deine 'F-Checker' kannst Du im Training glaube ich nicht agressiver kriegen. Gibt nun mal Spieler, die im Training nicht hochgekitzelt werden können, nicht jeder ist mental ein Oliver Kahn und immer bereit, den Feind aufzufressen. Um trotzdem Druck auf die Verteidiger zu erzeugen, fällt mir nur die Herrstellung von künstlichen Überzahlsituationen ein, also z.B. 4 Verteidiger gegen 5-6 F-Checker oder so. Wie das allerdings für die Verteidiger noch machbar sein soll, ist mir auch nicht ganz klar.
Ich habe auch mal 3 Angreifer gegen 2 Verteidiger spielen lassen, die Überraschung war die gleiche : erst wurde die Situation als ungerecht beurteilt, dann stellte man fest, dass die Angreifer trotz Überzahl gar nicht so einfach durchkamen (bzw. gar nicht, nicht ein Torabschluß bei mehreren Versuchen) und die Verteidiger nur ein wenig hin und her laufen und die Angreifer stellen mussten (zugegebenermaßen mangelt es den Mädchen auch ein wenig an Ballfertigkeit für schnelle Abspiele)
Nach meinen Beobachtungen (bin jetzt seit 2 Jahren dabei und gucke mir neben den eigenen auch andere e- und d- jgd. Spiele an) liegt der entscheidende Unterschied auf dem Platz weniger in der Agressivität und Angriffsbereitschaft der Mannschaften begründet sondern in der Fähigkeit, sich den Platz vernünftig aufzuteilen und gut im Raum zu agieren. Wenn man dann noch Pässe spielen kann wird der Gegner auseinander gespielt. Erst wenn diese Fähigkeiten gleich verteilt sind, gewinnt wieder die Mannschaft mit den körperlichen Vorteilen. Ich glaube weiter, dass man in der d-jugend noch nicht sonderlich komplexe Spielsysteme trainieren sollte. Letztlich gibt es doch nur zwei verschiedene Ausgangsspielsituationen und damit verbunden zwei Verhaltensvorgaben:
a) der Gegner hat den Ball : ich suche mir einen Gegenspieler und decke mit ab (keiner steht allein = keiner guckt einfach nur zu)
b) die eigene Mannschaft hat den Ball : kann ich mich am Angriff beteiligen, kann ich mich anbieten ? (wieder: kein abschalten und einfach stehen bleiben)
Nur diese zwei Verhaltensvorgaben von allen verinnerlicht, dann wäre ich schon zufrieden. Komplexere Dinge will ich gar nicht vermitteln, das würde schon reichen.
Das ist so klar und einfach, dass man als Erwachsener glaubt, die Kinder wissen das von alleine. Aber die Kinder machen es nicht, wenn der Ball nicht in der Nähe ist bleiben sie mitunter einfach stehen und spielen einfach nicht mehr mit. Man steht am Rand und kann schier verzweifeln, warum laufen sie die 4 Meter zum Gegenspieler nicht eben hin, sehen sie denn nicht das der gleich angespielt wird ? Warum gehen denn jetzt wieder 2-3 Leute gleichzeitig Richtung Ball und sehen nicht, dass dahinten noch einer freisteht ? Verzweifelnde Trainer und Zuschauer an der Linie, wie kann man das denn nicht sehen ? und warum läuft sich der Stürmer nicht schon mal zur Außenlinie frei, wenn der Außenverteidiger den Ball hat sondern reißt einfach nur an der Mittellinie den Arm hoch und will dort wo er steht angespielt werden, obwohl dies gar nicht möglich ist da der Weg dahin verstellt ist ?
Meinen Mädchen mangelt es nicht an Einsatzbereitschaft, sie sehen nur nicht immer wo sie hin müssen. Ich habe nicht das Gefühl, das für sie nur das Spiel nach vorne als lohnenswert erscheint und sie sich für die Defensive zu schade sind. Sie haben nur noch kein Gespür dafür, wie wichtig es z.B. ist einfach nur ein paar 'Zwischenmeter' zurück zu legen um ein kommendes Abspiel des Gegners zu unterbinden, sie erfassen die Situation nicht.
Was kann man also tun, damit sie die 'Grundregel' (= einen Gegenspieler suchen, sobald die andere Mannschaft den Ball hat, für mich der Schlüssel überhaupt um schwer zu schlagen zu sein auch für stärkere Gegner) verinnerlichen ? spielen, spielen, spielen, spielen, egal wie, 2:2,3:3,5:5, auf zwei Tore, auf vier Tore, ganz egal, es geht um die Orientierung im Raum und dazu brauchen sie viel Spielerfahrung.
Ob es darüber hinaus schon Sinn macht,im D-Jgd. Alter schon Dinge zu üben wie 'hinter den Ball kommen' oder abgestimmte Laufwege ?
Ich glaube nicht. Ich habe zwei Außenverteidigerinnen, die gehen gerne mit nach vorne. Unsere linke Verteidigerin hat im letzten Spiel bei einem 2:2 bei ihren Vorstößen beide Tore geschossen, großes Kino. Gibt genügend,die am Rand gleich meinen, das ist aber sehr riskant. Stimmt auch, aber eine Mannschaft lebt doch von denen, die was riskieren und sich was trauen. Richtig wäre ja, jetzt eine Taktik zu entwickeln nach dem Motto: wenn xy mit nach vorne geht, bleibt z hinten. Funktioniert aber nicht, ist nicht umsetzbar. Übersteigt schon die taktischen Möglichkeiten der Mädels (zumindest z.Zt., jüngerer D-Jgd.-Jahrgang).
Tut mir leid, Kicker, wenn ich keine speziellen Taktikspiele empfehlen kann, aber aus deinen Forumsbeiträgen entnehme ich das Du ein wesentlich erfahrenerer Trainer mit viel mehr Wissen über Trainingsmethodik bist als ich. Aber ich finde es schön, das selbst alte Forums-Füchse nicht immer ein Rezept dafür haben, wie sie ihre Mannschaft verbessern können. Das tröstet mich etwas...........