Nun was soll ich euch sagen, auf dem Turnier am Wochenende die letzten zwei Spiele haben mein co und ich uns befohlen nichts zu sagen und nur mal zugucken. Und die Kids haben gespielt als wären da 8 andere Kinder. Wie spielen bei uns im Kreis 6+1 in Fpl. Sie haben bis auf einige Male echt alles fast so umgesetzt wie besprochen und die drei haben haben echt gut mitgemacht. Daher versuchen wir jetzt echt außer gutes zu loben nichts mehr zu sagen.
Ich rufe eigentlich das ganze Spiel über nur sehr wenig hinein (Spieler die vorne hängen bleiben zum zurücklaufen ermuntern, Spieler aufwecken die "träumen"). Sonst lobe ich eigentlich nur. Und zwar erfolgreiche Aktionen bei den Stärkeren und den bloßen Versuch bei den Schwächeren.
Jetzt stellt sich mir die Frage: Baue ich das Selbstvertrauen der Schwächeren durch "Lob für Kleinigkeiten" auf, oder suggeriere ich dem Spieler damit sich mit diesen "Kleinigkeiten" zufrieden zu geben.
Kritik wird wenn überhaupt nur bei elementaren "Fehlverhalten" geübt. Das geschieht dann aber in aller Ruhe wenn der Spieler nach seiner Auswechslung (nicht wegen des Fehlers, sondern im Sinne der Rotation sitzt jeder mal bei mir) neben mir sitzt. Wir gehen geistig die Situation nochmal durch und ich frage ob ihm nicht eine Alternative einfällt, die vielleicht besser gewesen wäre.
Egal ob es das 1:1 im Training, das Trainingsspiel oder dann auch letzlich das Punktspiel,
ich hatte stets zu vermitteln versucht, dass es das Ziel jeden Spielers, ob allein oder in einer Mannschaft
ist, zu gewinnen. Sei es die Balleroberung beim 1:1, sei es im Trainingsspiel, sei es im Punktspiel.
Die Aussage, dass es ja im Kinder- und Jugendfussball letztlich um nichts geht, Sieg oder Niederlage
nicht bedeutend sind, ist für mich gegenüber den Kids eine schlimme Botschaft.
Ich selbst war zwar nie ein guter Spieler, aber auf dem Niveau auf dem ich mich bewegt habe, war ich stets bereit alles für den Sieg zu geben. Ich würde mich selbst als hart aber fair bezeichnen. Mir wurde damals noch "entweder der Ball, oder der Gegner fliegt" beigebracht. Am meisten gefielen mir immer die Spiele, wo ich (Manndecker) einen Gegenspieler hatte, der so wie ich austeilen aber auch einstecken konnte. Der auch um jeden cm Vorteil fightete. Dann dieses Gefühl nach dem Spiel, auf und auf voller blauer Flecken, mit dem Hintergrund alles gegeben zu haben, mit dem unmittelbaren Gegenspieler auf ein Bier in der Vereinskantine. Ich denke das genau dieses Gefühl für viele der eigentliche Antrieb für Sport welcher Art auch immer ist. Das interessante daran ist, das es im Nachhinein dabei eigentlich wirklich nicht so wichtig war zu gewinnen oder zu verlieren (Obwohl ich es damals gehasst habe zu verlieren). Dieses "Sportler-High" (cooles Wort, oder?) kann man auch nicht erreichen wenn man sich ohne zu plagen 5:0 gewonnen hat, sondern nur wenn man es schafft über seiner Grenzen zu gehen.
Ich würde heute als Trainer natürlich nicht so weit gehen, meinen Schützlingen absichtliches Foul-Spiel beizubringen (vor Allem keinen 7-jährigen!!!). Außerdem habe ich mir eine Gelassenheit dem Ergebnis gegenüber angeeignet was mir sehr schwer gefallen ist. Bitte nicht falsch verstehen: Ich bin zu 100% überzeugt, das alles was wir hier beinahe täglich predigen bzgl Kinderfußball richtig ist. Nur glaube ich, dass die Kinder sehr wohl merken, dass ihrem Trainer, obwohl er es nie laut sagt, das Ergebnis scheißegal ist. Als Trainer einer solchen Truppe, ist es unerlässlich das man alles was man macht auch wirklich "lebt". Aber die Kinder sehen jetzt einen Trainer (der ja für Kinder diesen Alters fast gottgleichen Status hat), dem das letzt Gegentor egal ist.
