Es ist uns so nun im August/September ergangen, daß ein langjähriger Spieler (Jg 2000, Altjahrgang D) zum Saisonauftakt nicht zum Training kam. Wir hatten direkt in der ersten "Schulwoche" dann unser Vorbereitungsturnier, bei dem sich die neue Mannschaft beschnuppern sollte und die "Frischen" das komplett neue Spiel (von 6+1 ohne Abseits zu 8+1 mit vielen Regeln und größerem Feld) entsprechende Praxis sammeln sollte.
Er war trotz fehlendem Trainings dennoch eingeladen, hat dann aber auch das Turnier abgesagt ("Privattermin").
Nun stand zwei Wochen später das erste Punktspiel an und er war für mich durch sein Können eine wichtige Größe.
Da kam die Botschaft wie ein Schlag ins Gesicht, die Mutter rief mich an:"Es liegt nicht an Dir, es hat ihm bei euch immer gut gefallen. Aber sein bester Freund spielt bei TSV B., und dessen Vater ist dort Co-Trainer und fragte ihn, ob er nicht wechseln möchte. Es sind durch die weiterführende Schule auch einige Klassenkameraden dabei. Er trainiert auch bereits seit einigen Wochen da."
Ich war natürlich perplex, fragte ob er sich das gut überlegt hat - und bot an, dass er sich das Ganze nochmal überlegen soll und darf.
Es nützte nichts, er wollte wechseln. Ok, es war bereits Ende August, ich gab unserem Paßwart den Paß und wollte in Fürsorge für den Jungen keine Sperre. Doch unser Paßwart nannte mir den Passus, daß D-Jugendliche automatisch drei Monate gesperrt sind. Ok, schlecht - aber so sind nun mal die Regularien, und die müssen für alle gelten, sonst gibt es Wechsel-Tohuwabohu. Dachte ich, ich naives Dummchen...
Denn wie das Schicksal so will, hatten wir am dritten Spieltag ein Heimspiel gegen diese Truppe. Ich saß im Büro am Eingang der Spielerkabinen, da hörte ich ein leises "Hallo, Thomas." Hää, die Stimme kenne ich doch?! Da stand der Blondschopf mit Trainingstasche und schaute mich verschämt an.
Meine Augenbrauen zogen sich nach ganz hinten - was wird das denn jetzt?! Was bürdet ihn denn der neue Verein da auf? Gegen seine Ex-Kameraden spielen?
An dieser Stelle ein Lob an meine Truppe: Obwohl sie im Vorfeld sagten, daß sie sein Verhalten echt nicht gut finden, haben sie dann im Spiel die bestmögliche Antwort gegeben: Als hätten wir mit 5 Leuten Überzahl gespielt, haben wir als damaliger Tabellenvorletzter den vermeintlichen Tabellenführer klar dominiert und ein sicheres 3:0 erzielt. Und sogar jede Provokation vermieden, ihn quasi ignoriert. Er kam im Spiel nie richtig zum Zug, sobald er am Ball war, schnappten ihn meine Spieler sofort wieder weg. Nur mein Sohn konnte sich einen blöden Spruch nicht verkneifen:"Na? Der Wechsel ging ja wohl in die Hose, was?" Das der "liebe" Co-Trainer dann nach dem Spiel den 14jährigen Jungschiedsrichter übelst angegangen ist (trotz erstklassiger Leistung) ist vielsagend ("Das werde ich melden! Total parteiisch! Dich muß man sperren!") , aber für mich keiner weiteren Erwähnung wert. Nur, daß er mir nach dem Spiel den Handschlag verweigert hat: "Dir gebe ich nicht die Hand!" - sowas habe ich in acht Jahren noch nicht gehabt!
Fazit:
Wenn dein Verein den Kreisvorsitzenden stellt, dann sind Regularien schlicht Schall und Rauch. 