Ich habe ein Anliegen an euch, dass ich schon mit Trainer und mit anderen Vereinsmitgliedern diskutiert habe. Wir haben einen Spieler in unserer C-Jugend-Mannschaft, 95'er Jahrgang, der Probleme in und außerhalb des Vereins hat. Vor zwei Monaten hatte ich erfahren, dass er von seiner derzeitigen Schule zum Halbjahr fliegt, nachdem er seine Lehrer tätlich an ging. Da er schon Probleme mit Gewaltausschreitungen hatte, muss er nun auf eine schwererziehbaren Schule. Auch im Verein gab es schon häufige Ausraster von ihm auf den Platz, sie hielten sich noch in Maßen, aber da es schon seit langen Diskussionen um ihm gab, habe ich, und mein Co-Trainer, mich mit der Jugendleitung zusammengesetzt und das Thema behandelt. Meine Ansicht war, dass endlich was passieren muss in Richtung Bestrafung, aber die meisten Trainer sowie mein Co-Trainer waren da gegen, weil es ins private geht und dass uns nichts angeht. Zu einem Teil verstehe ich die Ansicht um die Privatsphäre von den anderen Trainer, aber zum anderen Teil will ich ja die Mitspieler, sowie die gegnerischen Spieler, schützen. Die Frage ist ja, wie soll man so ein Problemfall im Verein behandeln?
Soll man Spieler bestrafen, die Privat Probleme mit der Disziplin haben??? - Bsp. Gewalt, ...
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Es geht hier nicht nur ums Private, denn er ist ja auch schon im Verein auffällig geworden. Ich würde klare Vorgaben machen, wie er sich bei Euch im Training und im Spiel zu verhalten hat. Und wenn er sich auch so im Training oder im Spiel verhält, wie er es "privat" getan hat, muss man ihn aus dem Verein ausschließen.
Ist es denn möglich, ein Gespräch mit den Eltern zu führen ? Oder gibt es bei Euch im Verein, der ggf. einen besonders guten Draht zu diesem Spieler hat.
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Wenn man Trainer oder Betreuer einer Mannschaft ist, nimmt man freiwillig oder unfreiwillig am Privatleben seiner Spieler teil. Kaum eine Trainingseinheit vergeht, in der man nicht Dingen aus der privaten Umgebung seiner Teammitglieder konfrontiert wird. Und die Antwort darauf, ob und wie man reagieren soll, ist wirklich sehr schwierig. Man ist nicht der Erzieher, nicht der Pädagoge, sondern der Förderer einer Sportart. Aber darf man deshalb die Augen verschließen oder einfach wegsehen? Wo sind da die Grenzen? Kann man in seinem Rahmen dazu beitragen, dass ein Kind nicht vollends den Kontakt zur Gesellschaft verliert und in die Kriminalität abdrifftet? Sicherlich könnte man ganze Bücher darüber schreiben oder lesen und würde dennoch nicht auf alle Fragen eine passende Antwort finden. Was aber jeder machen kann, ist durch die stetige Überprüfung von Gesagtem zum Handeln wichtige Werte für den Alltag vermitteln. Gerade Kinder, die zur Gewalt neigen, sind labil veranlagt und brauchen verlässliche Werte. Die können sie in einer Mannschaft mit einer Trainerteam, in der es um mehr als 1:0 geht, finden. Ob das allerdings allein schon ausreicht ... ?
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mahlzeit,
ist wirklich schwer zu beurteilen, da man dazu den typ und das umfeld kennen müßte. aber prinzipiell sind wir NICHT NUR FÖRDERER EINER SSPORTART, sondern sehr wohl erzieher, und vor allem pädagogen (auch ohne ausbildung
). oftmals haben wir in unserer erzieherfunktion, sogar sehr viel mehr möglichkeiten, als die "hauptamtlichen" in der schule, oder zu hause. wir haben den vorteil, zu uns kommen die jungs (meist) freiwillig, und haben spaß an dem was sie machen. ich glaube eine enge zusammenarbeit mit eltern und schule ist der schlüssel zum erfolg-sofern es einen geben kann. du wirst den charakter von so einem jungen wohl nicht ändern können, in maximal etwas formen. wenn die jungs erst einmal - warum auch immer- versaut sind, ist es immer schwer da was zu machen. aber ich würde am ende wohl auch für sportliche konsequenzen plädieren, und ihm mit viel geduld genau erläutern, was ich erwarte. und wenn alles nicht hilft, bleibt wohl nur der ausschluß, was dann aber wohl einem abschreiben des jugendlichen gleichkommen würde. wie geschrieben, es ist ein schwieriges und breites feld mit keiner patentlösung.gruß
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"..., wie er sich bei Euch im Training und im Spiel zu verhalten hat. Und wenn er sich auch so im Training oder im Spiel verhält, wie er es "privat" getan hat, muss man ihn aus dem Verein ausschließen."
