Ich finde die Abwendung von Vereinen besorgniserregend. Der Trend geht immer weiter zum Individualismus, was nicht schlimm ist, aber ich glaube Menschen haben doch ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Gerade die Kinder die mit dem Auto von Angebot zu Angebot gekarrt werden können hier extrem profitieren. Denn im Besten fall finden sie dann nicht nur ein Sportangebot, sondern auch eine Gemeinschaft.
Ich finde Vereine stehen sich durch ihre hierarchischen Strukturen oft selbst im Weg. Ich würde mir wünschen, dass Vereine von Grund auf demokratischer werden. Das beginnt bei der Trainingsgestaltung über Teilhabe für Kinder an großen Planungen bis hin zum Wahlrecht für minderjährige Mitglieder( z.B. ab 16).
Jemand der teilhat und mit gestaltet, muss sich zwangsläufig mehr mit dem Verein identifizieren.
Gleichzeitig lernen die Kinder grundlegende Kompetenzen zur Teilhabe in einer demokratischen Gesellschaft. Damit würde sich die Nachwuchsförderung schon allein Gesellschaftlich lohnen. Für den Verein lohnt es sich dann allemal, da die Spieler durch die extrem gesteigerte Identifikation eher bleiben, zurückkommen und andere Funktionen im Verein übernehmen werden.
Trainingsinhalte werden von alleine Kindsgerecht und ich glaube es würde in der Breite zu einer Leistungssteigerung kommen.
Arbeitet man weiter wie viele Vereine derweilen arbeiten Lohnt sich die Ausbildung in der Breite mMn nicht.
Was würde das für den Leistungsbereich bedeuten? Geht das überhaupt, wenn ständig die Spieler getauscht und mit vermeintlich besseren ersetzt werden? Ich denke Vereine werden, da sie im NLZ-Bereich Wirtschaftsunternehmen sind, eine so starke Partizipation nicht zulassen. Eine verstärkte Teilhabe am Ausbildungsprozess würde jedoch die Qualität dieser Berufsausbildung enorm erhöhen.
Einige Profivereine arbeiten bereits so. Hier geht es, soweit ich weiß, um Zielvereinbarung, Pläne für gezieltes Stärken/Schwächen-Training, die mit dem Spieler ausgehandelt werden und teilweise selbstständige Analyse. Stichwort Individualisierung. Aber warum nicht mehr? Warum bringt der Trainer/Sportvorstand die Philosophie und die Taktik mit?
Die offene Frage im Training erzeugt ein Mitdenken über den Inhalt, geht aber auch nicht darüber hinaus. Teilhabe an planerischen Prozessen würde eine art Metakognition erzeugen. Die Spieler denken über ihre Gedanken und ihr Handeln nach und ordnen es im System Fußball ein. Sie formulieren die offene Frage selbst und verstehen warum sie gestellt wird. Sie sind bereit mehr zu Leisten und noch härter zu arbeiten da sie engagiert sind und Verantwortung übernehmen.
Ich hoffe mein Beitrag passt hier her. Ich möchte, dass er auch als Aufruf, die Kinder mehr partizipieren zu lassen, verstanden wird. Das würde ich mir wünschen.