@Wiili
Erst mal gut gebrüllt! Ich vermute mal, dein Prof. war kein Theologe, sonst hätte er dir die Ergebnisse deiner Diplomarbeit wohl um die Ohren gehaun. Denn Glauben muß auch irgendwie ohne Geld funktionieren, sonst hätte man die Händler und Geldwechsler ja nicht aus dem Tempel jagen müssen. Dass es aber nicht ganz ohne geht, das erfuhren die Bürger von Limburg und Umgebung unlängst durch ihren Bischof. Eher könnte ich mir einen BWL-Prof. aus dem Schwabenländle vorstellen, der dir dieses Thema für deine Diplomarbeit genehmigt hat? Denn Schotten sich ja bekanntlich Exil-Schwaben, die auswandern mußten, weil sie zuviel Geld ausgegeben haben!? 
Auch die Arbeit eines ehrenamtlichen Trainers wird durch Spieler, Eltern, Trainerkollegen und eine Reihe weiterer Menschen, die Anteil am Privatleben des Trainers nehmen, kontrolliert. Ja, er muß nicht einmal Trainer sein, um von seiner sozialen Umwelt kontrolliert zu werden. Lediglich die Auswirkungen dieser Kontrolle ist unterschiedlich, weil auch die Abhängigkeit unterschiedlich ist.
Da kann ein Dorftrainer schalten und walten wie er will. Er bleibt solange im Amt, bis noch genug Spieler vorhanden sind, weil entweder keine Alternative vorhanden ist oder man gerade keine Lust hat, sich nach 3 Absagen eine Vierte einzuholen. Dass dann bis zur C-Jugend nicht mal die Hälfte der Spieler noch da sind, ist zwar zu beklagen, aber die Kleine Dorfwelt gerät dadurch nicht aus den Fugen! Denn hier leben überwiegend einfache Leute, denen neue Ideen (aus der Stadt) zuwider sind. Aber Dorfbundesliga spielen, das ist geil! Und das Schöne dabei ist, die Zeitung macht mit! Natürlich bekommt da der Verein sein Fett weg, dessen Sponsor sich beim Anzeigenberater der Zeitung hat verleugnen lassen. Man ist sehr am Leben seiner Mitbürger interessiert, weshalb "Viel-Ämterei" den zusätzlichen Zweck erfüllt, an Informationen seiner Mitbürger zu gelangen, die sie freiwillig nicht preisgegeben hätten. (Beispiel: Trainer bekommt mit, das einer seiner Spieler mit seinem Vater ins Freibad, statt zum Training gegangen ist.) Wer diese Welt eines kleinen Dorfvereins nie kennengelernt hat, der kann sie nur schwer verstehen.
Manchmal hat man sogar das Gefühl, der Fussballverein einigt die Interessen, weil man zur Not einen gemeinsamen Feind, den Derbygegner hat.
Es gibt einen wunderbaren Film ("FC Venus") über den Dorffussball. Darin vereinigen sich die Spielerfrauen, weil sich das Leben ihrer Männer nur noch um den Fussball zu drehen scheint. Der Schauspieler Heinz Höning spielt darin einen berühmten Ex-Trainer, der von seiner Tochter gebeten wird, das Frauenteam für das entscheidende Spiel gegen die Männer fit zu machen. Denn falls die Frauen siegen, müssen die Männer mit dem Fussball aufhören. Zwar wird in dieser Komödie natürlich alles überzeichnet, aber es gibt eine Reihe von Informationen für den Zuschauer, wie man sich so eine Dorfwelt vorzustellen hat.
Die Dorfwelt ist nicht schlechter oder besser als die in der Stadt! Sie ist eben nur anders! Dies zeigt sich in den Wertvorstellungen und daraus abgeleiteten Prioritäten. Es kommt halt immer auf den Blickwinkel an!