Beiträge von tobn

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    Was die Qualifizierung bzw. Sensibilisierung von Trainer-Neulingen anbelangt, so empfehle ich den Blick auf das Kurzschulungsangebot des DFB: http://training-wissen.dfb.de/index.php?id=507665. Ich selbst habe letztes Jahr an "Kurzschulung 9: Bambini bis E-Junioren: Ich spiele im Feld, ich spiele im Tor" teil genommen, und der Referent hat großen Wert darauf gelegt, dass das Training vielfältig, interessant und altersgemäß sein muss. Zunächst gab es eine praktische Demonstration, an der sich die anwesenden Trainer beteiligen sollten, danach eine Diskussion im Vereinsheim, in der viele Themen, die auch in diesem Forum behandelt werden, angesprochen und diskutiert wurden. Ich hatte den Eindruck, dass viele der Anwesenden neue Impulse mit nahmen, die absolut im Sinne des KiFu sind. Zwar fand ich es etwas zeifelhaft, dass die Kurzschulung vom Kreis zu einer Pflichtveranstaltung erklärt wurde, vermutlich geht es aber tatsächlich nicht anders, wenn man sich eine entsprechende Reichweite wünscht.

    Ich denke auch, Thomas86, dass deine taktischen Inhalte zur Viererkette für eine D-Jugend zu starr sind und die Kinder zu sehr in ihrer Freiheit einschränken und ihnen dadurch die Möglichkeit nehmen, eigene Erfahrungen zu sammeln. Das Vorgeben von Abständen, etc., d.h. festgelegten Verhaltensweisen in ganz bestimmten Situationen, ich meine hier also die Themen, nach denen du fragst (Nachrücken des IV, Höhe der Kette bei Kontern). In der D ist wichtig, dass die Kinder das richtige Verhalten im defensiven 1:1 erlernen, das hat oberste Priorität, denn wenn sie keine Zweikämpfe gewinnen können, nutzt dir keine Taktik etwas. Dazu eine kleine Anekdote von unserem vorletzten Spiel, wir hatten einen starken Gegner zu Gast. Als einer seiner Spieler an der linken Außenbahn auf Höhe des Strafraums zwei unserer Spieler förmlich stehen ließ, sagte mein Auswechselspieler zu mir, da müssten doch mehr Abwehrspieler eingreifen, woraufhin ich antwortete, fünf Mann dahin zu schicken würde ja aber auch nicht viel bringen, die fehlten dann nämlich anderswo auf dem Platz.


    Ich meine, man kann ihnen neben dem defensiven 1:1 auch noch vermitteln, wie sie sich in der Abwehrarbeit gegenseitig unterstützen können. Dabei können die Kinder sehr gut mit arbeiten. So ist es z.B. ziemlich einleuchtend, warum ein zweiter Spieler seinen Kameraden, der den ballführenden Gegner angreift, absichern sollte. Und auch auf seine empfehlenswerte Position, d.h. ungefährer Abstand und Orientierung, können die Kinder selbst kommen, wenn man die Situation isoliert betrachtet. Noch mal etwas konkreter: am wichtigsten ist, dass sie lernen, wie sie im 1:1 vorgehen, andere Spieler völlig außer Acht lassend. Daneben beginnen die gruppentaktischen Fragen dann, wie ich meine, folgendermaßen:


    * Wer sollte den Ballführenden angreifen? Erwünschte Antwort: Im Regelfall derjenige, der ihn als erster erreichen kann. Beschränke dich hier und in allen anderen Betrachtungen übrigens stets auf den Regelfall, zu viel auf einmal verwirrt die Kinder nur.


    * Wie sollte er angreifen? Hier erwarte ich, dass sie zunächst mal mit ihrem 1:1-Wissen kommen. Ich würde dann weiter fragen, ob er voll drauf gehen sollte oder den Angreifer stellen sollte. Den Begriff 'Stellen' würde ich erklären, damit sie wissen, was ich meine. Ich würde sie dann in die Richtung steuern wollen, dass nicht eine der beiden Antworten richtig ist, sondern es vor allem darauf ankommt, ob der attackierende Verteidiger abgesichert wird. Ist das der Fall, so soll er voll drauf gehen, ist er es nicht, muss er vorsichtiger agieren.


    * Das führt dann zum Verhalten der Mitspieler. Was ist denn besser, wenn der Verteidiger voll drauf gehen kann oder wenn er vorsichtig sein muss, was ist für uns weniger gefährlich, wann kriegen wir eher den Ball zurück? Was sollte ich also tun, wenn mein Mitspieler einen Angreifer stellen muss? Antwort: ihm helfen, indem ich in absichere. Wer macht das sinnvollerweise? Antwort: Der, der der Absicherungsposition (s.o.) am nächsten ist.


    Danach wäre es ja eigentlich wichtig, dass die übrigen, eher ballfernen Spieler entstandene Lücken stopfen, ein ballnaher Spieler könnte doppeln. Aber das ist erst einmal zu kompliziert, mir würde da erst einmal reichen, dass sich die verteidigende Mannschaft darum bemüht, geschlossen hinter den Ball zu kommen. Dadurch wird es automatisch in der Mitte eng und für den Gegner schwer.


    Wichtig ist also, dass die Individualtaktik im defensiven 1:1 sitzt, d.h. dass sie lernen, den Gegner richtig anzulaufen, sich richtig zu postieren, den Durchbruchversuch des Gegners zu antizipieren und dann schnell zu reagieren. Und gruppentaktisch interessiert dann erst einmal nur der Bereich in Ballnähe. Dass man seinen Mitspieler absichern sollte, dass das z.B. auch Priorität vor dem Doppeln hat. Letzteres kann man sehr gut im Spiel demonstrieren, da gibt es häufig die Situation, dass zwei Verteidiger gleichzeitig voll auf einen Angreifer gehen, der dann beide gleichzeitig aussteigen lässt, und frei vor dem Tor steht. Solch eine Situation bietet sich für die Unterbrechung und die Erklärung des geschickteren Vorgehens an.


