Du hast die Antwort mittlerweile ja selbst gegeben, thomasg: In diesem Fall wäre es wohl besser gewesen, auf die EInhaltung der Regel zu pochen und das Gesuch höflich abzulehnen. Dazu führe ich weiter unten die Gründe auf.
Wir sind mit den B-Juniorinnen jetzt im ersten Jahr auf Neunerfeld von Grundlinie bis 16'er unterwegs.
Hierzu eine Frage: wie sieht das Feld genau aus, wie ist es bemessen? Das D9-Feld des DFB geht ja in der Länge (also das Maß zwischen den Toren) von 16er zu 16er und soll in der Breite ca. 50 m betragen (also auf der FIFA-Normbreite von 68 m auf beiden Seiten 9 m eingerückt). Bei dir klingt es so, als stünde ein Tor auf der Torlinie des Großfelds und nur das andere auf der gegenüberliegenden 16er-Linie.
Am Wochenende hatte ich gegen eine der traditionell besseren Mannschaften des Kreises (im Mädchenbereich kennt man sich im Laufe der Jahre) 12 Mädchen zur Verfügung, davon 4 älterer Jahrgang und 8 jüngerer Jahrgang.
Wenn die Gegner "traditionell besser" sind, dann spielen für sie traditionell vermutlich auch Ergebnisse eine recht hohe Rolle. Das ist eine der Voraussetzungen. Die zweite ist, dass du selbst zwölf Spielerinnen zur Verfügung hast.
Zulässig sind insgesamt 15 Spielerinnen, es darf beliebig ein- und ausgewechselt werden.
Das sind schon zwei mehr als bei uns (Hessen) im D9 erlaubt sind. Im Sinne der Spieler, speziell dass sie die Spielzeit betreffend auf ihre Kosten kommen, würde ich mit aber da schon überlegen, ob ich diese Grenze ausreize. Mir ist es wichtig, dass alle Spieler, die ich dabei habe, auch wirklich zum Zuge kommen. Bei acht Feldspielerinnen und einem Kader von fünfzehn Spielerinnen (also vierzehn Feldspielerinnen), kommt man rein rechnerisch für jede Spielerin kaum über 50% Spielzeit, und dazu muss man bereits komplett gleichmäßig spielen lassen ( 8/(15-1) = 0,571 = 57,1% ). Und wenn man z.B. drei Schlüsselspielerinnen hat, die so ziemlich durchspielen, dann sieht die Quote für die anderen schon deutlich schlechter aus: 5 / (15-1-3) = 45,4%
Eine Überschreitung der maximal zulässigen Spielerzahl kann im Jugendbereich, wo man in fast allen Fällen beliebig aus- und wieder einwechseln kann, nie damit begründet werden, man wolle seine Spieler mehr spielen lassen. Man lässt vielleicht mehr Spieler aufs Feld, aber dafür spielen sie dann dort weniger.
Ich weiß übrigens nicht, wie es Euch geht, aber ich selbst sitze nur ungern auf der Bank und habe das auch noch nie gemocht. In den AH-Freundschaftskicks, die ich selbst ja nur noch bestreite, gehe ich selbstverständlich auch auf die Bank, damit alle, die gekommen sind, auch spielen können. Aber auch da fiebere ich innerlich der Wiedereinwechslung entgegen. Ich finde, so sollte es auch sein, das wünsche ich mir auch von meinen Spielern. Deshalb nehme ich keinesfalls zu viele Spieler mit, lieber beschränke ich mich sogar etwas mehr, damit dann aber der einzelne Spieler mehr zum Zuge kommt.
Vor dem Spiel sprach mich die Trainerin der Gegenmannschaft an, ob sie mehr als 15 Spielerinnen einsetzen darf. Sie hätte ein paar Spielerinnen aus der C-Jugend zur Verstärkung dabei, weil einige ihrer B-Mädchen gesundheitliche Probleme haben. Der Schiedsrichter hätte nichts dagegen, sofern ich zustimme, das könnten wir unter uns regeln.
