Eine Sache muss man aber dann mal hinterfragen: Hier wird oft argumentiert, dass ein F-Ling zu Egozentrisch denkt um zu passen, [...]
Hui, das ist aber ganz stark verkürzt... Das, was du sagst, gilt sicherlich für einige F-linge, nicht aber für alle. Sie können schon passen, die Frage ist, ob, wie viel und aus welcher Motivation heraus sie passen sollen. Und da plädiere (nicht nur) ich dafür, dass Trainer geduldig sind und nicht zu früh Pässe und den Blick für den freien Mann von ihren Spielern fordern und in Form von direkten Anweisungen ins Spiel hinein rufen. Aber es gibt sehr wohl Situationen, in denen F-Junioren planvoll zusammen spielen können, und zwar von sich aus. Beim letzten Hallentraining haben wir 4+1:4+1 spielen lassen, da hat man das gut beobachten können. Ein starker Spieler, der zu Alleingängen neigt, dribbelte sich gegen drei Mann fest, verlor den Ball und ärgerte sich darüber, dass ihm keiner geholfen hatte. Ich sagte ihm nur kurz, dass er gegen drei Verteidiger keine Chance hat und deshalb lieber das Abspiel suchen solle. Im nächsten Spiel zog er wieder mehrere Verteidiger auf sich, nahm aber tatsächlich rechtzeitig den Kopf hoch und gab dann den Ball zu dem in der Mitte mit gelaufenen Spieler ab. Vorbildlich! Aber ohne Anweisung. Natürlich habe ich ihn dafür dann auch gelobt.
Eine andere Situation: ein technisch etwas weniger starker Spieler sieht sich nahe der rechten Auslinie zwei Verteidigern gegenüber, dreht ihnen den Rücken zu, um den Ball abzuschirmen, erkennt dabei den drei Meter in Richtung eigenem Tor befindlichen Spieler und spielt ihm den Ball zu. Großartig, vor allem, weil der Passempfänger ein motorisch wirklich sehr limitierter Junge ist. Das ist für mich dann wahres Teamplay.
Aber zurück zur FPL.
[...] aber eine Situation in einem WETTSPIEL (wehrt euch ruhig gegen den Begriff, aber ihr wisst, genau das ist es) soll problemlos objektiv beurteilt werden können? Ist doch ein Widerspruch in sich.
Ich wehre mich keineswegs gegen diesen Begriff, Fußball ist ein Wettspiel, und die Kids sollen absolut um den Sieg wetteifern.
Was die verlangte Objektivität anbelangt, da glaube ich durchaus, dass das möglich ist. Es geht doch um Ehrlichkeit, und meiner Erfahrung nach sind eigentlich alle Kinder ehrlich oder können es sein. Es ist die Sache von uns Trainern, von den Kindern Ehrlichkeit einzufordern, was natürlich am besten geht, wenn man das selbst vorlebt. F-Junioren können noch nicht die Feinheiten einiger Regeln korrekt beurteilen, schwierig dürften da z.B. Handspiel, grenzwertiger Körpereinsatz (also: wie viel schieben und welcher Armeinsatz ist erlaubt, auch beliebt: Grätschen) und gefährliches Spiel (Paradebeispiel: hohes Bein) sein. Das Gefühl für diese Regeln muss ich als Trainer vor allem im Training vermitteln. Wenn es dann im Spiel allzu sehr hakt, kann und sollte ich ruhig auch mal das Spiel unterbrechen und den Kindern eine Regel erklären -- normalerweise sollte das aber nicht nötig sein, so dass ich das Thema auf das Training vertagen kann.