    Verschieben der ganzen Kette, Verhalten auf konkreten Positionen, Verhalten der Kette in konkreten Situationen, das ist alles viel zu früh, die Kinder können es nicht mit ihren Erfahrungen in Einklang bringen und verstehen daher die Gründe nicht wirklich. Das ist dann so wie die bedauerlicherweise antrainierte Manndeckung ein paar meiner Spieler (ich war es nicht!): sie können nicht beurteilen, wann die Manndeckung anzuwenden ist, und decken teilweise auch völlig ungefährliche Spieler..


    Bei der Ausbildung von Spielern ist es wichtig, dass sich gute Technik mit Spielintelligenz verknüpft. Letztere solltest du auch fördern, anstatt Vorgaben zu machen, welchen sich die Spieler zwar unterwerfen werden, deren Sinn sie aber nicht wirklich begreifen können, wodurch sie in einigen Situationen werden falsch agieren müssen. Und sie werden viel weniger flexibel reagieren können.

    tobias.Hameln: Bei uns im Main-Taunus-Kreis ist es auch nicht so schlimm, wie bei Euch, tatsächlich sind solche Fälle die deutliche Ausnahme. In unserer Gruppe haben wir zwei Truppen, deren Spieler teilweise unangenehm sind, d.h. bewusst unfair spielen und sich für ihre damit erreichten Erfolge feiern, aber die Eltern sind nicht so wild. Altersklasse: E-Jugend, aber das war auch in der F schon so. Wichtig ist allerdings meiner Erfahrung nach, dass man selbst sowie die Eltern der eigenen Kinder ruhig bleiben, wenn das Gebrülle auf einer Seite erst mal los geht, kann sich das leider schnell hoch schaukeln, wenn die Trainer dann nicht deeskalierend eingreifen.

    Exakt so ist es bei uns in diesem Jahr in der C-Jugend auch passiert. Erst wird man von Spielern und Eltern gedrängt eine zweite Mannschaft zu melden, damit alle spielen können. Dann musste die C2 mitten in der Saison zurück gezogen werden, weil am Wochenende nie genug Spieler da waren. Nach dem Rückzug gab es dann aber schon wieder Gemecker von den Eltern der betroffenen Spieler...


    Dann ist es ja offenbar vernünftig, wenn wir in der nächsten Saison die Kaderstärke der zweiten D2-Mannschaft etwas großzügiger dimensionieren als die der D2-1.. So gibt es hoffentlich die ganze Saison über genug Spieler für die Pflichtspiele.

    ich bin schon überrascht mit welchen bis ins Detail gehenenden Spieltatktischten Überlegungen ihr hier euch beschäftigt.
    diese Vorstellungen stellen für mich eine klare Überforderung im Kinderfussball dar. dem , was sonst hier vehement widersprochen wird.


    Klar, mir geht es eher um die Frage, was quasi das Ideal wäre, um daran abzuleiten, was ich zu vermitteln versuche und was nicht. Und auch im Hinblick darauf, welche Zwischenschritte sinnvoll sein dürften und welche andererseits eher auf Abwege führen.


    aus meiner Sicht sollten die Kinder ganz langsam in dieses Metier eingeführt werden, das heisst zu aller erst mal lernen kleine Vorgaben umzusetzten und sich an diese zu halten. in welchem System, das ist doch wohl egal.


    Was meinst du hier konkret mit "diesem Metier"? Mit geht es in der Defensive um das ballorientierte Spiel. Und darum, dass ich meinen Spielern vermitteln möchte, dass jeder Spieler auch für die Defensive zuständig ist und im Kollektiv verteidigt werden sollte. Ich denke, verschiedene Systeme unterstützen das unterschiedlich gut. Mir geht es sicherlich nicht um das Vorschreiben konkreter Laufwege für bestimmte Spieler und dem Einüben dessen.


    tobn bin schon überzeugt, dass du mit deinen Überlegungen, die du hier hast, so nicht an deine Mannschaft herantritts.


    Nein, natürlich nicht. Aber man muss die Kids ja irgendwie aufstellen und sich dann auch darum bemühen, dass sie die richtige Balance zwischen Positionstreue und Flexibilität finden. Die Kinder nehmen die Grundaufstellung dabei ja auch als Orientierung. Sie fragen ja teilweise auch, was ihre Aufgabe sei, so geschehen neulich, als wir mal probehalber D9 mit 3-2-3 spielten, da fragte mich einer der Mittelfeldspieler während des Spiels, was er eigentlich genau machen soll. Kurze Antwort: mit angreifen und mit verteidigen, ja, Ihr zwei müsst viel laufen.


    ich kann mir aber ganz gut vorstellen, dass sich viele Mitleser hier Gedanken machen und sich verleiten lassen, dies so bei ihrer Mannschaft umzusetzten.


    oder war diese Diskussion hier doch mehr theoretischer Natur?


    Ja, eher. Natürlich soll jetzt auch kein unbedarfter Leser denken, das ginge alles in der D-Jugend so. Aber ich finde nicht, dass man nicht darüber reden darf. Es gibt auch solche und solche Teams, dem Team, gegen das wir am vergangenen Wochenende spielten, traue ich durchaus schon deutlich mehr zu als den meisten meiner Spieler, auch im taktischen Bereich.