Im Training hat er sich mehrfach mit den eigenen Mitspieler angelegt, es kam schon einmal zu Handgreiflichkeiten in der Kabine, aber da war ich nicht dabei, da ich noch mit einen Elternteil gesprochen hatte. Im Spiel ist es so, wenn wir gut spielen, dann ist er gut drauf, aber wehe wir spielen schlecht, dann geht er nur noch auf die Beine des gegnerischen Spielers. Er hatte mehrmals Glück das er keine Rote Karte gesehen hat. Ich habe immer versucht ihn zu fordern und fördern. Ich wollte für ihn eine Stütze sein, aber es funktioniert eben nicht.
"Ist es denn möglich, ein Gespräch mit den Eltern zu führen ? Oder gibt es bei Euch im Verein, der ggf. einen besonders guten Draht zu diesem Spieler hat."
Den Eltern ist es egal, wie er sich auf den Platz verhält, selbst wenn der Vater solche Szenen im Spiel von seinem Sohn mitbekommt, dann ist es ihm egal, obwohl ihm das nicht egal sein dürfte. Es gibt derzeit keinen im Verein, der zu ihm einen guten Draht hat, da sie alle schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht haben, ob nun Trainer, Spieler oder andere.
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Ich finde das ganze nicht so schwierig.
Im Maximum würde ich mit dem Spieler ein ehrliches Vieraugengespräch führen und ihm erstmal mitteilen, was dir zu Ohren gekommen ist und das du das sehr schade findest und dir Sorgen um Ihn und seine Zukunft machst. Dazu das Salz, ...eben das du seine Auffälligkeiten auch beim Fußball erlebt hast. Damit hast du ihn etwas runtergeholt.
Dann baust du ihn auf, indem du ihm sagst, dass du auf ihn als Mensch und Spieler nicht verzichten willst,
aber eben auch, was du zu 100 Prozent von ihm ab jetzt erwartest. Biete ihm an, dass er sich sofort im Falle dessen, dass er eine unbändige Wut empfindet, sofort ausgewechselt werden kann. Sage ihm doch einfach, das du ihn rauswerfen wirst, wenn es zu einem Fehltritt der extremen Art kommen sollte. Damit weiss er dann Bescheid, du hättest ihm die Hand gehalten und ihm zeitgleich mitgeteilt, wer der Chef ist und wo Norden ist. Gruß Andre
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@Mib
Dieser Junge hat jetzt einen Scheiss am Andren gebaut und wurde bereits bestraft. Du hast geschrieben, dass er in eine speziälle Schule gehen muss. Diese Strafe reicht jetzt komplett aus. Der Junior ist jetzt vermutlich noch frustrierter als früher also noch eher Gewaltbereit... dies einfach mal so, damit Ihr Euch im Verein vorbereiten könnt. Vorbereiten heisst nicht; Warten, dass er einen Scheiss macht, damit man Ihn danach raus schmeissen kann.
Genau jetzt habt Ihr die Chance, denn Jungen zu verbessern (folgendermassen würde ich als Trainer vorgehen):
- Ruhe bewahren. Den Junior bemitleiden und dafür mögen wie er ist. Positive und Negative Eigenschaften des Juniors gründlich studieren und notieren.
- Die erste Woche nach dem Vorfall, denn Junior gefühlvoll und fair behandeln. Regelmässig fragen wie er sich fühlt (es ist klar, dass der Junge nun traurig und frustriert ist).
- Iergendwann nach dem Training würde ich dem Junior sagen, dass ich von der Sache gehört habe, dass mir seine Situation sehr leid tut und ich Ihm gerne helfen möchte. Danach würde ich fragen, ob es Ihm egal sei, ein 4 - Augen Gespräch (ohne Eltern) zu haben. Darauf würde ich auch bestehen. Dem Junior muss klar sein, dass er diesen Gespräch braucht.
Das Gespräch und die Ziele- Ziel: Gefühlslage des Jungen verstehen, Verstehen was in der Schule passiert ist, Verstehen was Junior in seiner Handlung sieht (sieht er Fehler?). Hauptziel: Junior muss verstehen, dass er einen Fehler gemacht hat und Trainer muss Gefühlslage verstehen um die korrekte Worte (eher ruhig oder auch kritisch) zu finden. Wenn der Junior der coole "spielt", nicht beeinflussen lassen, da dies ein Zeichen von Unsicherheit ist. Die Methoden sind einfach; Ich würde viele W - Fragen (offene Fragen) stellen. Zb. Wie gehts Dir? Was ist den in der Schule genau passiert? usw.
- Sich im Unterbewusstsein befindede negative Erlebnisse ins Bewusstsein bringen; Der Junior wird bei einer offenen Diskussion, ziemlich detailliert beschreiben, was geschehen ist und was er alles gemacht hat. Je krasser seine Aussagen sind resp. je kritischer er sein Handeln darstellt desto mehr bringt er sein Fehlverhalten vom Unterbewusstsein ins Bewusstsein. Da würde ich durch W - Fragen Ihn zum denken führen.
