@PeterPan
Erst einmal les ich aus deinem Posting raus, dass du die Theorie der Kette besser beherrschst als einige andere. Zu deinen Anmerkungen:
ZitatErstma ne Frage an Chris:
Warum decken deine IV nicht den weg zum Tor?
Die Frage versteh ich nicht ganz... warum die IV nicht weiter weg vom Gegner, dann aber näher am Tor stehen?
ZitatStehen deine beiden Rechten, also RV und RM nicht schon wieder zu mittig?
Ein Ball zurück zu dem gegnerischen Verteidiger, schneller Seitenwechsel und sie haben viel viel Platz.
Auf keinen Fall, das ist sogar schon relativ konservativ. Der RV steht auf Höhe des Elfmeterpunkts (platzmittig), der RM ist sogar noch weiter nach außen verschoben. Auswahlmannschaften trainieren das teilweise so extrem, dass sie den RM auch noch platzmittig einschiebe. Rechne dir durch, wie lange es dauert, den Ball nach hinten zum Verteidiger zu spielen, dann den "schnellen Seitenwechsel": In dieser Zeit ist definitiv genug Zeit dafür da, dass RV und RM die 10-15 Meter nach rechts verschoben haben. Natürlich muss man die Erfahrung haben, das auch zu erkennen. Wie läuft das (im Optimalfall, leider auch nicht immer
) bei meiner B1 ab:
1) Rückpass auf den gegnerischen Verteidiger. Der steht schon ein Stück weiter rechts als der vorherige Ballbesitzer. Das erkennt meine Mannschaft und positioniert sich schon mit dem Rückpass diese 3-5 Meter weiter rechts.
2) Es kommt der Seitenwechsel, der ist oft auch schon im Ansatz erkennbar. Hier müsste ein langer hoher Ball her, oder zwei kurze Bälle über eine Zwischenstation. Den langen Ball erkennst du im Ansatz beim Ausholen, bei den zwei kurzen Bällen geht auch genug Zeit verloren. Meine Mannschaft verschiebt die restlichen 10-15 Meter die fehlen in dieser Zeit.
Das klappt natürlich so nicht in einer C2 oder D-Jugend. Wir können das heute relativ gut, weil wir das seit der C2 üben und so spielen! Deswegen sage ich ja immer: So früh wie möglich anfangen und nicht C2 oder D1 mit Libero spielen weil es mehr Erfolg bringt... Es geht den Spielern nach einer Weile in Fleisch und Blut über, auch durchschnittlich talentierten!
ZitatZu der Frage von Andre bezüglich des 1:1-Verhaltens: Ich bin der Meinung in einer Viererkette sind die Ansprüche an das 1:1 Verhalten sehr sehr hoch. Es langt einfach nicht, stupide seinen Gegner zu decken und ihn anzugreifen wenn er den Ball bekommt. Man muss, je nach Situation, langsahm angreifen, pressen oder stark verzögern. Verliert man zB den Ball weit vorn, der Gegner kontert, gilt es mMn in der Viererkette "zeit zu schinden", dass das Mittelfeld nachrücken kann. In soner Situation zu schnell Angegriffen führt evtl. dazu, dass man eine Seite preisgibt.
Also ich finde, das Abwehrverhalten ist bei einer 4er Kette sehr viel anspruchsvoller.
Richtig, aber das ist schon eine sehr starke Viererkette, wie du sie beschreibst. Man darf nicht vergessen, auch gerade in deinem Beispiel weiter oben mit dem Seitenwechsel: Wenn ich heute mit einer beliebigen Kreisliga-C2-Mannschaft anfange die Kette zu spielen, werden sie das Verhalten wie meine jetzige B1-Kette natürlich niemals so hinkriegen. Auch nicht nach einem Jahr. Aber: Welche Kreisliga C2- oder C-1 Mannschaften können eigentlich bitte schön solche 50 Meter Seitenwechsel hoch oder schnell und flach präzise spielen??? Bis eine Kreisliga-C-Jugend die Seiten gewechselt hat, habe ich auch mit meiner Kreisliga-Viererkette verschoben.
Ausserdem sehe ich die 4er Kette (die ja nicht nur Teil der Defensive ist, sondern richtig gespielt mMn auch einen riesigen Teil des Offensivspiels ausmacht, da die Aussenverteidiger sich auf den entsprechenden Seite sehr oft ins Flügelspiel einbeziehen) als eher offensivere Einstellung als der Klassiker mit Libero.
So, nun kommen die, dann ja 11-12 Jährigen, Jungs auf den Platz und die Verteidiger sollen dann teilweise bis an den gegnerischen Sechzehner mit vor? Puh, ich hab ja schon mitleid mit den aussen spielenden Mittelfeldspieler (meine Position, ich weiss wie hoch die Laufbelastung auf der Aussen ist) aber die Aussenverteidiger könnte man sicherlich nach 10 Minuten auswechseln.
Die Physis ist kein Problem. Es herrscht die irrige Meinung, dass ein vorpubtertäres Kind keine hohen Ausdauerleistungen (aerob) erbringen kann. Dem ist aber nicht so. Aerob sind auch Kinder in dem Alter sehr gut trainierbar, so dass sie diese Laufleistung bei gutem Training (dazu bedarf es keiner einzigen Laufeinheit) durchaus erbringen können. Das Großfeld ist in dem Alter aus anderen Gründen Blödsinn (Anzahl der Ballkontakte, mangelnde Spielübersicht usw).
ZitatAlso ich muss sagen ich finde 4er Kette sicherlich das Non-plus-ultra, allerdings muss man auch die physischen Vorraussetzungen mitbringen. Die Technik zu kennen ist ja schön und gut, aber man muss sie auch umsetzen können, und beim besten Willen kann ich mir das momentan bei einer jungen D-Jugend nicht vorstellen.
Ich würde im D-Jugend ein ganz simples 4-4-2 mit zwei Linien Abwehr und Mittelfeld spielen. Keine Raute, keine 6er usw., das ist alles viel komplizierter als eine Viererabwehrkette übrigens. Ausbildungsziele in der D-Jugend vor allem das 1:1 und 2:2 offensiv wie defensiv, und dazu würde ich 2 Wochen in der Vorbereitung in mein Defensivverhalten investieren, Mannschafts- und Gruppentaktik. Das gehört da eigentlich nicht rein, aber ich will ja auch gewinnen
. Den Kindern erklären, dass sie ungefähr eine Linie haben sollen in der Abwehr (keine L-Form, kein Abwehrdreieck, das halte ich alles für C2 angebracht) und zum Ball hin verschieben. Gerade das Verschieben kann ich mit kindgerechten Spielformen wunderbar ohne langweiliges Taktiktraining meiner Mannschaft einbleuen, und es wird mir nebenbei auch im D-Jugendalter guten Erfolg sichern, da ich in Ballnähe Überzahl schaffe und die gegnerische D-jugend aufgrund ihres Alters erst recht nicht in der Lage ist, schnelle Seitenwechsel durchzuführen und in meine offenen Räume (weil meine JUngs die Kette eigentlich noch gar nicht gut beherrschen) vorzustoßen.
