Beiträge von Keller-Kicker

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    Baert: siehste, jeder will jedem helfen, vielleicht ist das das Problem (Stichwort Helfersyndrom: jeder will helfen, da er sich dann gut fühlen kann. Aber wehe, das Hilfsobjekt will die Hilfe nicht einfach, schnell und ohne Fragen annehmen...). Und nun sind wir alle für den BVB! ;)

    Nein Karl, das missverstehst du völlig: 99,998 % aller Minikicker (die Zahl las ich mal) werden nie in einer der 3 Bundesligen Fußball spielen, im LZ bekommen sie nur Schäume und Träume geboten. Wer es aber schafft, der bzw. seine Eltern müssen nach deiner Philosophie schon völlig irre Geisterfahrer sein, daran in der Kindheit zu glauben, denn er steht real nicht gegen Hunderte, sondern 100.000e. Merke: manch simpler Vergleich hinkt ;)

    Baert: Dann sei doch mal ehrlich zu dir selbst: durch deine Zeilen klingt doch ständig durch, wie sehr du auf jene anderen Eltern bzw. ihre Kinder herabschaust: "die, die sich um den Ball prügelten" vs dein Sohn: "wenn alle hinter dem Ball herliefen, blieb er anspielbar in der Nähe" - alle dumm, er aber "spielt intelligent". Gehst du da nicht ganz schön mit ihm hausieren, bist du soviel besser wie jene kritisierten Anderen, die ihre Kinder "anbieten"? Man kennt sich ja nicht, aber diese Art über andere abfällig zu schreiben und sich selbst und sein Kind herauszuheben, ich weiß nicht: sprechen die NLZ/LZ nicht grad Eltern an, die dann gern über anderen stehen, dafür Fahrten über 30, 40 Km 4mal die Woche in Kauf nehmen? Ich würde das nie machen, bin ehrlich: mein Sohn soll auch auf keine "Eliteschule", ich bin für andere pädagogische Modelle: wo er mit allen spielt, nicht nur mit den höher Erwählten, den ja so wenigen Intelligenten. Soziale Kompetenz lernt man nicht per Exklusion... ;) .

    Also ehrlich, dein Sohn, mein Sohn, "nie im Leben hätten wir uns/unseren Sohn auf die gleiche Stufe gestellt", meiner ist intelligent, "alle anderen" laufen wie eine Herde nur dem Ball nach, "ansprechen", "anbieten", "der wirklich Beste" - ich kann mit dem allem nichts anfangen. Jedes Kind hat seine Potentiale, entwickelt sich, wird gefördert, gehemmt, verunsichert, im Rückgrat gestärkt, tausend Einflüsse gibt's da in der Jugend: Eltern, Trainer, Freunde, Lehrer, Geschwister, Familie, Bekannte, Nachbarn, Cliquen, Teams, Gegner, Klasse, Erlebnisse, Beliebtheiten, Noten, (Eintritts-)Gelder, Trainingsmaterial, Ängste, Stress, Pflichten usw. usw. - eine Sichtung reduziert alles auf ein Outcome im fremden Zufallsblick eines Zampanos, der dann den Daumen hebt oder senkt: rein ins oder raus aus dem Töpfchen. Und das soll kindgerecht sein? Das glauben ja offenbar alle außer mir, sei's drum ich kann es nicht ändern, aber ich verstehe nun, wieso da nichts zu verändern geht... :(


    PS: Die Trainer unserer Söhne lassen oft "demokratisch" vorm Abschlussspiel Teams wählen, ist zwar bitter für die Letzten, daher habe ich es nie gemacht, aber man sieht, wer stets als Erster gewählt wird. Da du, Karl, aber selbst meintest, Kinder würden die wahren Talente ja wegmobben (für mich total abwegig), wäre deine LZ-Sichtungswahl absurd, oder? Grad du müsstest es richtig finden, wenn jeder mal zum Probetraining/Talenttag darf: vielleicht entdecken die Sichter ja mehr als die Teamkameraden! Es gab berühmte Künstler o. Musiker, die an x HdKs abgelehnt wurden, da jeder "Sichter" sie verkannte. So ist es nunmal! Sonst geht's eben viel undramatischer: Kinder wollen eigentlich immer gewinnen und wählen daher vor jedem Trainingsspiel die, denen sie zutrauen, dafür gut zu sein! Verlieren sie, wissen sie, dass die Wahl verkehrt gewesen sein könnte und lernen peu á peu.