    1. Ich weiß nicht wie ich meinen Jungs beibringen soll, wie sie hohe Bälle verteidigen sollen, wenn die 4er-Kette ziemlich hochsteht !
    Wie man da laufen soll usw. ... Klar, nicht stehen bleiben, sondern zurück, aber oft bekommen wir große Schwierigkeiten, wenn die gegnerischen Teams schnell nachrücken... Also unsere Probleme grob gesagt: Langer Ball über die hochstehende 4er-Kette und wir bekommen den Ball nicht vernünftig raus...


    Klingt ja so, als hättest du ähnliche Probleme wie der WOB-Magath: eine sehr hoch und dann auch noch oft auf Abseits spielende Kette ist halt anfällig für Vorstöße schneller Offensivspieler, die mit Vertikalpässen oder Flugbällen eingesetzt werden. =)


    Wie guenter schon sagt, wenn deine Kette hoch steht, muss der Torhüter recht weit aus seinem Kasten kommen, um Steilpässe abfangen zu können. Er muss dabei unheimlich aufmerksam sein, denn er muss erkennen, wann er beherzt dem Ball entgegen laufen muss, um zu klären, andererseits, wann die Gefahr besteht, dass ein Gegner im Mittelfeld sieht, wie weit er vor seinem Kasten steht und einfach mal aus der Entfernung drauf hält, so dass er dann wieder zurück weichen muss. Um dieses Risiko zu verringern, sollte das defensive Mittelfeld die Gegner stets unter Druck setzen, so dass für sie keine präzisen Distanzschüsse möglich sind. Mit zunehmender Spieldauer dürfte die Kraft deiner Spieler nachlassen und diese Aufgabe immer schwieriger werden, so dass ich die Kette dann auch weniger offensiv agieren lassen würde.


    2. Wie verteidigt man (hochstehende 4er-Kette) am besten gegnerische Konter?


    Meinst du hiermit die Reus- oder Herrmann-Steilpassangriffe, d.h. flache Pässe in die Tiefe durch die Schnittstellen der Abwehr, in den Lauf der sprintstarken und mit guter Ballbehandlung ausgestatteten Halbstürmer? Das ist, wie ich meine, ganz schwer, man muss eigentlich versuchen, solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen, denn bis sich deine Defensivspieler in Bewegung gesetzt haben und auf Tempo kommen, hat der Gegner schon einen Riesenvorsprung, den deine Spieler eigentlich nicht mehr aufholen können. Auch hier muss der Torhüter den Ausputzer geben, was am ehesten möglich sein sollte, wenn der gegnerische Steilpass durch die Mitte kommt. Geht der Pass hingegen eher nach außen und ist dein Außenverteidiger weit vorne, wie es bei einem Konter durch Fehlpass im Spielaufbau häufig der Fall sein dürfte, so dürfte es oft für den Torhüter unmöglich sein, vor dem Gegner am Ball zu sein. Dann muss ein IV versuchen, den Stürmer zu bremsen, während der andere IV zusammen mit einem Sechser oder dem anderen AV das Zentrum besetzt. Der Raum vor dieser improvisierten Abwehr muss dann als nächstes geschlossen werden, um den Rückpass auf nachrückende gegnerische Spieler zu erschweren.


    Bei Kontern ist entscheidend, dass dein Team schnell und beherzt auf Abwehr umschaltet.

    Naja, das hatte Andre in die Runde geworfen. Und ja, es ist mein bevorzugtes Spielsystem.


    Ah ja, stimmt, hatte ich vergessen (dass Andre es ins Spiel brachte), entschuldige bitte.


    Eine Viererkette bleibt mit zunehmender Spielzeit auch eine Viererkette, es sei denn ich habe zwei extrem laufstarke Außenverteidiger.


    Stimmt, und es könnte durchaus nicht ganz so einfach sein, jungen D-Junioren zu vermitteln, dass Außenverteidiger bei Ballbesitz der eigenen Mannschaft eigentlich Mittelfeldspieler sind. Eine Viererkette auf einer Höhe bei eigenem Ballbesitz will wohl niemand sehen, da pflichte ich dir unbedingt bei.


    Ich denk aber auch, dass es für D-Jugendliche deutlich einfacher ist, die Räume zum Ball hin enger zu machen, wenn man hinten 3:2 spielt, statt 4:1 spielt, da die Staffelung an sich schon mal engmaschiger ist.


    Das stimmt. Ich sehe im 3-2-3 zusätzlich den Vorteil, dass sich von vornherein Dreiecke bilden und dass die Mittelfeldspieler sich wunderbar in die Zwischenräume der anderen Reihen einfügen. Deshalb mag ich das 3-3-2 bspw. nicht, allerdings ohne es je gespielt zu haben.


    Nachtrag: Wenn ich ein 3:2:3 präferiere, dann liegt das möglicherweise auch an meinen Spielern. Mit zwei extrem schnellen, lauf- und spielstarken Außenstürmern hat es sowohl in der Vorwärts- wie auch der Rückwärtsbewegung große Vorteile. Ich kann jederzeit im 3:2:3 pressen lassen oder aber auch auf ein 3:4:1 zurückziehen und bei Balleroberung schnell nach vorne spielen. Möglicherweise würde ich eine andere Grundaufstellung bevorzugen, wenn ich die beiden nicht hätte...


