Puh, das wird jetzt schwer strukturiert übersichtlich zu halten, ich schreib einfach mal drauf los...
Erster Eindruck war: Wo hast du den Kram rauskopiert
Inhaltlich passt da aber nicht, sodass der Eindruck vermutlich ein trugschluss war und du doch alles selber zusammengeschrieben hast. Dafür Lob, dass du dich damit auseinandersetzt!!
Ich denke, dass du nicht klar unterscheiden kannst, zwischen Grundordnung und System, bzw Aufstellung und Spielverhalten. Am einfachsten deutlich, da wiederhole ich mich aus dem anderen Thread, ist natürlich Bayern. Du würdest jetzt sagen, Bayern hat gg Dortmund in einem 3-4-2-1 gespielt. Mit der Dreierkette, Benatia-Boateng-Alaba, dem Mittelfeld Bernat-Alonso-Lahm-Robben den hängenden Position Götze, sowie Müller und in vorderster Front Lewandowski. Jetzt ist es aber so, dass dieses System im Spielverlauf ständig geändert wurde, 3-5-3, 4-2-3-1, 3-2-2-2-1 usw usw... Was ich damit zeigen will ist, wir sprechen von einer Grundformation (so stehen die meisten Mannschaften beim Anstoß
) in diesem Fall dem 3-4-2-1 und von Systemen, die ständig wechseln können, wenn auch nicht müssen.
Das ist in meinen Augen das größte Merkmal von Modernen Fußball. Eine große Unabhängigkeit von den Systemen, losgelöst von einer Grundordnung. Eine Grundordnung im 4-4-2 würde ich jetzt so bezeichnen, man stellt zwei IVs auf, 2 Avs, 2 zentrale Mittelfeldspieler, 2 Außenmittelfeldspieler, sowie 2 Stürmer. Das diese Spieler im Spiel diverse Aufgaben zu erledigen haben, sorgt für das ich nenne es mal System-Dilemma. So wird der Stürmer gegen den Ball durch abkippen zum 10er, obwohl der doch Stürmer ist und bleibt. Oder eben der nachrückende 6er durch vorschieben zum 10er. usw usw. Wie du siehst, ist es also gar nicht einfach, überhaupt ein System zu beschreiben und entsprechend von anderen komplett abzusplittern.
a) ständige Überzahl
Ein wichtiges Element ist es, ständige Überzahl zu haben. ein 442 Raute ist dafür ungeeignet, da in der Defensive nicht viel zu erwarten ist
Den Satz verstehe ich nicht, der macht in meinen Augen gar keinen Sinn, da fehlt irgendwie der rest des Satzes oder sonstirgendwas. Was ist in der Defensive nicht zu erwarten? Verstehe ich nicht. Auch die folgende Argumentation ist hoch schwammig. Mittelfeldspieler dazugewonnen, Defensive auch wichtig?
Das was tatsächlich "modern" daherkommt ist die Sichtweise Herrn Guardiolas für Mittelfeldspieler, er liebt sie, desto mehr, desto besser, er würde am liebsten nur mit Mittelfeldspieler arbeiten...Das alles ist aber Formationsunabhängig zu bewerten. Das was du mit ständiger Überzahl anführen willst, ist vermutlich das schlichte Ballorientierte Verschieben der Spieler, um im Pressing oder Gegenpressing die Räume Eng zu halten, und ggf durch Überzahl den Ball erobern zu können. Was hierbei gegen das 4-4-2 spricht ist mir schleierhaft. Zumal es hier einfach in der defensivarbeit null unterschiede zum 4-2-3-1 gibt. Da die Raute sich ebenfalls ballorientiert verschieben dürfte, ist auch dies kein Argument für schlechte Überzahlmöglichkeiten in meinen Augen.
b) Ballbesitz
Hier wird am meisten deutlich, was ich oben mit Grundformation und System meinte. Hier beschreibst du ja durch das fallen lassen des 10ers die Problematik selbst. Ich sehe nicht die absolute notwendigkeit eines 10ers als Bindeglied um die Bälle zu verteilen. Hier wird es aber taktisch interessant. Wo du recht hast ist, dass in einem 4-4-2 die Gefahr bestehen kann ein zu großes Loch in der Mittelfeldzentrale zu haben. Das basiert dann aber vielmehr darauf, dass sich die Spieler taktisch nicht gut verhalten. Insbesondere die beiden 6er sind hier aufgefordert sich sowohl in der Breite als auch in der Tiefe zu staffeln. Das natürlich auch die Stürmer durch "kommen und gehen" diesen Raum besetzen können ist unbestritten. Deine Argumentation mit den typischen Stürmertypen halte ich für oldschool und quatsch, daher in der Bewertung nicht Aussagekräftig. Wieso nicht zwei technisch starke Stürmer, oder zwei Physisch starke schnelle?
Abschließend zu deiner Dreiecksbildungs geschichte. Man könnte meinen du bist beim Tischkicker, in dem jeder Spieler seinen festen Platz an der Stange auf dem Spielfeld hat. Das ist Unsinn. Dreiecksbildung ist pure Bewegung der Mitspieler. Das es auf dem Blatt Papier ausgeglichener Aussieht ist ja schön und gut, stehen nur leider die Spieler im 4-2-3-1 nur niemals genau exakt so. Das Spiel ist dynamisch, daher kommt es immer auf die Laufwege und Freilaufbewegung der Mitspieler an, was bei dem meisten ja auch eins der Kernthemen im Training ist.
c)
1. schnelles Spiel nach vorne
Hier kann durch das 4-2-3-1 eine optimale Raumaufteilung geschaffen werden. Das Spiel wird maximal breit. Durch 4-4-2 sind die Verteidiger automatisch sicher an die Gegnerischen Stürmer verteilt, beim 4-2-3-1 hat die Offensive mehr Bewegungsspielraum um Lücken zu reißen.