    @TW: Im Prinzip alles richtig, aber an wen richtet sich denn nun der letzte Satz? Mir wurde doch grad Doppelmoral u. Unehrlichkeit zugeschrieben, da ich zumindest nicht nur in die Computertasten Frust haue, sondern unserem Sohn das Probetraining im ja von mir nie nur negativ gesehenen LZ gestatte. Auch war ich ja etliche male KiFu-Trainer u. meine Meinung entspringt der Erfahrung, dass man oft immer nur von denen umworben wird, die die Arbeit sehen, dann aber sich wundern, wenn man in ihrem Verein etwas verbessern will, und sei es, dass man in der G und F Kinder nicht ganze Trainings Strafrunden laufen lässt etc. Plötzlich wird man Feind, greift ja in fremde Reviere ein. Qualifikation ist dann kein Thema mehr - und kenne ich auch Kollegen, die trotz C-Lizenz flogen, durch Nichtfußballer-Väter ersetzt wurden etc. -


    Sichten und Selektion finde ich in aktueller Form problematisch, da mE zuerst das Vereins/Trainer-, dann das Talentinteresse kommt. Dass dies überall so sei, habe ich auch nie behauptet, denn überall ist noch niemand gewesen. Das System" aber ist auf bestimmte Kriterien hin angelegt - unter denen auch manch im Prinzip zu Erfolg verdammter Stp- oder LZ-Trainer durchaus leidet. Mir teilten dies einige mit, öffentlich zu sagen trauten sie sich dies bisher aber nie... Es mag sein, dass es darin tätigen Vertretern dieses Systems schwer fällt, zwischen sich und dem System reflexiv zu unterscheiden, da man eben im System als Vorgabe denkt, dies schon immer positiv im Kopf sein muss. Doch auch hier kenne ich halt Ausnahmen, die zwar im Mainstream mit treiben müssen, um nicht an den rand und hinaus gespült zu werden, aber trotzdem versuchen, in eine andere Richtung zu schwimmen. Siehe auch die FPL, die zwar nicht radikal das Übel an der Wurzel packen, "alles" von Grund auf, sondern nur in den Symptomen verändern will, aber uU auch mehr im Hinterkopf hat. (OT: Was passiert, wenn man draußen ist, Dinge mal beim Namen nennt, konnte man grad bei Rafati sehen: schnell war ein wohl bestelltes "Geviert" von Ex-Kollegen parat, das alle Kritik von Rafati in eine unmögliche, eben pathologische Ecke rückte, so dass alles öffentlich gleich ad acta gelegt wurde. Genauso arbeiten Systeme ständig (gemäß der Systemtheorie) an der Verteidigung ihrer Stellungen, Einzelne wie jene Vier werden darin oft benutzt, ohne es zu bemerken: sie hielten ihr sofortiges Beispringen sicher für Solidarität mit Fandel, da ihnen dies suggeriert wurde...) So, nun sollte ich aber Wort halten u. erstmal keinen mehr nerven ;)

    guenter: aus Schul- u. Arbeitsleben ist doch psychologisch bekannt, dass es Menschen gibt, denen es wenig ausmacht, wenn ständig wer hinter ihnen steht, sie beobachtet, bewertet, benotet, und welche, die dann sonst unübliche Fehler begehen, sich unter Druck fühlen, leiden und nervös werden, irgendwann lieber aussteigen. Dies ist im Fußball natürlich ebenso. Bei Erwachsenen kann man sagen, dass sie den Leistungs-Stress aushalten müssen, sonst in oberen Ligen nicht zurechtkommen und eben ausgemustert werden müssen. Kinder aber lernen, entwickeln sich noch. Es macht mich immer betroffen, wie wenig viele Leute bereit sind, dies zu beachten, aus Respekt vorm Kind dies zu berücksichtigen und beim Sichten spielten solche Aspekte in meinem Erfahren noch nie eine Rolle: die sog. "Sichter" schauten mich entweder nur verwundert groß an, als wäre ich ein Marsmensch, wo ich mal davon anfing, oder gaben zu, dass sie ein leistungsstarkes, dann siegreiches Team zu besetzen hätten und auf einzelne Empfindlichkeiten keine Rücksicht nehmen könnten (bzw. wollten).


    Wie gesagt: Alternativen zum diesem 'Förder-System' gibt es aber nicht; wenn keiner bereit ist, mal offener dazu zu diskutieren, wird es sie auch in 100 Jahren noch nicht geben, da im F-System der Köder halt zuerst dem Angler statt dem Fisch schmecken soll... In freier Natur ginge so der Angler chronisch leer aus, pleite, aber hier geht es um Machtpositionen, also "Fangnetze" u. -methoden anderer Art. Letztlich ist es ist immer leicht, auf der Seite der öffentlich vorherrschenden Meinung zu stehen und dann verbal auf die einzuprügeln, die die scheinbar heile Welt davon abweichend sehen, deren kritische Sicht noch eigenmächtig etwas zuzuspitzen, um sie dann komplett verreissen zu können. Ob man da dem verrissenen Widerpart Unehrlichkeit vorwerfen, also seine Ehre o. Moral absprechen o. lieber mal über diesen Stil der Diskussion nachdenken sollte, muss jeder selbst wissen. Es ist aber bekannt, dass man monopolisch allmächtige Institutionen wenn überhaupt nur von innen verändern kann und sich erstmal hautnah mit ihrer Realität auseinandersetzen muss.


