Spieler auffordern, das spielen aufzugeben?

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  • Hallo,
    mich würde mal eure Meinung zu folgender Thematik interessieren:

    Eine Spielermutti teilt mir mit, dass ihr Sohn am Wochenende lieber mit seinem kleinen Bruder spielt, anstatt zum Spiel zu kommen. Sie findet dass auch gut, da sie so Luft hat für dringende Arbeiten. Nachdem ich ihr sagte, dass dies sehr kurzfristig sei (ich erfuhr durch Zufall davon, sonst hätte ich ohne Wissen um das Warum dagestanden), meinte sie, dass es nun so sei. Meine Entgegnung, dass die Mannschaft dann evtl. nicht mal vollzählig wäre, interessierte sie auch nicht. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich empfahl ihr, für ihren Sohn doch lieber keine Mannschaftssportart zu wählen. Mir ist da erstmal egal, ob der Verein damit ein Mitglied verliert, Eltern, die ihre Kinder aufgrund fehlender Ganztagsangebote in Schulen in Sportvereine schicken, aber die Wochenenden lieber *in Familie* verbringen, sind in meinen Augen nicht gerade hilfreich für unseren Sport.
    Ich sehe eben auch, dass man in der Woche viele Kinder betreut, das Training nicht immer effektiv ist, am Wochenende aber gibt es diverse Ausreden.

    Nun bin ich erst seit kurzem wieder *im Geschäft*, habe fast 2 Jahrzehnte pausiert. Bin ich altmodisch oder ist es heute anders? Die Spiele am Wochenende waren für mich immer ein MUSS, wurde ich nicht eingesetzt oder ausgewechselt (damals gabs ja noch nicht die Wechsel wie heute), tat das weh.
    Mich würde interessieren, ob ihr ähnlich eerfahrungen gemacht habt und wie ihr mit solchen Trainer-Spielereltern-Konflikten umgeht.

    Danke und Grüße
    el62

  • Ich weiß hört sich oberschlau an, aber immer erst nachdenken und dann handeln.

    Du bist verärgert und das ist verständlich, aber wer profitiert jetzt bei dieser Meinungsverschiedenheit bzw. von deiner Reaktion? Euer Team?, das Kind? du? euer Verein?

    Nein, hier profitiert nur die Mutter, der es im Prinzip völlig egal ist ob ihr Sohn spielt oder nicht.

    Deshalb empfehle ich nicht immer gleich auf Konfrontation zu gehen, sondern zu versuchen eine Basis für ein sachliches, vernünftiges Gespräch zu finden, damit der Mutter bewusst wird, das es um die Interessen ihres Kindes geht.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • Da ich nun bereits meine 18. Saison eine Mannschaft trainiere, habe ich nun schon etwas Erfahrung auf diesem Gebiet.

    Was sich auf jeden Fall geändert hat in dieser Zeit ist die Anzahl der Kinder, die Fußball nicht unbedingt als absolute Nr. 1 sehen und andere Dinge als durchaus wichtiger empfinden. Dies sind dann fast immer Spieler, die etwas schwächer Fußball spielen. Bei uns in der E-Jugend gibt es mindestens fünf Spieler, die in diese Kategorie fallen. Ein Spieler spielt nebenbei Volleyball, ein anderer ist in der Ministrantengruppe, der nächste spielt Geige, beim nächsten sind Ausflüge und Geburtstage von Freunden wichtiger als ein Spiel und beim fünften ist es so, das die Eltern geschieden sind und es sein kann, das man ebenfalls beim Spiel fehlt. Von insgesamt 30 Kindern ist dies mit fast 20 % schon eine sehr hohe Quote. Was aber bei allen Kindern der Fall ist, das die Eltern auch beim Fußball dabei sind und ihrem Kind zuschauen.

