Beiträge von Don Quijote

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    Einen Punkt will ich nochmal aufgreifen, weil der mir nicht nur in Bezug auf den Fussball Kopfzerbrechen bereitet:

    Meine Maxime war immer: die Kinder sollen ihre Sache selbst entscheiden dürfen. So entsteht für den fußballverrückt "Erziehungspflichtigen" dann der leidvolle Konflikt: gegen den Willen des Kindes den Wechsel doch erzwingen o. die scheinbar unabänderlichen Verhältnisse ertragen?

    Vollkomene Zustimmung, aber wie bestimmt denn der Erziehungsberechtigte und -pflichtige den Kinderwillen? Durch Befragung ("Willst Du weiter bei Verein XY bleiben?")? Da habe ich die Befürchtung, dass ein 9- oder 10-Jähriger diese Frage mangels Kenntnis etwaiger Alternativen nur mit "ja" beantworten kann. Oder muss man als Vater den Kleinen nicht auch mal zu "seinem Glück zwingen"?


    Um es nochmal klar zu sagen: Mir geht es mitnichten darum, einem Kind meinen Willen aufzuzwängen. Aber ich erlebe es als Vater immer wieder, dass mein Ältester im Zweifel das bekannte Übel dem umbekannten Guten vorzieht (seine Geschwister sind da anders, keine Ahnung, warum).


    Grüße
    Oliver

    Kicker, Dein Beitrag ist voller (rhetorischer?!) Fragen, wo soll man da anfangen?


    Ja, ich glaube, dass Du eine vernünftige Vorstellung vom Kinderfussball hast. Offenbar hast Du im Heimatverein einige Dumpfbacken, die ganz anders denken. Du hast versucht, Änderungen einzuleiten und bist abgebügelt worden. Ohne jetzt Deine Situation im Detail zu kennen, würde ich mich vermutlich längst nach einem anderen Verein umsehen. In einem anderen Thread schreibst Du ja, dass es alternative Verien gibt, die großen Zulauf haben. Auch da muss man wieder genau gucken, aber Zulauf heisst ja auch, dass offenbar die Kinder dort Spaß haben. ich würde das ausprobieren, statt mir eine blutige Nase nach der anderen zu holen.


    Grüße
    Oliver

    Ja, der Trainer ist entscheidend, aber er agiert natürlich immer im "System" (Vorgaben es Landesverbandes, Vereins usw.). Konkretes Beispiel: Wenn ich in der Staffelrunde wegen schwachsinniger Gruppeneinteilung mit meinem Team oft auf deutlich überlegene Gegner treffe, ist es auch für einen gutmeinenden Kindertrainer extrem schwer, an der ehernen Regel "Gleiche Einsatzzeit für alle unabhängig von der Spielstärke" fest zu halten.


    Aber um mich auch fest zu legen: Hauptziel eines Kindertrainers sollte es sein, dass der Fussball seinem Team Spaß macht. Unabhängig von den Widrigkeiten des Systems, kann ein Trainer das erreichen. Auf mein Beispiel oben bezogen: Wenn ich als Trainer weiss, dass es "Prügel" geben wird, muss ich abwägen, ob ich in solchen Spielen die Schwächeren weniger spielen lasse oder ob ich mein Team so einschätze, dass es auch bei 2stelligen Niederlagen Spaß hat. Aus meiner Sicht gibt es hier kein Patentrezept.


    Ich bin also Deiner Meinung. Günter, der Trainer hat sehr viel Einfluss. Dennoch sollte man sich weiter an den Unzulänglichkeiten des Systems "abarbeiten". Jeder Schritt in die richtige Richtung hilft.


    Grüße
    Oliver

    Kann mich mal jemand irgendwohin einladen, wo es nicht so ist?

    Komm einfach mal bei uns vorbei. Ich bin mit meinem Kurzen jetzt seid 4 Jahren auf Spielen, erst Bambini, jetzt F im Kreis Wetterau (nördlich von Frankfurt). Soetwas wie Du beschreibst, habe ich bisher kein einziges Mal erlebt. Ja, es gibt mal vereinzelt Spieler und/oder Eltern, die entweder nicht verlieren oder nicht gewinnen können (und sich dann über den Unterlegenen lustig machen), aber das was Du beschreibst, kenn ich nicht. Offenbar sind wir die Insel der Glückseligen. Oder wir haben den Schlüssel zur Deeskalation gefunden, keine Ahnung.