    Indem man nur außen-vor stünde und aus seinem Blick-Winkel her mosert, wird man Systeme nie erfassen: was in ihnen vorgeht; abgesehen davon, dass man immer auf wen treffen könnte, der einen positiv überrascht und man per Vorab-Ausschluss (durch gar nicht hingehen) nur seinem Kind aller Chancen berauben (besser schlechte als eben gar keine). Abgesehen davon, dass Karl ja nicht das Kind selbst entscheiden lassen will, sondern meint ich, der Erwachsene solle über seinen Kopf hinweg bestimmen, seine Aktion, sich vorzustellen, verbieten, da ich der Große bin, das Sagen und die Macht habe? Genau dies übers Kind zu verfügen, wo Förderung Ziel sei, wäre dann Doppelmoral - und diese herrscht eben als kritisierbar vor, wenn auch auf andere Weise, indem man uU Kinder von "Eigenförderung/motivation/dynamik" von oben her selektiv in einer Art "Zuchtwesen" ausschließt. Sicher ist dies wg. begrenzter Mittel zT aus pragmatischen Gründen unumgänglich, vorab aber eine alternative Förderung aller gar nicht erst andenken zu wollen, sie so quasi zu Ausschuss (des Spielermaterials) zu erklären, steht keinem zu, der nur von außen zufallsbedingt und instantan grad gezeigte Leistung sichtet. Es ist für mich völlig klar, worum es da primär geht: Verwertbarkeit für eigene Motive/Zwecke. Aber ich schreibe nun nichts mehr dazu, lassen wir es, die einzelnen Positionen sind ja klar. ich hoffe nur, es braucht nicht 100 Jahre, bis man umdenkt... ;)


    @Nachsatz an Baert: Das hört sich erstmal vernünftig an, ist es das aber auch? Man müsste sich in Kinder hineinversetzen. Du sagtest deinem Kind schon, es solle sich keine Hoffnung machen, da er 5-, 6-mal hin war? Das ist aber grad ein gutes Zeichen von Interesse. Nun stelle dir vor, du hättest so dein Kind verunsichert, nervös gemacht, es hätte sich innerlich wirklich keine Hoffnung mehr gemacht und entsprechend unsicher u. unmotiviert gespielt. Dann wäre es sicher nicht genommen worden, obwohl es fußballerisch das identische Kind wäre. Hätte nun ein anderer Vater nach 3 Probetrainings keine Lust mehr gehabt, wäre auch dies Kind heute nicht dabei. Hätte dein Kind grad die Mathearbeit verhauen, ihn dies sehr belastet o. deine Frau mal eben Fußball verboten bzw. der Heimtrainer alles mit Sticheleien begleitet... - so gäbe es endlos viele Aspekte, die im Grunde nichts mit dem Kind, seinem fußballerischen Talent zu tun haben, aber im Sichten entscheidend mitspielen, vom überehrgeizigen Vater mal ab, der meist eher Belastung als Anschub ist. In der Schulmannschaft übrigens haben die Kids in jeder Klasse selbst 3 Spieler wählen dürfen, die dann dabei waren: weil dies eben von den gelernten Kräften pädagogisch als sinnvoll erachtet wurde. Es gab viel Überraschendes, der vom Vatertrainer stets in den Himmel gelobte, aber extrem egozentrische Junge war zB nicht dabei, was (natürlich in problematischer Retourkutsche) alle anderen freute u. letztlich auch dies Kind ins Nachdenken brachte (den Vater weniger)...

    Lassen wir das Thema einfach ruhen, ist doch Quatsch: da es im Fußball nur dies 1e System gibt: ein Monopol besteht! Doppelmoral ist schon ein dicker Vorwurf, lass das bitte. Es herrscht zT eh schon genug Hexenjagdstimmung, nur weil man Dinge etwas anders sieht, finde ich. Da regt man sich dann zurecht auf! Wohingegen wer sich über andere Ansichten schon aufregt, wohl Meinungsfreiheit u. offene Diskussion nicht grad viel bedeutet: warum soll nicht jeder seine Sicht der Dinge haben dürfen? Und von der Wilde-Wiesen-Bundesliga als Alternative habe ich jedenfalls noch nicht gehört ;)

