So, ich antworte mal, ohne Steinis zweiten Beitrag gelesen zu haben, sonst würde er mich wahrscheinlich zu sehr beeinflussen.
Danke für deine Antwort, tobn. Ich denke der Vergleich zum Handball ist passend. Eine Mami, deren größerer Sohn Handball spielt, hat mir schon zu Bambini-Zeiten von den kindgerechten Ansätzen im Kinderhandball berichtet. Sie scheinen da etwas weiter als im Fussball zu sein...
Ja, mir kommt das so vor. Allerdings gibt es da bei uns auch die Kreisebene nicht, sondern unterhalb des Landesverbandes 'nur' die Region. So lassen sich Neuerungen und Reformen vielleicht viel leichter (um es in den Worten von Judith Holofernes zu sagen) durchsetzen. Ich finde einige ihrer Ideen jedenfalls durchaus auch für den Fußball interessant.
Zurück zu den Kindern: Wir haben im ersten F-Jugend-Jahr oft 3-2-1 gespielt und den offensiven Spielern alle Freiheiten gegeben. Diese Grundaufstellung war im Zentrum sehr präsent und wir erzeugen eine große Kompaktheit gegen den Ball.
Klar, mit drei Mann im Zentrum plus zwei seitlichen Verteidigern steht man sehr stabil. Ich würde dennoch das Spiel in zwei Dreierreihen bevorzugen, und dann im Spiel nach Reihen wechseln, so wie es Andre vor ein paar Jahren ursprünglich beschrieb, d.h. eine Reihe ist draußen, eine weitere bildet die hintere, die letzte die vordere Reihe. Nach einem Drittel der Spielzeit wechselt man die vordere Reihe aus, die hintere rückt nach vorne und die neu ins Spiel kommende Reihe bildet die hintere. Bei Ballverlust sollen alle Spieler hinter den Ball kommen und diejenigen Spieler, die dem ballführenden Gegner am nächsten sind, sollen diesen angreifen. Überspielte Spieler sollen immer versuchen, wieder hinter den Ball zu kommen. Das wars dann, was die defensive Taktik anbelangt.
Die Räume auf den offensiven Flügel sollten situativ von den defensiven Außen und dem Stürmer bespielt werden. Dadurch haben wir den Kindern immer die Möglichkeit gegeben kreativ zu werden. Ich war sehr überzeugt, von den spielerischen Ansätzen, die sich daraus ergeben haben. Egal ob wir breit von hinten aufgebaut oder schnell umgeschaltet haben, die Kinder spielten ohne viel Coaching schon attraktiven, mannschaftsdienlichen und flexiblen Fussball.
OK... Wenn es um eine F geht, beinhaltet mir das fast schon zu viel mannschaftstaktisches Denken mit individuellen Aufgaben für die verschiedenen Positionen. Da wünsche ich mir eigentlich eher, dass ich lauter kleine Messis oder Götzes auf dem Platz habe, anstatt Oczipkas (reiner AV), Subotics (reiner IV), Kießlings (reiner MS) usw. Du schreibst ja davon, dass Ihr flexibel gespielt habt, außerdem kenne ich ja deine Vergangenheit, insofern denke ich, dass wir hier nicht im Widerspruch stehen. Wie in meiner Antwort auf deine Eingangsfrage geschrieben, würde ich versuchen, die Lehren aus dem Minifußball aufs größere Spiel zu übertragen. Da wünsche ich mir im Angriff, dass sobald der Gegner sich sortiert hat und nicht oder nicht mehr zügig eine Überzahlsituation ausgespielt werden kann, die angreifenden Spieler ihre Positionen verlassen und durcheinander laufen, sowohl um freie Räume zu suchen, den Mitspielern Räume zu schaffen (die Idee dahinter dürfte allerdings F-linge überfordern, daher würde ich diesen Aspekt wohl eher nicht mit ihnen besprechen) und die gegnerischen Spieler zu irritieren und es ihnen schwer zu machen.
Mittlerweile covern die Kinder und die Gegner aber so schnell große Räume, dass diese Grundaufstellung und die ballorientierte, instinktive Spielweise nicht mehr funktioniert. Gegen schwächere Gegner drücken wir den Gegner in die eigene Hälfte und stehen uns fast auf den Füßen. Selbst die Abwehrspieler zieht es in diese Räume, so dass Kombinationen kaum möglich sind.