    Das klingt sehr schlüssig. Ich werde wohl auch in der nächsten Saison bzw. gegen Ende dieser Saison, wenn wir bereits gemeinsam trainieren, dann mal sehen, was besser und was weniger gut funktioniert. Als Varianten sehe ich einerseits das 3-2-3, andererseits das 2-3-3-und-4-4-0. Letzteres ist vermutlich anspruchsvoller, da der Wechsel zwischen Offensive und Defensive umfangreicher und komplexer ist. Andererseits frage ich mich, ob das 2-3-3+4-4-0 nicht letztlich angestrebt werden sollte, und wie man dann am besten dorthin kommt. Könnte da der Weg über das 3-2-3 evtl. ein hinderlicher Umweg sein, speziell, wenn man vom 3-3 und zumindest der propagierten Maxime, dass Alle gemeinsam angreifen wie auch verteidigen sollen, kommt. Wie siehst du und auch die anderen Leser das?


    guenter, ich weiß, du hältst das alles für hanebüchene Gedankenspiele, die mit der Realität nichts zu tun haben. Aber lasse uns doch mal kurz so tun, als gäbe es den Unterschied zwischen Theorie und Praxis nicht.

    guenter: Grundsätzlich hast du natürlich Recht, wenn es bei der Taktik darum geht, ein Spiel zu gewinnen. Ich habe aber auch schon taktische Anweisungen an meine E1 genutzt, um eine Niederlage gegen eine deutlich überlegene Mannschaft niedriger ausfallen zu lassen. Wir spielten letztes Jahr im Pokal gegen einen übrmächtigen Gegner, ich fragte damals hierzu auch hier im Forum nach. Letztlich ließ ich die Jungs dann einfach spielen, habe gelobt wie ein Wilder, war am Ende auch OK, aber eine deutliche 2:18-Niederlage. Ein paar Wochen später war diese Mannschaft zum Pflichtspiel bei uns zu Gast, da schlug ich dann meinen Spielern vor, sich in einem 3-2-1 aufzubauen, bei dem die beiden hinteren Reihen tief und eng stehen sollten. Tatsächlich kamen unsere Gegner auch nur viel schwerer durch und erzielten deutlich weniger Tore durch Kurzpassspiel oder Rückpässe von der Grundlinie. Und am Ende ging es 1:9 verloren. Das haben sowohl meine Spieler als auch ich durchaus als Fortschritt empfunden. Auch wenn das Spiel eine Pflichtübung und wir froh waren, als wir es hinter uns hatten..

    Der Großteil würde wie, David von der MFS zu einem 4-4 in defensive raten. Ist das nicht zu komplex?


    Hmm, so lese ich das nicht einmal. Ich finde Davids Ausführungen sehr schlüssig und würde es gerne mal ausprobieren. Mit meiner E1 habe ich, wie Ranwie, auch schon ein paar mal D9 gespielt, aber nur als Abschlussspiel im Training, und da habe ich die Kids einfach nur in die Anfangspositionen gestellt, mehr Theorie dazu gab es nicht. Da habe ich bisher aber auch nur das 3-2-3 praktiziert. Da sie vom 3-3 kommen, ist der Übergang zum 3-2-3 recht einfach, man fügt einfach zwei Mittelfeldspieler ein. Mit einer besseren Truppe würde ich gerne mal das 2-3-3 offensiv, 4-4-0 defensiv probieren. Die Spieler der MFS werden typischerweise eher besser sein, deshalb sollten sie mit der Komplexität auch zurecht kommen. David Niedermeier erklärt darüber hinaus ja auch, dass er sein Team bewusst niedrig anmeldet, um in der D auch schon im gruppentaktischen Bereich arbeiten zu können.


    Wie verhält man sich dann bei einem Ballverlust: Druck ausüben oder fallen lassen ins 4-4 system?


    So, wie es am besten funktioniert. Das hängt von deinen Spielern und ihren Persönlichkeiten sowie ihrer geistigen Flexibilität ab, aber auch davon, welche körperlichen Eigenschaften sie haben. Und natürlich auch vom Gegner. Außerdem natürlich davon, wo deine Prioritäten liegen. Wie ich sagte, wenn deine Stürmer sehr stark sind und durch ihr Pressing viele Bälle erobern und dadurch auch Tore erzielen können, ist das ja zumindest für das Spielergebnis gut. Außerdem zwingst du sie nicht in ein System, das dem eigentlichen Ziel des Fußballspiels, nämlich mehr Tore zu schießen als der Gegner, zuwider läuft. Andererseits könnte ich mir vorstellen, dass es unter Ausbildungsgesichtspunkten langfristig besser wäre, wenn sie lernen würden, im Mannschaftsverbund zu verteidigen. Sowie, wenn die anderen Spieler deines Teams auch beteiligt werden und wichtig sind.


    Gegen stärkere Gegner, das sieht Ranwie ja ähnlich wie ich, birgt das Aufbauen von Druck durch die Stürmer bei gleichzeitigem Zurückweichen der Kette und nur einem Sechser die Gefahr schneller gegnerischer Vorstöße durch das entblößte Mittelfeld.


    Und wie wenn der Gegner Abstoß hat? Zustellen oder im 4-4 abwarten?


    Ich halte das für eine Frage des Geschmacks und der Philosophie. Außerdem muss man sich da wieder an den Möglichkeiten der eigenen Truppe orientieren. Siehe hierzu den aktuellen Thread dazu, wo in der E-Jugend Taktik beginne. Hier die URL: Taktik in der E-Jugend - Wo fängt sie an?