Zurück zu deinem Fall: der Gegner hat mehr als fünfzehn Spielerinnen, du hingegen zwölf. Hallo? Und dann noch eine "traditionell bessere" Mannschaft. Jemand zu Hause, McFly? Nix, ablehnen, was soll der Quatsch? Bei gesundheitlichen Problemen soll sie die betroffenen Spielerinnen zu Hause lassen, um sich auszukurieren. Oder es halt riskieren. Sie hat sechs Auswechselspielerinnen, das sind, den Torwart ausgenommen, drei Viertel der Mannschaft. Das muss doch reichen.
Ich behaupte: die gegnerische Trainerin möchte sich alle Möglichkeiten offen halten. Das erinnert mich ein wenig an diese Episode aus der heute-show (zum damals noch drohenden Brexit).
In meiner Gutmütigkeit habe ich sofort zugestimmt, obwohl auch bei meinem 12 Spielerinnen einige mit Problemen zu kämpfen hatten was ich zu diesem Zeitpunkt auch wusste.
Tja, und darüber ärgerst du dich jetzt wahrscheinlich. Leider zu Recht, das war ein Fehler, als solchen würde ich ihn auch verbuchen. Aber das ist nicht schlimm, Fehler gehören dazu, man muss nur aus ihnen lernen, damit man sie nicht wiederholt.
Jetzt meine Frage: Wie verhaltet ihr euch in solchen Situationen ?
Ich bin vom Grundgemüt her ähnlich wie du, also erst einmal gutmütig und offen. Das hat in der Vergangenheit auch schon das eine oder andere mal dazu geführt, dass ich in einen Vorschlag des Gegners eingewilligt habe und mich im Nachhinein darüber geärgert und meine Lehre daraus gezogen habe. Diese ist übrigens keinesfalls, dass man auf keine Vorschläge oder Bitten des Gegners eingehen sollte. Nein, damit würde man das Kind mit dem Bade ausschütten. Es geht vielmehr darum, dass man lernt, die Gesamtsituation in all ihren Facetten zu erfassen und eigene Überzeugungen zu entwickeln, die man immer weiter verfeinert, um dann eine fundierte und nachvollziehbare Entscheidung treffen zu können.
War das von mir das immer eingeforderte sportliche Fairplay oder bin ich der gutmütige Depp der die Chancen seiner Mannschaft fahrlässig verringert hat?
Du bist hier sicher über das Maß des Fairplay hinaus gegangen. Man darf Fairplay nicht damit verwechseln, dass man dem Gegner alles zugesteht und selbst nichts für sich beansprucht (oder deutlich weniger). Ein Spiel ist vielmehr fair, wenn beide Seiten denselben Regeln unterworden sind. Hier hat eine Partei einseitig einen Vorteil von der Aussetzung einer Regel gehabt. Der Fairplay-Gedanke spielt in diesem Zusammenhang aber keine Rolle.
Ich sehe die Sache etwas anders.
Wo liegt das Problem, wenn mehr Spielerinnen eingesetzt werden?
Da gibt es mehrere Probleme:
- Wo die Kondition eine Rolle spielt, hat die Mannschaft, die mehr Spielerinnen zur Verfügung hat, einen Vorteil.
- Wenn sich viele Spielerinnen die Spielzeit teilen müssen, spielt die einzelne Spielerin weniger lang.
- Das kann soweit gehen, dass einige Spielerinnen überhaupt nicht eingesetzt werden.
Ich selber war auch schon mehrmals in der Situation, mehr als die erlaubten 12 Kinder eingesetzt zu haben. Und ich war jedes Mal froh, dass der Gegner zugestimmt hat.
Wieso wolltest du denn mehr Spieler einsetzen als erlaubt? Ich selbst finde vielmehr, dass das Maximalkontingent für meine Geschmack zu hoch ist und schöpfe es in der Regel bewusst nicht aus.