Hilfe! Mangelhafte Platzqualität im Kreis

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  • Hallo liebe Trainerkollegen,


    ich versuche mein Thema mal relativ zusammenfassend darzustellen, auch wenn es mehrere Ansatzpunkte hat (schon eine passende Überschrift finden ist schwer):


    Die Talentförderung in unserem Kreis (Auswahlarbeit, Stützpunkt) findet derzeit auf eine Sportanlage statt, deren Rasenflächen in einem Zustand nahe beschämend sind. Wir haben aber bei uns im Kreis das Problem, dass kaum eine Sportanlage wirklich höchsten Ansprüchen genügt, was die Rasenflächen angeht. Es gibt wirklich nur ganz vereinzelt Vereine, wo eine entsprechende Rasenpflege betrieben wird, so dass man dort eine einigermaßen durchgängig ordentliche Rasenfläche hinbekommt. Kunstrasenplatz gibt es bei uns im Kreis nicht einen! Bei Vergleichsspielen/Turnieren mit den benachbarten Kreisen spielen wir immer auf regelrechten Rasenteppichen, und es gibt meist noch mehrere andere Sportanlagen in den Nachbarkreisen, die ein ähnliches Niveau vorweisen können. Jetzt frage ich mich natürlich, warum können unsere Nachbarkreise solche Anlagen mehrfach vorhalten, wir bekommen aber nicht eine solche Anlage hin?!? Viele unserer Anlagen sind in Kreis- oder sogar Gemeindehand, und die Kommunen kriegen bei den Gesprächen schon fast feuchte Augen, wenn es nur um die Kosten für die Bewässerung im Sommer geht. An den Bau eines Kunstrasenplatzes braucht man da dann gar nicht denken, das ist in unserem Landkreis scheinbar völlig utopisch.



    Könnt Ihr mir mal ein paar Informationen geben, wie es bei Euch aufgestellt ist? Wie steht es um die Zustände der Sportanlagen, was die Übungsflächen angeht? Wie ist die Platzpflege aufgestellt, machen die Vereine dies in Eigenregie, untestützt oder führt die "öffentliche Hand" dies selbst durch? Wie schaffen andere Vereine/Kreise den Kraftakt "Kunstrasen", kümmern sich die Vereine um die Finanzierung, oder steht auch hier die Stadt/Gemeinde/Kreis verantwortlich bei? Ich habe den Eindruck, bei uns im Kreis hat man sich vielfach damit arrangiert, dass mehr nicht finanzierbar ist, ohne dass man einfach mal über den Tellerrand sprich in die Nachbarkreise schaut, wie machen die es denn, klappen muss so etwas ja scheinbar... ;(

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

  • Die Probleme über die Platzbeschaffenheit wirken sich in der Regel nicht so stark auf die Qualität der Spieler aus.


    Auf derartigen Untergrund lernen die Kinder in Afrika und Südamerika, aber auch in Südeuropa in aller Regel den Fussball in den untersten Ligen. Erst später dürfen die Talentiertesten von ihnen auf sattem, grünen Rasen spielen.


    Die Rasenpflege oblag früher den Vereinen. Die aber nahmen das Angebot der Gemeinden oder Städte zur Rasenpflege gerne an. Meist liegt es daran, ob der zuständige Gemeinde- oder Stadtsachbearbeiter oder Werkhofleiter ein Herz für den Fussball hat. Wenn nicht, dann kann der Platz schon mal ziemlich mies aussehen. Aber den Kindern interessiert das meist nicht, ob aufgrund des unruhigen Geläufs mal ein Ball verspringt. Denn wer Fussballspielen kann, kann es auf jedem Untergrund!

  • Erst später dürfen die Talentiertesten von ihnen auf sattem, grünen Rasen spielen.


    Genau das ist es ja, warum ich dieses Problem habe: Wir wollen die talentiertesten Spieler unseres Kreises vernünftig ausbilden, dafür wäre eine vernünftige Rasenfläche schon hilfreich ;)

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

  • Tut mir leid, das sehe ich komplett anders. Inhaltlich hast du zwar fast Recht, dass man auch auf schlechtem Untergrund Fußballspielen lernen kann, aber diese Spiele sind oft grausam und haben mit Fußball nicht viel zu tun. Man braucht schon einen anständigen Untergrund, um wirklich schönen Fußball zu spielen und zum Erlernen desselben ist das auch sehr hilfreich.


    Ein Beispiel aus der Praxis: Wir haben gegen einen Gegner in der Liga unter uns zwei Testspiele bestritten. Eines auf unserem Kunstrasen, bei dem wir zur Halbzeit 5:0 führten, dann 9 Spieler austauschten und am Ende 7:1 gewannen. Da war alles dabei, was für mich Fußball ausmacht. Schöne Passstaffetten, Tempo im Spiel, wenige Fouls, schöne Einzelaktionen, ein Traumtor eines 12-Jährigen, der den Ball aus 25 Metern (Light-Ball natürlich) so genial mit dem Spann traf, dass er direkt wie ein Strich in den Winkel flog (optimale Schusshaltung, Ball optimal getroffen, weil er flach rollen konnte. Dieses Tor wäre zum Beispiel auf dem anderen Platz so nicht möglich gewesen, weil der Ball niemals sauber zu treffen gewesen wäre).


