Beiträge von Chris

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    Hi Oliver,


    mich würde interessieren, wie dein Sohn dieses Extra-Programm für die Ferien auffasst? Vom Zeitaufwand her ist es ja nicht wirklich störend wenn man den ganzen Tag frei hat - aber wie ist seine Lust/Motivation darauf?

    Ich geh da anders ran. U15, zweithöchste Liga. Vier Wochen lang sollen sie machen was sie wollen. Die meisten kicken eh oder gehen schwimmen, teilweise krieg ich von den Muttis gerade ungefragt zugesteckt, dass XY ja gerade laufen war. Niedlich.


    Wenn wir dann wieder anfangen zu trainieren (die letzten drei Ferienwochen), sind 6 von 7 Wochentagen mit Fußball belegt, Training oder Spiel. Teilweise zwei Termine am Tag. Die werden also schon fit...

    Ich halte davon gar nichts. Insbesondere, je leistungsorientierter es wird.


    Ich habe als Trainer gemerkt, wie toll es ist, mal vollständig vom Fußball abschalten zu können in der Sommerpause, für mindestens vier Wochen. Ich halte das für die Spieler für ebenso wichtig. Klar "wollen" die, sie würden auch teilweise durchtrainieren, wenn man es anbieten würde.


    Aber ich merke jedes Mal wieder, mit wie viel Feuer und Lust sie aus den Ferien kommen, wenn man sie da mal ganz in Ruhe lässt.

    Ich verstehe nicht ganz, warum sich hier so schwarz-weiß gegenübergestanden wird.


    Ja, gewinnen macht Spaß.

    Wer besser ausbildet, wird langfristig übrigens mehr gewinnen.


    Und nein, man sollte sich nicht nach den Wünschen der Eltern richten oder komplett an ihnen orientieren (aber natürlich berücksichtigen, soweit es die eigenen Leitlinien nicht beeinträchtigt).

    Ehrlich gesagt könnte man problemlos darauf verzichten, in der C-Jugend Mannschaftstaktik zu lehren. Klar KÖNNEN sie das lernen, das können sie aber genauso gut noch später lernen. Es ist sportlich aber in der Regel notwendig (außer man ist in seiner Liga individuell so stark besetzt ,dass man das nicht nötig hat).

    Um ein bisschen auf das Thema zurückzukommen:


    Die DFB-Leitlinien sind für den Durchschnitt der Mannschaften passend, aber i.d.R. nicht für die höherklassigen. Mir ist im höherklassigen C-Jugendbereich hier keine Mannschaft bekannt, die nicht mannschaftstaktisch agiert - ob nun gut oder schlecht ist mal was anderes.


    Es mag sogar sein, dass es Sinn machen würde, diese Zeit dort noch nicht aufzuwenden und sich auf andere Ausbildungsinhalte zu konzentrieren. Solange aber aus Ligen wie der Oberliga oder der Verbandsliga in der C-Jugend drei oder vier von 14 Teams absteigen (in der Bundesliga hieße das 4/5 Absteiger und 1 Relegationsteilnehmer), werden alle versuchen, mannschaftstaktisch für mehr sportlichen Erfolg zu sorgen und relativ wenig offensiv Mutiges ausprobieren.


    Hier liegt meiner Meinung nach ein Strukturproblem im höherklassigen Jugendfußball - Schuld sind DFB/Landesverbände.

    Das Problem wäre aber zu lösen, wenn man in reinen Jahrgängen denken würde.

    2006 und 2007 sind jetzt D-Jugend. Würde man sagen 2006er spielen untereinander und 2007er getrennt davon untereinander, könnte man es ja so gestalten:

    Wer dieses Jahr in der 2006er Kreisliga A (D-Jugend aufsteigt) spielt nächstes Jahr in der 2006er Bezirksliga (C-Jugend). Die Spielklasse der 2007er richtitet sich nach dem Ergebnis der diesjährigen Ergebnisse der 2007er usw.

    Aber hier spricht natürlich der demographische Wandel dagegen und wer hat schon noch alles die Möglichkeit reine Jahrgangsmanschaften aufzubieten.

    Genau so wie du es beschreibst, ist es im Fußballverband Hamburg geregelt. Das habe ich bei Testspielen dort kennengelernt und bin vor Neid bald gestorben haha

    Ich finde es traumhaft so.


    Das ist in einem Stadtstaat machbar, in einem Flächenbundesland halt eher schwierig, da es dort viele kleine Vereine gibt, die nur aus beiden Jahrgängen zusammen eine Mannschaft stellen können. In Stadtstaaten dagegen gibt es relativ gesehen weniger Vereine, die dafür aber viel mehr Mannschaften stellen und Jahrgangsmannschaften aufbieten können.


    Dieses System ist super, es ermöglicht es Jahrgängen, dass sie sich selber ihre passende Spielklasse erspielen können.

