Dirk Coerverfan
Das Forschungsfeld ist teilweise noch offen. Fand die Thematik immer schon sehr interessant, habe deshalb schon einiges dazu gelesen. Dein Eingangspost vermittelt zumindest für mich den Eindruck, dass die gängige Lehrmeinung falsch ist. Das glaube ich nicht dass das so ist.
Die Verteilung der Muskelfasertypen ist erheblich von der Genetik bestimmt. Nur in einem geringen Rahmen können wir sie durch Training verändern. Beide Wege sind auch nicht gleich gut machbar.
Studien deuten daraufhin, dass Nachfolgendes möglich ist.
V1:
Eine Verschiebung von Typ2 Fasern (Sprinter) zu Typ1 Fasern (Ausdauer) ist wohl möglich durch langjähriges Training und über Jahre betrieben wohl irreversibel. Wie weit man die Verschiebung vom Ausgangsstand heraus treiben kann? Unklar...
V2:
Eine Verschiebung von Typ1 Fasern (Ausdauer) zu Typ2 Fasern (Sprinter) ist sehr viel schwieriger und nur in einem geringen begrenzten Ausmaß möglich.
Schnelle Muskelfasern teilen sich noch auf in Typ2x und Typ2a. Die häufigste Verschiebung findet statt bei den schnellen Muskelfasern von Typ-2x zu Typ-2a und umgekehrt durch entsprechendes Training.
Was bedeutet das jetzt? Wo liegt das Problem?
Der aktuelle Stand deiner Spieler in Bezug auf Schnelligkeit ist der Ausdruck des individuellen Potentials (Genetik) und dem Training deiner Spieler.
Jetzt kannst Du natürlich deine Spieler optimieren auf Schnelligkeit durch entsprechendes Training (Typ 2x Fasern). Das Problem an der Sache ist, das wird ein paar Prozentpunkte bringen, aber Du wirst nie zum optimalen Potential deiner Spieler gelangen und das wird nicht so weit gehen, dass nur noch Raketen auf dem Feld rumlaufen, die vorher Schnecken waren.
Dann müssten die Spieler mit Fussball aufhören und auch dann ist eine komplette Umpolung nicht möglich. Fussballtraining beinhaltet Schnelligkeit und Ausdauer Komponenten. Ausdauer / Fussball Training wäre bei der versuchten optimal ausgereizten Umwandlung gegenüber dem genetischen Ausgangsstand aber kontraproduktiv.
Die Mechanismen wirken bei einem 10 Jährigen genauso wie bei einem 25 Jährigen. Vielleicht gibt es Details...
Ein Weltklasse Sprinter kann nicht trainiert werden, sondern verbindet Genetik und Training. Carl Lewis soll 90% Typ2 Fasern gehabt haben. Dahin kommt man nicht, wenn man nicht vorher von den Eltern entsprechend beschenkt wurde.
Es gibt wohl theoretisch möglich erschreckende Wege in Bezug auf Gen Doping bei der Thematik. Wird wohl kommen. Wenn die Wissenschaft dann irgendwann in X Jahren soweit ist. Leider...
Der entscheidende Punkt bei der Sache ist "Muskelumwandlung durch Training" beeinflussbar. Querschnittsgelähmte entwickeln wohl in entsprechenden Muskelgruppen >95% Typ2 Fasern. Der Muskel scheint komplett reizlos in Ruhe auf Typ2 umzuschwenken. Hilft uns aber auch nicht wirklich weiter...
Man kann in die eine oder andere Richtung schwenken, aber solange man auch noch 2-3 mal in der Woche im Fussball Training und Spiel ist, ist das Potential dazu grundsätzlich sehr eingeschränkt. (Versuchtes) Muskelumwandlungstraining von Typ1 zu Typ2 schaut anders aus 