siso, vielleicht erklärst du noch, worin du den Unterschied zwischen der Dreier- und der Viererkette siehst, wenn es um das Abwehsverhalten geht. Klar ist, dass es einen Spieler weniger gibt, aber ich sehe im Abwehrverhalten der Kette eigentlich zwischen Dreier- und Viererkette keinen maßgeblichen Unterschied, denn beide müssen folgendes tun:
- Gemeinsam zum Ball verschieben
- Der Verteidiger, der dem Ballführenden Gegner am nächsten ist, rückt heraus und stellt den Angreifer
- Die anderen Verteidiger verschieben entsprechend, um die Lücke zu schließen -- rückt bei der Dreierkette der, oder im Falle der Viererkette, einer der beiden Innenverteidiger raus, so entsteht dabei das Abwehrdreieck, kommt der gegnerische Angriff über außen, so bildet die Kette im Ergebnis entsprechend die Sichel.
- Ballferne Gegner werden ignoriert
Aus taktischer Sicht sehe ich keinen maßgeblichen Unterschied. Bei der Dreierkette kann es naturgemäß öfter passieren, dass an den Flügeln große Räume für die Gegner entstehen, das ist systemimmanent und wird bewusst in Kauf genommen. Eltern, die lautstark Spieler aus deiner Kette darauf hinweisen, sie sollten die in diesen Räumen befindlichen gegnerischen Stürmer decken, müssen unbedingt zum Schweigen gebracht werden, sonst werden deine Kids völlig irritiert.
Sämtliche dieser Überlegungen sind natürlich nur relevant, wenn man Spieler hat, die schon wissen, wie die Kette funktioniert. Bei unserer künftigen D-Jugendmannschaft ist das Verständnis für die Kette noch nicht so richtig da, was nicht zuletzt daran liegt, dass es als gruppentaktisches Element altersklassengemäß auch noch nicht thematisiert wurde. Wir vermitteln den Spielern zwar schon, dass der Spieler mit Ball der gefährlichste ist und, dass sie sich in der Abwehrarbeit gegenseitig helfen müssen. Sie haben auch schon genug Erfahrung, um zu wissen, wie man seinen Mitspieler, der den Ballführenden angreift, absichert. Aber die Systematik dahinter haben wir noch nicht vermittelt, das möchte ich auch erst tun, wenn wir das 1:1 in der Defensive soweit durch haben, dass es auch diejenigen Spieler, die noch recht wenig Erfahrung im defensiven Bereich haben, selbstständig zeigen. Die meisten der Spieler des neuen Teams, die aus meiner bisherigen Mannschaft kommen, sind da schon recht weit, weil wir ziemlich viel rotierten, aber die aus anderen Mannschaften stammenden Spieler haben teilweise fast ausschließlich defensiv oder offensiv gespielt und weisen dementsprechende Defizite in einem der beiden Bereiche auf. Im anderen sind sie andererseits deutlich souveräner..
Wir praktizieren momentan auch das 3-2-3, das 4-4 bzw. vor allem das 2-3-3, zu dem es ja in der Offensive werden sollte, ist für unsere Kids noch ein zu großer Sprung. Viele Spieler müssen erst noch mit den etwas anspruchsvolleren Positionen der Außenverteidiger, Mittelfeldspieler und offensiven Außen klar kommen, die ja permanent sowohl Offensiv- als auch Defensivaufgaben erfüllen müssen. Hier scheinen wir wiederum in der Vergangenheit recht wirkungsvoll den Grundsatz vermittelt zu haben, dass Alle angreifen und ebenso Alle verteidigen. In den anderen Mannschaften, aus denen die Spieler stammen, scheint die Arbeitsteilung deutlicher ausgeprägt gewesen zu sein. Das scheint sich nun etwas zu rächen..
