In der C-Jugend wird ein Spieler sich Gedanken machen, warum er eben im Spiel von den Mitspielern keinen Ball zugepasst bekommt und den einen oder anderen Spruch anhören muss. Ich spreche hier von der C-Jugend.
Naja, darauf hat der C-Jugendtrainer doch auch immer noch einen gehörigen Einfluss, oder? Ich verlange von meinen Spielern, dass sie dazu bereit sind, jedem ihrer Mitspieler den Ball zuzuspielen. Tun das Einzelne systematisch nicht, so hole ich sie raus. Denn das, was sie da tun, ist Mobbing, schlicht und ergreifend, und das geht in einem Mannschsftssport überhaupt nicht.
Und diese höhere Weihen muss man definieren.
Naja, für die schwächsten Spieler wären diese höheren Weihen die niedrigste Spielklasse des geregelten Spielbetriebs. Ich bin durchaus der Meinung, dass jeder Spieler in der Spielklasse spielen sollte, die am besten zu seinen Fähigkeiten passt. Ich wehre mich aber vehement dagegen, dass es Menschen geben soll, die überhaupt nicht Fußball spielen dürfen sollen. Das sind nämlich bei vielen ehrgeizigen Trainern recht viele Kinder und Jugendliche, die ohne Probleme in den älteren Jugenden gutes Kreisklassen- oder Kreisliganiveau haben.
Wieviele Spieler aus einer C-Jugend Mannschaft, die 4:94 Tore und 0 Punkte aus 7 Spielen hat, werden noch in der A-Jugend spielen?
Keine Ahnung, aber da es in praktisch jeder Liga zwei, drei solcher Mannschaften gibt, denke ich mal, dass es schon ein paar sein werden. Siege sind nicht alles. Ich habe viel mehr Respekt vor einem Trainer, der es schafft, unter solchen Voraussetzungen einen Großteil seiner Truppe zu halten als vor demjenigen, der mit dem All-Star-Team des Kreises die Gruppenliga mit 2874:5 Toren gewinnt.
Da muss man schon ein Stück weit real bleiben. Die Mannschaft wird irgendwann auseinanderbrechen. Sei es, weil die guten Spieler irgendwann zu einem anderen Verein wechseln, sei es weil die schwächeren aufhören.
Das mag nicht selten der Fall sein, ich denke aber, dass ein wirklich guter Trainer und ein wirklich guter Verein in einer solchen Konstellation bessere Karten haben als solche, die sich nur bzw. hauptsächlich über Ergebnisse und Tabellenplatzierungen definieren. Gut heißt in diesem Zusammenhang, dass sich Spieler und Eltern wohl fühlen, dass es wirklich gutes Klima herrscht.
Das mit den Noten ist vielleicht ein gutes Beispiel. Manche Länder haben gar keine Noten. Aber auch nur bis zu gewissen Altersstufen. Irgendwann trennt sich die Spreu vom Weizen.
Schon recht, die Frage ist nur: was ist da in der Spreu noch an Weizen dabei und wieviel Spreu findet sich noch im Weizen. Und wie viel Kollateralschaden hat das Notensystem am Ende angerichtet?
Erlaube mir die Frage: Hast du Kinder im schulpflichtigen Alter?
ich bin der absoluten Überzeugung, dass das deutsche Schulsystem aber sowas von suboptimal ist... Und das, übrigens, obwohl beide meiner Kinder eine eindeutige Gymnasialempfehlung hatten und da auch sehr gut bzw. ziemlich gut mitkommen -- und da, wo es 'nur' ziemlich gut ist, ist der Zusammenhang zu den bescheuerten Noten glockenklar.
Es ist da ganz genau so wie im Fußball: gute Noten und Lob wirken motivierend, schlechte Noten und Kritik demotivierend. Bekommt ein Kind mehr als eine Vier in Folge, so läuft es schon Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten: schlechte Note verursacht geringes Selbstbewusstsein, der ganz normale Verdrängungsprozess setzt ein und das Kind beschäftigt sich weniger und weniger gern mit dem schwierigen Fach, was dann zur nächsten schlechten Note führt, uswusf. Und im Fußball ist es ganz genauso.
Ein Kind, das nicht für das Gymnasium geeignet ist, wird aber dennoch aufs Gymnasium geschickt. Weil die Eltern halt das Beste für ihr Kind wollen.
Korrekt, und weil die Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems so schlecht ist und auch wegen der nicht unerheblichen Fehlerquote der Pädagogen, die für die Empfehlung zuständig sind. Sind sich denn aber nicht die Bildungsexperten einig, dass in Deutschland viel zu früh und viel zu strikt getrennt wird, dass die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems unter aller Sau ist und die soziale Herkunft eine viel zu große Rolle spielt? Es komme mir keiner mit dem deutschen Schulsystem als Vorbild für den Kinder- und Jugendfußball, dazu ist es beileibe nicht geeignet. Ich bin froh, wenn unsere Tochter am Ende ihrer Schullaufbahn Englisch und Französisch kann, und zwar nicht wegen ihres Schulbesuchs, sondern seiner zum Trotz.
Ja, wenn du halt mal 2x = 3x-b nicht lösen kannst, hast Du auf der Schule nichts verloren.
Wer das nicht lösen kann, der hat auch auf der Hauptschule nichts verloren. Sicher müssen Kinder auch etwas mitbringen, aber es ist die Aufgabe von Lehrern, ihnen das wichtige Wissen zu vermitteln. Und es ist Aufgabe von uns Trainern, den Kindern das Fußballspiel beizubringen. Ist es nicht gerade Zeichen von guten Lehrern wie Trainern, dass sie es schaffen, ihren Schülern den Stoff verständlich zu vermitteln und sie für ihn zu begeistern?
Da gibt es dann eine andere Stufe. Dem Kind stehen ja später trotzdem alle Türen auf anderen Wegen auf.
Wie bitte?! Das ist doch nicht dein Ernst, oder?
So ist es mit dem Fussball auch. Wenn Du in einem Verein nicht zum Zug kommst, kannst Du auch in einem anderen Verein glücklich werden.
Das mag in Ballungsräumen der Fall sein, aber bereits ein paar Kilometer außerhalb ist das nicht mehr der Fall. Und ich meine, dass wir hier nicht nur von Einzelfällen sprechen, sondern von einer erheblichen Zahl an Kindern.