    Grüße
    Oliver

    TW-Trainer, aus meiner Sicht gibt es kein "Recht auf Leistungssport", wo soll das denn auch herkommen? Natürlich kann man sich wünschen und dafür einsetzen, dass man Leistungsport betreiben kann, aber ein Anrecht ist das nicht. Und natürlich bestimmt das auch nicht den "Wert" einer Sportart. Das sind doch vollkommen entkoppelte Dinge.


    Ich habe selbst Volleyball als Leistungssport betrieben (2. BL). Wenn ich mir die Trainingsumfänge anschaue, war das nicht viel weniger als das, was 2-BL-Fussballprofis machen. Geld gab's keines, sondern jedes Jahr ging die Sponsorensuche los, um wenigstens die unvermeidlichen Kosten (weite Fahrten, ggf. Hotel, Ausrüstung, Hallenmieten...) tragen zu können. Wenn man keinen Sponsor findet, geht's halt nicht. Fussball ist insofern eine Ausnahme. als sich der Leistungssport dort wirklich selbst tragen kann. In fast keiner anderen Sportart ist das der Fall. Die olympischen Sportarten z.B. hängen alle am Tropf der Sporthilfe, von mehr oder weniger frei gestellten Sportsoldaten oder -polizisten mal abgesehen.


    Grüße
    Oliver

    Tirus, Respekt für Deine Erfolge mit diesen beiden Kindern :thumbup:! Allerdings sind das aus meiner Sicht nicht die ganz problematischen, da es sich ja (wie Du beschreibst) um technisch gute und (Spieler B) auch körperlich konkurrenzfähige Spieler handelt, denen "nur" das Selbstbewusstsein fehlte, ihr Können auch umzusetzen. Ungleich schwieriger sind die Kinder, die auch technisch + körperlich schwach sind. Wenn Du für die auch ein "Erfolgsrezept" hättest, wäre ich Dir dankbar...


    Grüße
    Oliver

    Ich habe mich schlampig ausgedrückt: Ich hatte die Befürchtung, dass Du Dich wegen des Threadverlaufes als Märtyrer fühlen könntest, Dass Du aus meiner Sicht keiner wärest, habe ich deutlich machen können, oder?!

    ... Dafür habe ich noch zuviel vor, wie ich bei Gelegenheit unter "Vorstellung" noch ein wenig erläutern werde.

    Das freut mich ganz ausdrücklich :).


    Grüße
    Oliver

    100% Zustimmung, Ranwie! Ich bin auch sicher, dass man im Training Anstöße geben kann, die die Spieler wirklich weiter bringen. Beidfüssigkeit ist schon genannt, das ist etwas, was kaum ein Spieler aus eigenem Antrieb macht. Dass das nicht immer funktioniert ist klar. Aber meist klappt das. Klar ist aber auch, dass man den Einfluss des Trainings und des Trainers nicht überschätzen darf, zumal wenn Spieler nur sporadisch zum Training kommen. Mit 90min Training pro Woche wird man keine großen Sprünge machen können.


    Andre
    Pass auf, dass Du in 5 Jahren nicht sagst "Jetzt schule ich seit 5 Jahren Spielinteligenz wie verrückt, und dieselben Spiele, die schon in der D den tödlichen Pass spielen konnten, spielen ihn immer noch und die anderen haben's immer noch nicht gelernt". ;) Aus meiner Sicht sind wir als Trainer gefordert, sowohl technische Fertigkeiten als auch Spielintelligenz zu vermitteln. Optimal ist, wenn man beides verbindet.


    Grüße
    Oliver

    Da mache ich es mir einfach und zitiere Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Ausbildung):

    Zitat

    Ausbildung umfasst die Vermittlung von Vermögen, Kenntnissen und Wissen an einen Menschen beliebigen Alters durch eine ausbildende Stelle...Ausbildung unterscheidet sich vom allgemeineren Begriff Bildung durch ihre Vollendung und Zweckbestimmtheit.

