Flexible Handhabung der Ausbildungziele vs. Trainings-Doktrin

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung
  • Liebe Trainerkollegen,
    mich beschäftigt schon lange, wie andere, besonders erfahrene Trainerkollegen mit diesem Thema umgehen.
    Klar, es gibt die Lehrbücher, die Empfehlungen des DFB, die klaren und eindeutigen Ausbildungsziele jeder Jugend.
    Daran sollte man sich halten und seinen Stil entsprechend kreativ einbringen.


    Aber wie konsequent verfolgt Ihr diesen Weg? Schaut Ihr euch stets Eure Spieler genau an und handhabt die Trainingsphasen flexibel? Oder geht Ihr mehr, sagen wir, orthodox vor: Das ist jetzt laut Lehrbuch dran und das machen wir jetzt auch.


    Es gibt bei mir einen ganz konkreten Hintergrund: Ich trainiere eine ältere F1 und seit Beginn unserer Arbeit habe ich versucht, die Kinder mit ausgiebigem 1vs.1 oder 3vs.3, Koordination, Technik oder Dribbling/Einzelaktionen zu fördern. Das ist aus meiner Sicht auch ganz gut gelungen. Wir haben eine engagierte, zweikampfstarke Mannschaft, bei der sich jeder im Dribbling so gut wie alles zutraut. Technisches Passspielen funktioniert auch schon ganz gut.


    Nicht einmal haben wir bisher strategische Passfolgen geübt, nicht einmal ein 4vs.2, nicht einmal ein gewinnbringendes Kombinationsspiel. Nichts dergleichen. Unsere Spiele sehen dementsprechend aus. Wenn wir gewinnen, dann aufgrund unserer Körperlichkeit und der technischen Komponente: Schnelligkeit, Zug zum Tor, Selbstvertrauen im Dribbling. Wenn wir verlieren, dann aufgrund des zeitweiligen Chaos', das bei uns im Zusammenspiel herrscht.


    Mich beunruhigt das nicht, aber mich beschleicht mehr und mehr das Gefühl, dass einige Kinder regelrecht darauf warten, wann wir endlich solche strategischen Dinge beginnen. Wir haben ein paar Spieler, die das schon automatisch machen, aber es ist eben innerhalb der Mannschaft ohne Flow, weil niemand weiß, wo er hinzulaufen hat oder wie er sich ins Passspiel einbringt. Bei manchen habe ich auch das Gefühl, dass ihnen jegliches Verständnis fehlt, den Ball ausgerechnet jetzt, wo ein Dribbling möglich ist, abzuspielen. Im Grunde gefällt mir das......


    Aber ums klar zu sagen, mir geht es hier nicht um eine Rechtfertigung fürs strategischen Passspiel im Bambini, F- oder E- Alter, oder um Verständnis für erfolgsorientierte "Übungs-ich will gewinnen-Leiter".


    Mir geht es um Eure Einschätzung, wie flexibel man mit den Ausbildungszielen umgehen sollte.


    Meine Lösung sieht jetzt erstmal so aus, dass wir die nächsten Wochen 4 vs. 4 Spiele auf groß abgesteckten Feldern machen, bei denen nur Tore durch einen gelungenen Pass zählen (ähnlich einer Coerver Übung). Ich möchte den Kindern dadurch die Möglichkeiten aufzeigen, die sie, außerhalb dessen was sie kennen, haben - ihnen etwas anbieten.


    Danach werde ich konsequent umswitchen und wieder die körperlichen und koordinativen Dinge, sowie alle anderen Grundlagen dieser Jugend in den Vordergrund stellen.

  • Wenn wir verlieren, dann aufgrund des zeitweiligen Chaos', das bei uns im Zusammenspiel herrscht.


    ...heisst, dass ihr ja auch gewinnt, also alles ganz normal. Anscheinend bist ja Anhängerin der Dfb-Philosophie und das mit viel Fachwissen wie ich meine. Ferner erkennt man -siehe folgendes Zitat- ...dass die "Rechnung" doch aufgeht. ;)


    Mich beunruhigt das nicht, aber mich beschleicht mehr und mehr das Gefühl, dass einige Kinder regelrecht darauf warten, wann wir endlich solche strategischen Dinge beginnen. Wir haben ein paar Spieler, die das schon automatisch machen, aber es ist eben innerhalb der Mannschaft ohne Flow, weil niemand weiß, wo er hinzulaufen hat oder wie er sich ins Passspiel einbringt. Bei manchen habe ich auch das Gefühl, dass ihnen jegliches Verständnis fehlt, den Ball ausgerechnet jetzt, wo ein Dribbling möglich ist, abzuspielen. Im Grunde gefällt mir das......