- Seine Handlungen per Diskussion verbessern. Wenn der Junior iergendwie sagt: "Ich habe X eine auf die Fresse gehauen, weil er mir ABC gesagt hat!" Dann würde ich kontern und fragen: "Was hättest Du anders machen können? So dass Du keine Strafe erhalten hättest?" Seine Handlung über diesen Satz würde ich mit Ihm diskutieren, bis wir eine optimale Handlung rausgefunden haben. Da könnte der Junior zb. folgende optimierte Handlung bringen: "Ich hätte Ihn einfach auslachen können und fragen ob er auch mehr auf Lager hat!"
- Mentales Training als Hausaufgabe: Als Abschluss würde ich dem Junior folgende Hausaufgebe geben: Er soll wenn er zum schlafen geht, die Beschriebene Situation bildlich vorstellen und seine optimierte Handlung als Reaktion darauf. Dies ist mentales Training. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Junge seine optimierte Handlung auch durchzieht ist nach mentalem Training höher.
So würde ich vorgehen.Grüsse TRPietro
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Zitat
Auch im Verein gab es schon häufige Ausraster von ihm auf den Platz, sie hielten sich noch in Maßen
In welchen Maßen? Die Frage ist mir ernst, denn darauf baut in etwa das auf was ich gleich noch schreibe

Also was ich machen würde, wenn es sich tatsächlich in vertretbaren Maßen hält, wäre nix. Er hat ärger in der Schule, wahrscheinlich bekommt er das auch oft genug von den Eltern "unter die Nase gerieben". Jeder wird ihn das in irgendeiner Form in seinem Privatleben spüren lassen, sprich er hat es schon schwer genug.
Ist er nun im Fussball einfach nur schwierig, ein Charakter von dem es viele viele gibt (zumindest bei uns), und er wird anders behandelt als die anderen schwierigen Kinder, wird sich wohl im laufe der Zeit eine "mich kann doch eh keiner leiden"-Meinung oder "ich kann ja machen was ich will"-Einstellung bilden. Und er hätte ja recht.Ich würde ihn "rannehmen" wie jeden anderen auch, und auf seine Probleme in der Schule und im privaten Umfeld garnicht eingehen, vielleicht ist ja gerade das, was ihn im Training aggressiver macht. Denn jeder trägt seine Probleme auch noch ins Training. Vielleicht würde er sich bessern, wenn Fussball sich als eigene, vom umfeld unabhängige Institution herausstellt, wo er einfach seine sonstigen Probleme für 90 Minuten hinter sich lassen kann.
Und das verhalten im Spiel, dass er aggressiv wird wenn er verliert, ich glaube ganz ehrlich, in dem alter gibt es davon sehr viele (wir haben auch einen). Dementsprechend würde ich ihn auch behandeln, wenn er gefährlich Grätscht, würde ich ihn auswechseln und ihm sagen, dass du solche Blutgrätschen nicht duldest. Aber dann auch genauso die anderen, die die Grätsche auspacken (ich hab in meinem ersten Saisonspiel einen zu viel ausgewechselt [bzw. ihn zu mir gestellt, also noch im feld] weil er zu aggressiv war. Es dauert, aber es hilft ;)).
Und aggressives Verhalten gegen seine Mitspieler.. Naja, ich glaube es gab noch kein Training bei mir, ohne irgendeinen Konflikt, und meistens sind es die selben. Da wird einfach nen Auge mehr drauf geworfen.Zudem eine kleine Anekdote
In meiner Mannschaft gibt es einen Spieler, der is relativ aggressiv (ich komm damit mitlerweile recht gut klar, man muss halt wissen wie man damit umgehen kann), springt auf jede Anmache an, und ist sofort obendraus. Dazu kommt ein anderer Spieler, der ist klein, nett, zurückhaltend, irgendwie so ein Typ "liebes Kind", und der wird immer von dem ersteren gedrückt und runtergemacht, sprich er wird von dem aggressiven Spieler "gemobbt".
Tja, denkste! Der aggressive Spieler hat sich immer beschwert wenn ich ihn bestraft hab "aber er.. aber er..", und irgendwie konnte ich das nich so recht glauben (und natürlich kann ich auch nur bestrafen was ich sehe). Und ja, wenn man mal richtig richtig hinschaut, weis der kleine doch sehr gut zu provozieren, und es ist wirklich schwer das zu sehen.Was will ich damit sagen? Könnte es auch sein, dass die anderen Spieler sehr wohl um seinen Charakter und seine Probleme wissen, und vielleicht auch sticheln? Das kann für sonen Jungen sehr schmerzhaft sein, und wenn er sich vielleicht auch nicht mit Worten wehren kann, er aus selbstschutz zu einer Aggressiven Hanltung greift?