    Bezogen auf den Fussball ist Ausbildung alles, was man als Trainer während des Trainings oder des Spielbetriebes zielgerichtet anstellt, um seine Spieler "besser" zu machen, wobei "besser" sich sowohl auf sportliche als auch auf persönliche Qualitäten beziehen kann.


    EDIT: Wird mir selbst erst beim erneuten Lesen deutlich: Neben dem Aspekt der Zweckbestimmtheit (was ich als "zielgericht" verstehe) betont das Wiki-Zitat auch die "Vollendung", d.h. Ausbildung hat ein definiertes Ende (im Gegensatz zu Bildung, die hoffentlich lebenslang andauert).


    Grüße
    Oliver

    Lubi, habe mir den Thread gerade nochmal durchgelesen. Witzigerweise sagen wir ja in den letzen beiden Postings fast dasselbe :). Dennoch wirst Du mit dem Punkt auf dem Elternabend nicht auf viel Gegenliebe stoßen. In schulische und/oder erzieherische Dinge lassen sich Eltern vom Fussballtrainer nicht gerne reinreden.


    Überlege Dir, wie Du mit den Spielern umgehst. Wirst Du Spieler zum Spiel einladen, die aus erzieherischen Gründen das Training versäumt haben? Oder nicht? Kriegst Du das überhaupt mit, warum jemand nicht zum Training kommt?


    Grüße
    Oliver

    EDIT: Mein Posting war als Antwort auf Follkaos gemeint. Das Posting von Lubi kannte ich da noch nicht.


    Ja, ich kann das verstehen, man fühlt sich als Vater seinem Nachwuchs ja oft vollkommen hilflos, wenn er nicht will, dann will er nicht. Dennoch denke ich, dass ein Fussballverbot als Strafe unsinnig ist:


    Den erstem Grund hat tobn schon genannt: Die Strafe hat mit dem "Vergehen" nichts oder zumindest nicht unmittelbar zu tun. Eine positive Wirkung auf die schulischen Leistungen ist daher unwahrscheinlich.


    Grund 2 ist, dass die 180 min pro Woche normalerweise nicht die sind, die dem Jungen zum Lernen wirklich fehlen.


    Grund 3 ist vielleicht ein wenig exotisch, aber ich möchte den Kindern vermitteln, dass auch zum Sport eine gewisse Verbindlichkeit gehört. Vereinstraining rangiert in meiner Welt deutlich über Aktivitäten wie z.B. PSP-Spielen oder Sportschau-Gucken (damit kann der Fussballbegeisterte Nachwuchs ja auch viel Zeit verplempern). Der Trainingsbesuch ist also gesetzt, ob bei schlechtem Wetter oder bei Unlust oder halt auch bei schlechten Noten. Nur wenn die Zeit zwischen Schule und Training nicht ausreicht zum Lernen oder für die Hausaufgaben, dann kann der Trainingsbesuch entfallen. Das ist aber eine Ausnahme.


    In meinem Team hatte ich 2 Spieler, deren Eltern sehr oft Fussballverbot verhängt haben, weil sie mit den schulischen Leistungen nicht zufrieden sind. Es fehlt natürlich die "Kontrollgruppe", aber beide sind dadurch keine engagierten Schüler geworden. Beide spielen mittlerweile leider nicht mehr, obwohl ich sicher bin, dass gerade der Fussball den beiden Erfolgserlebnisse vermittelt hat, die sich eher positiv auf ihre gesamte Persönlichkeit ausgewirkt haben.


    Grüße
    Oliver

    Das ist doch keine Frage des Entweder-Oder sondern mehr ein Sowohl-Als-Auch. Manchen Spielern kann man viel beibringen, die saugen Tipps auf wie ein Schwamm. Andere benötigen ein vernünftiges Ökosystem und wachsen dann ganz von selbst. Wenn beide Typen gleichzeitig in ein- und derselben Mannschaft sind, muss man das Training individuell für beide Typen anpassen. Insofern kann ich mit der Eingangsfrage nicht soviel anfangen. Das sind doch keine 2 Punkte, zwischen denen man sich entscheiden kann/muss.