    1. Du hast schon jetzt so starke Einzelspieler, dass sie die Erfolge haben, die SIE ja auch haben sollen...sie verlieren nicht nur!


    2. Was glaubst du, wenn du das noch ein Jahr weiter praktizierst....wie stark werden die Starken sein und wieviele stärker sind die "Schwachen" wenn du es weiter betreibst.


    Meine Antwort: Sie werden um einiges Stärker und Fähiger sein, als sie es wären, wenn du es nie so praktiziert hättest.


    Du schreibst...."das einige schon regelrecht darauf warten, endlich strategische Dinge zu beginnen"


    GEIL, alles richtig gemacht und aus meiner Sicht eine Bestätigung des Dfb-Konzeptes.


    Sie kommen aufgrund ihrer hervorragenden Einzelschulung nun in den Bereich, wo sie sich durch ihre eigene Spielintelligenz, dessen Entwicklung du ja am Maximum durch u.a. Freies Spiel gefördert und zugelassen hast in die Lage, ein "strategisches" Spiel selber aufzuziehen.


    Gehe mal davon aus, dass diese Szenen immer mehr werden, du mußt nur bewußt hinschauen und sie erkennen.


    Zudem....setz doch im Trainings 4:4 mal ein STOP und bringe sie zu dem anscheinend körperlich möglichen "Strategiespiel" noch dazu, hier Varianten zu erkennen, die sie dann durch Eigenkompetenz umsetzen....also weiterhin ohne Anweisen usw.


    Hier mal eine Übung für -auch für die F-


    Alle Altersklassen Drei, Zwei, Eins


    Ein Abweichen von den Zielen wäre für mich bei einer F....mal links eine EINS und rechts eine Eins rufen (Überzahl.-und Unterzahlspiel....kein Ziel der F....die Welt wird nicht untergehen, weil sie den Pass nicht fordern wird.) , wenn rechts der Spieler im Ballbesitz beim Dribbling in Höhe der Mittellinie war.....noch: "Rechts EINS"...um einen Mitspieler zu erzeugen.


    Ich finde es als Test nicht schlimm, denn es wäre ja interessant, was dein F`ler nach Zusendung des Mitspielers macht....sieht er den zweiten schon und denkt nach oder ignoriert er ihn schon...natürlich ....ohne ihn drauf anzusprechen, ....


    ich nehme an, dass der größere Teil nicht abspielen wird....ihre Entwicklung ist noch nicht so weit, was die These belegen würde, ....sie auch weiterhin noch so auszubilden.


    Ich glaube, du wirst ...wenn du das durchhälst....eine starke D...spätestens C erhalten und wenn die Trainer "über" dir auch dieses Fachwissen haben sollten, dürfen die sich -soweit du es nicht selber machst- schonmal freuen....da kommt nämlich was gutes auf sie zu.


    Ich rate Dir dringend, deine Linie weiter zu führen, exakt so....es ist erst die F, vergiss da nicht. Wärest du am Ende der E...könnte man ja mal zu den D Zielen herüber blinzeln. ;) Besser ist, das Training innerhalb der Ziele zu steigern, um sie zu fördern. Problem sind die Spieler, die noch nicht so weit sind, hier mitzuhalten.
    Da ihr ja eine Mannschaft seid, ist es wichtig....den Schwächsten halt abzuholen und ranzuführen.....ist als Breitensport.

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Mir geht es um Eure Einschätzung, wie flexibel man mit den Ausbildungszielen umgehen sollte.


    Die Ziele sind so wie sie sind. Ich denke sie sind ganzheitlich und gut. Sind am Ende der A-Jugend alle Ziele erreicht, sieht man im Senioren Bereich sicher gut ausgebildete Fußballer. Insofern sehe ich keine Notwendigkeit Ziele zu ändern, wegzulassen oder hinzuzufügen. Im Zweifel die Ziele anzupassen ist denke ich auch nicht Aufgabe der Vereine.


    Die Frage die es präzise zu formulieren gilt ist doch: "In welcher Altersklasse bilde ich wie aus, um die vom DFB zur Altersklasse zugeordneten Ziele zu erreichen?" Für Teile dieser Frage gibt der DFB Dinge vor. Er gibt Inhaltsbausteine vor und er gibt sogar Leitlinien für Trainer vor und alles bezogen auf Altersklassen (quasi eine Zeitschiene). Das ist schon recht gut.


    Der DFB bietet quasi ne komplette Grobplanung für den langfristigen Leistungsaufbau an. Zunächst - und das ist hervorragend im Sinne einer Top-Dow-Planung - einen Langfristplan von der G bis hin (und einschließlich) zur A indem er inhaltlich nach Altersklassen aufgliedert.