    Ok, Demokratie ist in der Realität immer ne Mogelpackung. Aber noch besser, als wenn gleich nur einer für alle diktiert, was Sache ist: denn so muss man zumindest äußerlich Zugeständnisse machen. Bei der 1.Sichtung unseres damals 7-jährigen (der sich leider auf der Fahrt zweimal übergeben musste u. 5 Minuten zu spät kam) für die Kreisauswahl lief es so ab, dass alle ein bisschen gegeneinander spielten, rumschossen, 1mal nen Dribbelparcours durchliefen - fertig. Dann mussten alle zur Mitte kommen: 2 Drittel wurden namentlich aufgerufen, dürften zur 2.Runde kommen, den Rest ließ man stehen und ging oberwichtig nach draußen eine rauchen. Auch wir Eltern wussten von nichts, daher standen die Jungs noch ca. ne Minute, dann flossen die ersten Tränen. Später bei Werder war's erstmal super, aber was mir auffiel: im Team unseres Sohnes kamen punktgenau 2 Trainersöhne weiter, die von Haus aus eben selbstbewusster waren und so aufspielten. Denn man schaute halt nur auf die Zufallsleistung im Moment. Na ja und zum Dritten dann im hiesigen LZ hatte der Heimtrainer unserem Sohn vorher noch schön eingeredet, dass er ja nur vorbei schieße, gar nichts könne, bis unser verunsicherter Sohn gar nicht mehr zum Testspiel wollte, zu dem er doch extra eingeladen worden war, da man ihn beim Probetraining gut genug fand. Er versagte dann kläglich, als Vater sah man eben, dass er völlig neben sich stand, Angst vor werweisswas hatte. Auf dem Leistungsblatt stand dann nur: ängstlich, kein Einsatz, mehrfach den Ball kaum getroffen - die tieferen Gründe interessierten keinen. Daher war ich enttäuscht, er sowieso, nicht aus Eitelkeit. Daher bin ich gegen bloß äußerliches Instantan-Sichten u. voreingenommen.


    Natürlich ist es auch eine psychische, faszinierende Qualität, wenn ein Kind zum FCB-Probetraining und ohne Selbstzweifel oder Hemmungen aufspielt, als wäre es dort zuhause und der Stärkste. Dennoch erinnere ich mich noch an die Schulzeit, wo ich ein hypernervöses Mathe-Ass in der Klasse hatte, der fast jede Arbeit total verhaute, obwohl er besser als alle anderen war. Damals lachten wir ihn alle aus, dass er so "blöd" sei, verstanden sein Drama nicht. Schulpsychologen waren damals noch nicht "in", so ging er irgendwann als Versager von der Schule ab. - Mir scheint (anhand der "Fußball-Sichtungs-Karriere" unseres Sohnes), dass es evtl. so einige Kinder gibt, die am Ende als Versager dastehen, da sich keiner näher für sie, ihre Probleme interessiert, alle nur auf die Erfolgsgewissen schauen, als würden sie auf Pferde wetten. Doch gibt es auch Sensiblere, nicht nur Robuste - und jene sind oft kreativer! Manch vermeintlich lahmer Gaul wäre uU auch ein Siegerpferd, wenn man ihn mal öfter streicheln, besseres Futter o. passende Hufeisen gönnen würde!?

    @FB - Exkurs: 3mal durchlesen ist nicht verkehrt. Unser früherer Prof-Guru hat mal nen Studenten zusammengefaltet, der die Antwort nicht wusste u. sich verteidigte: ich habe den Test 7mal durchgelesen, wirklich, aber ich verstehe ihn nicht. Darauf dies hohe Tier: Wirklich? Dann sollten sie ihn 77mal lesen, das kann nicht schaden, vielleicht werden sie dann erahnen, um was es geht, verstehen werden sie es aber frühestens mit 77 Jahren oder nie ;)
    @TW: In der Regel "sind es 100 % bei Jedem, solange alle Spaß am Fussball haben" - so verstehe ich auch Fußball bzw. Sport. Natürlich kann mal wer privat, beruflich/schulisch Probleme haben, angeschlagen sein etc., aber im Prinzip will jeder Sportler gewinnen und dafür alles geben - so sollte man es gerade Kindern vermitteln. Werden sie später dann schluffig und spielen aus Faulheit nur mit halber Kraft, hat man ihnen dies zumindest nicht beigebracht und vorgelebt, kommt es halt von anderswoher. Wer aber nur 80% erwartet, sagt indirekt, die 80% reichen auch und verbaut Kindern ihr volles Potential - sicher humaner als die, die uninspiriert Kindern lauthals u. unfreiwillig 120% abfordern wollen, ohne selbst das Ihrige dafür zu leisten, aber so zieht man gleich nur bloße Freizeitkicker heran, was ich nicht gut finde. Denn am meisten macht Sport Spaß, wenn man 101% gegeben und genau deshalb gewonnen hat: dann ist man in der Persönlichkeit gewachsen statt geschrumpft, weit über bloß Fußball hinaus: Dass viele dies selbst wollen per Vorgefühl zu vermitteln, ist die hohe Trainerkunst!