    Die Strategie, sich bei gegnerischem Abstoß erst mal zurück zu ziehen und die Gegner erst mal kommen zu lassen, um sie dann im Verbund zu attackieren, ist für meine technisch schwächeren, aber auch die technisch besseren, gleichzeitig auch sehr schnellen Spieler Angreifer übrigens auch oft die bessere Wahl als erfolglos zu versuchen, den tief stehenden Gegner unter Druck zu setzen, weil sich so in der gegnerischen Hälfte Räume öffnen, die ihnen den Platz und die Zeit geben, die sie benötigen, um den Ball zu kontrollieren oder, wenn es um die schnellen, technisch versierten Spieler geht, einen schnellen Konter per Alleingang zu setzen. Leider ist dieser für sie ab und an erfolgsversprechender als das Kombinationsspiel mit den technisch weniger guten Mitspielern... Und so kommt man dann vielleicht wenigstens zu einem oder zwei Toren gegen die starken Teams. Was passiert, wenn diese Spitzenspieler ausfallen, haben wir am letzten Samstag erleben müssen, da verletzte sich der eine, den 'mein' Team hat, gegen Ende der ersten Halbzeit und konnte nur im Tor weiter spielen. Er hatte, zentral hinten spielend, unsere einzige Torchance der ersten Halbzeit gehabt, als er den Ball nach der Eroberung zentral nach vorne trieb und unsere drei Offensivspieler vor ihm nach vorne trabten und so die gegnerischen Abwehrspieler mit zogen, so dass sich der Raum für ihn öffnete und er es aus der Distanz probieren konnte. In der zweiten Hälfte gab es eine reine Abwehrschlacht vor unserem Tor. Leider kamen die Offensivspieler aber dennoch zu wenig zurück, so dass unsere beherzt kämpfende, aber häufig auch etwas naiv agierende Abwehr eins ums andere mal ausgespielt wurde. Endstand: 0:14.

    Ranwie, hast du schon eigene Erfahrung mit D9? Das geht aus deinem Post nicht hervor, oder ich habe es übersehen..


    3:2:3 und 3:4:1 sind für mich unterschiedliche Ausprägungen des gleichen Systems. Das 3:2:3 in der Offensive wird idealerweise zum 3:4:1 in der Defensive, in dem die beiden Außenstürmer mit nach hinten rücken. Andersherum wird ein 3:4:1 in der Offensive zum 3:2:3, wenn die äußeren MF-Spieler mit nach vorne rücken. Also im Grunde kein großer Unterschied.


    Stimmt, aber vom 3-2-3 oder 3-4-1 war doch gar nicht die Rede.. Ist das dein bevorzugtes System? Es ist ja eines der zwei, die der DFB propagiert -- das andere ist das 3-3-2.


    Bei einem 4:1:3 hängt der 6er ziemlich alleine, insbesondere wenn du mit 3 Stürmern Pressing spielst. Wird deine vordere 3er-Reihe überspielt, steht der 6er im Mittelfeld i.d.R. in Unterzahl.


    Genau das ist auch meine Befürchtung.


    Also muss vermutlich häufig einer der IVs vorrücken, um den 6er zu unterstützen.


    Oder er tut es nicht, der Sechser wird umspielt, und die Angreifer prallen auf die Viererkette.


    Dann wiederum müssen die AVs nach innen rücken. Letztlich kommt man dann wieder beim 3:2:3 aus. Gerade wenn man vorne draufgeht, halte ich es für wichtig, 2 Spieler hinter der Sturmreihe zu haben. Spielst du verhaltener und lässt dich zurückfallen, sieht es anders aus. Allerdings wird deine Formation dann automatisch zum 4:4:0, 4:3:1 oder 4:2:2.


    Genau, so sehe ich das auch.


    Generell ist mir persönlich eine 4er-Kette bei 8 Feldspielern zu defensiv. Es ist auch fraglich, ob es Sinn macht mit 4 Verteidigern zu spielen, wenn der Gegner nur mit einem oder 2 Stürmern antritt.


    Wieso ist dir die Viererkette zu defensiv, wenn sie nur in der Defensive verwendet wird? Das 4-4-0 sollte ja auch in der Offensive zu einem 2-3-3 werden.

    Vorab: wie Andre schon sagte sind Diskussion Taktikfragen im Juniorenbereich oft eher akademischer Natur und gehen in völlig unrealistischer Weise von idealen Spielern aus, die sich bereits auf Bundesliganiveau befinden. D.h. als würden wir z.B. von Favres oder Klopps Spielern sprechen. Als Trainer muss man allerdings das System auch an die Spieler anpassen und nicht nur umgekehrt verfahren. Wenn z.B. dein bevorzugtes System schnelle und konditionell starke Außenspieler benötigt, du aber keine im Kader hast, solltest du eher das System ändern als von Spielern, denen einfach die Veranlagung fehlt, etwas zu verlangen, wozu sie nicht in der Lage sind.


    Aber ich finde auch akademische Systemfragen interessant, deshalb steige ich mal ein. D9-Taktik interessiert mich, weil ich in der nächsten Saison auch, allerdings erstmals eine (mutmaßlich eher stärkere) D-Jugendmannschaft betreuen werde. Das heißt aber auch, dass ich noch keine eigenen praktischen Erfahrung mit D9 habe.


    Mein favorisirtes System ist das 4-1-3. Hier zu einige Fragen, vielleicht hat ja einer schon Erfahung sammeln können....


    Offensiv: 4-1-3 => 2-3-3 aussenverteidiger rücken auf


    Defensiv: wie sähe eure defensivformation aus?


    Nun, deine Offensivformation sowie die Verwendung einer Viererkette sieht schon sehr nach der Aufstellung aus, die David Niedermeier von der MFS bevorzugt. Er bevorzugt bei Ballverlust den möglichst schnellen Wechsel in ein 4-4-0, d.h. zwei flache Viererketten. Wenn ich es richtig verstehe, sollen dabei dann die Spieler, die sich in der Nähe des Ortes des Ballverlusts möglichst stellen und verzögern, bis die zwei Viererketten stehen und man ballorientiert agieren kann.


