Ich habe letzte Saison mit meiner D2 entspannte 0 Punkte und 5:131 Tore eingefahren, kenne also deutliche Resultate ganz gut ;-).
Ich sehe keine moralische Verpflichtung auf der Seite des Trainers einer überlegenen Mannschaft, das Ergebnis künstlich klein zu halten. Wenn eine Mannschaft so viel besser ist als die andere, dann ist das halt so. Damit muss die unterlegene Mannschaft leben und kann das auch, zumindest wenn es nicht jede Woche vorkommt (aber selbst in der letzten, ergebnismäßig recht bitteren Saison ist bei uns kein Spieler abgesprungen). Allerdings sollte man natürlich schauen, wie das Spiel für die eigene, überlegene Mannschaft noch sinnvoll bleibt und Lernmöglichkeiten bietet. Naheliegend finde ich da vor allem, schwächeren Spielern mehr Einsatzzeiten zu geben oder ggf. auch bestimmte Vorgaben, wie man spielen soll, da ist ja einiges genannt worden. Die Reduzierung der Spielerzahl finde ich aus zwei Gründen problematisch:
1. wirkt das tatsächlich für meine Begriffe tendenziell demütigend (die brauchen noch nicht mal alle Spieler, um uns zu schlagen)
2. wird damit einem Spieler (bzw. den Spielern) der überlegenen Mannschaft Spielzeit genommen
Letzteres ist vielleicht noch vertretbar, wenn man damit ein bestimmtes Lernziel anstrebt in dem Spiel; überhaupt nichts halte ich aber davon, die eigene Mannschaft mit weniger Spielern spielen zu lassen, weil der Gegner zu wenige Spieler zur Verfügung hat. Dem liegt nämlich doch in den meisten Fällen zugrunde, zumindest aus meiner Erfahrung, dass der Verein zu viele Mannschaften gemeldet hat oder dass Kinder/Eltern beim Gegner andere Prioritäten setzen und die Mannschaft im Stich lassen. Dem muss ich nicht noch entgegen kommen, indem ich einem eigenen Spieler Spielzeit wegnehme. Sollten tatsächlich einmal mehrere Spieler kurzfristig wegen Krankheit ausfallen, kann man das Spiel verlegen; ebenso bei längerfristig feststehenden Dingen wie Klassenfahrt, Schulfest, Konfirmandentour und ähnlichen Dingen.
Als Trainer einer überlegenen Mannschaft bin ich vor ein paar Jahren mal mit Eltern von gegnerischen Spielern aneinander geraten, weil ich meine D-Jugend beim Stand von 10:0 immer noch angetrieben habe. Das hatte allerdings nichts damit zu tun, dass ich unbedingt noch höher gewinnen wollte, sondern dass ich es, unabhängig vom Zwischenstand, so sehe, dass man auf dem Platz Vollgas geben sollte, sei es bei einem knappen Spiel, bei 10:0 oder bei 0:10. Die Eltern hatten aber unterstellt, es ginge mir darum, den Gegner abzuschießen, was ich im Nachhinein auch verständlich finde, da ich es vermutlich auch so empfinden würde in der Situation.