1. Es ist nun mal irgendwie intuitiv den Ausputzer in der Mitte zu spielen und ja auch oft. Man kann immer nur in spezifischen Situationen sagen (die ich nicht kenne) ob das Verhalten nun "richtig" und "zeitgemäß" war. Mannorientiertes Spiel ist sehr zeitgemäß. Ob der Zentrale Spieler, der sich wie ein Ausputzer verhält das situativ gut macht, kann man von der Ferne nicht sagen. Allgemein kannst du mal hier auf Fußballtraining.de über die Defensivarbeit zur 3er/5er-Kette grundlegend informieren. Dort gibt es auch schon ein paar Übungen, die man machen kann um das Verhalten zu coachen. Wenn du am Wochenende Bundesliga guckst, wird garantiert eine Mannschaft in einem 5-2 / 3-4 System auflaufen. Beobachte einfach mal wie sich die Verteidiger dort verhalten und wo der Unterschied zu deiner Mannschaft ist. Daraus kannst du dann evtl. schon sehr viel für dein Coaching ableiten. Viel wichtiger als spezifische Übungen ist es, dass du gut coachst.
Auch wenn du nicht gerne Umstellen willst, würde ich dir doch zu einer variablen taktischen Schulung raten und auch die 4er-Kette Trainieren.
2. Immer, wenn du deine Entscheidung als Fußballer unabhängig von Mitspielern triffst befinden wir uns zu 100% in der Individualtaktik.
Der Begriff ist aber eigentlich etwas schwammig. Man kann nicht mehr wirklich zwischen Individual- und Gruppentaktik unterscheiden, weil man eine Entscheidung nicht gänzlich unabhängig von seinen Mitspielern treffen kann.
Der DFB definiert deswegen streng nach den Verhaltensweisen in den verschiedenen 1 gegen 1(2) - Situationen:
- Frontales 1 gegen 1 Am Flügel: kurze/lange Distanz
- Frontales 1 gegen 1 Am Flügel: kurze Distanz
- 1 gegen 1 Verteidiger im Rücken des Angreifers im Zentrum: Angreifer am Ball/ nicht am Ball
- 1 gegen 1 Verteidiger im Rücken des Angreifers am Flügel: Angreifer am Ball
- 1 gegen 2 Verteidigen
- Seitliches 1 gegen 1
- (Stellungsspiel des Torwarts)
Ich nehme aber z.B. noch Dinge hinzu wie: wohin der Ball mitgenommen wird, wo und wie ich mich Freilaufe, In welchen Fuß ich einen Pass spiele, wie ich mich zu einem Passgeber anbiete etc.
Das sind also Aktionen bei denen mehrere Spieler beteiligt sind, aber nur einer wirklich denken muss, bzw. andere Mitspieler keinen großen Einfluss auf meine Entscheidung haben.
3.
Das hängt vom Leistungsstand der Spieler ab und ob sie noch grobe Defizite in der Individualtaktik haben und ob sie Gruppentaktische Basics verinnerlicht haben. Jeder Spieler, egal auf welcher Position, sollte kompetent 1-gegen-1-Situationen verteidigen können und zumindest verstanden haben wie man offensiv Zweikämpfe löst. Des weiteren müssen halt Freilaufverhalten, Dreiecks- / Rautenbildung, Doppelpässe, Spiel über den Dritten etc. unabhängig von der Position beherrscht werden. Das Verteidigen zu zweit in Gleich-, Unter- und Überzahl muss verstanden sein.
Positionsspezifische Dinge können und sollten im Kontext der Gruppentaktik fokussiert werden. Du könntest z.B. beim "Verteidigen zu zweit", deine zukünftigen "Innenverteidiger" nur 1/3 (anstatt 1/2) der Zeit Angreifen lassen (damit sie die Basics in der offensive lernen) und den Rest verteidigen lassen(um die Defensive zu forcieren und zu spezialisieren). Dabei passt du dann dein Coaching jeweils auf den Spieler an. Du wirst also deinem Verteidiger in der Defensive andere (spezifischere) Hinweise geben, als deinem flinken Flügeldribbler. Umgekehrt muss deine Erwartung an den Dribbler in der Offensive höher sein als an deinen Innenverteidiger.
Deutsche Topspieler aus den NLZs sind meist sehr gute Spezialisten auf 1 bis 2 Positionen, würden aber auf anderen Positionen nicht wirklich negativ (aber auch nicht positiv) auffallen.
4. Wiederholungen und zwar Tausende.
Erklären ist zwar schön und gut, aber machen ist besser. Ich empfehle dir das Eckspiel/Rondo um die Basics (alle technischen Aspekte außer Schießen) in dem Alter zu verbessern. Jedes Training 20 Minuten ein Rondo in verschiedenen Varianten kann viel helfen. Anders als bei isolierten Passübungen haben die Mädels hier auch Gegnerdruck und lernen ihre Technik trotzdem durchzubringen und richtige Entscheidungen zu treffen. Außerdem musst du gar nicht viel korrigieren, denn wer schlecht passt muss in die Mitte und laufen. Du kannst dich dafür mehr auf das Loben von gelungenen Aktionen konzentrieren.
Gebe hierbei aber nur in Ausnahmefällen Kontaktbegrenzungen und mache für den Anfang kein größeres Eck als 5 gegen
2 . Ich würde z.B. für eine sehr schwache C-Jugend mein Aufwärmprogramm fast immer so machen: 10 min Lauf-ABC/Koordination im Parkour mit Passen/Dribbling, 20-30 Minuten verschiedene technisch-taktische Rondos.
5. Da kann ich dir von der Ferne keine Hilfe geben. Mädchen sind da auch noch mal anders als Jungs und mit Mädchen habe ich keine Erfahrung.
6. Als Co-Trainer mitmachen kann ja nicht schaden. Du kannst dann alles vom jeweiligen Cheftrainer aufsaugen und evtl. viel lernen. Auch wenn du nur lernst das es alles Mist ist was er macht
. Ob du das zeitlich stemmen kannst/willst musst du selber wissen. Evtl. lässt sich ja ein Kompromiss finden, z.B. dass du ihm nur jedes zweite Training hilfst.