    Es kann also immer sein, dass es Terminüberschneidungen gibt, so das der Fußball nur an zweiter Stelle kommt. Wir haben hierbei aber auch eine klare Vereinbarung. Wir akzeptieren, dass die Kinder nicht immer zur Verfügung stehen, im Gegenzug müssen die Spieler und die Eltern aber auch akzeptieren, dass die Spieler, die immer ins Training kommen und auch bei den Spielen immer zur Verfügung stehen, bevorzugt behandelt werden, was Spieleinsätze betrifft. Da wir aber drei Mannschaften mit je 10 Spielern haben, haben wir in dieser Saison das Glück, das jeder spielen kann. Die Spieler, die aber nicht immer da sind, spielen in der dritten Mannschaft.

    Als Verein sollte man auf jeden Fall versuchen, jedem Kind eine Plattform bieten zu können, Fußball spielen zu können, auf die Art und Weise, wie ihn das Kind eben am liebsten ausübt. Mit zunehmenden Alter wird dies natürlich schwieriger und irgendwann wird sich das Problem vermutlich von alleine lösen, weil ab C-Jugend der Fußball wohl auch etwas mehr leistungsorientiert zu sehen ist.

  • Also, deine Eingangsfrage war, ob der Spieler aufgefordert werden soll, aufzuhören.

    Hier von mir ein klares NEIN! :)

    Wie du es der Mutter gesagt hast, finde ich o.k.. Ich schätze ich hätte ähnlich reagiert.

    Hattabi, deine Ansicht teile ich aber auch, wenn ich damit aber eher wie die Fragestellerin umgegangen wäre.

    Unter dem Strich muß eine Lösung her und hierbei wäre es mir wichtig, ob der Junge bei einer leistungsmäßig eingeteilten ersten Mannschaft spielt oder nicht.

    Spielt er in einer ersten Mannschaft, würde ich hier der Mutter unmißverständlich zu verstehen geben, dass das was sie da meint, so nicht geht und da wären wir schon beim Stichwort -geht-. Geht eben nicht und wenn sie das nicht verstehen will, sind wir beim STichwort -kann dann gehen.

    Ich würde mir dann einen Spieler hochholen und die Spieler tauschen! ;)

    Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass egal in welcher Mannschaft -bezogen auf den Breitensport- hier umgedacht werden sollte. Wir sollten die Mannschaftsgrößen -wenn zahlenmäßig möglich- nach oben hin an die "neue Zeit" anpassen. Ein Umdenken ist hier förderlich, denn die Schulzeiten haben sich verlängert. Die Kinder kommen nicht mehr um 01.00 Uhr zu Hause an, denn es ist oft 15.30 Uhr + Hausaufgaben und manchmal -wie Hattabi es anschnitt- auch noch Klavier üben angesagt. Dazu wird die Schule noch schwerer, weil das Abi beispielsweise nach 12 Jahren kommt und ich glaube 880 Stunden nicht wegfallen, sondern kompensiert werden. Da fehlen dann schon mal welche, weil die Schule eben vor geht und nicht jeder ein Einsenschreiber ist.

    Ist die Mannschaft ausreichend groß, kann man dann ja ohne Sauer zu sein aggieren, man bleibt spielfähig und hat keine Probleme. Das wäre zeitgemäß.

    Ob der Pastor oder der Sportverein, beide müssen hier willig sein und versuchen, sich anzupassen, denn die Kinder und Eltern müssen hier mitziehen, weil der liebe Gesetzgeber der Meinung ist, dass die Pisastudie zu schlecht ausviel und wir wollen ja schließlich die Nr. 1 wirtschaftmäßig in Europa werden.

    Also lange Rede kurzer Sinn: Wenn der Grund des Fehlens sich nicht so bescheuert anhört, wie der der beschriebenen Mutter, ist hier etwas Verständnis und meiner Meinung nach ein lageangepaßtes Umdenken der Vereine im Rahmen der Möglichkeiten (Traininingszeiten, Trainerfrage etc.) gefragt. Gruß Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Moin,

    rausschmeissen: nein.

