Vielleicht sollte man erst einmal sehen, dass die Qualität der NLZs höchst unterschiedlich ist (trotz einheitlicher Grundlagen, die erfüllt werden müssen), und das auch bei den NLZs jeweils oft mit dem jeweiligen Trainer steht oder fällt. Allerdings sind die Unterschiede aufgrund der zu erfüllenden Minimalstandards meistens eben nicht so krass wie in den kleineren Vereinen.
Aktuell sollte man spätestens zwischen 12 und 14 ins NLZ. Schnellcheck meiner Behauptung: Bis auf Antonio Rüdiger und Julian Brandt wechselten alle Spieler des aktuellen DFB-Kaders, die 1992 oder später geboren sind (also bei Einführung der NLZ 12 waren) spätestens mit 14 in ein NLZ. Über 80 % übrigens genau in diesem Zeitraum zwischen 12 und 14, nur sehr wenige schon in der F- und E-Jugend. Konnte man früher noch über ambitionierte kleinere Vereine mithalten und dann mit 16/17 wechseln, ist das heute aufgrund der deutlich besseren Förderungs- und Vergleichsmöglichkeiten in NLZs so gut wie ausgeschlossen - Ausnahmen bestätigen diese Regel. Das Rad lässt sich wohl kaum zurückdrehen.
Ich bin da sehr gespalten. Ich finde Kinder zwischen 12 und 14 in der Regel zu jung, um sich dem Druck der NLZs auszusetzen - und der Druck ist einfach strukturell immer da, da können die Trainer so gut und nett arbeiten wie sie wollen. Ich kenne eine Menge Negativbeispiele. Aber ich kenne auch eine Menge Jungs, die sich da sehr wohl gefühlt haben und sogar einige, die das "Aussortiert-Werden" ganz gut verkraftet haben. Übrigens machen wir in einem Verein, der 1 oder 2 Stufen unter den NLZs steht, auch nichts anderes. Wir sortieren auch aus. Wir verweisen die Jungs zwar nicht aus dem Verein, aber aus der Mannschaft, in der sie gerne spielen würden oder bisher gespielt haben in eine schwächere. Das ist auch ganz schwer zu verkraften, stelle ich immer wieder fest. Allerdings hat es bei uns nicht so krasse Auswirkungen auf das Leben der Spieler.
Viele Eltern schimpfen erst dann auf die Negativ-Auswirkungen, wenn man im NLZ nicht mehr erwünscht ist. Vorher ist alles super. Wie gesagt, manche Jungs sind noch heute froh über die Jahre, die sie im NLZ spielen durften und über das, was sie dort mitgenommen haben. Andere brauchen Jahre um sich davon zu erholen oder tun das nie (Drop Out). Das ist aber auch eine Charakterfrage und hat ebenso damit zu tun, was einem die Eltern mitgegeben haben. Ich hatte mal einen Spieler, dessen Vater kaum Geld verdient hat, aber immer überall erzählt hat, dass sein moderat gut kickender Sohn ihm seine Rente verdienen wird. Was für ein Druck auf das arme Kind...
Insofern ist das irgendwo auch immer eine individuelle Entscheidung, ob man sein Kind ins NLZ schicken möchte. Wenn niemand den Schritt wagen würde, würde es auch niemand bis hin zum Profi schaffen. Trotzdem denke ich, dass es für die meisten Kinder besser ist, in einem Nicht-NLZ-Verein zu spielen, der ihren sportlichen Fähigkeiten entspricht, dort eine vernünftige Balance aus Schule-Freizeit-Sport zu haben und später mit dem Kicken, wie Goodie gerade sagte, ggf. etwas dazuverdienen zu können.