Danke für die vielen Antworten der letzten Stunden.
Natürlich frag ich mich dauernd, ob ich in diesem Verein richtig aufgehoben bin und habe sogar in der letzten Sommerpause selber hingeschmissen, wurde dann aber von den Eltern zum weitermachen überredet.
Warum ich mir das immer noch antue, läßt sich am besten an meinem "Werdegang" erklären. Vor etwas mehr als 5 Jahren habe ich den Sohn meiner Freundin zu seinem ersten Fußballtraining begleitet und mir das auch immer brav von Anfang bis Ende angeguckt, während andere Eltern zwischendurch einkaufen waren oder im Vereinsheim getratscht haben. Dass man sowas als Elternteil nicht machen sollte, habe ich damals nicht gewußt. Es war, als hätten die Vereinsverantwortlichen einen Roten Pfeil über meinem Kopf schweben sehen. Auf dem Pfeil muss sowas wie "Der sitzt immer da, der hat Zeit, der kann Betreuer machen" gestanden haben. Also wurde ich prompt gefragt, ob ich nach den Sommerferien mit helfen könnte. Nachdem ich erklärt hatte, dass ich selber zuletzt als zehnjähriger gegen den Ball getreten hatte, kam als Antwort, dass ich ja nur Hütchen aufstellen und Schuhe zubinden müsse. Dagegen fiel mir damals nicht schnell genug ein Argument ein. Während der Sommerferien habe ich dann überlegt, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme und mich dann für folgende Strategie entschieden: Drei Wochen hingehen und dann sagen: "Sorry Leute, ich habs versucht. Aber irgendwie ist das so gar nix für mich".
Während dieser drei Wochen gab es aber zwei Ereignisse, die diese Strategie zunichte gemacht haben.
Zur Ausgangssituation: Ich war Betreuer in der F2, der damals untersten Mannschaft des Vereins. Naturgemäß gab es nach den Sommerferien viele Neue, die noch überhaupt noch nicht wußten, was sie mit dem Ball überhaupt anfangen sollen.
Ereignis 1:
Freundschaftspiel, kein Schiri da, der Trainer pfeift und ich "darf" auswechsel. Spielstand 4:0 für uns. Ich wechsel also den "besten" aus und bring ein Kind, das erst einmal vorher beim Training war. Dem pfeifenden Trainer ist beinahe die Pfeife aus dem Mund gefallen und nach dem Spiel habe ich für diesen "Wechselfehler" ordentlich was auf die Mütze bekommen.
Ereignis 2:
Erstes Qualispiel, auswärts. Zwei der Neuen dürfen mit. Die beiden ziehen sich um, strahlen wie die Schneekönige (zum ersten mal in einem richtigen Trikot). Danach dürfen sie sich 40 Minuten ein Fußballspiel von außen anschauen und sich dann wieder umziehen.
Da kam ich zu dem Schluß, dass der Trainer an den neuen überhaupt kein Interesse hat und ich habe es nicht übers Herz gebracht, die kleinen in dieser Situation wieder zu verlassen. Habe mir dann die Geburtsjahrgänge der neuen angeschaut und festgestellt, dass sie allesamt (zu dem Zeitpunkt 9) noch G-Jugend spielen könnten. Bin dann zum Jugendvorstand gelaufen, mich über die beiden oben beschriebenen Ereignisse beschwert und angeregt, eine G-Jugend zu gründen und angeboten dann diese neue Mannschaft zu betreuen. Ich wurde dann gefragt, ob ich die Mannschaft erstmal ein wenig beschäftigen könne, weil man ca. 2 Wochen brauchen würde, um einen Trainer für die Truppe zu finden. "Laß sie bis dahin einfach ein wenig aufs Tor schießen und danach gleich spielen." Also gut, zwei Wochen kriegt man irgendwie über die Bühne. - Ich seh euer Grinsen beim Lesen gerade richtig vor mir. Denn die meisten von euch werden sich denken können, dass ich auf den zugesagten Trainer bis heute warte. -
So stand ich dann also plötzlich mit lauter 4 bis 5 jährigen auf dem Platz, die genau so wenig Ahnung vom Fußball hatten wie ich. Und es wurden immer mehr. Teilweise hatte ich alleine über 20 Kinder beim Training. Die ersten Monate liefen ungefair so ab: 3 Stunden Zeitaufwand, um eine 90Minuten-Einheit zu planen und dann nach dem Training total verzweifelt dazustehen, weil ca. 70 Minuten überhaupt nicht funktioniert haben.