    @sasch: Sicher berechtigt, aber ich beschrieb ja auch nur ein Ideal: Kinder einzubeziehen, da die Wahrheit aufm Platz liegt. Sie merken schon ganz gut live, wer wie spielt, aber natürlich fehlt der Überblick aus der Distanz, die Erfahrung etc. Aber ein Signal, ihr bestimmt, redet mit, nicht wir allein, gibt Kindern ein Gefühl für Demokratie, interaktiv ...

    Karl, darauf hatte ich längst vernünftig geantwortet, ohne dass ich die Gründe jedem offenlegen müsste. Man könnte sich ja auch mal seinen Teil selbst denken: 1. Möchte unser Sohn gern mal reinschnuppern - soll man es ihm verbieten? 2. Wenn Selektion allbestimmend ist, kann man sich ihr gar nicht verschließen, außer man will seinem Kind aller Chancen berauben. 3. Diese Anpassung ist naturgemäß noch kein Einverständnis (zB auch bei den Theorien zu sog. Memen nachlesbar). 4. Wer sich erst gar nicht immer mal wieder vor Ort informiert, kann nicht mitreden, also ist Info ein Muss. 5. mehr schenke ich mir, aber mit Moral hat das nun doch gar nichts zu tun, oder? Moral gibt es im Sport ohnehin praktisch nurmehr auf PR-Papier ;)


    @sasch: hätte man nicht einfach die Kids selbst fragen können, wer es verdient hätte? So wär ich zuerst vorgegangen, hätte zudem fließende, offene Grenzen gehabt per erlaubtem Aushelfen. Auseinanderbrechen ist sicher auch schon ein Negativfaktor für Kids...

    guenter: Darwin's Selektion der Besten wird ja grad per Sichten praktiziert, nur oft rein äußerlich. Genau so ging man schon immer vor: schauen wir uns mal das Material an, picken uns oberflächlich erfolgversprechendes raus. Eitlen Eltern etwas Honig um den Bart schmieren, dann tun sie, was uns nützt. Zeit, dass sich mal echt was verändert, statt ewiggestriges Denken in neuen Gewändern für neu und natürlich "gut" zu verkaufen! Auf dass unabhängig objektivere Kinder- statt Erwachseneninteressen zuerst kämen! Du glaubst, ein FCB möchte per Talentshows selbstlos Kinder fördern? Na denn, wird wohl so sein! ;)

    Es war auch wg. der nur vermeintlichen, in Wahrheit paradoxen Frage parabolisch formuliert: wer Unsichtbares sichten soll, darf sich kein Urteil zutrauen, muss dessen Vermögen an die zurückgeben, deren Selbst es betrifft. Über ihnen kann er zwischenmenschlich eben gar nicht wirklich, nur sich etwas anmaßend stehen. ich kann sie daher auch nicht auf ihr Team hin bewerten o. auswählen wollen wie ein Richter über ihre verborgenen Leistungsqualität, Potenziale, Talente. Die, die sich dies pragmatisch zutrauen wie beim FCB, wissen insgeheim sicher auch um ihre Fehlbarkeit, haben unter der Oberfläche andere Motive o.ä. Ich würde da nicht mitmachen, bestenfalls so wie in guenter's Stp verfahren. Wärst du also mein Boss, würdest von mir dies verlangen, würd ich Nein sagen.

    guenter: Ist Breitensport nicht oft auch nur ein missverständlicher Mythos? Unser Jüngster verlor freitags 0:9 gegen ein Team, das individuell nicht besser besetzt ist als seines. Alle Kinder waren todunglücklich, auch aggressiv und wütend. Teilweise werden sie ja auch angeschrien, da ja einer Schuld sein muss und dass es nie am !Ausbilder", sondern immer an den Auszubildenden liegt, scheint eben im Breitensport selbstverständlicher Usus (wogegen im LZ schon mal Trainer in die Kritik geraten, da sie ja selbst die Kids ausgesucht hatten u. so logistisch kein Schlupfloch für Verantwortungsflucht mehr offen bleibt). Ein Trainer des "Vereinstriumphirats" meinte dann gestern im Smalltalk zu meiner über das Bolzen vs Spielkultur etwas jammernden Frau zum 0:9: das ist ja nur Breitensport, mal gewinnt man, mal verliert man, das darf man nicht wichtig nehmen. Zugleich wirkte er sehr stolz, da sein (allerdings am 1.Spieltag noch legal möglich "verstärktes") Team nach einem kaum für möglich gehaltenen 3:0 Tabellenführer wurde. Man hat da das Gefühl, im Breitensport sei alles nur breit, aber kein Sport mehr. Im echten Sport auch in der Ü48 o. 5 KKL geht es allen immer vor allem ums Gewinnen, denn dies ist nunmal das einzig reelle Motiv des Sports. Man kann es, sich daraufhin lenken, sich selbst statt äußere Gegner zu besiegen, sich steigernd zu verbessern (wie im Laufen o. schwimmen), aber ansonsten ist Sport real ein Nullsummenspiel: jeder bewegt sich, da er gewinnen will, aber nur einer kann es, der andere verpasst sein Ziel o. es wird per Unentschieden aufs nächste mal verschoben, wobei man natürlich Ziele gegen stärkere Gegner tiefer aufhängen kann, so dass ein Unentschieden moralisch als Sieg erlebt wird, dann positiv stimuliert etc.


