..., worauf der Verein aber keinen Einfluss hat.
Vielleicht doch, indem ich es bspw. schaffe, mehrere Trainer pro Mannschaft zu unterhalten. Vielleicht auch nicht, aber das ist aus meiner Sicht auch nicht relevant. Denn jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden, wenn der Verein ihn für eine Maßnahme mit Nutzen X ausgibt, steht er nicht mehr für die Maßnahme mit Nutzen X+Y zur Verfügung (X, Y seien positive natürliche Zahlen). Ich will hier auch die Vereine keinesfalls aus der Verantwortung nehmen, aber bezweifeln, ob das Führungszeugnis das geeignetste Mittel zur Erreichung des ausgelobten Ziels ist.
Stell Dir vor Du bist Vorsitzender eines Sportvereins, in dem es einen Fall von Missbrauch durch einen Wiederholungstäter gab. Würdest Du Dir die Frage stellen, ob Du es hättest verhindern können? Würden andere Dir die Frage stellen?
Würdest Du antworten "Wir haben nichts gemacht, weil wir die Kosten-Nutzen-Relation unattraktiv fanden."?
CYA, sag ich doch.
Ich könnte mich natürlich, hätte ich ein Führungszeugnis eingefordert, hinstellen und sagen, dass ich damit alles getan habe, um den Fall zu verhindern. Aber das glaube ich eben nicht. Ich könnte aber, wenn ich ein Team aus Betreuer(in) und Trainern einsetze, mich regelmäßig darum kümmere, mit diesem Team, möglicherweise auch Eltern zu sprechen, das Thema durchaus im Trainer- und Betreuerkreis offen anspreche und dafür sensibilisiere, diese Frage mit deutlich größerer Überzeugung bejahen. Auch ohne Führungszeugnis.
In unserer Gegend ging vor ein paar Jahren ein Fall durch die Presse, wo ein wegen Kindesmissbrauchs Verurteilter erneut in einer Kindereinrichtung arbeitete und wieder Kinder missbrauchte. Hätte es diese Regelung damals schon gegeben, wären diese Kinder vor diesem Täter geschützt worden. Allein mit diesem Fall finde ich diese Selbstverständlichkeit schon gut begründet.
Wie Bruce Schneier schon sagt: Fälle, die durch die Presse gehen, sind schon dadurch, dass sie durch die Presse gehen, als absolute Ausnahmefälle erkennbar. Im Original z.B. unter https://www.schneier.com/blog/archives/2009/01/#a002668 nachzulesen: "Remember, if it's in the news don't worry about it. The very definition of news is "something that almost never happens." When something is so common that it's no longer news—car crashes, domestic violence—that's when you should worry about it."
Natürlich kommt Kindesmissbrauch vor und das ist furchtbar, schrecklich, abscheulich. Ich bin selbst Vater zweier Kinder, ich habe selbst schon das nagende Gefühl erlebt, wenn man nicht so genau weiß, wo sie sich gerade befinden. Ich kann mich aber auch an meine eigene Kindheit erinnern, in der meine Eltern das oftmals auch nicht wussten und wir Kinder zwischen neun und elf Jahren durch den Dschungel gestromert oder am Strand über Felsen geklettert sind, usw. Ich hatte auch mal eine Begegnung mit einem Exhibitionisten, der sein entblößtes Geschlechtsteil auf seinem Motorroller spazieren fuhr, und zu meinem Fahrrad aufschloss. Angenehm war das sicher nicht, aber vermutlich objektiv ungefährlich, vermutlich habe ich auch nicht schlecht reagiert, indem ich einfach in die übernächste Häusereinfahrt eingebogen bin und so getan habe, als sei ich dort zu Hause -- er ist dann abgedüst.
Aber solche Fälle verhinderst du mit einer Führungszeugnispflicht für Trainer doch nicht. Wozu also?
Eben, aber nicht mal im Ansatz. Die Größenordnung müsste wohl um mindestens einen Faktor reduziert werden, ich vermute eher noch mehr. Und dann büßt die Maßnahme doch deutlich an Attraktivität ein.