Aber ich hab mich durchgebissen und lerne seitdem einfach gemeinsam mit den Kindern. In dieser Zeit sind einem die Kinder natürlich ans Herz gewachsen (5 der ursprünglichen 9 spielen immer noch bei mir, 4 weitere sind nach meinem ersten Jahr hinzugekommen). Natürlich brauche ich immer noch mehr Zeit für die Vorbereitung als ein erfahrener Trainer oder ehemaliger Fußballer. Schließlich ist jeder neue Trainingsinhalt, jede neue Übung auch für mich absolutes Neuland. Aber die Kinder sind diesen Aufwand wert und mittlerweile funktionieren bei einer 90Minuten-Einheit auch immer mindestens 80 Minuten 
Ich muß mich auch immer selber überprüfen. Will ja nicht in einigen Jahren feststellen, dass ich aus Unwissenheit entscheidende Dinge vergessen habe. Bisher fallen diese Überprüfungen aber recht gut aus.
- Ein Mädel meiner Mannschaft (eine der ursprünglichen 9) ist Spielmacherin in der Kreisauswahl, drei Jungs sind zum nächsten Sichtungstraining eingeladen.
- Bei der letzten Hallenkreismeisterschaft haben wir Platz 5 von 36 belegt.
- Meine Mannschaft kann verlieren ohne dass irgendein Spieler in Tränen ausbricht oder über Mitspieler, die entscheidende Fehler gemacht haben, herzuziehen.
Die wichtigste Bestätigung geben aber die Kinder selbst. Beispiel: Mitte Juni Testspiel unter D-Jugendbedingungen zum "Reinschnuppern" in die neue Saison. Gefühlte 50 Grad im Schatten, Spiel geht 5:1 verloren, Kinder total platt. Ich gebe für den nächsten Tag trainingsfrei. Die Kinder protestieren.
Es ist einfach ne super Truppe. Daher habe ich den hier auch (indirekt) genannten Vorschlag, mit der Mannschaft den Verein zu wechseln, zwar schon seit über zwei Jahren im Kopf, aber nichts in die Richtung übernommen, weil ich Sorgen habe, dass dabei nicht ALLE mitziehen. Möglichkeiten für so einen Wechsel gibt es bei drei weiteren Vereinen im Umkreis eines Kilometers genügend. Ein etwas weiter enfernter Verein (12 Min Busfahrt) hat sogar konkret angefragt, ob ich nicht Lust hätte mit meiner Truppe zu denen zu wechseln. (Dieser Verein hat nen Kunstrasenplatz und auch ansonsten traumhafte Bedingungen. Spielt generell höherklassig, hat aber "meinen" Jahrgang durch eine falsche Trainerwahl komplett verloren.)
Mit diesem kleinen Ausflug in meine Vergangenheit sollte hoffentlich deutlich geworden sein, warum ich (bei 0 Cent Aufwandsentschädigung) immer noch mehrmals pro Woche auf dem Platz stehe.
Zurück zum eigentlichen Thema:
Da ich mit Übungen aus dem Internet nicht viel anfangen kann, sondern die Hintergründe der Übung selber verstehen will, denke ich mir alle Sachen selber aus oder schau sie mir in der Praxis bei anderen ab, um sie dann meiner Altersklasse entsprechend anzupassen. Also war ich heute als Zaungast beim Training unserer A-Jugend. Der Trainer hat mir - ohne, dass ich vorab irgendwas sagen mußte - zur Begrüßung gleich seinen Unmut über das geplante Hobby-Turnier mitgeteilt. Zum einen aufgrund der seiner Meinung nach extrem unnötigen Belastung des Platzes und zum anderen, weil man ihn gebeten hat, auch eine Mannschaft zu stellen (das Turnier findet unmittelbar im Anschluß an das erste Punktspiel der A-Jugend statt.) Ich stehe mit meinem Unmut also nicht alleine da, auch wenn der A-Jugend-Trainer teilweise andere Beweggründe hat als ich. Andere Trainer konnten nicht befragt werden. B- und C- haben wir (nicht mehr) und E und jünger sind noch in den Ferien.