    Der Frosch hat aber IMMER die Locken da, wo es um die konkrete Umsetzung von Plänen mit real existierenden Sportlern geht.


    Das weiß auch der DFB, und deshalb erklärt er z.B. wie lange man mit E oder F-Junioren trainieren soll - das hat was mit Aufmerksamkeitsspannen zu tun usw. Er erklärt auch, dass man keine Medizinballeinheiten am Berg mit F-Jun. machen muss usw. Das macht er natürlich nicht aus Willkür, sondern weil das pädagogische, methodische und sportwissenschaftliche Erkenntnisse sind.


    Ganz hat der DFB das Probelm aber immer noch nicht gelöst, denn der Trainer da draussen hat ein Problem, wenn er sich überlegt, welche Trainingseinheit mit welchem Inhalt er nun konkret anbietet. Der DFB unterstützt nun so gut er kann und bietet ne Datenbank an mit Trainingseinheiten. Das diese natürlich ebenso abgestimmt sein müssen auf das reale Alter der real existierenden Sportler weiß auch der DFB und gliedert die Einheiten deshalb nach Altersklassen.


    Vielen von uns ist dabei schon aufgefallen, dass da z. B. nun F und E Jun. "in einen Topf" geworfen werden. Woran liegt das? Sicher nicht daran, weil der DFB oder seine Berater zu doof waren das auseinander zu dividieren. Nein, es liegt schlicht und einfach daran, dass Du in dem Alter verschiedene Entwicklungsstufen im Team hast und die Spanne im Extremfall gut und gerne mal über diese 4 Jahre gehen kann.


    Beispiel: Ich selbst hab einen 2002er im Team, der kommt also nächstes Jahr in die E. Der ist dermaßen schwach koordinativ, dass der in der E völlig untergehen wird. Die anderen sind alle 2003er und recht ähnlich von dem was die können. Ich bin Stand heute aber nicht in der Lage ein Training anzubieten, das dem einen 2002er und den anderen 2003er gleichermaßen gerecht wird.


    Was macht also der Paule? Ich habe mich um den 2002er gerade jetzt in der vergangenen Hallensaison intensiv gekümmert, habe sogar Einzelstunden mit dem gemacht. Er ist deutlich besser geworden, ja - er ist aber immer noch unter dem Level des Schwächsten 2003er im Team. Ich persönlich kann aber in dem Fall mehr nicht mehr leisten. Da ist bei mir sowohl zeitlich als auch kompetenzmäßig das Limit erreicht. Beim Kind evtl. auch zum aktuellen Zeitpunkt auch die Grenze der motorischen Fähigkeit.


    Wie auch immer: Es gilt es also UNBEDINGT flexibel zu sein: Es ist enorm wichtig, die richtigen Trainingseinheiten anzubieten damit möglichst viele tatsächlich die "Klassenziele" zu erreichen. Hier ist der Trainer gefordert. Jeder der hier NICHT flexibel reagiert, der macht einen schlechten Job. Es ist überdies genauso wichtig, nur solche Trainingseinheiten anzubieten, die eine stringente Entwicklung im Sinne der aufeinander aufbauenden Ziele erlauben.


    Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man etwas schneller ist als der DFB im Rahmen vorgibt oder nicht. Das Tempo - und das ist wichtig - bestimmt aber nicht der Trainer, sondern die Kinder. Im Grunde ist das alles problemlos. Hinsichtlich der Integration in einem Verein - selbst in einem, der die Zuordnung Ausbildungsziele zu Altersklassen wie vom DFB vorgegeben komplett von A-G an seine Trainer vorgibt - gibt eine "zu schnelle Gruppe" irgendwann ein "Problem". Eliteförderung ist die Konsequenz. Weil Vereine (bis auf ein paar BuLi Vereine vielleicht) das nicht selbst können, macht der DFB das ab der D-Jun. selbst in den Stützpunkten und NLZ.


    Das größere Problem ist wohl eher, dass viele einfach einer Fehleinschätzung der Kinder und eine Fehleinschätzung ihrer eigenen Arbeit unterliegen (sei es aus Ehrgeiz, Dummheit oder Unerfahrenheit o.ä. - egal) oder schlicht schlecht qualifiziert sind. Das gilt sowohl für die Vereine als auch für die Stützpunkte. Unabhängig davon, dass eine Lizenz im Zweifel nix über die Qualifikation aussagt, sind mir persönlich in den Stützpunkten immer noch zu viele C-Schein Inhaber (2009/2010: 36%) dort tätig. Manchmal frage ich mich nämlich schon, woher die all die Halbwahrheiten haben, die sie ab und an zum Besten geben.


    Naja ... aber da kommen wir vom 100ten ind 1000de ...

    Just my 5 Cents.

