Nachdem @Ballaufpumper und @Sir Alex im Tread Vatertrainer, positiv oder negativ? ein "sinnlos" bei Kopfballtraining in der G-Jugend eingeworfen haben, möchte ich das Thema hier nochmals aufgreifen.
a) als "sinnlos" in der G-Jugend wurde hier im Forum an verschiedenen Stellen schon das Training des Kopfballspiel, das Passen und des Torwart erwähnt. Sinn machen soll das Training von Dribbling und Torschuss (ohne Torwart?). Macht das wirklich Sinn? Man wird hier gefragt, wie viele Kopfbälle man in einem Spiel sieht - dann stellt sich mir die Frage, wie viele Tricks sehe ich? Und ich meine jetzt nicht einen Gegenspieler zu überlaufen. Mir stellt sich die Frage, ob Bambini/G-Jugendtraining überhaupt einen Sinn macht? Und einen positiven Aspekt kann ich herausziehen: den Kindern macht es Spaß! Und Flugkopfbälle auf der Weichbodenmatte mit einem sehr leichten Gymnastikball machten sowohl einer F- als auch einer G-Jugend im Training bei mir Spaß (das gleiche gilt für einen Fallrückzieher - sehe ich übrigens noch seltener als einen Kopfball).
Wenn ich mal meine Skepsis gegenüber einem G-Jugendtraining bei Seite schiebe, macht es aus meiner Sicht durchaus Sinn, auch Kopfball in ein Training (nicht wöchentlich, aber vielleicht 1x im Quartal für 10-15 min.) einfließen zu lassen:
- Angst vor dem Ball wird genommen
- man kann es mal "gefahrlos" probieren (ohne Verletzungsgefahr) - hierzu mehr unter b)
- koordinativ ist es sehr anspruchsvoll
- es wird weitere Erfahrung gesammelt beim Abschätzen von Entfernungen und Geschwindigkeit
- Kinder sind "stolz" wenn sie es hin bekommen - und wenn nicht, lernen sie zumindest fallen
- ein weiterer Mosaikstein für Körperspannung - woher soll sie kommen, wenn ich sie nie trainiere?
b) Körperverletzung? (Ich bin kein Arzt und deshalb könntet ihr mich in diesem Punkt überzeugen)
„Muskeln und Knochen spielen beim Knochenaufbau zusammen. Durch Belastung werden Muskeln gefordert und fördern wiederum den Aufbau und die Festigung der Knochen – erfolgt keine Belastung, kommt es zu einem Knochenabbau.“
„Neugeborene haben noch keine Kontrolle über ihre Muskeln, diese müssen sie erst erlernen und zwar von oben nach unten. Die Kontrolle der Muskulatur rund um den Kopf funktioniert zuerst: Mit etwa drei Monaten kann das Baby den Kopf schon selbst dauerhaft hochhalten, ein bis zwei Monate später hat das Kind die volle Kopfkontrolle, erklärt die deutsche Diplom-Pädagogin Melanie Lerch. Als nächstes folgen Arme, Schultern, Hände, dann Rücken, Hüften und Beine.“
Quelle: https://www.kindaktuell.at/bab…wicklung-bei-kindern.html
Das bedeutet doch, dass der Kopf und die Muskulatur um den Kopf herum bei einem Kind sehr weit fortgeschritten ist. Ein Arm und Bein ist auch noch im Wachstum -> kommt es da nicht auch zu Fehlentwicklungen durch das Fußball spielen?
Weiterhin gibt es das absichtliche "Kopf anschlagen" der Kinder - so schwach und zerbrechlich kann dieser wohl nicht sein.
"Wir haben ein Experiment gemacht. Insgesamt haben 91 Studierende teilgenommen. Eine Gruppe hat ein Kopfballtraining gemacht, eine Kontrollgruppe hat Passspiel geübt und eine andere hat sich gar nicht sportlich betätigt. Danach haben wir getestet, ob sich das visuell-räumliche Gedächtnis, die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und die Aufmerksamkeit verändert haben. Es gab keinen Unterschied zwischen den Gruppen." Quelle: spiegel.de (waren allerdings Studierende)
gleiche Quelle andere Studie:
"Da ging es um Langzeiteffekte von Kopfballspiel. Die Kollegen haben Veränderungen in der weißen Gehirnmasse entdeckt. Darüber hinaus haben sie festgestellt, dass Spieler, die mehr köpften, eine schlechtere Gedächtnisleistung hatten als Spieler, die weniger köpften. Interessanterweise fanden die Forscher, dass die Gedächtnisleistung erst ab einem Schwellenwert von 1800 Kopfbällen im Jahr abnahm, während die Hirnveränderungen bereits bei 885 bis 1550 Kopfbällen nachweisbar waren."
Sollte man das Kopfballspiel im Fußball generell verbieten? (im Amateurboxen verschwand der Kopfschutz wieder - siehe sueddeutsche.de)
c) DFB
"Spielend den Kopfball lernen" auf Seite 5 wird hier die U12/13 genannt - DFB Fußball Abzeichen: Station 3 Kopfballkönig (aus den FAQs: "Frage: Wer kann mitmachen? Welche Altersklassen gibt es?
Antwort: Das DFB-Fußball-Abzeichen ist ein sportliches Aktionsprogramm für Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche. Beim DFB-Fußball-Abzeichen kann jeder mitmachen ab 9 Jahre. Es gibt insgesamt fünf Altersgruppen: Ü9 (9 - 14 Jahre), Ü14 (14 - 16 Jahre), Ü17 (17 - 39 Jahre), Ü40 (40 - 49 Jahre), Ü50 (ab 50 Jahre).
Das DFB-Paule-Schnupper-Abzeichen steht allen Kindern ab 5 Jahren offen."
D.h. ab 9 Jahren wird hier ein Kopfball vorausgesetzt, aber erst mit 11 soll er trainiert werden - oder sehe ich da etwas falsch?
Bitte den Post nicht falsch verstehen: ich bin kein Kopfballtraining Fan (auch nicht bei Älteren, weil ich weiß, wie einem da der Schädel brummt), aber das Kopfballspiel gehört (noch) zum Fußball und deshalb sollte es aus meiner Sicht auch im Training vorkommen (allerdings sehr dosiert und altersgerecht).