    Andre hats ganz gut auf den Punkt gebracht. Es gibt auch andere Freizeitaktivitäten, die aber auch mehr Geld kosten. Die Wichtigkeit der verschiedenen Aktivitäten kannst Du dir dann ja selber ausrechnen...

    eisloewe62: Ich hätte genauso gehandelt und der Mutter erst mal die Meinung gegeigt. Die wird es aber nicht verstehen. Die Kids bekommen heute ausser totalem Egoismus (setz dich durch!) nichts mehr mit auf den Weg, was ein einem Teamsport wichtig ist.

    Das Kinderparken nimmt immer häufiger zu, da die Beiträge viel zu niedrig sind. Der Trainer wird dann als billiges Kindermädchen mißbraucht...

    Lösung: lass es so laufen. Das Problem wird sich ganz von allein lösen. Das Kind wird immer schlechter werden und von allein aufhören. Du musst nur darauf achten, das er nicht noch andere mit runter zieht.

    Andre: guter Vorschlag mit erhöhten Mannschaftsgrössen. Leider aber in der Praxis kaum oder nicht durchfürhbar.

    Problemfelder:
    - Trainermangel
    - Trainingsinhalte für "gute" und "weniger gute" gleich?
    - Platzmangel
    - spielt jeder? Auch der, der nie zum Training kommt?
    - eingespielte Mannschaft
    - Teamgeist
    usw.

    Daher in den meisten Fällen nicht durchführbar, ausser vielleicht bei sehr grossen Vereinen.

    ciao
    BB

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  • Danke für eure Meinungen.
    Bei einer einmaligen Sache hätte ich gar nichts gesagt, aber durch Kenntnis der Familien kann ich sicher abwägen, ob wirklich Interesse am Fussball besteht oder ob der Junge nur geht, weil seine Freunde auch gehen und man ansonsten *nach Lust und Laune* entscheidet. Und das macht natürlich die Sache nicht einfacher. Zumal ich die Familie gut kenne und unser Sohn in derselben Mannschaft spielt und beide befreundet sind. also schon 'ne gehörige Portion Enttäuschung dabei war.

    Wogegen ich mich aber wehren würde, wenn diese Spieler dann *nur in der 3.Mannschaft spielen sollten*. Finde ich ein schlechtes Zeichen den zuverlässigen Spielern dieser Mannschaften gegenüber. Deshalb in solchen Fällen dann eben Wechselspieler oder auch mal keine Einladung (vorausgesetzt, man hat genügend Spieler, was bei uns eben nicht der Fall ist). Daher auch mein Ärger, denn letztlich fuhr ich mit kleiner Besetzung und dementsprechend fiel das Ergebnis aus. ;(

    Einmal editiert, zuletzt von eisloewe62 ()

  • Da ihr nicht leistungsorientiert spielt, ist nicht das Spielergebnis entscheidend, sondern die Message, die du damit allen anderen Spielern rüber bringst.

    Viele Spieler/Spielerinnen haben von ihren Eltern gelernt das sie schimpfen, aber letztlich nicht konsequent genug sind. Wer droht und die Strafen nachher nicht 1:1 umsetzt muss sich nicht wundern, wenn er nicht mehr richtig ernst genommen wird bzw. enttäuscht wird.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • Ein Fußballverein ist keine Aufbewahrungsstation, wer dennoch dieser Meinung ist, sollte uns Trainer besser entschädigen und zwar durch einen deutlich höheren Mitgliedsbeitrag!!!

    »Fußball ist grundsätzlich einfach, aber das Schwierigste was es gibt ist, einfachen Fußball zu spielen.«

    (Johan Cruyff)

  • @ Bondscoach

    Im Prinzip hast du recht, aber wer wird schon zugeben, das sein/e Kind/er eigentlich nur abgeschoben werden. Schließlich ist es für viele doch recht praktisch, wenn die Kinder nicht da sind und sie ihre Ruhe haben.
    Allerdings habe ich auch Verständnis für einige Eltern, die z.B. Alleinerziehend sind, und sich nach besten Kräften bemühen. Aber bei Alleinerziehenden mit zwei oder mehr Kindern, ist es auch wirklich nicht so einfach.
    Und dann müsste man noch die Eltern unterscheiden, zwischen denen die nicht können oder viel schlimmer, nicht wollen.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • Bondscoach,

    ich erinnere mich, dass ich das mal genau wie du gesehen habe.