    Grundsätzlich finde ich es auch schade, dass hier solche Themen nicht mehr behandelt werden.


    Der Ersteller dieses Threads hat sich durchaus müde gegeben, detailliert etwas zu beschreiben.


    Ich finde aber trotzdem auch, dass mir die Infos nicht reichen, um da wirklich etwas Sinnvolles beizutragen, das nicht nur aus Allgemeinheiten besteht. Es wird immer schwieriger, wenn die Fragen komplexer sind, man aber die Mannschaft nicht kennt.

    Ich seh das auch ganz klar so, dass der Jugendfußball ein Wert für sich ist und nicht zwingend im Seniorenfußball münden muss und schon gar nicht im eigenen Verein.


    Wenn sich eine Mannschaft findet, die ein paar Jahre zusammen eine richtig tolle Zeit hat und Fußball spielt - egal auf welchem Niveau - und sich das dann irgendwann verliert, ist diese investierte Zeit doch nicht umsonst gewesen.


    Ich mache das jetzt über 20 Jahre und da war alles dabei: Spieler, die Profis (ja sogar Nationalspieler) waren/sind und Spieler die direkt nach der A-Jugend (oder früher) aufgehört haben. Ich habe seit vielen Jahren aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen, was später einmal passiert, da es nur sehr begrenzt steuerbar ist, sondern versuche im Hier und Jetzt das Bestmögliche abzuliefern und zu ermöglichen.

    In einem anderem Thread wurde nach Statistiken gefragt - hier sind ein paar und ein paar Interpretationsversuche:


    Am schlechtesten ist Deutschland bei der Chancenverwertung von allen 32 Teams (ist natürlich immer eine Frage was eine Chance ist)

    3% oder 4% im Vergleich zu Russland, das diese Tabelle mit 38% anführt. In der Tat hätten die rausgespielten Chancen für das Achtelfinale reichen müssen und auch schon gegen Schweden zu einem klareren Erfolg führen müssen.

    --> Werner traf nicht wie im Confed Cup, Müller traf nicht wie 2010/2014, Gomez traf nicht wie 2012. Damit war nicht unbedingt zu rechnen.


    Nicht mal Spanien hat so viel Ballbesitz im gegnerischen Drittel gehabt wie Deutschland. Ich glaube über 40 %, Spanien ca. 36 %

    --> Das ist normalerweise ein Wert, der Dominanz darlegt. Aber hier bedarf er einer Interpretation, weil es ein unglaublich statisches, langsames Ballbesitzspiel ohne große Ideen war.


    Einschub 1: Sane hätte gut getan, insbesondere da es oft an Tempo fehlte.

    Einschub 2: Der viel gescholtene Özil, der mir auch das Turnier über nicht gut gefallen hat, war an den drei Großchancen Deutschlands gegen Südkorea beteiligt. Schaut euch die Highlights noch mal an (Goretzka, Gomez, Hummels - jeweils Özil die Vorarbeit).


    Passquote von 88%, viertbester Wert im Turnier.

    --> Überwiegend erfolgreiche Mannschaften weisen eine solche Passquote auf bei der WM (Spanien, Brasilien, England, Belgien). Aber eben auch Saudi-Arabien (86%) und Japan (85%). Bei Deutschland war es auch viel Ballgeschiebe, wie beim Ballbesitz angesprochen, ohne Spielwitz.


    Jetzt ein unglaublicher Wert. Keine Mannschaft hat auch nur annähernd so viele Torschüsse abgegeben wie Deutschland:

    72 Deutschland

    57 Brasilien

    52 Belgien

    49 Spanien

    --> Interpretation: Es war nicht SO miserabel, wie es teilweise gemacht wurde, es waren schon viele gute Chancen da, allerdings a) wenige sehr gute Chancen und b) diese wurden teils kläglich vergeben.


    Mit einem Stürmer der Kategorie Kane, Lukaku, Ronaldo, Costa (der für mich überraschend bei Spanien gezündet hat), Salah oder Suarez hätte Deutschland die Vorrunde überstanden und wäre sogar Gruppensieger geworden (Niederlage gegen Mexiko, ungefährdete Siege gegen Schweden und Korea, Achtelfinalerfolg gegen Schweiz, Aus dann im Viertelfinale oder Halbfinale, ohne ein gutes Turnier gespielt zu haben).


    Kurze qualitative Analyse

    Das fußballerische Niveau der WM ist sehr enttäuschend. Immer mehr Teams spielen defensiv, konzentrieren sich auf Verteidigen und Umschaltspiel. Nachvollziehbar, aber nicht schön anzusehen. Irgendwo hab ich hier was vom langweiligen deutschen Ballbesitzspiel gelesen, das halte ich aber für recht alternativlos.


    Mit defensivem Umschaltspiel kann man für Überraschungen sorgen und als kleine Nation größere Erfolge einfahren. Aber einen Titel gewinnt man damit nicht, zumindest nicht bei der WM.