  • Andre.
    Vielen Dank für Dein Lob. Freue mich drüber. :)


    1. Du hast schon jetzt so starke Einzelspieler, dass sie die Erfolge haben, die SIE ja auch haben sollen...sie verlieren nicht nur!

    Nein, wir verlieren nicht nur, im Gegenteil, bisher haben wir dreimal verloren (dem gegenüber stehen 5 Siege und 2 Remis) und zwar gegen Mannschaften, die uns regelrecht ausgespielt haben - mit klassischem taktisch, strategischem Passspiel. In diesen Vereinen wurde das offensichtlich bis ins kleinste Detail trainiert und es sind auch die Mannschaften, die die Staffel beherrschen.


    Gegen uns haben diese Teams allerdings keine Kantersiege eingefahren (wie gegen alle anderen), weil meine eben gefightet haben und beim Zweikampf sogar eher überlegen waren. Es gab auch durch zwei, drei offensive Dribblings immer wieder Großchancen für uns.


    In einer F reicht das aber alles nicht, um gegen solche Mannschaften Spiele zu gewinnen, was auch gar nicht schlimm ist. Das nur mal so am Rande.
    8)

    Das ist genau das, was ich meine. Beaobachtet man seine Spieler, erkennt man bei vielen fussballerische Verhaltensweisen, die vielleicht manchmal nicht den Ausbildungszielen der jeweiligen Jugend entsprechen. Du beschreibst das mit einer Spielintelligenz, deren Entfaltung durchs freie Spiel, also eben genau durch Anwendung der Ausbildungsziele, gefördert worden ist.


    Das ist natürlich die beste und schönste Art der Betrachtung.



    Was macht man aber mit solchen Beobachtungen? Einfach so weiter mit dem Wissen, wir werden stärker, aber erst in 2 oder 3 Jahren? Oder gibt man dem zumindest Ansatzweise nach, um den Kindern Perspektiven zu bieten.


    Ich für meinen Teil tue dies, in dem ich jetzt 4 Wochen größten Wert auf das saubere Passpiel mit anschließendem Torerfolg lege.


    Und wie gesagt, danach geht's wieder an die eigentlichen Grundlagen mit meinen eigenen Schwerpunkten 1vs1 und Technik-Dribbling.



    PaulBreitner


    Du hast einen entscheidenden Punkt genannt. "Das Tempo der Ausbildung bestimmen die Kinder, nicht der Trainer". Ich verstehe das als Aufforderung zur Flexibilität.


    Wenn man als Trainer den Eindruck hat, das die Kinder mehr wollen, sollte man also auch mal den strikten Pfad der altersgerechten Ausbildungsziele verlassen (können) - so verstehe ich Dich.


    Ich bin aber dennoch klar für die vorgegeben Ausbildungsziele, übrigens nicht nur angelehnt an den DFB

  • Wenn man als Trainer den Eindruck hat, das die Kinder mehr wollen, sollte man also auch mal den strikten Pfad der altersgerechten Ausbildungsziele verlassen (können) - so verstehe ich Dich.


    Im Prinzip - wobei "wollen" und "können" immer noch zwei Paar Stiefel sind. Ich wollte in meinem Leben auch schon öfter Dinge, die ich nicht konnte. ;)

  • Was macht man aber mit solchen Beobachtungen? Einfach so weiter mit dem Wissen, wir werden stärker, aber erst in 2 oder 3 Jahren? Oder gibt man dem zumindest Ansatzweise nach, um den Kindern Perspektiven zu bieten.


    Meine Antwort aus völliger Überzeugung:


    JA, eindeutig so weitermachen. Loben wenn sie selbständig ins taktische Einsteigen und ein Auge für das Spiel bekommen und nicht abweichen.


    Das Rezept wäre für mich, das Thema durch andere Trainingsmethoden (Schreiner, Coerver, eigene Ideen) oder durch höhere "Schlagzahlen" (noch mehr Stationen, damit der einzelne nicht "herumsteht") zu intensivieren. Intensivieren hieße auch, das Training schneller zu machen, vielleicht auch mal ein Training ausdenken, wo sie mitdenken müssen, ....irgendwelche Spiele bei denen sie innerhalb der Ziele arbeiten...


    Ich für meinen Teil tue dies, in dem ich jetzt 4 Wochen größten Wert auf das saubere Passpiel mit anschließendem Torerfolg lege.


    Das tust du hier aber nicht :) , weil das Passspiel aus technischer Sicht Thema der F ist. 8) . Sollte ich das richtig verstanden haben, dann hast du offensichtlich gedacht, dass es nicht zu den Zielen gehört. Das Passspiel ist für mich nicht Ziel, aber das Passen können schon...ist ein Unterschied.
    Sollte das Passen (der technische Pass) in deinem Denken entsprechend kein Thema bis Dato gewesen sein, so weisst du dann, das sich da ein weiteres großes Thema für dich auftut.