    Bei nüchterner Betrachtung kann ich nicht wirklich erkennen, dass gewisse Eltern ihre Kinder bei uns auf dem Platz parken.

    Bei den Minis stehen sie die ersten Wochen am Rand. Dann bekommen sie ein Elternschreiben in dem auch steht, dass das gerade bei den Minis nicht gewünscht ist und sind meist weg.

    Bis erstes Jahr E bringen sie die Kinder, oft mit dem Fahrrad und holen sie auch wieder ab.

    Spätestens ab der D kommen die Kinder allein.

    Ich für meine Person bin bei einigen Themen wenig Tolerant, dass ist für mich dann fast ein Fremdwort. Z.B. ärgert es mich an manchen Tagen, dass der Verein bei 43 Mannschaften und über 100 Trainern dann nur unter erheblichen Mühen Eltern dazu bewegen kann, hier mal die Mannschaft des Sohnes oder der Tochter zu coachen. Da sind Väter bei, die spielen selber bei den alten Herren und ich weiss beispielsweise, dass die zur Trainingszeit bereits eine Stunde Feierabend haben. Da kommt dann noch heraus, dass der Herr den Bootsführerschein macht. Also in der Jungend alles genommen, sprich -die meisten waren da selber schon im Verein- und nun -obwohl es glasklar möglich wäre- bloss kein Engagement zeigen. Das ärgert mich viel mehr und ich könnte solchen Leuten wohl in die Fres...
    hauen. Die sind teilweise nicht in der Lage, die Verantwortung für einen Wellensittich zu übernehmen.

    Das Bild -Mutter kommt und schiebt Sohn auf den Platz- ist meiner Meinung nach eher verzerrt und paßte bei mir damals dann in dieses Frustbild. Schließlich habe ich 6 Jahre lang ganze Schichten verlegt und habe kurze Wechsel gemacht nur damit ich die Trainings geben konnte. An den Wochenenden bin ich direkt nach dem Spiel fluchtartig vom Platz und ab zur Arbeit. Die Väter hingegen schauten dann zu, wie ich die Tore alleine über den Platz zog. Die kamen meist später, weil sie ja wußten, dass eine Frage im Raume stand: Kann einer pfeifen? Diese Pfeifen.

    Gruß Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Andre, es ist offenbar fast überall ähnlich. Du schreibst es sehr krass, aber ich bin mittlerweile da schon wieder relativ ruhig. Gut, ich hatte selber berufsbedingt fast 20 Jahre Pause, vielleicht auch zuviele Illusionen beim *Comeback* ;)
    Da ich selber aber 2 Kinder habe, die ein Gymnasium besuchen, sehe ich auch, dass Fußball im Breitensportbereich (darum gehts bei uns) nicht die 1.Geige spielt. Ich wäre da als Vater auch konsequent (Schule geht vor), jedoch würde ich versuchen, dass der Junge die Spiele am Wochenende besucht. ich kann als Übungsleiter damit leben, dass an Trainingstagen auch mal nur 5-7 Jungs da sind. Umso intensiver kann ich 3 gg. 3 spielen oder mal längere Übungen trainieren. Nur, ich bleibe dabei, egal ob Leitsungssport oder Breitensport, Mannschaft heißt eben auch Verlässlichkeit und Bereitschaft, die 16-20 Spiele am Wochenende zu besuchen. Und vo rallem, dei Jungs zu entschuldigen, aber wenn selbst das nicht passiert, dann darf ich schon fragen, ob das Interesse gegeben ist.