    Pädagogisch wird es deutlicher: setze ich Erfolg gleich nur bei einer "3" an, wird das Kind beim Erreichen schnell abschalten u. nie eine "2" ins Visier nehmen. Wieso sollte man im Breitensport derart bevormundend vorgehen, dass man sagt, Kinder, die letzten 10 - 20% braucht, sollt ihr hier nicht erbringen, bleibt also stehen, wenn ihr bei 80% seid? Das ist dann gerade nicht "sportlich" im eigentlichen Sinn, oder? Ein ganz anderes Problem ist es, wenn Trainer aus Ehrgeiz hohe Ziele als Anspruch vorgeben, dann gar einfordern, dann aber diesem Anspruch selbst nicht gerecht werden, zB wer Meister werden will, dafür aber nicht mal in den Ferien Trainings macht, die etliche andere Team in seiner Liga haben. da hat unser Ältester gestern gegen das vermutlich schwächste Team der Staffel 0:2 verloren: die hatten in den Ferien trainiert, sein Team nicht, weshalb es an Bewegung, Einsatz, Kondition etc. mangelt. Ok, im Breitensport kann man sagen, dass man eben verloren hat, alles nicht schlimm. Schlimm ist es aber, wenn man Ziele vorgibt, diese dann nicht erreicht u. dann so tut, als sei entweder alles ja doch egal o. die Kinder zu schlecht... Das fördert nicht sportliches Leistungsvermögen, sondern Gleichgültigkeit in Bezug auf sich selbst und Ziele.

    Karl, die Finanzen sind ja sehr relativ. In einem der hiesigen LZ hat mir - als Mentaltrainer, der kostenfrei arbeitete - der Trainer der Bundesliga-U17 erzählt, er bekomme "praktisch nichts". Sein Motiv: Spaß, zeigen, dass er was kann, Karriere. Im letzten Heimverein hatte ich ein sog. Trainertauschprogramm unterbreitet, wobei die m.E. qualitativ besten Trainer im Jahrgang bei uns Trainings machen wollten wie ich bei ihnen, als Abwechslung, zum Austausch, Spaß, aber auch kostenlos. Mir ginge es nicht um Trainer, die Geld wollen, dafür "Scheine" haben, sondern andere Werte im Miteinander aus Begeisterung. Bei Guenter dürfte das zusätzliche Fördertraining für Überschusskandidaten auch unbezahlt gemacht worden sein, einfach aus Liebe zum (Kinder-)Fußball, aber wie er selbst beobachtete: das ist nicht selbstverständlich. Ich meine, dafür bräuchte es eine andere Grundstimmung, mehr Sport(sgeist), weniger Politik zB, einen anderen Fokus: Kindeswohl statt rivalisierende Trainer-Iche etc. Wo die Verhältnisse aktuell durch falsche Werte geprägt sind, ist Veränderung eine Mammutaufgabe, da, wo keine Not bei den Akteuren (Erwachsenen) empfunden wird, von oben stabilisierte Strukturen zählebig sind. Die Frage wäre nun: welche Wertestruktur lebt, gibt der DFB in Wahrheit von oben vor?
    Im hiesigen LZ schlug ich vor, die jährlich ausgemusterten Spieler noch ein halbes Jahr am Training (min. 1mal die Woche) teilnehmen zu lassen statt gleich in die Zweite o. nach außen wegzuschieben, als Chance wie bei guenter's Stp, sich weiter zu zeigen o. bloße Formschwankungen abzulegen - oder als Übergang zum Abgang etc. Im nächsten Halbjahr würden potentielle Neuzugänge 1mal die Woche zum Training eingeladen, um in Ruhe zu sehen, wie sie sich integrieren können o. nicht. Nebeneffekt: mehr Trainingsteilnehmer für Spielelemente. NLZ kenne ich nur von außen, aber grad hier sollte Geld weniger wichtig genommen werden, da die Fanbasis größer ist u. von dort Kompetenz wie im kleinen Verein rein aus "Teilnahmewunsch" mobilisiert werden könnte. Denn "perfekte" Trainings gibt's nicht, ich habe genug Schein-Trainer erlebt, deren Umgang gar nicht so gut o. pädagogisch professionell war, wogegen mancher kostenlos arbeitende Dorftrainer den richtigen Ton weit besser traf, um Jugend zu bewegen, animativ zu motivieren. Daher ist der Finanzrahmen für mich eher künstlich, uU eher eingesteuertes Sponsoren- als Sportlerdenken: wo Geld weniger wichtig, da Sponsoren weniger dominant. Vielleicht würde dies sogar manches im Fußball kurieren, auch wenn's aktuell undenkbar scheint, dass ohne Geld viel gehe... ;)