Um genau diesen Widerspruch geht es mir.
Die eigene Einstellung und das richtige Vermitteln gegenüber den Kids ist natürlich nicht ganz einfach, aber machbar.
Klar, das ich den Kindern nicht sage, das mir das Ergebnis egal ist. Aber jeder von euch weiß, wie feinfühlig Kinder sind. Genauso wie sie merken, wenn du gestresst auf ein Training kommst (das sind dann die Trainings wo gar nichts funktioniert), merken sie es, dass dir als Trainer der Sieg egal ist.
Im Zusammenspiel mit den besseren Kindern fällt die Passivität vielleicht noch deutlicher auf.
Das ist prinzipiell richtig. Aber bei dem Einen, den ich eingangs beschrieb, ist es ja eben nicht der Fall das er "schwächer" ist. Bei ihm habe ich einfach das Gefühl, dass er faul ist und nicht bereit ist "für den Sieg zu arbeiten" (Ich weiß schon, dass das keine KIFU-Phrase ist, aber mir ist jetzt nichts besseres eingefallen. Hoffe jeder weiß was gemeint ist.)
Ich freue mich eben einfach darüber, wenn solche Kinder mit Spaß bei der Sache, auch ohne dass die nennenswert zum Spielgesehen beitragen.
Ich würde mich ja auch damit zufrieden geben, aber ich denke, dass Kinder die aktiv am Spiel teilnehmen einfach mehr lernen.
Aber es kommt darauf an, wie man es vermittelt. Meine Erfahrungen sind damit, dass es ein Großteil der Trainer als einziges und absolutes Ziel ausgibt und dann auch mit allen, hier im Forum schon oft beschriebenen, negativen Folgen verfolgt. Wird nämlich dann, trotz vielleicht guter Leistung, nicht gewonnen, ist die "Katerstimmung" noch viel größer.
Ich habe schön langsam das Gefühl, dass bei mir das Gegenteil der Fall ist. Bei uns ist es so, dass wenn wir wie letzte Woche 6:5 verloren haben, unsere 5 Tore erwähnt und "gefeiert" (für jedes erzielte Tore wir einmal "Schuss, Tor" geschrien), während die sechs Tore des Gegners unerwähnt bleiben.
Allerdings führt aus meiner Sicht eine "das Ergebnis ist egal Einstellung" des Trainers dazu, dass die Ehrgeizigen irgendwann unzufrieden sind.
Das ist auf jeden Fall so. Deshalb möchte ich ja den Ehrgeiz bei allen fördern, bin mir nur nicht ganz im Klaren wie ich das vermitteln soll, ohne den so oft zitierten unnötigen Druck im Kinderfußball aufzubauen.
Dies betrifft Kritik, aber genauso auch das Loben. Immer wieder beobachte ich, wie das überschwängliche Loben der "Stars" dazu führt, dass andere Kinder sich zurück nehmen und denken, sollen doch die anderen mal machen. Das geschieht vielleicht gar nicht bewusst, aber wenn ein Mitspieler ständig für seine tollen Aktionen gelobt wird, dann wird der Ball halt gern diesem Spieler überlassen, schließlich will man doch gewinnen.
Ich habe auch beobachtet, dass mein passiver Spieler sich dann auch kränkt, wenn niemand zu ihm abspielt. Glaube nicht dass das eine Ausrede von ihm ist, ich glaube, dass er sich dann wirklich benachteiligt sieht. Ich erklär ihm dann immer, dass er aber die meiste Zeit selbst dafür verantwortlich sei, sich den Ball zu erobern.
Am vergangenen Wochenende hatte ich wieder die Situation, dass die gegnerische Mannschaft 3 Spieler in der Abwehr stehen ließ. Wirklich, die meiste Zeit standen die Kinder.
So etwas ist leider immer wieder zu beobachten und obwohl mir die Kinder leid tun, tut es gut zu wissen dass dieser Trainer/ diese Mannschaft mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat, die von viel elementarer Natur sind als dieses Problem, dass wir hier behandeln.