    Grüße
    Oliver

    Was aus Deinem Posting nicht hervorgeht: Hast Du denn mal abseits des "aufregenden" Spielbetriebs mal versucht, sachlich und nüchtern mit ihm direkt zu sprechen? Erst wenn das nichts bringt, würde ich zum JL gehen, um eine kurzfristige Änderung zu erreichen


    Für die neue Saison würde ich aber vermutlich auch auf eine Trennung drängen. Dein Posting klingt nicht so, als wäret Ihr zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit in der Lage - und das ist Grundvoraussetzung für ein Trainergespann. Das musst Du unbedingt mit dem JL klären. Ob dabei die Gefahr besteht, dass Du Deinen Job verlierst und der TW-Opa das Team komplett übernimmt, weiss ich nicht.


    Grüße
    Oliver

    Interessantes Thema, weil jeder Trainer wohl solche Spieler kennt. Auch in meinem Team ist so einer und ich bin genauso unsicher wie Du. Auch meine Beobachtung ist, dass der Junge eher vor dem Fussballspielen davon läuft als mit Spaß dabei zu sein. Wenn ich ihn direkt frage, sagt er "Doch, Fussball macht mir Spaß". Aber er zeigt das nicht, weder im Training noch im Spiel.


    Als Trainer ist der Junge eine echte Herausforderung: Gerade weil er so wenig eigenen Antrieb zeigt, muss man ihn immer wieder motivieren, damit er "am Ball" bleibt. Er erfordert also hohe Aufmerksamkeit. Gleichzeitig sind die fussballerischen Lernerfolge sehr bescheiden. Ich bin auch 100% sicher, dass der Junge nur im Verein Fussball spielt, aber sicher nicht einfach mal so mit Freunden.


    Ich habe mir auch die Frage gestellt, was ich mit dem Jungen tun soll. Mein Eindruck ist, dass der Junge zum Fussball genötigt wird. Wie oben beschrieben, habe ich mit ihm selbst geredet und auch mit seinen Eltern. Die Eltern sagen mir, dass er halt ein zurückhaltender Typ ist und noch ein wenig Zeit braucht, dass er aber Spaß am Fussball hat. Letztlich lasse ich es damit bewenden und versuche ihn, möglichst unfallfrei ins Team zu integrieren. Im Training geht da ja noch (wobei auch da die Spielformen sehr schwierig sind), im Spiel ist das oft problematisch. Aber heimschicken tue ich ihn nicht, auch wenn das vielleicht das Best wäre. er ist dabei und bekommt auch seine Spieleinsätze.


    Was würdet Ihr tun?


    Grüße
    Oliver

    Aus der Ferne kannst Du das schwer beurteilen, auch wenn ein gepflegter Internetauftritt mit einem sinnvollen Jugendkonzept schon mal ein dickes Plus wäre. Wenn es so viele Vereine sind, ist es sicher eine große Stadt. Da würde ich erstmal rein auf die Entfernung vom Wohnort achten. Als nächsten Schritt würde ich vielleicht bei den 2 oder 3 in Frage kommenden Vereinen ein Probetraining machen und wenn möglich auch mal mit dem Trainer reden, um heraus zu bekommen, wie der so drauf ist. Aber entscheiden muss das letztlich Dein Sohn. Vielleicht auch erstmal mit den neuen Klassenkameraden reden, um heraus zu bekommen, wo die so kicken.


    Grüße
    Oliver


    PS: "Leistungsorientiert" heisst für mich erstmal, dass es zumindest eine Mannschaft pro Altersklasse gibt, die nach Leistung eingeteilt wird, d.h. in die schwächere Spieler nicht aufgenommen werden. Das kann heissen, dass es da auch Stammspieler und Bankdrücker gibt, es kann aber auch sein, dass alle rotieren. Da hilft nur Nachfragen. Allerdings beginnt die Leistungsorientierung meist erst später in der E oder D.