    PS: In der aktuellen Oldenburger Uni-Info gibt es (neben einem Interview zum brüchig werdenden "Bild des Fußballsports als einer Arena echter, hegemonialer Männlichkeit") dazu einen Bericht zum Gast Prof. John Hatie und seiner wegweisenden Theorie, was über Lernerfolge von Schülern entscheide: zuerst die "Diagnosekompetenz" der Lehrer, die in der Ausbildung zu verankern sei, aber nicht ist. Übertragen auf KiFu trifft dies genau die sog. Sichterei. Wenn schon Lehrer nach 7 Jahren Uni-Ausbildung kaum reelle Diagnosekompetenz haben, wie kann man sie dann einfach Trainern mit C-Lizenz zuschreiben, die grad mal 100 Stunden abgesessen haben, in denen Pädagogik kaum Thema ist? Daher ist es nicht nur mein Eindruck, dass Sichten vor allem Anmaßung entspringt und jeder, der pädagogisch ausgebildet ist, wüsste, mit wieviele Fragezeichen jedes Sichtungsergebnis behaftet bliebe, dh in Klartext: es kann gar nicht kindgerecht o. fair sein. Daher muss ein darauf zentral aufgebautes Selektionssystem relativer Unsinn sein, pädagogisch. In Wahrheit ist es eine aktualitätsgetriebene Leistungsschau, keine Talentsichtung und das langfristige Basisinteresse eben stark durch Ehrgeiz der Erwachsenen oder monetär geprägt, zum Schaden der wahren Talente als bloßer verborgener Potentiale. Fürs einzelne Kind hat dies uU dramatische Folgen, die aber in geldbestimmten Strukturen nicht auffallen o. eine große Rolle spielen dürfen...

    @FB: Kinder wollen eben nur Sport betreiben, dh. gewinnen. Wie wissen sie nicht. Denn unser Selbst-Bewusstsein existiert im Werden, ist im Kind kaum ausgebildet, zweckpragmatisch planen für sie kaum denkmöglich. Doch dies ist keine Dummheit, vielmehr Offenheit. Kinder sind Suchende u. Trainer haben von ihnen zu lernen, was geht, sie wollen o. auch ihnen Ziele zu vermitteln: aber etwa per faszinierendem Vorführen von Tricks, zu denen dann, wenn der Impuls fruchtet, Wege aufgezeigt werden können, um es mal simpel zu sagen. Zutexten lähmt, macht passiv, nervt Kinder. Dies versteht aber nur ein Pädagoge u. der, der sich nie damit beschäftigte, will es dann einfach körperhaft "eintrainieren/schleifen", beleidigt dabei den Geist des Kindes. Dieser Usus alter Schule wirkt dann auf dessen Kreativität als bloßer Option fatal erstickend, da Kinder eben kein widersprechen könnender Counterpart Erwachsener sind. Daher ist es riskant, Kindern seine Ziele eingeben zu wollen: man kann nur "begeisternde" Angebote präsentieren, die freiwillig angenommen werden können, zT erst von wenigen, dann folgen andere, sofern jene die anerkannten Leader der peer group sind - oder eben auch nicht, meine ich. Was Trainer "sagen", interessiert Kinder aber nie wirklich, Ansprachen lassen sie nur widerwillig über sich ergehen, da deren Welt nie ihre sein kann und wird. Ein guter Trainer redet nicht viel, er handelt vorbildhaft und überzeugt als Person. Dafür ist zu werben, denn er ist selten.

    Karl: Zunächst einmal würde ich konzeptionell die Ansprüche der Umfelder mit den eigenen Zielen "hypothetisch" abgleichen, da man nicht für sich allein topdown entscheiden sollte. So würde ich als erstes versuchen, das LZ in ein Förderzentrum umzuwandeln, da dies die Arbeitsstrukturen nach sich zieht. Steht Fördern im Fokus, könnte man sich vom Herrschaftswissen u. Besitzdenken lösen. Sichter wären zu verabschieden; wer sich als Forscher am Kinde versteht, kann nur im Ungewissen spekulieren. Daher würden jahrgangsjüngere Talente auf längere Dauer zu vereinsoffenen Fördertrainings wie deren Trainer zum Essen im privaten Kreis einladen, um Vertrauen wie Bereitschaft zu schaffen, die Kindesentwicklung obenan zu stellen. Sie gehören zuerst sich selbst, es wird nichts abgefordert o. fremdbestimmt. Alle Vereine der stets freiwillig aus intrinsischer Eigenmotivation teilnehmenden Spieler würden als kooperative Förder-Partner und Vorreiter des neuen Umgangs miteinander gewürdigt.


