Ich muss TW-Traienr Recht geben.
Der Damen- und Mädchenbereich ist jünger. In unserem Vereins stieß ich nur ein Jahr nach der Gründung der Damenmannschaft zum Team und übernahm dann dort auch schnell ehrenamtliche Aufgaben. Nach vier Jahren wurde ich mit 19 Jahren zum Kapitän und übernahm in diesem Zug mehr Aufgaben. Einige Jahre später nahm ich die Gründung eines Mädchenteams in Angriff, denn es war uns klar, dass wir die Damenmannschaft auf lange Zeit nur erhalten würden, wenn der Unterbau da wäre. Davor hatten wir immer vom Nachwuchs eines Nachbarvereines gelebt, der kein Damenteam hatte. Doch als da auch das Mädchenteam abgemeldet wurde, war mir klar, dass wir handeln mussten. Zu groß war das Damenteamsterben außen herum. Wir haben dann mit elf Mädels ein B-Mädchenteam Kleinfeld gegründet und den Spielbetrieb aufgenommen. Ich habe das Team trainiert, unterstützt von zwei weiteren Spielerinnen. Alle drei haben wir auch in den Damen gespielt. Wir hatten lange nur dieses eine Team. Es dauerte zwei Jahre bis die ersten in die Damen kamen. Beide Teams hatten immer knapp Spieler. Eine Damensaison haben wir mit sechs "festen" Spielerinnen gespielt. Den Rest mussten wir von Spieltag zu Spieltag auftreiben. Man muss auch noch dazusagen, dass ich in dem Jahr als die Mädchen den Spielbetrieb aufnahmen ein höherklassiges Angebot hatte. Ich wollte es annehmen, da ich einen riesen Ehrgeiz hatte und mich die Personalknappheit und der spärliche Trainingsbesuch mehr als genervt hat. Ich hab mich damals erst am letzten Tag entschieden, dass ich bei meinem Heimatverein bleibe. Weil ich es nicht übers Herz brachte mit meinem Weggang das Damenteam aufzulösen. Hört sich jetzt blöd an, aber das wäre passiert. Ich konnte dies nicht, weil ich ja frisch die Mädchen aus der Taufe gehoben hatte. Langsam stabilsierte sich die Zahl der Damenspielerinnen, auch durch den neuen Nachwuchs. Dann hatten wir im Mädchenteam vier Spielerinnen aus der nächsten Stadt, also wenig Vereinsverbundenheit. Sie spielten halt bei uns. Diese Mädchen waren echt grottenschlechter Spielerinnen, kamen selten ins Training. Zur gleichen Zeit fingen vier 12jährige an. Jetzt war es ein leichtes für die Älteren ihre schlechte Leistung auf die Kleinen zu schieben. Ich hielt zu den Kleinen, eine Rädelsführerin der Großen brachte das ganze Team gegen mich auf. Dann wurde mir mitgeteilt, dass alle (bis auf die Kleinen und zwei Einheimische) wechseln würden und schon einen neuen Trainer und einen neuen Verein gefunden hatten. Da stand ich dann da. Letzten Endes war es das beste was passieren konnte. Diese Spielerinnen hatten anscheinend durch ihre Unbeliebtheit (was ich niemals erfahren hatte) einige andere davon abgehalten bei uns zu kicken. Bis ich schaute hatten wir wieder ein komplettes Team, sogar mit lauter begabten Leuten. Diese Mannschaft, die sich damals fand, stellt noch heute die Kerntruppe unsere Damen dar. Der Aufbau der Mädchen ging weiter. Durch ein Schnuppertraining konnten wir zwei neuen Kleinfeldteams melden. Wir schafften das Jahr darauf erstmalig ne Großfeldmannschaft zu melden. Usw.
Worauf ich nach diesem langen Text herauswill....ich war von Anfang an Wegbegleiter und stand der ganzen Sache irgendwie vor...deshalb konnte ich das Ganze von Anfang an steuern und musste gegen keine alten Strukturen kämpfen. Was entstand ist ein Modell, was bei uns funktioniert.