Wichtig dabei ist es doch, dass ich als Trainer den Kids vermittle, dass Ehrlichkeit eine wertvolle Tugend ist, und dass ich es besonders schätze, wenn sie auch dann ehrlich sind, wenn es ihnen nicht zum Vorteil gereicht. Ich erwarte tatsächlich aber von meinen Spielern, dass sie nicht versuchen zu betrügen. Wenn man seine Mannschaft entsprechend konditioniert hat, dann unterbinden das die anderen Spieler aber eigentlich auch schnell. Als Trainer kann ich den Kindern auch dabei helfen, solche problematischen Situationen zu lösen, eben indem ich mir den Ball schnappe, alle Kinder zusammen hole, und wir dann die Situation klären. Dabei stelle ich Fragen und moderiere das Gespräch, so dass alle beteiligten Spieler ausreichend zu Wort kommen. Außerdem gebe ich darauf acht, dass derjenige, der gerade spricht, auch nicht gestört und ihm zugehört wird. Wenn sich alle geäußert haben, ergibt sich hoffentlich und i.d.R. ein eindeutiges Bild, das ich den Kindern dann erklären kann. Nach und nach lernen die Kinder so sowohl die Regeln kennen als auch eine Methode, Konflikte zu klären. Lässt sich die Situation übrigens doch nicht klären, so stelle ich das dann fest, erkläre, dass ich, da ich den Vorgang selbst nicht gesehen habe, keine Partei ergreifen kann und dass wir das Spiel jetzt fortsetzen. Und dann werfe ich den Ball rasch in Richtung der anderen Seitenauslinie. Der nächste Streitpunkt lässt bestimmt nicht lange auf sich warten.
Ich plädiere für eine freiwillige Fair Play Staffel (bzw 2,3, oder 4) damit die Unwillentlichen sich weiter die Köppe einschlagen können und die, die die Neuerung, sei es auch nur als Experiment, annehmen können sich beruhigt FPL geben.
Ich nicht, ich finde es gut, dass die FPL Teil des Regelspielbetriebs ist, um für kindgerechten Fußball zu sorgen. Wenn die hier getroffene Einschätzung desjenigen, der zu o.g. Petition aufgerufen hat, zutrifft, dann sind genau solche Leute der Grund dafür, dass die Kinder die FPL brauchen, vor ebensolchen Personen müssen sie geschützt werden und diese Leute sollten aus dem Kinder- und Jugendfußball entfernt werden. Richtig ist, dass vielerorts die vernünftigen Trainer das Gefühl haben, den Trainern, welche die FPL nicht respektieren oder sie sogar ausnutzen, recht hilflos gegenüber zu stehen. Ich denke auch, dass die Kreise als diejenigen Organe, die den Spielbetrieb in den FPL-relevanten Altersklassen regeln, sich dieses Problems bewusst sein sollten. Ich fände es auch sinnvoll, wenn die Kreise und die Verbände sich darum bemühen würden, sowohl praktikable als auch wirksame Maßnahmen zu finden, um diesem Problem zu begegnen. Die Information aller Beteiligten ist sicher ein ganz wichtiger Punkt. Ich halte es aber durchaus auch für sinnvoll, dass die Vereine dazu angeregt werden, Verstöße gegen die FPL-Regeln zu melden, woraufhin sich dann die Verantwortlichen die betreffenden Mannschaften in den nächsten Spielen mal beobachten können -- das kann ja durchaus auch unauffällig passieren, z.B. also erst nach dem Anstoß.. Und wenn sich der Verdacht bestätigt, so kann man die Trainer in der Halbzeitpause zu einem Gespräch unter sechs Augen bitten, in dem man an die FPL-Regeln erinnert, erklärt, was da nicht gepasst hat, und sich bestätigen lässt, dass ab sofort die FPL-Regeln eingehalten werden. Man sollte auch weitere Beratung anbieten. Dann kann man sich noch schriftlich bestätigen lassen, dass das Beratungsgespräch stattgefunden hat. Sollte es dann wieder eine Beschwerde geben und in einem Folgetermin fest gestellt werden, dass die FPL-Regeln nach wie vor nicht eingehalten werden, so würde ich eine Strafe aussprechen.
Vorab und vor Beginn jeder Saison sollte der Kreis aber auch eine Infoveranstaltung zur FPL durchführen, die sowohl aus einem theoretischen Teil als auch einer praktischen Demonstration bestehen sollte, am besten unter Beteiligung der Trainer selbst, die dabei dann von den Referenten 'trainiert' werden. Es sollten sich dann nur diejenigen Vereine zum Spielbetrieb anmelden dürfen, welche nachweisen, dass ihre Trainer diese oder eine solche in vorangegangenen Saisons durchgeführte Veranstaltung besucht haben.