    Natürlich würde dann keine U12 besetzt werden, sondern aufs Abwerben verzichtet: die Spieler verblieben in ihren Heimteams und würde nur ähnlich wie in Stützpunkt u. Auswahl zusätzlich stimuliert, sich selbst zu besiegen, dh in ihrem Leistungsvermögen zu überschreiten. Dabei würde auf den Spieltrieb in einer Form gesetzt, die eine Art neue Bunte Liga für Kids aufbauen würde, zunächst, indem in ähnlicher Weise wie zB beim Nordcup in Nds/HB/HH regelmäßig kleine Miniturniere veranstaltet würden, die dann zusammengefasst würden, nicht um groß Meister zu küren, sondern eher als Kontrollgruppe. Ob zur "Besetzung" der Teamteilnehmer gesichtet würde, könnte ich aktuell nicht sagen, da sich zunächst die Talente selbst aufstellen müssten. Erst bei Überhängen könnte uU eine Fremdauswahl erfolgen, sofern interne Punktsysteme nicht greifen würden: hierbei würden ähnlich wie beim Fußballabzeichen zunächst Punkte als Anhalt objektiv u. unabhängig von jedem fremden Blick gesammelt, dann nach Spielen jeder Teilnehmer 3 anderen Spielern jeweils 1 bis 3 Punkte zuordnen. So entstünde ein von unten selbstbestimmtes System der Selbstauswahl.


    Die methodischen Prinzipien werden hoffentlich erahnbar, auch wenn sie extrem ungewohnt erscheinen, uU verstören u. verwirren, da Trainer/Sichter/Scout zunächst völlig überflüssig zu werden drohen. Aktuell wurde in einem der hiesigen LZ im Jahrgang unseres Ältesten zB während der Hinserie bereits 5 neue Spieler "eingeworben", nachher nochmal einige. Der Ex-Trainer äußerte sich grad heute entsetzt, wie das einst intakte Team im Geist jedes einzelnen Spielers zerschlagen wird. So kommen auf Dauer nur die psychisch Robustesten durch, man könnte auch sagen die durchsetzungsfähigsten Sturköpfe, was dann Spielkultur im Keim erdrücken dürfte. Viele LZ-Trainer scheinen ihre Arbeit ja mehr im begierigen Anwerben der beim kontingenten Sichten scheinbar besten Spieler von außerhalb denn im Trainieren der mangelbehafteten eigenen Spieler zu sehen. Davon müsste man wieder wegkommen.


    Erst die jahrgangsälteren Jugendklassen U13, U15 u. U17 würden übers virtuelle Existieren hinaus als eigene Teams gemeldet, möglichst über Zweit- o. Gastspielrechte, die mit dem Verband zu verhandeln wären: auch hier könnte man uU Überzeugungsarbeit leisten, so dass die Spieler zum einen dem LZ, zum anderem ihrem Heimverein zugehören könnten, da dies pädagogisch am zielführendsten wäre: jedes Scheitern bliebe auf den LZ-Status, nicht aber Chancen beschränkt. Das mag zu komplex erscheinen, wäre aber den Versuch wert, da so Zukunft generiert werden könnte. Deine Frage wäre sodann also zu verneinen: ich würde gar nicht auswählen o. besichtigen, das Team erwählt u. erlebt sich je selbst nach dem angedeuteten Schlüssel. Im Prinzip ist jede Aufstellung wie im großen Fußball flexibel veränderbar, ohne dass dies dramatisiert würde: Keiner müsste das Team wg Formschwankungen verlassen, da die Trainings für jeden offen blieben, insofern das Benehmen teamkonform wäre. Jeder lernt nur eine flexible, im Geist beweglichere, dynamische Person zu werden: der Verlust von Position o. Stammplatz ist kein Niedergang, nur temporärer Wechsel. Jeder darf dabei sich und andere herausfordern, indem er dem Koordinator u. Mediator Unzufriedenheit offen mitteilt, lernt dann Realismus vs Selbstüberschätzung. Inwiefern Eltern für zu gehemmte Kinder deren Stimme vertreten, wäre zu prüfen. Selbstredend kann man alles hier nur kurz andenken/deuten u. es muss für den utopisch wirken, der experimentell nicht mitgehen mag, da dies sicher aktuell ganz unumsetzbar ist.