    Im "Rückspiel" auf einem wahren Acker - der Platz ist als Wiese jedem zugänglich und hat fast gar nichts mehr mit einem Fußballplatz gemein - verloren wir 0:1. Das Spiel war nur von Kampf, Krampf und langen Bällen geprägt, da damit das Mittelfeld überwunden werden musste. Ein Fußballspiel war nicht möglich, denn der Ball holperte. Schüsse gingen trotz guter Schusshaltung 15 Meter am Tor vorbei, da der Ball kurz vor Kontakt über ein Loch hoppelte usw.


    Zum Thema: Hier gibt es reiche Kommunen, die all ihren Vereinen einen eigenen Kunstrasen hinstellen, viele mittlere, die pro Stadt einen Kunstrasen haben und die normalen, die über Rasenplätze verfügen, die alle recht unterschiedlich aussehen und gepflegt sind.

  • Natürlich ist ein schöner, gepflegter Rasen besser, das ist gar keine Frage. Allerdings sehe ich in den Spielresultaten (Hinspiel: 7:1, Rückspiel 0:1) nicht die gleiche Schlußfolgerung wie du. Ein eventuell niedrig ausfallender Sieg eures Teams wäre naheliegender gewesen. Ich kann mich daran erinnern, das Klaus Allofs mal nach einem Pokalspiel zwischen Werder Bremen und FC. St. Pauli der Kragen geplatzt ist, weil der Schiedsrichter das Spiel auf einer geschlossenen Schneedecke angepfiffen hatte.
    St. Pauli hatte auch Glück, aber insgesamt verdient gewonnen, weil sie ihre Stärken in die Waagschale geworfen und mehr gekämpft haben als die Werder Stars.
    Schlechte Fussballplätze liegen nicht immer an der Mißachtung der Pflegepflicht sondern auch an den fianinzellen Möglichkeiten und Dringlichkeiten, gerade in ländlichen Regionen mit geringerer Finanzkraft der Komunen. Für mich gibt es da wichtigeres (z.B. besser qualifizierte Trainer und gut bestücktes Trainingsmaterial, gute Vereinsunterstützung der Vereinsjugend, ect.)!

  • Chris, dem kann ich nur beipflichten!


    ...nach dem Motto, mit wenig Aufwand das Bestmöglichste erreichen!
    Gehe ich in die einzelnen Sportstätten oder Anlagen erkenne ich, gerade auf dem Land, wie und womit bzw. mit wem gearbeitet wird.
    Wir sind das beste Beispiel!
    Die Anlage ansich ist für ein Dorf mit rund 1000 Einwohnern nicht die schlechteste.Trotzdem kämpft man Jahr ein und aus um jeden Wassertropfen.
    Die Unkrautbekämpfung stellt sich als schwierig dar, da man sich gegen die chemische Keule entschieden hat. Durch den Schulsport wurden diesbezüglich bedenken geäußert. Für mich an den Haaren herbei gezogen. Die verschiedenen Ansichten von Gemeinde und Verein sind alles andere als dienlich.
    Eine einzige Arbeitskraft stellt die Gemeinde für die gesamte Anlage. Einen Nicht-Fußballer, welcher die Tage bis zur Rente zählt. Auch bei diesem Job sollte Herz und Seele dabei sein, ganz zu schweigen von Sachverstand und auch mal ein paar Stunden unbezahlt.
    Der heiß geliebte Rasen - er sieht von weitem einigermaßen grün aus. Laufe ich darüber ist es besser, den Kopf nicht zu senken. Mittlerweile hat die Scharfgarbe und der Klee die Oberhand gewonnen und Löcher sind wohl kaum zu übersehen.


    Holler, ich bin mir sicher,
    du stehst mit diesem Problem aber sowas von nicht allein da!

  • Ja, das was Du da schreibst ist sicher oft der Fall, unmotiviertes "irgendwie-mit-möglichst-geringen-Mitteln-am-Platz-rumdoktorn", um einigermaßen über die Runden zu kommen, sprich der Schiedsrichter pfeift an.


    Wenn es Euch in Euren Kreisen ebenso geht wie mir, dann wäre das für mich ja auch eine Aussage, dann kommt aber keiner vorn Euch aus einem meiner beiden Nachbarkreise ;) :P Dort findet man solche Anlagen natürlich auch, aber eben auch einige wo es richtig gut funktioniert, bei uns leider so gar nicht.


    Vor allem ging es mir aber um die Frage, wenn es Sportanlagen bei Euch gibt, wo es funktioniert, WIE funktioniert es da, rein persönlicher Einsatz der Vereine, oder kostenintensiverer Einsatz der Gemeinde/des Kreises?

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)