Den Satz verstehe ich nicht, wieso sind die Verteidiger verteilt? Wie meinst du das?
Schnelles Spiel nach vorne hat nichts mit der Formation zu tun, sondern mit der Taktischen Ausrichtung.
2. Spielaufbau
Deiner Auffassung nach spielst du doch laut deinem Beispiel gar kein 4-3-2-1, sondern ein 3-3-3-1 bzw 3-3-1-3. Merkst du wie schwer die Unterscheidung ist? Theoretisch ginge im übrigen auch, dass sich der eine 6er nicht fallen lässt, dann hätten wir ein 2-4-3-1. Ist in den meisten Fällen schlicht Gegnerabhängig. Gleicher Spielaufbau lässt sich im übrigen 1 zu 1 im 4-4-2 ebenfalls praktizieren.
3. Pressing
Auch hier wieder eine taktische Frage... Ballferne Stürmer kann abkippen, ein 6er kann vorschieben um den Raum zu besetzen, das Spiel kann bewusst nach innen oder außen gelenkt werden. Hat auch alles nichts mit 4-2-3-1 oder 4-4-2 zu tun, sondern mit der taktischen Vorgabe wie zu verteidigen ist.
In den meisten Fällen ist das so groß bekannte 4-2-3-1 im Ballbesitz ein 4-3-3, und gegen den Ball ein 4-4-2, genauso wie ein 4-4-2 je nach Spielsituation auch in ein 4-2-4 oder sonstwas variieren kann. Ich für meinen Teil sehe hier kaum große Unterschiede, so wie du sie versuchst herauszustellen. Unterschiede kommen durch die taktischen Anweisungen, wie einzelne Situationen umgesetzt werden sollen, nicht durch die Grundformation. Möchte ich einen Spielaufbau über die 6er, über Außen, favorisiere ich eher einen langen Ball, und gehe dann auf Festmachen, bzw auf den zweiten Ball, oder spiele ich den Ball über außen und versuche dort einen Korridor zu generieren. Lasse ich die AVs hochschieben, oder nicht, lasse ich den 6er zwischen die IVs abkippen. Das gleiche Spielchen geht auch gegen den Ball, was möchte ich, gegen was Spiele ich. Greife ich vorne mit 3 Spielern ein oder nur mit 2, wie verhalten sich die AMs stellen sie die AVs des Gegners zu, oder lassen sie die offen, oder nur eine Seite?! Das alles sind die wichtigen Fragen die zu klären sind, nicht, was die Grundformation angeht!
Um das jetzt auch einmal etwas reinzusetzen:
Meine Grundaufstellung ist das 4-2-3-1. Beim Spielaufbau von hinten heraus, lässt sich mein spielstarker 6er situativ zwischen die IVs fallen, wenn diese von 2 Spielern angelaufen werden. Bei einem Angreifer bleibt dieser davor. Meine AVs schieben nur etwas vor, um ständig den Passweg zu ihnen offenhalten zu können. Die beiden offensiv Außen schieben hoch und leicht ins Zentrum rein, der 10er schiebt auch ein Stück weiter vor. Ziel soll es dann sein, durch Spielverlagerung Außen einen Korridor zu generieren, der dann mit einem Pass von IV auf AM, 6er oder 10er, welche in den Korridor starten eröffnet wird. AV schiebt dann vor, um die Außenbahn zu besetzen, wenn der AM den Ball als Zielspieler bekommt. Ziel ist es immer von der Grundidee Tiefe zu schaffen, und durch Spielverlagerung einen Raum zu generieren. Stellt der Gegner den Passweg durchs Zentrum zu, wird halt über AV oder ballfernen 6er eröffnet. Aber insgesamt zählt hier: Geduld. Gegen den Ball wird ein klares 4-4-2 gespielt. In dem der 10er ball und seitenorientiert mit dem Stürmer zusammen verschiebt. Spart Laufwege für den Stürmer und somit wichtige Kraft.
So viel erstmal dazu. Eventuell wird die ja bewusst, dass es diese klaren Systeme in der Form, wie du sie darstellst und siehst gar nicht mehr gibt. Das Fußballspiel wird immer dynamischer und variabler. Natürlich kann man relativ einfach ne Grundformation in der Bundesliga erkennen. Man weiß halt das Kießling und Drmic Stürmer sind, wenn die beiden also zusammen spielen wird es bei Leverkusen wohl immer ein 4-4-2 sein. Heutzutage ist die Position eines Spielers halt total bekannt, sodass diese Grundformation schnell erstellt sind. Das diese im Spiel häufig positionen ändern, oder in verschiedenen Systemen je nach Situation agieren ist da aber nicht berücksichtigt. Du solltest dir also nicht so viel Gedanken darum machen, was du für eine Grundformation wählst, sondern wie deine Spieler sich in den verschiedenen Situationen im optimalfall verhalten sollen.