    Im Moment bin ich dabei, das 4-1-3 auch defensiv zu spielen. Die 3 Stürmer gehen früh drauf bzw. stellen zu. Werden sie überspielt, versuchen die beiden außen nochmal hinter den Ball zu kommen bzw. doppeln nach hinten.


    Wenn du lauffreudige und schnelle Stürmer hast, die einen technisch vielleicht nicht ganz so versierten Verteidiger effektiv unter Druck setzen können und den Ball gleich wieder zurück erobern können, ist das auch eine erfolgsversprechende Variante. Wenn deine Stürmer sogar noch eine hohe Spielintelligenz haben, setzen sie evtl. von sich aus sogar zu zweit den Verteidiger unter Druck und isolieren ihn von seinen Mitspielern.


    Problematisch könnte hingegen sein, dass dein Team im Mittelfeld große Lücken aufweisen dürfte, weil die Viererkette sich schon zurück zieht, während die Stürmer noch offensiv, d.h. nach vorne agieren. So könnten ruckzuck deine drei Offensivspieler überspielt werden. Besonders gefährdet dürften hierbei die Flügel oder Halbpositionen sein, da dein Sechser nur den zentralen Raum abdecken kann. Kommt der Gegner schnell über die sechserferne Seite, so stößt er direkt und in, wie man befürchten muss, hohem Tempo auf deine Abwehr. Das versucht David Niedermeier zu vermeiden, indem grundsätzlich bei Ballverlust sich alle Mannschaftsteile in die Defensivformation begeben.


    Ich denke, er sieht das auch unter Ausbildungszwecken so vor, da er sich, wie ich vermute, wünscht, dass sich sämtliche Spieler am Verteidigen im Mannschaftsverbund beteiligen.


    Wichtig in der defensive ist ein kompaktes verschieben und enge Abstände zwischen den mannschaftsteilen.


    Natürlich, das sind ja Grundlagen des ballorientierten Verteidigens..


    Wo müsste sich eurer Meinung nach der ballferne Außen bei einem Angriff über den anderen Flügel positionieren?


    Meinst du hier den eigenen oder den gegnerischen Angriff? Wenn ich letzteren vermute, und davon ausgehe, dass du den ballfernen Außenstürmer (und nicht etwa den Außenverteidiger) meinst, so sollte er, wie ich meine, unmittelbar den Rückwärtsgang einlegen. Wenn ich davon ausgehe, dass der AV den gegnerischen Angreifer an der Außenbahn stellt, der IV schräg hinter ihm absichert, Sechser hinzu eilt, um den Passweg in die Mitte zu zu stellen und ggf. mit dem AV zu doppeln, so entsteht in der Mitte, wo sich der Sechser befand, eine Lücke. Diese muss schnellstmöglich von einem der Offensivspieler geschlossen werden, in Frage kommen dafür der (in der Grundaufstellung) zentrale und der ballferne Spieler. Welcher es übernimmt, hängt von der konkreten Situation ab, es sollte meistens derjenige sein, der schneller dort ist.


    Welche Aufgaben hat der einzige 6er im Spielaufbau und welche in der Defensive?


    Hmm, die eines Sechsers halt. Schaue dir doch mal z.B. http://www.abwehrkette.de/artikelubersicht/ an. Grundsätzlich sind 2-3-3 und 4-4-0 den 11er-Systemen ja schon recht ähnlich.


    Viererkette: wie weit lasst ihre IV nach außen mit verschieben?


    Ich würde sie recht weit mit verschieben lassen, d.h. der IV sollte den gegnerischen Spieler, falls er den AV ausspielt, sofort wieder unter Druck setzen können. In der D vermute ich da mal als ersten Wurf sieben oder acht Meter zwischen den einzelnen Spielern der Kette. Ist jetzt aber mehr aus dem Bauch heraus.


    In der Offensive bzw. die offensiven spielen nach einem Ballverlust sofort ein "gegenspressing". Es wird also versucht der Ball sofort wieder zurück zu erobern. Die viererkette weicht hingegen bei einem Konzert zu erst zurück, um keine gefährlichen gassenpässe zuzulassen, das Spiel zu verzögern und den Gegner nach außen zu lenken.


    Diesen Abschnitt meinte ich weiter oben: ist sehr aggresiv, kann gegen schwächere bzw. weniger spielstarke Abwehrspieler sehr erfolgreich sein, gegen bessere aber auch sehr riskant und konteranfällig sein.

    Was ich vergaß: Ich habe meinem Team übrigens vor ein paar Wochen, es mögen vielleicht schon Monate sein, auch empfohlen, sich bei gegnerischem Abschlag weiter zurück zu ziehen und sich in ihren zwei Dreierreihen kompakt aufzubauen. Den Abstoß des Torhüters nicht zu stören, lieber zu warten, bis der Gegner den Ball auf eine Seite spielt, dann gemeinsam dorthin zu verschieben. Das klappt für meine Begriffe auch schon ganz gut, ich glaube schon, dass die Jungs begriffen haben, dass es besser ist, wenn man enger zusammen steht und sich so gegenseitig helfen kann, als wenn überall auf dem Platz riesige Lücken klaffen. Früher waren meine offensiver orientierten Spieler oft bedingungslos alleine auf den ballführenden Abwehrspieler zugestürmt, der dann völlig mühelos den Pass zum Neben- oder weiter vorne stehenden Mann spielen konnte, weil unsere anderen Spieler überhaupt nicht mit gemacht hatten, aber teilweise auch nicht mit machen konnten. Mein Co-Trainer lässt unsere andere Mannschaft desselben Jahrgangs leider ziemlich konsequent auf Manndeckung spielen, das ist dann immer blöd, wenn die Jungs dann im Trainingsspiel, wenn ich mal mit mache, in meiner Mannschaft spielen.. Er kennt selbst halt nur die Manndeckung, hat nie was anderes gelernt. Vielleicht thematisiere ich das heute im Training mal, es würde hinein passen.