In zwei/drei Jahren werde ich wohl in den Jungsbereich wechseln (weil mein Sohn dann in dem Alter ist). Ich werde auch hier von unten herauf meine Ideen einbringen und versuchen die Leute Stück für Stück wieder an das Ehrenamt heranzuführen. Dazu zählen für mich auch die Eltern. Mal schauen. Ich bin überzeugt es ist zu schaffen, wenn man die richtigen Anreize setzt. Die Leute müssen sehen, dass es sich lohnt etwas zu tun, dann tun sie es auch.
Andre, auch wenn ich im Mädchenbereich unterwegs bin, ist bei den Jungs gleiches möglich. Ich kann schon über den Tellerrand heraussehen, war schließlich auch einige Zeit Jugendleiterin des Vereins. Bei uns in der Gegend gibt es viele Vereine, deren Mitglieder für ihren Verein alles tun (natürlich nicht alle Mitglieder, aber doch einige). Es gibt aber auch einen Stadtverein, der immer auf bezahlte Spieler und Trainer gesetzt hat und Sponsoren hatte, von denen wir im Umland nur träumen konnten, Jugendarbeit war unwichtig usw. Diese haben ein Einzugsgebiet von 20.000 Leute und bringen nichts auf die Füße und im Umland läuft es. Komisch. Mit dem Einsatz von Geld setzt man wie im Profibereich eine Spirale nach oben in Gang. Wer einmal Geld bekommt, wird nichts mehr ohne machen. Er will höchstens immer mehr. Und wenn er es in diesem Verein nicht bekommt, geht er in den nächsten.
Warum predigen die Verbände, dass wir das Ehrenamt wieder stärken müssen? Warum wird die neue Position des Ehrenamtbeauftragten in den Vereinen eingeführt, der sich nur um die Ehrenamtliche kümmert? Weil hier die Lösung liegt. Es gibt eine Grenze zwische Breitensport und Leistungssport. Wenn ich Geld will und gut binund mehr erreichen will, dann suche ich mir den passenden Verein dazu, so wie etwa TW-Trainer. Das ist richtig und wichtig, denn es muss auch die Spitze geben, die einfach besser ist wie der Rest. Aber es muss auch den Breitensportverein geben. Und genauso, wie der dicke Paule das Recht hat Fußball zu spielen, muss auch der Vatertrainer der Spaß am Trainerdasein hat, die Möglichkeit haben ne Mannschaft zu trainieren, sofern er menschlich gut zu den Jungs ist.
Mei Co-Trainer ist nicht der fitteste was Fußball betrifft. Aber die Mädels mögen in trotzdem, weil er ein netter Kerl ist. Was macht es da, wenn er ihnen die Viererkette nicht im Detail erklären kann. Dafür bin ja ich da.
Für den Co unserer B-Jugend (männlich) gilt das gleiche. Aber er ist für die Jungs ne verdammt coole Socke, weil es einfach auf der Bundesstraße wendet, weil jemand den daheim seine Fußballschuhe liegen gelassen hat. Und weil er verdammt gut Steaksemmeln grillen kann. Die Jungs strömen ins Training, spielen aufgrund Personalmangel sogar aushilfsweise in der A und oft zweimal am Wochenende. Alle haben ihren Spaß. Stell nen geschulten, supertollen Trainer hin, der trainingstechnisch alles richtig macht, sich taktisch voll auskennt. Spricht der diese Jungs an? Weiß nicht.
Wir können Geld ohne Ende in den Sport pumpen, Konzepte entwerfen, super Ideen haben...ich bezweifle, dass im Breitensport das die meisten kapieren. Darum hat für mich das Konzept im Breitensport keine Zukunft.Ich habe zu viele negative Beispiele gesehen. Wir hatten vor einige Zeit zwei A-Jugendtrainer, die beide schon erste Herrenmannschaften trainiert hatten. Für die A-Jugend mit Sicherheit fachlich top. Nur haben diese beiden keinen Zugang zu den Jungs gefunden und nach nem halben Jahr hingeworfen. Mannschaft sei nicht trainierbar. Ohne Scherz - danach wurde ich von der Mannschaft als Frau gefragt, ob ich sie nicht trainieren wolle, weil sie mitgekriegt hatten, was bei den Mädels abgeht. Diesen Jungs geht es nicht um Trainerfachwissen, um Ausbildungskonzepte usw. Diese sind Laien, Amateure, die finden immer noch Flankentraining am geilsten und nicht das defensive 1:1. Es ist halt einfach so. Udn warum sollte ich da Geld reinstecken.