Mich würde jetzt echt mal interessieren, ob du im Training Minifußball spielen lässt. Durch das Vorhandensein von zwei Toren kann man den Kids da recht gut deutlich machen, dass es oft zielführender ist, wenn man sich nicht auch noch in den Pulk schmeißt, sondern sich zur Seite absetzt. Das Anbieten für den Rückpass sowie das Spiel hinten rum könnte man bestimmt auch erarbeiten und über entsprechende Spielformen fördern. Das, was mir dazu gerade durch den Kopf geht, wäre aber eher etwas für eine E...
Gegen gleichstarke Gegner werden die Spiele meist sehr hektisch und zerfahren. Der Ballbesitz wechselt oft sekündlich, weil in Ballnähe sehr viele Spieler sind. Wenn der Ball im Spielaufbau flach auf die defensiven Außen gespielt wird, fehlen die Verbindungen und Kombinationspartner, weil die drei offensiven Spieler zu schnell die hohen Räume anvisieren und auf lange Pässe, Abschläge und Zufallsbälle zocken. Wenn der Ball durchs Zentrum gespielt oder dort gewonnen wird, fehlen die breiten Anspielstationen.
Kurzum: Es fehlt an Struktur und Ordnung. Es gibt zu viel Freiheiten.
Nein, das sehe ich nicht so. Sicher, bei älteren Spielern oder Erwachsenen würde man mehr Struktur sehen. Bei weniger guten Teams auch mehr Ordnung im Sinne von relativ starren Positionen. Bei richtig guten Teams allerdings käme die Struktur dadurch, dass sämtliche Spieler sich intelligent dorthin bewegen, wo sie am ehesten gebraucht werden. Sprich, ich meine, man sollte nun ganz besonders die Spielintelligenz deiner Spieler fördern. Mehr Ordnung im Sinne von klarer umrissenen Aufgaben für die verschiedenen Positionen wären da, meiner Ansicht nach, eher kontraproduktiv.
Ein ähnliches Problem hatten wir übrigens auch zum Ende der Bambini-Zeit. Damals haben wir vom freien Spiel aufs Positionspiel umgestellt und einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Auch jetzt habe ich das Gefühl, dass die Jungs ein wenig "eingefangen" werden müssen, vor allem auch um selber wieder besser zur Entfaltung kommen zu können. Wir müssen einfach dazu kommen, das Spielfeld in all seinen Dimensionen konsequent zu nutzen, gerade auch weil wir langsam aus dem F-Jugend-Feld "rauswachsen".
Vielleicht hast du auch Recht und es kann nicht so klappen, wie ich es mir vorstelle und wünsche. Aber anstelle von Quadranten und festen Positionsrollen, welche die Kinder in ihrer Entwicklung einschränken, so zumindest meine Befürchtung, würde ich halt versuchen, stattdessen ihre Spielintelligenz zu fördern. Dafür sind Spielformen in Kleinstmannschaften ja besonders geeignet. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es Kindern schwer fällt, die dort gemachten Erfahrungen auf das größere Spiel zu übertragen. Ich hoffe, dass das bei meinem Team auch daran lag, dass ich erst im zweiten E-Jugendjahr so richtig auf den Minifußballtrichter kam und meine Spieler daher leider schon viel umfangreichere Erfahrungen im größeren Spiel gemacht hatten. Ich würde also im Training versuchen, häufig in Dreierteams spielen zu lassen, und dann auch mal gegen Ende des Trainings auf Sechsermannschaften plus oder ohne Torwart zu erweitern, um die Übertragung zu ermöglichen. Dabei würde ich mal die Bildung von Teilfeldern und Beschränkungen derer Durchlässigkeit erproben, es also auch mal so handhaben, wie es im Handball gemacht wird. Wenn das Prinzip verstanden ist, könnte man dann ja die Regeln erweitern, also z.B. einen oder zwei Spieler die Grenze überqueren lassen, das Feld dritteln anstatt es zu halbieren, etc. Auch bei den von Horst Wein vorgestellten Minifußballspielformen gibt es ja ähnliche Regeln, sie sollten den Kids also grundsätzlich schon bekannt sein.
Ich sehe bei der Definition von verschiedenen Positionen mit dedizierten Aufgaben im F- und E-Bereich die große Gefahr, dass die Kinder sich spezialisieren bzw. sich zu starr an die Position halten. Dadurch sinkt langfristig die Flexibilität erheblich.