    Du würdest ihnen entsprechend noch ein Rezept/einen wichtigen Grundstein beibringen und über das sowieso bereits gute Spiel das sie zeigen, werden sie auch den im freien Spiel einfließen lassen, bin ich mir sicher.


    Übrigens, ...das was du da von deiner Mannschaft beim Spiel gegen die Starken beschrieben hast, kenne ich genauso. Damals habe ich im Prinzip so trainieren lassen wie du es auch machst. Bei mir war es aber der Zufall und du machst es im vollen Wissen um die Dinge, was es viel interessanter macht. Da war mal ein Trainer der ließ immer ein 2:2:2 spielen und ich machte mir große taktische Gedanken (war noch voll gewinndenkend). Da habe ich das auch vorgeben und wir waren die ersten die sie schlugen, ...über den Zweikampf. Sie haben denen so eingeheizt, dass sie ihr antrainiertes gezwungenes Passspiel überhaupt nicht aufziehen konnten und den Zweikampf selber kannten sie kaum. Hinterher kam der Trainer zu mir und feindete mich an. "Fußbal hieße körperloses Spiel" so er. Meine Jungs zeigten willensstarken fairen Zweikampf ohne Fouls.


    Übrigens habe ich darüber -das mal am Rande- heute noch auf der Seite des Dfb gelesen. Da hat sich Löw bei den Bundesligatrainern beschwert....es solle mehr taktischer Zweikampf im 1:1 geübt werden...weil die Spieler so viele dumme und unnötige Fouls aufgrund von Unvermögen beim Zweikämpfen produzierten. Vielleicht ist das ja sogar in das neue Ausbildungskonzept des Dfb eingeflossen. Die Rüge war nämlich vor schon vor einigen Jahren vorgetragen. Gruß Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Da hat sich Löw bei den Bundesligatrainern beschwert....es solle mehr taktischer Zweikampf im 1:1 geübt werden...weil die Spieler so viele dumme und unnötige Fouls aufgrund von Unvermögen produzierten.


    Kannst Du bitte mal den Link posten?

  • http://www.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1[showUid]=12015&tx_dfbnews_pi1[sword]=Ausbildungskonzept&tx_dfbnews_pi4[cat]=71


    Ich glaube der Link klappt nicht richtig, ...deshalb der teilkopierte Text.


    War auf Dfb.de, Suchmaschine, Ausbildungskonzept eingeben, etwas weiter unten ist es zu finden, hier die Teilkopie:


    Bundestrainer Joachim Löw hat von seinen Kollegen in der Bundesliga eine bessere Zweikampfschulung für die Profis gefordert. "Das Zweikampfverhalten muss sich verbessern, wir sehen einfach zu viele Fouls, die nicht notwendig sind", erklärte Löw auf der jährlichen Trainertagung in Hamburg: "Ziel muss es sein, den Ball zu erobern und nicht einfach nur eine gegnerische Aktion auf Kosten eines Freistoßes zu stoppen."


    Meine Gedanken dazu, ...passt zum heutigen Konzept und


    Zweikämpfen heisst sauber aggieren, statt "nur" reagieren. Desto besser ich das als Spieler beherrsche, desto besser bin ich bei allen anderen Themen, weil es die Grundlage ist...für mich jedenfalls. Gruß Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Danke. Ich bin immer wieder überrascht, was die Pros angeblich (offensichtlich?) nicht optimal beherrschen. Sachen gibt's. Hätte ich nicht erwartet. Andererseits: Die Ballführenden sind halt auch keine Deppen und auf dem Niveau ist wahrscheinlich auch an nem Zweikampf-Gott schneller ma einer vorbei als ihm lieb ist, vor allem wenn es konditionell bergab geht.

  • Habe mir die Dfb "Modernes Verteidigen" vom Dfb organisiert. Kann ich nur jedem empfehlen....ab Ende E, auf jedenfall zur D bis zur C oder bei Defiziten weiter oben!


    Dort sagen sie es bei einer Übungssequenz auch ganz deutlich.....guter Zweikampf ist aggieren, statt reagieren und da ist was dran.


    Da ging es in diesem Zusammenhang darum, dass der Abwehrende durch seine Aktion bestimmt, wohin der Gegner mit Ball läuft.


    Darüber hinaus ging es um den massig vorkommenden Pass aus dem Mittelfeld gerade auf einen Offensivspieler zu. Hinter dem Offensivspieler steht der Abwehrspieler und plant sein Verteidigen.


