in einem Jahr, 1 Halbzeit im Tor. Erklär mir mal bitte was diese 1 Halbzeit dem Jungen in seiner Entwicklung gebracht hat. hatte er die Chance zu erfahren, dass er eigendlich ein besserer TW wie Feldspieler wäre? Hat er in dieser 1 Halbzeit gelernt, wie man sich als TW verhalten soll?
Das war in einem Pflichtspiel. Im Training war jeder Spieler immer mal wieder im Tor, da haben wir rotiert wie auf allen anderen Positionen auch. Es ging mir dabei, dass jeder Spieler auch in einem Pflichtspiel im Tor gestanden haben sollte, auch weniger darum, ihnen das Torwartspiel mit all seinen Facetten näher zu bringen, sondern eher um den mannschaftlichen Grundgedanken, dass da Einer für Alle und Alle für Einen spielen. So sollte jeder mal ins Tor gehen und so auch erleben, wie das ist, denn die Situation im Tor ist ja eine ganz eigene. Und da jeder wusste, wie es sich anfühlt, hatte ich auch kaum Schwierigkeiten damit, die Feldspieler dazu zu motivieren, ihrem Torhüter so gut zu helfen, wie sie nur konnten.
Es gab dann natürlich ein paar Spieler, die froh waren, die Geschichte hinter sich gebracht zu haben, gerade sie waren aber danach stolz wie Oskar. Es gab drei Spieler, die nach ihrem ersten Einsatz im Tor danach bereitwillig wieder rein gingen, und zwei, die sich im zweiten Durchgang freiwillig meldeten, aber auch wirklich freiwillig. Am Ende gab es nur zwei, die sich weiterhin sträubten, bei ihnen blieb es auch bei der einen Halbzeit. Und da hatte ich schon darauf geachtet, dass sie ihre Torhüterpartie gegen schwächere Gegner absolvierten.
aufs Spiel verlagert: was bringt einem Jungen wenn er 1 oder 2 Spiele in der Saison mal auf einer bestimmten Position mal spielt.
Wir reden hier vom 6+1 mit zwei Dreierreihen, da gibt es nicht so riesige Unterschiede. Es gibt vorne und hinten, außen und zentral. Also vier verschiedene Kombinationen. Und dann kommt noch die Spezialposition im Tor dazu.
von welcher Altersstufe, von welchem Leistungsstandstand schreibt eigendlich Coerver?
Wenn ich ihn richtig verstanden habe, fing er damals so in der G oder F an und begleitete sein Team ins Jugendalter. Ob seine Spieler nun vorab bereits alle überdurchschnittlich talentiert waren, kann ich nicht sagen. Meine, also die, von denen ich eben schrieb, waren sicher nicht Überflieger, da waren zwei dabei, die jetzt D-Juniorengruppenliga spielen, einer aber 'nur' Innenverteidiger, vom Stil her dort eher Ausputzer als Filigrantechniker, der andere war Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft, der in der D hauptsächlich im zentralen Mittelfeld spielt. Er hat aber, als einziger im jetzigen Team, schon auf fast allen Positionen gespielt, also neben dem ZDM auch als Zehner, Außenverteidiger, Flügel- und Mittelstürmer. Nur als Innenverteidiger und Torhüter ist er noch nicht aufgelaufen. Der Rest meines E1-Teams war höchstens durchschnittlich, am Ende der Saison sind wir folgerichtig auch im unteren Mittelfeld gelandet. Aber an der Rotation hat das garantiert nicht gelegen, in der damaligen Gruppe wären maximal zwei Plätze weiter vorne erreichbar gewesen.
es ist für mich ein Unterschied, ob ich die Rotation einführe, d.h. die Jungs mit den einzelnen Positionen richtig vertraut mache, oder ob sie die Rotation schon ausreichend kennengelernt haben, die einzelnen Positione dann vernünftig spielen können.
Wie gesagt, in der E sehe ich noch nicht so, dass man da schon die Aufgaben der Positionen so sehr ins Detail ausgearbeitet hat, dass es lange dauert, bis man sich mit ihr vertraut gemacht hat. Wenn es um Positionen geht, reden wir doch von Taktik. Und da ist im Kinderfußball noch nicht so richtig viel zu wollen. Da freue ich mich ehrlich schon riesig, wenn ein Großteil der Mannschaft auf Defensive umschaltet und sich bei eigenem Ballbesitz sinnvoll verhält. Was das ist, hängt vom Entwicklungsstand des einzelnen Spielers ab. Dabei ist es mir am wichtigsten, dass die Spieler lernen, die Gesamtsituation zu erfassen und daraus zu schließen, was sie selbst in diesem Moment am besten tun können. Mein Ziel ist es, dass sie versuchen, ein kleines bisschen in die Zukunft zu denken, und sich dann entsprechend zu verhalten. Dabei ist mir relativ schnurz, was z.B. ein Außenverteidiger generell so zu tun hat. Darauf können sie durchaus selbst kommen. Oder ich nutze mal eine entsprechende Situation, um einem Spieler eine mögliche Option aufzuzeigen, während das Spiel anderswo weiter läuft.