Würdest Du das so auch den Eltern eines Kindes sagen, das von einem Wiederholungstäter missbraucht wurde?[/quote]
Ich würde ihnen sagen, was ich dafür getan habe, dass solche Fälle nicht vorkommen, siehe oben. Ich bin aber auch der Meinung, dass solche Maßnahmen viel besser dazu geeignet sind, einen solchen Fall zu verhindern. Die Gefahr des Einholens eines Führungszeugnisses ist doch, dass man es dann dabei belässt und die wichtigeren, weil effektiveren Maßnahmen nicht umsetzt. CYA eben.
Natürlich rechtskräftig verurteilt. Das Führungszeugnis ist doch keine Gerüchtesammlung.
OK, gut, im umgekehrten Fall wäre ich tatsächlich auch schockiert gewesen. Dann könnte man jetzt ja mit belastbaren Zahlen arbeiten, wenn jemand die entsprechenden Quellen kennen würde. Da wäre dann interessant, wie viele einschlägig rechtskräftig Verurteilte es gibt. Dann wäre interessant, wie hoch der statistische Anteil dieses Personenkreises ist, der sich für die ehrenamtliche Tätigkeit im Jugendbereich interessiert, sofern er sich vom Durchschnitt der Gesamtbevölkerung unterscheidet. Und es wäre interessant, wie viele Trainer es im selben Raum gibt. Dazu noch die Kosten für ein Führungszeugnis sowie die durchschnittliche Verweildauer im Traineramt. Diese Zahlen könnte man dann einmal einander gegenüber stellen. Vielleicht hat ja jemand dazu die Muße.
Bei uns im Verein wird ein solches Führungszeugnis nicht verlangt. Ich hätte aber kein Problem damit.
Bei mir ist es in beiden Punkten genauso. Dennoch würde ich, würde über die Frage im Verein abgestimmt, dagegen votieren. Wie bereits gesagt.
In unserem Ort wohnen gut 9.000 Menschen. Das sind also schon nahezu dörfliche Strukturen. Trotzdem haben sich im Umfeld unserer Sportanlage und unserer Grundschule immer wieder Gestalten herumgetrieben, die Kinder belästigt haben. Diese Menschen sind also da - und sie leben mitten unter uns!
Vor diesen Menschen werden die Kinder natürlich nicht durch ein Führungszeugnis der Trainer geschützt.
Du sagst es.
Sie werden nur in einem bestimmten Lebensbereich vor Wiederholungstätern geschützt. Warum soll man da, wo ein solcher Schutz möglich ist, nicht auch einen solchen Schutz bieten?
Aus dem selben Grund, weshalb die Abermilliarden Dollar, die die USA in die inländische Terrorbekämpfung gesteckt haben, zu einem großen Teil unnütz ausgegeben wurden. Man sollte das Geld da einsetzen, wo es am meisten bringt. Du sagst es ja selbst, die Fußballvereine decken nur einen Teil, sogar nur einen ziemlich kleinen Teil unserer Gesellschaft ab. Siehe https://www.schneier.com/blog/…9/10/the_futility_of.html. Bei dem bestehenden Verhältnis von rechtskräftig verurteilten Kinderschändern zu ehrenamtlich mit Jugendlichen und Kindern betrauten Personen halte ich es für falsch, bei letzteren anzusetzen. Das dafür benötigte Geld wäre deutlich effektiver angelegt, wenn wir bei ersteren ansetzen.
Ach ja - was die Kosten angeht: Dass die Kosten für ein solches Führungszeugnis vom Verein getragen werden, finde ich eigentlich selbstverständlich. Mein Arbeitgeber übernimmt die Kosten dafür auch. Bei meiner Frau ist das nicht so - sie darf selbst zahlen. Wir reden hier übrigens von (bin mir nicht sicher) 13 oder 15 €...
OK, nehmen wir mal nur €13 an. Laut http://www.dfb.de/index.php?id=11015 hat der DFB 25.727 Mitgliedsvereine mit 171.567 Mannschaften. Ich spekuliere lieber nicht darüber, wie sich diese Mannschaften in Erwachsenen, älteren und jüngeren Juniorenbereich gliedern, sondern nehme stattdessen und aus meiner Sicht konservativ an, dass jeder Verein im Bereich von G- bis D-Jugend, den ich für den besonders gefährdeten Altersbereich halte, jeweils pro Jahrgang eine Mannschaft und damit einen Trainer hat. Das macht also sieben Trainer in diesem Bereich pro Verein, zusammen sind das dann über €325.000,- für die Führungszeugnisse. Und wie viele Fälle durch Wiederholungstäter gibt es aus deiner Sicht?