    Macht er es schlecht, liegt ein Foul in der Luft, macht er es gut....weiss er durch viel Üben, wie weit er weg stehen muß, ob er um ihn herum den Pass beispielsweise abfängt, oder wann er zuschlagen muß, oder ob er ihn abläuft oder umleitet/ableitet. Das ist dort übrigens D und C Stoff. Um das kapieren und gut machen zu können, bildet man so aus wie es Anakiny wissenden Auges macht.


    Zudem finde ich es klasse, dass sie es gepostet hat. Es sollte nämlich Mut geben, auf gewisse Dinge als Trainer zu verzichten. Man sieht, dass solche Mannschaften ebend nicht nur verlieren, sondern im Mittelfeld gut mithalten. Ich würde ihr die C-Linzens Leistungsfußball gern schenken, wenn ich der Fußballkaiser von Deutschland wäre.

  • Meine Antwort aus völliger Überzeugung:


    JA, eindeutig so weitermachen. Loben wenn sie selbständig ins taktische Einsteigen und ein Auge für das Spiel bekommen und nicht abweichen.


    Das Rezept wäre für mich, das Thema durch andere Trainingsmethoden (Schreiner, Coerver, eigene Ideen) oder durch höhere "Schlagzahlen" (noch mehr Stationen, damit der einzelne nicht "herumsteht") zu intensivieren. Intensivieren hieße auch, das Training schneller zu machen, vielleicht auch mal ein Training ausdenken, wo sie mitdenken müssen, ....irgendwelche Spiele bei denen sie innerhalb der Ziele arbeiten...


    Interessant, vielleicht hast Du doch Recht und ich sollte erstmal so weitermachen, was ja auch stets ein volles Trainingsprogramm beinhaltet. Und Coerver mache ich mit den Kindern sehr gerne (und sie übrigens auch).


    Das tust du hier aber nicht :) , weil das Passspiel aus technischer Sicht Thema der F ist. 8) . Sollte ich das richtig verstanden haben, dann hast du offensichtlich gedacht, dass es nicht zu den Zielen gehört. Das Passspiel ist für mich nicht Ziel, aber das Passen können schon...ist ein Unterschied.
    Sollte das Passen (der technische Pass) in deinem Denken entsprechend kein Thema bis Dato gewesen sein, so weisst du dann, das sich da ein weiteres großes Thema für dich auftut.

    Dieser kleine, aber feine Unterschied ist mir wohl bewusst, gehört ja zu den Grundlagen.
    Wir trainieren bereits das technische Passspiel, also wie kommt ein Pass an, kann er technisch überhaupt gespielt werden. Da geht es aber nicht um strategische Spielsituationen, sondern nur um den Pass an sich. Wir machen ansonsten auch viel technische Übrungen, die nicht unmittelbar mit dem Passspiel zu tun haben (Ball hochhalten, Übersteiger, Sohle auf dem Ball rollen, Außenriss etc.).


    Aber ja, vielleicht sollte man das passen als technische Übung intensivieren (ist bisher nicht unbedingt mein Schwerpunkt), statt es schon in einem Spiel abzuverlangen, auch wenn meine Kinder den Eindruck machen, dass sie genau das das wollen.


    Deswegen mag ich das Forum so - hier werden oft sehr substanzielle Trainingsideen besprochen.
    :)

  • Aber ja, vielleicht sollte man das passen als technische Übung intensivieren (ist bisher nicht unbedingt mein Schwerpunkt), statt es schon in einem Spiel abzuverlangen, auch wenn meine Kinder den Eindruck machen, dass sie genau das das wollen.



    Nicht nur "vielleicht" :) : Das Passspiel als technische Übung gehört zu den methodischen Reihen, die der DFB für die technische Grundausbildung zumindest ab E (oder auch F?, ich habe es gerade nicht aktuell auf dem Schirm, weil ich eine C trainiere) vorsieht.

  • Nicht nur "vielleicht" :) : Das Passspiel als technische Übung gehört zu den methodischen Reihen, die der DFB für die technische Grundausbildung zumindest ab E (oder auch F?, ich habe es gerade nicht aktuell auf dem Schirm, weil ich eine C trainiere) vorsieht.


    Nett gesagt.
    8)
    Du musst natürlich die Intention des Themas berücksichtigen. Hier gehts ja nicht um die grundsätzliche Diskussion der Ziele, sondern um deren Handhabung und Flexibilität.


    Natürlich muss der technische Pass in der F und E (und auch später) gelernt werden. Das ist zwingend nötig, um später am taktischen Passpiel überhaupt teilnehmen zu können. Nützt ja nichts, wenn die Idee stets gut, die Ausführung aber meist schlecht ist.