    Ich kenne das Phänomen, das du ansprichst, auch, Ranwie. Bei uns darf allerdings, wie bei Euch, der Flachabstoß nach Toraus nicht über die Mittellinie geschossen werden. Das schaffen aber auch nur die wenigsten, daher wird häufig, wie du auch schon beobachtet hast, zum Abwehrspieler gepasst, der den Ball zurück spielt, der Torhüter nimmt ihn in die Hände und darf dann den Ball, wenn er will und kann, direkt ins gegnerische Tor ballern. Leider machen das meine Spieler auch sehr gerne und oft so. Nicht, weil ich es propagiere oder ihnen beibringe, sondern weil sie das bei anderen Teams gesehen haben, und selbst darauf gekommen sind, dass es die weniger riskante Variante ist. Denn ich habe im Team nur einige Spieler, die technisch dazu in der Lage sind, unter höherem Gegnerdruck den Ball zu behaupten und nicht entweder panisch irgendwohin zu dreschen oder ins 1:1 zu gehen und den Ball in gefühlt 80% der Fälle zu verlieren. Bei den Panischen geht der Ball dann häufig entweder ins Aus oder zum Gegner. Was auch daran liegt, dass die meisten meiner Spieler sich viel zu wenig als Anspielstationen anbieten und von den Gegenspielern lösen. Da ist dann der Torhüter oder der Abwehrspieler, der von diesem den Ball zugespielt bekam, die ärmste Sau auf dem Platz. Und dann kann ich ihnen, ehrlich gesagt, keinen Vorwurf machen, wenn sie die Pille einfach nach vorne bolzen.


    Und ja, ich arbeite daran.. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...

    Sehr interessanter Beitrag Tirus, und einer, der viel Mut macht und ganz deutlich aufzeigt, dass es nicht den einen Weg gibt, sondern dass verschiedene Kinder unterschiedliche Ansätze benötigen, dass man diese aber auch nicht unbedingt von vornherein erkennen kann, so dass auch Fehlversuche nicht auszuschließen sind. Ich stimme dir durchaus auch zu, dass man es sich keinesfalls zu leicht machen darf und Kinder vorschnell als nicht für den Fußball geeignet abschreibt, diese Schlussfolgerung aus diesem Thread zu ziehen wäre sicherlich völlig falsch. Und ich denke auch, dass es einen guten Trainer ausmacht, dass er geduldig und genau beobachtet, um heraus zu finden, woran der zunächst ja noch scheinbare Mangel an Interesse an dem Spiel bzw. die Lustlosigkeit in ihm im Einzelfall liegt. Bei Kindern ist das Selbstbewusstsein hier sicher stets Hauptverdächtiger, von den ca. 50 Kids, die ich bisher trainiert habe, gab es nur einen, der nicht von sich aus zum ersten Training kam, sondern von den Eltern, in diesem Fall der Mutter, geschickt wurde. Es ist also bei dem allermeisten Kindern am Anfang die Motivation und der Wille, Fußball zu spielen, da. Je später ein Kind mit dem Fußball anfängt, desto länger hat es in der Regel eher gelegentlich und dabei häufig auch mit anderen Kindern, die nicht im Verein spielen, gegen den Ball getreten, es kommt also mit einem Rückstand in den Verein. Da es, Kind wie es ist, damit nicht gerechnet hat, schließlich ist es ja vom Fußballspielen begeistert und ist in seinem Kreis wohl auch gar nicht schlecht, bekommt es erst mal einen Dämpfer, wenn im Verein die anderen Kinder scheinbar alle besser spielen. Dazu kommt, dass sich diese Gruppe schon als solche etabliert hat, und der Neuling erst in sie hinein finden muss, was zusätzlich hemmt. Hier ist der Trainer in erheblichem Maße gefordert. Das sollte, wie ich meine, jedem Leser dieses Threads bewusst sein. Einen Spieler schon nach ein paar Wochen als untalentiert abzuschreiben ist in den allermeisten Fällen absolut unverantwortlich.

    Bei uns in Hessen gibt es die FPL meines Wissens noch nicht, definitiv nicht bei uns im Main-Taunus-Kreis. Klar ist aber, und das geht aus saschatonis Ausführungen auch deutlich hervor, dass bei ihrer Einführung unbedingt gründliche und substanzielle Informationen an sämtliche Jugendleiter und Trainer vermittelt werden müssen, und diese sie ebenso gründlich an die Elternschaft weiter geben. Sonst ist ganz sicher mit einem ziemlichen Stotterstart zu rechnen.


    Um deine Fragen noch zu beantworten, guenter, mein Eindruck aus dem Forum ist, dass es sowohl Kreise gibt, in denen der Spielbetrieb G- bis E-Bereich, teilweise aber auch nur bis zum F-Bereich nur gemäß FPL stattfindet, es aber auch Kreise gibt, in denen man die Wahl hat, ob man sein Team in die konventionelle oder die FPL-Staffel meldet -- so scheint es bspw. bei Alexbonn zu sein. Und dann gibt es noch Kreise, in denen die FPL erprobt wird und in denen man freiwillig an diesem Experiment teilnehmen kann.


    Es gibt derzeit also noch kein einheitliches Bild.

