Der Grund der hohen Intensität in den NLZ liegt IMHO hauptsächlich darin begründet, dass man das Spiel des Gegners "zerstört", also eine reine Ergebnisfokussierung. Dass das auch funktioniert steht außer Frage, aber bekanntermaßen ist der Mannschaftserfolg in diesem Alter zweitrangig bzw. darf nicht auf Kosten der individuellen Entwicklung gehen. Ich bin der Meinung, dass "Spiel zerstören" für zehnjährige Kinder nicht der Hauptaspekt sein sollte, Fussball zu spielen. Natürlich gehört das zum Fussball dazu (gerade wenn es irgendwann im Erwachsenenfussball um Karrieren, Geld, Vereinsinteressen, Arbeitsplätze, Auf- und Abstieg geht). Aber ich denke, ein zehnjähriges Kind sollte Fussball hauptsächlich spielen, um sich selbst zu entfalten und Erfahrungen mit dem Ball und nicht gegen den Ball zu sammeln.
Genauso bin ich halt skeptisch, ob diese Intensität nicht zu Lasten der spielintellektuellen Entwicklung geht. Natürlich ist es gut, wenn man lernt unter erhöhtem Gegner-, Zeit- und Raumdruck zu spielen, aber ist es auch gut, wenn man nur "balljagend" unterwegs ist?
Christoph, ich verstehe Dich so:
Du unterstellst, dass das "Draufgehen"
a) alleine der Ergebnisorientierung dient
und b) das Jagen bei gegnerischem Ballbesitz die Kinder davon abhält, bei eigenem Ballbesitz konstruktiv zu sein und so die "Intensität zu Lasten der spielintellektuellen Entwicklung geht".
Am Punkt a) ist sicher viel Wahres, d.h. zu 90% ist das der Grund. Allerdings dient das Draufgehen auch dazu, den Ball zu erobern, um dann überhaupt mal die Gelegenheit zu haben, sich selbst mit Ball entfalten zu können. Ohne Ballbesitz geht das nicht. Zum anderen helfen gute Ergebnisse auch mit, den Kindern Druck zu nehmen. Auch wenn man bewußt im Team wenig auf die Ergbnisse schaut, kommt der Druck nämlich oft von außen (Eltern, Geschwister, Klassenkameraden). Wenn es da eine einfache Möglichkeit gibt, diesen Druck wegzunehmen, dann halte ich das für legitim. Klassisches Beispiel ist das Zustellen der Anspielstationen beim gegnerischen Abschlag in der Halle. Bringt spielerisch nix, aber es fallen oft leichte Tore und man kann damit das Ergebnis oft sehr verbessern.
Punkt b) kapiere ich nicht. Ich betrachte jetzt die verteidigende Mannschaft. Die hat die Option, die ballführende Mannschaft zu attackieren oder sie erstmal kommen zu lassen. In beiden Fällen ist sie erstmal nicht in Ballbesitz. Wieso hemmt dann diese Phase (egal wie die Mannschaft sich verhält) die spielerische Entwicklung der verteidigenden Mannschaft? Verstehe ich nicht. Oder beziehst Du Dich auf die angreifende Mannschaft? Die kommt bei einem pressenden Gegner natürlich nicht so zur Entfaltung. Aber genau das zwingt deren Spieler, einen Ticken schneller, präziser und schlauer zu spielen als ohne diesen Druck. Das sind doch genau die Reize, die man haben will. So hatte ich mein letztes Posting gemeint. Kapiere also auch so nicht, wieso Du die beiden Punkte "Jagen des Gegners" und "Spielintellektuelle Entwicklung" so in den Gegensatz stellst.
Bei NLZs gibt es allerdings nur kaum eine Diskussion, ob auf Grossfeld gespielt wird. Nein, hier wird sogar das 8:8 für E-Jugendliche empfohlen, damit die Handlungsschnelligkeit und Druckressistenz verbessert wird.
@schroeppke0815
Da Du Dich offenbar u.a. auf mein Posting beziehst, möchte ich das richtig stellen: Kein mir bekanntes NLZ spielt in der E schon Großfeld. Einige spielen aber speziell im Alt-Jahrgang E-Jugend schon auf dem 9er Feld, das vom DFB erst für die D-Jugend vorgesehen ist. Das kann man gut oder schlecht finden, beide Standpunkte finden sich hier im Thread.
Das 8:8 habe ich als beispielhafte Trainingsübung erwähnt, weil ich das in der U13 meines Sohnes beobachtet habe. Es war nicht meine Absicht, das für eine U11 unangepasst zu empfehlen. Denkbar wäre z.B. aber ein 3:3 oder 4:4 auf sehr engem Raum. Ich kann Dich dahingehend beruhigen, dass auch im NLZ in der U11 das 1:1 extrem großen Raum einnimmt. Zumindest war das bei meinem Sohn so, und es hat ihm gut getan. Auch in der U13 ist das immer noch ein ganz wesentliches Thema.
Den Rest Deines Postings kann ich unterschreiben. Insbesondere der Vorbildfunktion sollten sich alle Leistungsvereine bewusst sein - und da ist noch viel Luft nach oben.
Grüße
Oliver