    Ich überlege eben, jetzt schon einen Schritt weiter zu gehen, zumindest vorübergehend. Weil ich eben bei einigen Kindern klar merke, dass sie darauf warten - Ausbildungsziele hin oder her.


    Wenn ichs mir aber recht überlege - und das meine ich mit intensivieren - sollte man dem eher dahingehend nachgeben, dass man doch erstmal weiter Passübungen statt strategischen Passspiel intensiviert . Diesen Schwerpunkt werde ich jetzt setzen (vorher wars 1vs1, Tricks, Koordination etc.).


    Mal schauen, obs den Kindern reicht.
    ;)

  • Genau, Du kannst ja noch weiter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck erhöhen - es würde mich wundern, wenn Deine Kinder schon so weit sind, dass alle das Passspiel beidfüßig in höchster Geschwindigkeit auf engstem Raum und unter größten Druck beherrschen. Sollte das tatsächlich so sein, schick mir mal ein paar zur Verstärkung meiner C vorbei :P

  • Genau, Du kannst ja noch weiter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck erhöhen - es würde mich wundern, wenn Deine Kinder schon so weit sind, dass alle das Passspiel beidfüßig in höchster Geschwindigkeit auf engstem Raum und unter größten Druck beherrschen. Sollte das tatsächlich so sein, schick mir mal ein paar zur Verstärkung meiner C vorbei :P

    Ha, dem ist natürlich nicht so. Wäre es so, würde ich, a.) Dir gerne ein paar Spieler schicken -8)- und b.) gar nicht darüber nachdenken, ob ich solche Übungen trotz des jungen Alters der Kinder machen soll - ich würde es dann sinnvollerweise einfach tun.


    Nun, die Kinder selbst wissen gar nichts von den Ausbildungszielen, die sie erlernen und Schritt für Schritt erreichen sollen. Dennoch nehmen in der Zwischenzeit ca.50% meiner Kinder den Ball und spielen ihn als Pass in die Gasse oder in den freien Raum. Ohne, dass wir das jemals trainiert hätten oder ich das auch nur ansatzweise abverlangt hätte. Sie tun es einfach. Problem: Da steht meist keiner und der Passgebende zuckt mit den Schultern. Das passiert inzwischen immer häufiger - obwohl wir das Dribbling und die Individualtaktik absolut im Vordergrund haben. Natürlich sind die Pässe oft nicht perfekt getimt, zumindest meine ich das zu sehen, da die meisten ja nicht verarbeitet werden.


    Ich schließe daraus zweierlei:
    1.) Die Kinder wollen Passkombinationen spielen und warten darauf, dass wir das trainieren.
    2.) Die Kinder müssen nach wie an der technischen Umsetzung des Passes arbeiten.


    Übrigens haben wir an diesem Wochenende gegen eine der Mannschaften gespielt, die unsere Staffel beherrschen. Nach großem Kampf, Leidenschaft und Einsatz stand es zur Halbzeit noch 0:0 - am Ende jedoch 0:4. Und wir wurden durch Ballstaffetten und Passkombinationen ausgespielt. Ich möchte nicht wissen, wie deren Training abläuft. :rolleyes:

  • Dennoch nehmen in der Zwischenzeit ca.50% meiner Kinder den Ball und spielen ihn als Pass in die Gasse oder in den freien Raum. Ohne, dass wir das jemals trainiert hätten oder ich das auch nur ansatzweise abverlangt hätte. Sie tun es einfach. Problem: Da steht meist keiner und der Passgebende zuckt mit den Schultern. Das passiert inzwischen immer häufiger - obwohl wir das Dribbling und die Individualtaktik absolut im Vordergrund haben. Natürlich sind die Pässe oft nicht perfekt getimt, zumindest meine ich das zu sehen, da die meisten ja nicht verarbeitet werden.


    Ich schließe daraus zweierlei:
    1.) Die Kinder wollen Passkombinationen spielen und warten darauf, dass wir das trainieren.
    2.) Die Kinder müssen nach wie an der technischen Umsetzung des Passes arbeiten.

    50% machen das - das heißt natürlich auch, dass 50% das nicht machen...


