Da im Mentaltraining-Thread immer wieder kritisiert wurde, dass man doch bitte die Finger von der Kinderseele lassen solle, wäre hier zB ein besserer Ort, dies kontrovers auszudiskutieren: prägt nicht jeder Kindertrainer den Geist (mens) seiner Schützlinge? Wäre dann nicht nur die Frage, ob er dies "selbstreflektiert" genug oder einfach comme il faut: nach Gutdünken oder Willkür tut, evtl. aus Unlust, sich damit näher zu befassen, wie er als Über-/Ersatz-Eltern-Ich auf Kinder wirkt? Und wie sollen sich dann Eltern verhalten: einfach im Zuschauen wegschauen, wo doch sie die erzieherische Verantwortung für ihre Kinder tragen? Darf ein Trainer dies ihnen abfordern o. zeigt dies nicht gerade, wie wenig er seine mentalitätprägende Wirkung kennt, dh. seine Nichteignung als Kindertrainer? Da muss man nicht nur an die verhaltensauffälligen "Brülltrainer" denken, die schon Theweleit als prägende Gestalten im "Tor zur Welt" beklagte, "Gewalt", Aggression, Missbrauch der von Natur aus hoffnungslos unterlegenen, quasi wehrlos ausgelieferten Kinderseelen kann auch sehr subtil ablaufen, wovon die bekannten Fälle ein erschreckendes Zeugnis abgeben: fast immer sind die realen Täter sonst nette Nachbarn von nebenan, unauffällig, freundlich, im Extrem jene "Geistlichen" der vielen letzten Skandale - man hätte ja nie gedacht.... Missbrauch jedoch wird in der öffentlichen Wahrnehmung immer nur aufs Sexuelle verkürzt, obwohl es von vielen weiteren Fälle berichtet wird, zB in der colonia dignidad: wurde hier nur sexuell missbraucht? Nein, Macht gegen Kinder wurde ausgeübt, sie wurden gedemütigt "zum Spaß", sie wurden konfessionell vergewaltigt, indem der Sektenführer ihr Gott sein musste etc. Was folgt daraus für den KiFu?
Viele Fragen ließen sich anschließen, sicher geht es im KiFu weniger dramatisch zu und doch meine ich, dass es im Fußball durchaus immer mehr Fanatisches, Manisches, Bedenkliches gibt, wobei man nicht erst bzw. nur auf die Spitze des Eisberges, die offene Gewalt in Stadien blicken sollte: wo kommt sie her, wo wächst sie heran? Doch immer in Kindern. Fragt sich also zwingend, wenn auch verdrängt: wie, durch wen? Das sind nur offene Fragen, nicht allverdammend, bevor dies wer mutmaßt, aber es sind bei mir drängende Fragen und ich ärgere mich enorm, wie engstirnig z.Z. das Gewaltthema wieder "diskutiert", der schwarze Peter wieder nur zwischen Politik und Fußball-Verband und -Vereinen hin und her geschoben wird: ich bin's nicht, die anderen sind es gewesen, sollen was tun, bezahlen - immer das gleiche Gutmenschen-Spiel, um sich selbst möglichst wenig im Kopf bewegen zu müssen, oder? Wer sagt denn mal selbstkritisch: ja, ich, wir haben da in der Vergangenheit viel Mist gebaut, dies immerzu ignoriert, klein geredet, Kritiker außen vor gelassen bzw. aktiv ausgegrenzt - und wollen nun mal echte Kritik zulassen, ohne Scheuklappen, um uns und den Fußball reell zu verändern, wie es in unserer Macht liegt: tatkräftig statt nur in Worten? Weil eben nicht alles gut ist!