    Basti81: Natürlich ist die Erziehung Elternsache, und als Fußballtrainer sollte man sich in die elterliche Erziehung nicht einmischen, auf jeden Fall nicht in dieser Funktion. Wenn man aber einfach so im Gespräch mit den Eltern auf dieses Thema kommt, oder Eltern den Sprössling dieses als Grund für eine Abmeldung vom Training anführen, kann man als Trainer durchaus seine Meinung dazu äußern. Selbstverständlich diplomatisch und unter dem Hinweis darauf, dass man sich nicht in ihre Erziehungsangelegenheiten einmischen will. Es kommt natürlich sehr auf den Ton an, aber wenn ein Thema dem Trainer auf dem Herzen liegt, sollte er es IMHO auch ansprechen.

    Ihr habt vollkommen Recht, der Trainer spielt hier eine entscheidende Rolle. Und ich muss auch zugeben, dass wir zu unserem Turnier auch nur uns genehme Teams eingeladen hatten, insofern habe ich das fast genau so wie du damals gemacht, guenter. Ich stimme Euch darin zu, dass ein Team, das von einem unsauberes bis unfaires Spiel vermittelnden Trainer betreut wird, sich ohne Schiedsrichter nicht besser aufführen wird als mit, das ich halte das Gegenteil für wahrscheinlicher. Auch ich kenne Teams, in denen der Gedanke, dass es durchaus legitim ist, sich auch mit den Ellbogen oder noch härteren Maßnahmen durchzusetzen, solange keine Autorität einschreitet, eher gefördert wird als dass ihm Einhalt geboten wird, wie es aus meiner Sicht im Kinderfußball unbedingt notwendig ist. Das läuft natürlich dem Fairplay-Gedanken zuwider und mit vielen solcher Teams kann die FPL nicht funktionieren.


    Die Frage ist aber doch, ob sich solche Teams auch bilden würden, wenn generell ab der G-Jugend nach FPL-Regeln gespielt würde, wenn diese Trainer, die, bei uns zumindest, glücklicherweise doch die Minderheit darstellen, frühzeitig in den Kontakt mit fairen Trainern kämen, wenn gleichzeitig die Bestimmungen in ähnlicher Weise wie Ralf Klohrs neulich von Uwe in diesem Forum veröffentlichten offenen Brief deutlich machen würden, worum es im Kinderspielbetrieb geht. Da bin ich deutlich optimistischer.


    Wir haben übrigens im März noch bei einem der Vereine, die wir eingeladen hatten, noch ein paar kürzere Freundschaftsspiele gemacht. Man muss dazu sagen, dass dies die einzige Mannschaft war, die wir zuvor tatsächlich nicht gekannt hatten. Prompt wurde wieder ohne Schiri gespielt, außerdem mit dem Futsalball, den wir ihnen bei dem Turnier geschenkt hatten. Draußen, auf Kunstrasen ist es mit dem Futsalball etwas sonderbar, aber was soll's.. Nun, die Spiele liefen von der Fairness her ziemlich gut, aber mit einer Ausnahme. Der beste Spieler der Gastgeber war völlig übermotiviert und agierte stets extrem grenzwertig, ab und an auch mal drüber. Da ging bei jedem zweiten Zweikampf der Gegenspieler zu Boden. Im dritten Spiel hatte ich davon tatsächlich genug, habe die Partie unterbrochen und bin zu ihm gegangen, um ihn freundlich, wenn auch deutlich zu bitten, doch nicht ganz so hart zu spielen, eben weil bei seinen Zweikämpfen immer jemand zu Boden geht. Danach habe ich meinen Spielern gesagt, sie sollten die Kugel zu den Gegnern spielen und weiter ging es. Dann bin ich gleich zum Gästetrainer, um ihn um Verständnis zu bitten. Er war völlig einverstanden. Später zeigte sich dann, warum dieser Spieler so verbissen war, als er nach dem letzten Spiele, das unentschieden aus gegangen war, in Tränen ausbrach: er war der letzte Mohikaner, der von der sehr erfolgreichen Vorgängermannschaft übrig geblieben war, seine ehemaligen Mannschaftskameraden spielen inzwischen in der D-Jugend. Und er muss sich nun in einer deutlich schwächeren Truppe zurecht finden, in der niemand so mit ihm spielt, wie er es schon gewohnt war. Der Junge war nicht unfair, er war einfach überfordert.


    Übrigens teile ich auch Schimanskis Ansicht, dass Eltern einen nicht unerheblichen Einfluss haben können, speziell auf weniger erfahrene und/oder junge Trainer, oft trifft ja beides zusammen. So erlebt im Handballsport unserer Tochter. Da kam zu Beginn der F-Jugend ein neuer Papa-Trainer, der früher selbst aktiv gespielt hatte. Zu Beginn hat man da richtig gemerkt, wie er sich vor allem an den Siegen und den guten Spielern gefreut hat, die weniger guten kamen deutlich weniger zum Zuge. Aber mit der Zeit hat der Einfluss der Elternschaft, und daran hatte ich tatsächlich auch einen gewissen Anteil, tauschte mich mit ihm über kindgerechtes Training und Spiel aus, mischte mich aber bewusst nicht in Aufstellungen, Einsatzzeiten o.ä. ein. Und von den Eltern kam da auch während der Spiele nur Unterstützung und immer weniger konkrete Anweisungen. Über die zwei Jahre, die seitdem vergangen ist, hat sich der Trainer zu einem richtig guten Kindertrainer entwickelt, und die Elternschaft zu einer sehr harmonischen Truppe. Erleichtert wurde das auch dadurch, dass die sportlichen Erfolge dennoch eintraten. Im Handball gibt es in der F bei uns aber übrigens keine Tabellen und der Spielbetrieb findet in Form von Turnieren statt, bei denen es keine Siegerehrung oder überhaupt genannte Platzierungen gibt. Das wirkt zusätzlich entspannend.