenverteidiger attackiert werden kann.


    Zum Thema "in welche Richtung dreht man?" denke ich ebenfalls, dass auch das situationsabhängig bedingt ist, denn klar ist, wenn der Angreifer mit sehr hohem Tempo auf den Verteidiger zudribbelt und dann innen vorbeiziehen will, ist es für den Verteidiger wirklich deutlich schwerer die 3/4-Drehung zu machen. Diesen Fall meint wohl Lahm. Ansonsten sehe ich es genauso, dass man besonders bei geringem/mittlerem Dribbeltempo immer dem Ball und Angreifer zugewandt agieren sollte, da ansonsten ein cleverer Angreifer den Moment des "Blickverlustes" zum Durchbruch nutzen würde.

  • Nach innen oder aussen ist mir letztlich sogar egal, ich gebe es nicht vor, sondern empfehle. Ich möchte das die Jungs das selber entscheiden, hauptsache sie laufen den Ball ab und zeigen, dass sie -weit vorm Tor- die Seite anbieten....die sie für richtig halten. Ich lese derzeit viel Horst Wein, habe mir die DVD besorgt und Spanngurte zur Erstellung eines Minifeldes bestellt....um letztlich was für die Spielintelligenz optimal tun zu können.


    Solange daraus (den Spieler entscheiden lassen) kein Nachteil für die Mannschaft zu erkennen ist, ...also ein Nachteil der den Gegner stärkt, ....werde ich dazu auch nichts sagen, weil die Philo ...sie spielen zu lassen....damit dann nicht falsch sein kann...denke ich.


    Ferner möchte ich noch etwas wichtiges anmerken:


    Die Überschrift zum Thema fixiert nicht nur den Abwehrspieler im klassischen Sinn, sondern....jeden Spieler einschließlich Stürmer. Im Prinzip denke ich, dass das Thema eher: Schulung des individualtaktischen Defensivverhaltens eines jeden Spielers heissen müsste.


    Wie immer....Ansichtssache, Philosophie usw..ich erhebe nicht den Anspruch, hier nur einfarbig denken zu wollen.


    Gruß Andre

  • Ob man einen Spieler nach außen oder nach innen schickt, ist für uns Jugendtrainer zum Teil auch eine frage des Alters. Kann er einen vernünftigen Pass von der Außenbahn schlagen?
    Meinen Jungs aus der C bringe ich bei, sich ihre Gegner genau anzuschauen. Ist jemand rechts oder links Füsser. Einem linksfüsser auf der rechten Seite würde ich immer die Außenbahn anbieten, siehe Robben. Einem zentral kommenden Spieler nie seine Schussseite anbieten, sondern zwingen, mit dem schwächeren Fuß abzuschließen.
    Hört sich nach hoher Kunst an, aber wenn man in der E spielerisch damit anfängt, in der D vertieft, dann kann man das in der C und B perfektionieren.

  • Genau, Alexbonn, das ist ja der ganz klassische Ansatz: beim Angriff durch die Mitte den Angreifer dazu bewegen, sich den Ball auf den schwachen Fuß zu legen, und diese Seite anbieten. Wenn der Angriff über außen kommt, dann hängt die lehrbuchmäßige Reaktion davon ab, wo man sich befindet, sowie wie viele weitere Angreifer und Verteidiger da sind. In der gefährlichen Zone kurz vor dem eigenen Sechzehner wird man dem AV eher raten, den Angreifer nach außen abzudrängen, als ihn zum IV zu lenken. Das soll hinten ohnehin nur dann erfolgen, wenn die Verteidiger in Überzahl sind. Im Mittelfeld sieht es wiederum anders aus, da kann der äußere Mittelfeldspieler durchaus den gegnerischen Flügelspieler eher nach innen in Richtung des eigenen Sechsers lenken, wo von hinten noch durch die Viererkette abgesichert oder zusätzlich Druck gemacht werden kann.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)