Ist letzteres gegeben, dann stimme ich Coerver zu, dann kann ich ständiger und schneller rotieren.
Nun, ich kann schlecht für ihn sprechen, ich schildere hier nur meinen Eindruck...
Für mich sind das aber 2 Dinge. Rotation um zu Lernen, und Rotation nach dem Gelernten.
Ja, da bin ich auch bei dir. Ich würde aber nach wie vor im Kinderbereich mit höherer Frequenz rotieren und auch noch nicht so richtig von Positionen sprechen. Mir schwebt da viel eher ein flexibles Spiel vor, in dem jeder Spieler auf jeder Position aushelfen kann. Quasi Horst Weins funino/Minifußball auf die doppelte Mannschaftsstärke vergrößert. In der E, spätestens im zweiten Jahr gibt es da, gerade in der Defensive, dann zwar schon auch den Aufruf nach einer gewissen Disziplin. Aber eben damit es nicht immer dieselben paar Spieler sind, denen mehr Disziplin und Zurückhaltung abverlangt wird, finde ich die Rotation wichtig.
Du hast die Rotation im Training zur Grundlage gemacht. Allein von der Zeit her, kann ich doch dort viel mehr vermitteln als in kurzen Spielzeiten.
Vollkommen richtig. Im Spiel ging es eher darum, jedem mal gerecht zu werden. Ich hatte eine recht offensivlastige Mannschaft, soll heißen, dass von den neun Spielern sieben eher offensiv gepolt waren. Drei waren auch neu im Team, sie blieben bei gegnerischem Ballbesitz erst einmal grundsätzlich in der gegnerischen Hälfte stehen -- das kennen vermutlich viele von Euch. Naja, und die anderen wollten halt auch lieber vorne als hinten spielen. Und der eine Defensive war eigentlich nur nicht so offensiv gepolt, weil er in F und junger E praktisch nur defensiv gespielt hat. Was meinst du, was der abging, als er dann sein erstes Tor schoss. Das ist übrigens der jetzige Innenverteidiger.
Es ist doch so: Kinder haben gerne Erfolgserlebnisse, sie tun am liebsten das, womit sie sich sicher fühlen. Ich habe es auch als meine Aufgabe als Trainer gesehen, ihnen neue Möglichkeiten zu eröffnen, sie dazu zu motivieren, auch neue Dinge auszuprobieren, Dinge, von denen sie glaubten, sie noch nicht so gut zu können. Und da durften sie selbstverständlich auch Fehler machen, das habe ich ihnen offen gesagt. Ich habe aber stets gefordert, dass sie sich anstrengen, so gut es geht. Wenn sie dann Fehler machen oder falsche Entscheidungen treffen, dann ist das kein Problem, sondern eine Erfahrung. Wenn sie wiederholt den selben Fehler machten, habe ich ihn thematisiert, oft im kurzen Einzelgespräch, seltener in der Gruppe.
Ich erlebe das Problem der fehlenden Rotation im Gruppenligateam meines Sohnes: da gibt es einige Spieler, die ihr bisheriges Vereinsfußballerleben nur offensiv oder defensiv gespielt haben. Das rächt sich jetzt, auch ein Flügelstürmer muss den Gegenspieler richtig anlaufen, um zumindest einen Passweg zu blockieren, und kann nicht frontal volle Lotte drauf gehen. Und ein Abwehrspieler muss auch mal einen gegnerischen Stürmer verladen können, weil es noch zwei Zehntelsekunden dauert, bis der Mitspieler sich frei gelaufen hat. Das fällt einigen Spielern da richtig schwer und es sind ausnahmslos solche, die im KiFu-Alter auf festen Positionen spielten.
Du bist ja von der Trainingsgestaltung fitter wie ich, deshalb solltest du mal etwas genauer beschreiben, wie du da die Vorteile und Erfordernisse der Rotation an den Mann bringst.
Hui, das schaffe ich jetzt nicht mehr, möchte es aber gerne versuchen. Ich muss jetzt zum ersten Treffen der evtl. neu zu gründenden Jugendkommission, zu der mich die Jugendleitung eingeladen hat. 