Schade, dass der Beitrag von Sir Alex, den ich leider erst mit einem Tag Verspätung lesen kann, nicht so viel Beachtung fand, wie Steini finde ich ihn nämlich sehr gut, und auch aus dem Breitensport kann ich seine Beobachtungen und Thesen bestätigen. Bei uns war es so, dass in der F, ich bin mir zwar nicht mehr sicher in welchem, tendiere aber zum Ende des ersten Jahres, die Mannschaft des Nachbarorts alle anderen Teams in der Gruppe hoch besiegte, eben indem sie ein Passspiel aufzog. Das klappte auch gegen uns hervorragend: unsere Spieler rannten quasi immer von Mann zu Mann, aber der Ball war ja natürlich schneller und trotz aufopferungsvollem Kampf war dann halt immer wieder ein gegnerischer Spieler frei vor dem Tor und schob ein. Für unerfahrene Zuschauer, zu denen damals ich auch noch zählte, sah das sehr beeindruckend aus.
Nun, ein oder zwei Jahre später war es mit der Herrlichkeit aber schon wieder vorbei, diese zuvor so überragende Mannschaft war nur noch im Mittelfeld zu finden, eine unter vielen grauen Mäusen. Dieser Wandel hat mich so sehr gewundert, dass ich schon dachte, dass sich ihre Zusammensetzung geändert hätte, was aber, wie mir auf Anfrage berichtet wurde, nicht der Fall war. Als wir dann gegen sie spielte, meinte ich, den Grund heraus gefunden zu haben: unser Team war an Erfahrungen reicher geworden und hatte im Defensivverhalten zugelegt, d.h. sie standen kompakter und konnten die Gegenspieler schneller und geschickter unter Druck setzen, wenn sie in Ballbesitz kamen. Und da zeigte sich dann, dass diese Spieler sich eben sehr schwer damit taten, im 1:1 den Ball zu behaupten. Ich würde im Nachhinein behaupten, dass dort zu früh der Fokus auf das Passspiel gesetzt wurde und zu wenig Ballbehandlung und Dribbling thematisiert wurde.
Einmal spielten wir auch gegen die jahrgangsgleiche Mannschaft von Eintracht Frankfurt. Da ich allen unseren Spielern die Gelegenheit geben wollte, an diesem Highlight teilzunehmen, und die Spieler der SGE eben das von Sir Alex beobachtete Passspiel aufzogen, war das Ergebnis am Ende mit 17:0 übderdeutlich, spiegelte aber das tatsächliche Spielgeschehen nicht wirklich wieder. Natürlich war die Eintracht uns hoch überlegen, aber es war halt, wie von Sir Alex beschrieben: sie hatten es gegen uns insofern mit dem Toreschießen leicht, dass es ihnen alleine dadurch, dass sie den Ball laufen ließen, gelang, einen Spieler im torgefährlichen Bereich frei zu spielen. Schafften es unsere Spieler aber mal, ihre Gegner in Zweikämpfe zu verwickeln, so zeigte sich, dass der Unterschied in der eigentlichen spielerischen Klasse deutlich geringer war als es das Spielergebnis vermuten lässt. Ich behaupte auch nach wie vor, dass die stärksten vier, fünf unserer Spieler sich vor ihren Gegnern an diesem Tag nicht zu verstecken brauchten. Sie standen aber nie alle gemeinsam auf dem Platz, und selbst wenn sie es getan hätten, so hätten die ein oder zwei (demgegenüber) schwächeren Spieler dem Gegner gereicht, um uns trotzdem scheinbar vorzuführen. Ich hoffe, Ihr interpretiert meine Aussagen jetzt nicht falsch, ich habe überhaupt kein Problem damit, in diesem Spiel so deutlich verloren zu haben, ich muss den Gegner nicht schlecht reden, um mein Gesicht als Trainer zu wahren. Nein, mir geht es darum, dass man genauer hinsehen muss, als es viele tun.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es völlig normal ist, wenn Kinder im F-Alter noch sehr egozentrisch sind. Man beachte den Unterschied zu egoistisch. Ich finde es auch positiv, wenn sich die Kinder ins Dribbling und den offensiven Zweikampf trauen, das spricht für ein gesundes Selbstbewusstsein und dafür, dass sie die Inititative ergreifen und dem Spiel auch ihren Stempel aufdrücken wollen. Das ist für mich erklärtes Ziel, ich möchte, dass jeder meiner Spieler gerne in Ballbesitz ist. Ist das der Fall, so geht es dann neben der Vermittlung der technischen Fähigkeiten sowohl im Dribbling wie im Passen, in der Folge um die Spielintelligenz, d.h. darum, zu entscheiden, wann welche der zur Verfügung stehenden Optionen die beste ist. Mal ist das das Dribbling, mal der Pass, manchmal auch der Abbruch der Offensivaktion, obwohl man letzteres Kindern wohl nur ganz schwer begreiflich machen kann und es daher in vielen Fällen gar nicht erst versuchen sollte. Ich habe vor, unseren noch jungen F-lingen das Zusammenspiel zunächst aber nur in sehr kleinen Gruppen, also im ersten Schritt Pärchen, beizubringen, später wird dann die Dreiergruppe daraus. Ich bin mal gespannt, ob und wie das klappt, aber eigentlich recht zuversichtlich.
Noch was: wenn Spieler ihren Mitspielern den Ball abnehmen, so geht das gar nicht. Darüber herrscht hier mittlerweile ja Konsens. Ich werde auch versuchen, unseren F-lingen zu vermitteln, dass man nicht im Weg des ballführenden Mitspielers stehen bleibt, sondern ihm pronto Platz machen sollte.