    2014 Deutschland (auf Dominanz ausgerichtet)

    2010 Spanien (Dominanz)

    2006 Italien (weiß nicht genau, finde dazu auch keine statistischen Quellen im Moment)

    2002 Brasilien (Dominanz)

    1998 Frankreich(Dominanz)

    1994 Brasilien (Dominanz)

    1990 Deutschland (Dominanz)

    1986 Argentinien (Dominanz)


    Die Ausrichtung war also schon die richtige, die Durchführung dagegen...

    Völlig richtig, dass es besser wäre, Kindern nach Entwicklungsstand als nach Geburtsdatum einzuteilen. Aber wie soll der Entwicklungsstatus fair und für alle Kinder beurteilt werden?


    Ich hatte mal Gewichtsklassen vorgeschlagen, wurde dann aber schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: wer stellt wie die Gewichtsklassen fest? Und es wir dann Kinder/Eltern geben, die ein Kind vor dem Wiegetermin hungern lassen, damit es ja in der unteren Klasse spielen darf.

    Wir hatten in Deutschland bis ca. 1996 oder 1997 die Orientierung an den Schulklassen, Stichtag war der 1.7. anstatt dem 1.1.


    Problem: weltweit hatten fast alle den 1.1.


    Wie bereits gesagt - das Problem wie RAE verschiebt sich ja lediglich (heutige Studien zeigen, dass damals die Juli und August Kinder bevorzugt waren). Stichtag 1.1 ist eine gute Sache und ich (trainiere normal nur D und älter) habe es noch nie als Problem empfunden, dass Kinder nicht im selben Schuljahrgang waren.

    Das Schweizer Modell ist in vielerlei Hinsicht vorbildlich - auch und gerade die massive finanzielle staatliche Förderung.


    Den Eltern, die ernsthaft bei einer Erhöhung des Monatsbeitrags um 1, 2 oder 3 Euro diskutieren, müsste man den Kram vor die Füße werfen.

    Ein altes Erlebnis, war aber trotzdem lustig.


    U13, samstags Hallenturnier, der eine kranke Spieler ist zum Zuschauen mitgefahren und durfte coachen. Er hat dann alle Ansprachen und taktischen Tipps gegeben und ich gar nichts gemacht außer zuzuhören. Die anderen Jungs haben ihn total ernst genommen, fand ich toll. Endspiel dann gegen ein NLZ gewonnen.


    Am Sonntag beim nächsten Halllenturnier wollten dann zwei andere Stammspieler coachen, die ich an dem Tag aus dem Kader draußen gelassen hatte. Das lief dann nicht so gut wie erwünscht. Nach zwei Spielen kamen die verzweifelt zu mir: "Wir haben ihnen genau gesagt, wie sie spielen sollen, aber sie machen es einfach anders."


    Willkommen in der Welt des Trainers^^

    Der Mindest"lohn" für einen Trainer bei 2x Training und 1x Spiel sollte bei 200/250 Euro liegen im Monat.


    Bei Vereinen mit 3x Training die Woche bei 350 Euro. Das sind Summen, die auch für die arbeitende Bevölkerung interessant sind. Trainer zu finden wird immer schwieriger. Zu Recht.


    Bei diesen Summen wäre es eben auch für Schüler/Studenten interessant. Und man könnte auch etwas mehr auf das Einhalten gewisser Rahmenbedingungen pochen.


    Es muss da absolut ein Umdenken stattfinden.

    Provokant gesagt: Vereine, die für 80 Euro im Jahr Fußball anbieten (und dann Bälle und Hütchen zusammenbetteln) und Trainer, die es für lau machen/selber noch Geld mitbringen, tragen Schuld daran, dass sich diese Situation nicht ändert.


    Wenn alle einfach halbwegs kostendeckend arbeiten würden und für ordentliche Rahmenbedingungen und Entlohnung ihrer Trainer sorgen würden, reden wir über Monatsbeiträge von 15 (Dorfverein) bis 50 Euro (leistungsorientiertes nicht-NLZ mit vielen Terminen und Trainings) monatlich. Geht völlig in Ordnung finde ich (sozial Schwache zahlen nur, was das Amt beisteuert, ich glaube 10 Euro im Monat).

    Mal ein paar Szene aus einem großen U12-Turnier (mit Profi-Nachwuchs). Weil's gerade so zum Thema passt.


    Gerade das erste Video ist Wahnsinn:D


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    Das Argument "das arme Kind kann doch nichts dafür" zieht da bei mir einfach nicht.


    Diesen Vater hätte ich/würde ich entfernen, ohne wenn und aber. Man kann drüber diskutieren, ob das Kind ohne Vater im Verein spielen darf. Aber nur dann.


    Es gibt keinen Grund, warum du dir so etwas gefallen lassen musst.