    Die Pässe sind nicht richtig getimt. O.k. - es gibt Schlimmeres. Liegt das an der technischen Umsetzung oder daran, dass sie den Pass zwar technisch ganz ordentlich beherrschen aber nicht in einer Spielsituation anwenden können?
    Was ich damit sagen will: Manche trainieren den technischen Pass, verpacken das Gelernte danach aber nicht in eine Spielsituation. Einige finden irgendwann von selbst heraus, wofür das gut ist (in Deinem Fall die Passgeber) - andere finden das nicht von selbst heraus (in Deinem Fall die potentiellen Passempfänger).
    Wenn das Ziel heißt "technischer Pass", dann bedeuet das für mich nicht, den Pass von Hütchen rot zu Hütchen gelb spielen zu können.
    Für mich bedeutet das: Ball an- und mitnehmen können, ein paar Meter dribbeln, Pass spielen können - das sind genau die Grundtechniken, die in der F/E dran sind. Wenn man die Grundtechnik "Dribbeln" in einer Spielform verpackt trainiert, warum trainiert man dann nicht die Grundtechnik "Passen" in einer Spielform verpackt? Das heißt natürlich nicht, dass Du im nächsten Spiel von ihnen Passstafetten verlangst.
    Du findest unter DFB Training online reichlich TE dazu (allerdings teils auf einem recht hohen Niveau).

  • Die Pässe sind nicht richtig getimt. O.k. - es gibt Schlimmeres. Liegt das an der technischen Umsetzung oder daran, dass sie den Pass zwar technisch ganz ordentlich beherrschen aber nicht in einer Spielsituation anwenden können?
    Was ich damit sagen will: Manche trainieren den technischen Pass, verpacken das Gelernte danach aber nicht in eine Spielsituation. Einige finden irgendwann von selbst heraus, wofür das gut ist (in Deinem Fall die Passgeber) - andere finden das nicht von selbst heraus (in Deinem Fall die potentiellen Passempfänger).
    Wenn das Ziel heißt "technischer Pass", dann bedeuet das für mich nicht, den Pass von Hütchen rot zu Hütchen gelb spielen zu können.
    Für mich bedeutet das: Ball an- und mitnehmen können, ein paar Meter dribbeln, Pass spielen können - das sind genau die Grundtechniken, die in der F/E dran sind. Wenn man die Grundtechnik "Dribbeln" in einer Spielform verpackt trainiert, warum trainiert man dann nicht die Grundtechnik "Passen" in einer Spielform verpackt? Das heißt natürlich nicht, dass Du im nächsten Spiel von ihnen Passstafetten verlangst.


    Super Beitrag, vielen Dank Follkao.


    Genau das, was Du beschreibst ist jetzt auch mein vornehmliches Ziel. Beim Eingangsthread beschriebene Spielsituation trainieren und vorher intensiver auf die technische Umsetzung des Passes eingehen. Nur beides zusammen funktioniert.


    Gelungene Dribblings mit anschließender perfekter Passgabe ist natürlich die Königsdisziplin, deren Beherrschung wohl alles abverlangt, was es abzuverlangen gibt. Ob das für meine F nicht etwas zu viel ist, muss ich noch testen. Wie ich schon sagte, nahezu alle Kinder trauen sich im Dribbling so gut wie alles zu. Gehen mit Verve in die 1vs.1 Situationen, würde auch die ganze Mannschaft ausspielen, wenn das ginge. Das ist bisher ein fester Bestandteil des Trainings und daher für die Kinder im Spiel anwendbar. Aber wie gesagt, immer häufiger kommt jetzt auch der Versuch des Passes. Einfach so......


    Ich denke es würde daher schon reichen, wenn die passgebenden Kinder das Gefühl bekämen, dass das auch eine vielversprechende Lösung ist, sprich, wenn da mal einer steht.
    8)

  • Gelungene Dribblings mit anschließender perfekter Passgabe ist natürlich die Königsdisziplin, deren Beherrschung wohl alles abverlangt, was es abzuverlangen gibt. Ob das für meine F nicht etwas zu viel ist, muss ich noch testen.

    Es muss kein perfekter Pass sein. Ich sehe das so, dass das Dribbling ja nicht Selbstzweck ist. Es wird abgeschlossen durch einen verlorenen Zweikampf, durch einen Torabschluss oder durch einen Pass. Insofern macht es für mich Sinn, dass all das auch im Training vorkommt.

  • Es wird abgeschlossen durch einen verlorenen Zweikampf, durch einen Torabschluss oder durch einen Pass.


    Heureka! Das einem Dribbling immer eine Anschlußaktion (Torschuss, Flanke, Pass) folgen soll - ja muss, ist ja nicht neu. Sehr interessant finde ich aber Deinen Ansatz "verlorener Zweikampf" ebenfalls in die Liste mit aufzunehmen. Das schlußfolgert ja "Nachsetzen" ggf. als Anschlußaktion für das Dribbling. M.E. MUSS das ins Training mit aufgenommen werden. Dribbeln - Zweikampf verlieren - Nachsetzen.


    Danke für diesen Aspekt - das habe ich bisher noch nicht so gesehen!

  • Ja, das kann man daraus schlussfolgern.
    Ohne Statistiken zu kennen, glaube ich, dass der verlorene Zweikampf eine der häufigsten Aktionen zur Beendigung eines Dribblings ist.