TW-Trainer: Pressing ist doch ein interessantes Thema, und so schwer eigentlich auch nicht, zumindest nicht zu verstehen. Voraussetzung dafür ist aber, dass man das ballorientierte Verteidigen sehr gut verstanden hat. Dann ergibt sich das meiste im Pressing eigentlich ziemlich von selbst.
Witzigerweise hatte übrigens die letzte Lizenzverlängerungsfortbildung (5 LE für den C-Breiten), die ich im September besucht habe, genau das Pressing in seinen Varianten zum Thema gehabt. Der Referent, bei dem ich damals meinen C-Breiten gemacht hatte, hatte sich dieses Thema wohl neu gewählt und in dieser Runde zum ersten mal ausprobiert. Es wurde zu einer reinen Theorie-Session, was auch daran lag, dass beide Plätze des gastgebenden Vereins mit Spielen belegt waren, aber auch diese war ganz interessant. Und ich habe für meine Gruppe das Thema "Gegenpressing" erarbeitet und vorgestellt. 
Es gibt Mannschaften, die beginnen ihr Pressing bereits auf 16er Höhe. Hab das für mich nun als Vorpressing (also nichts mit Haupt oder Nachpressing zu tun)bezeichnet.
Falls es dich interessiert: das ist Angriffspressing.
Im Gegensatz dazu ziehen sich andere Mannschaft zurück und gehen ab Mittellinie zum Pressing über.
Es gibt neben dem Angriffspressing noch das Mittelfeldpressing, bei dem sich die pressende Mannschaft um die Mittellinie herum aufhält, mal ein bisschen höher, mal ein bisschen tiefer. Und dann gibt es noch das Abwehrpressing, bei dem sich die verteidigende Mannschaft zwischen 16er und Mittellinie formiert.
Diese drei Pressingvarianten werden eingesetzt, wenn der Gegner im Spielaufbau ist. Sie unterscheiden sich darin, in welcher Höhe der eigene Ballgewinn angestrebt wird und bedingen ein unterschiedlich hohes Risiko. Das Angriffspressing ist dazu noch deutlich laufintensiver als die beiden anderen Varianten und kann dadurch eigentlich nur phasenweise gespielt werden. Das Abwehrpressing wiederum ist ziemlich passiv und mental ermüdend. An und für sich sehe ich, was die Ausbildung anbelangt, keinen großen Unterschied zwischen Mittelfeld- und Abwehrpressing, sie unterscheiden sich eigentlich nur in der Höhe der verteidigenden Mannschaft. Das wäre also das Ziel meiner Defensivausbildung, das Angriffspressing käme erst später.
Das Gegenpressing ist hingegen etwas anderes, denn beim Gegenpressing geht es darum, den soeben im eigenen Angriff verlorenen Ball sofort wiederzugewinnen, indem man hochaggressiv den ballführenden Gegenspieler unter Druck setzt, noch bevor er die Situation hat lösen können, und gleichzeitig alle Anspielstationen in der näheren Umgebung zu macht, so dass der Gegenspieler mit Ball entweder den Ball verlieren muss oder aber planlos ins Aus oder irgendwohin drischt. Voraussetzung dafür ist, dass man im Angriff in Ballnähe Überzahl hat, was eine enorme Laufbereitschaft voraussetzt. Außerdem, so meine ich, bedeutet das eigentlich auch, dass die eigene Mannschaft das Kurzpassspiel pflegen muss, also technisch und antizipativ sehr stark sein muss. Im Breitensport halte ich daher das Gegenpressing nur selten für sinnvoll trainierbar, vor allem nicht in der Jugend.
Das wichtigste ist aber doch, dass die ganze Mannschaft das Pressing mitmacht bzw. sich entsprechend verhält.
Das gilt für die ballorientierte Verteidigung insgesamt. Beim Pressing ist es tatsächlich ganz wichtig, die einzigen, auf die man da vielleicht verzichten kann, sind die Stürmer. Und auf sie auch nur, wenn man nicht zurück liegt.
Verhalten sich da nur 1 oder 2 Spieler falsch, kannst du das Pressing vergessen.
Eigentlich schon, wobei es auch reichen würde, wenn nur mehr verteidigende Spieler mit machten als es gegnerische Angreifer gibt.. Das will man zwar als Trainer nicht, aber es sollte eigentlich reichen.
Erleb das doch fast jeden Samstag, vorne wird direkt gestellt und im Mittelfeld schaut man zu, was da rauskommt.
Absolut, deshalb war es ja auch grober Unfug, als ein mir bekannter Trainer letzte Saison die Order raus gab, die vorderen Spieler sollten immer sofort drauf gehen. Das einzige, wozu das gegen halbwegs stärkere Gegner geführt hat, war, dass vier von unseren Spielern direkt überspielt waren, während die Hintermannschaft sich noch in einem heillosen Durcheinander befand.